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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1886-05-06 · N° 19. (6.5.1886) · p. Seite 74

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
15 (1886)
Issue
N° 19. (6.5.1886)
Date
1886-05-06
Page
Seite 74 (sequence 4)
Language
German
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— 74 — lieh, dass er die ל״י und ל״ל Stämme durch Contraction erklärt, so schon durch Beispiele in der Lautlehre (§ 10, e) קום für קוום und § 71, a ״in Folge 8ein6r semivocalischen Natur wird ו, wenn zweiter Badic&l, ausgestossen oder verliert doch seinen Konsonantenwerth “, und ebenso bei den Verbis 73 §) ל״ל f.): ״Die beiden identischen Konsonanten werden zu einem Doppelkouson unten zusammengezogen“. Es liegt mir hier ferne, den Streit zwischen trinnd biliteraler Theorie zum definitiven Austrag bringen zu wollen, aber gerade bei den anerkannten Vorzügen dieses Buches muss es hervorgehoben werden, dass es sich schädigt, wenn es den Lehrer zwingt, seinen Schülern etwas zu sagen, was für die Dauer unhaltbar ist. Gerade die Beweise, welche für die triliterale Natur der ל״ו und ל״ל Stämme gebracht werden, zeugen für das Gegentheil, z. B. die Wurzel ןיול durch ihre Verwandtschaft mit לוה und לות zeugt dafür, dass die eigentliche Bedeutung an der Wurzel לו ״krumm“ haftet; auch die Bildung des Intensiv- Stammes — die Bezeichnung Pilel und Polel hat Strack aufgegeben — durch die Verdoppelung des Schlussconsonanten zeigt die einsilbige Natur des Stammes ebenso, wie, dass das Neuhebräische erst die Intensiv-Form bei den ל' ו gleich dem Piel der starken Verba bildet. So finden wir in den spät biblischen Büchern □'ק in der Mischnah J13 und sogar 1ונ aus dem unzweifelhaft einsilbigen griechischen^Wort im Talmud 8 •מ שיים ,דיין ,חייל. £ Uebrigens hat Strack in der zweiten Auflage nach dieser Richtung hinzulenken begonnen, indem er (S. 103) die in der 1. Aufl fehlende Anmerkung hinzusetzte : ״Die Verba לי׳י >ל״ו, und לי ל sind nach A. Müller . . . ursprünglich biliterale . . . Stämme. . . . Wir glauben, wenigstens vorläufig, bei der bisher üb* liehen Auflassung bleiben zu sollen. Dieses ״vorläufig“ zeigt also, dass Strack wankend geworden ist. Wie weit die Bedeutung einer in einem derartigen Lesebuche aufgestellten Theorie reicht, beweist der Umstand, dass Friedrich Müller in seinem kürzlich erschienenen ״Grundriss der Sprachwissenschaft“ 3. Bd. behauptet, der Triconsonantismus sei das Merkmal, wodurch sich die semitischen Sprachen von den hamitischen und indogermanischen scheiden. Zu den besonderen Vortheilen des Buches rechne ich in erster Linie die paradigmatische Eintheilung der Feminina, die Bezeichnungen der drei Klassen der פ״י als פי״ו nnd פיי und פיצ> die Bezeichnung ״Nun demonstrativum“ 8t. epentheticum (§ 80), die Definition über die unveränderlichen Vocale (§ 11), die sorgfältig gewählten Beispiele im Anhänge, sowohl als Leseübungen, wie als Uebersetzungsaufgaben und die schöne Zusammenstellung der grammatikalischen und lexicographischen Litteratur. Andererseits kann ich nioht verhehlen, dass der gar zu gedrängte, beinahe lapidare Stil hier und da undeutlich wird, z. B. § 10a. ״Nicht Dagesch forte, sondern entweder virtuelle Verdoppelung oder Ersatzdehnung, jenes in absteigender, dieses in aufsteigender Häufigkeit bei א <ל .ה ,ח"• Diese Regel kann doch sicherlich in dieser Form kein Schüler seinem Gedächtnisse mit Nutzen einprägen. Ebenso wären besondere Paradigmen tafeln mindestens beim Verbum sehr wünschenswert!!. Zum Schlüsse nur eine kleine politische Auseinandersetzung. Von jeher haben Christen in ihrem Streben, jüdische Wissenschaft zu fördern, gerade von jüdischer Seite die bereitwilligste Anerkennung gefunden; ist es christliche Liebe, wenn man uns mit Hohn heimzahlt? Gerade Strack hat sich gelegentlich der כל גדרי-Frage doch als unparteiisch in Sachen der Wissenschaft gezeigt, warum sagt er aber (§ 28. p.): ״Das Qamez unter p und ש bei קדשים und שרשים kann trotz der jüdischen Grammatiker kein a sein.“ Sind es nicht die jüdischen Grammatiker gewesen, auf deren Werken die heutige Wissenschaft frisst? Warum verschweigt er Luzzatto’s Namen bei Q’re, wo er sich begnügt hinzuzusetzen: (gew. aber falsch קרי)? War es doch L. der zuerst auf diese falsche Bezeichnung aufmerksam gemacht hat? Trotzdem bleibt das Buoh eine vorzügliche Leistung und verdient die weiteste Verbreitung. Die Verlagshandlung hat es überdies vortrefflich ausgestattet. Brünn. Dr. Deuts ch. Gr&nwald, Dr. M., Rabbiner in Pisek. Zur Geschichte der jüdischen Gemeinden Pisek und Mirotitz. Pisek 1886. Der Verf. hält es für ein nobile officium eines jeden Rabbiners ״die Geschichte der Gemeinde, in der er zu wirken berufen ist, falls sie nicht schon vor ihm geschrieben worden, den Forschern zugänglieh zu machen“. Auch wir billigen diese Forderung, vorausgesetzt, dass die Gemeinde auch eine Geschichte hinter sich hat. Wenn sich Thatsachen ergeben, die für die Gemeinde und die grössere Gesellschaft von Belang gewesen, so sollen und müssen sie durch den Griffel des Geschichtsschreibers der Vergessenheit entrissen werden. Ob man aber von jeder Duodez- Gemeinde sagen kann, sie habe eine Geschichte hinter sich, das ist eine andere Frage. Wir meinen, es sei nioht dasselbe, zu behaupten, eine Stadt oder Gemeinde habe eine Vergangenheit und zugleich auch eine bedeutsame Geschichte hinter sich. In diesem Sinne kann man kaum von einer Geschiohte der Gemeinden Pisek und Mirotitz und vieler nach Hunderten zählenden grösserer und kleinerer Gemeinden spreohen. Auch die Aufzeichnungen des Verf.’s, so sorgsam und eingehend sie auch zusammengestellt sind, haben nur ein rein locales Interesse. Die Geschichte der Juden und selbst die Geschichte der Juden Böhmens lässt sich sehr wohl auoh ohne die Angaben des Verf.’s über Pisek und Mirotitz schreiben. Dagegen haben die Piseker und Mirotitzer allen Grund, ihrem Rabbiner für seine Mittheilungen aus der Vergangenheit dieser Gemeinden dankbar zu sein. Sohrau O./S. Dr. Jmmanuel Deutsch. Notiz. Der Talmud und die Kirchenväter: I. Ben Soma und Augustinus. — Prof. Grätz. Dr. Rahmer und M. Fried- 1 ander haben das Verdienst, in grösserem Maassstabe den Einfluss des Talmud auf die Kirchenväter nachgewiesen zu haben. Einige bisher unbeachtete Analogien mögen hier einen Platz finden: Berachot fol. 58 lesen wir זו0א ראה אוכל1םא J3 לל גב מללה בהר הבית אמר כרוך חכם חחים וברוך שברא כל אלו לשמשני. הוא היה אמר כמה יגילות יגל אדם הראשון לד שמצא פת לאכול חרש וזרל וקצר ולמר ודש וזרה וברר וטחן ורקד ולש ואפה ואחר כך אכל, ואני משכים ומוציא כל אלו מתוקנים לפני: — Augustius in sermo 227,1 sagt zu den Täuflingen: Numquid panis ille de uno grano l'actus est V Nonne rnulta erant tritici grana?sedantequamadpanemvenirent, separata erant, per aquam conjuncta sunt et post qnandam contritionem nisi enim mo 1 atur tr it icum et per aquam conspergatur, ad is tarn form am minime venit, quaspanisvocatur. Sic et V08 ante jejunii humiliatione et exorsismi sacramento quasi molebamini, accesit b&ptismum et, aqua, qua conspersi estis, ut ad formam panis veniretis “ — Man vergleiche dazu die Worte des Talmud.: — ומא הציץ עפגל! p. Berichtigung. In vor. Nr. berichtige man folgende Druckfehler: S. 69 a. Z. 8 v. u. st. ״berührt“ lies: ״bewährt“, ib. Z. 7 v. u. st. ״poetischen“ L ״praktischen“;ib. b. Z. 16 v. u. 1.אבלם; ib. Z. 14 v. u. st. “hier“ 1.״sie“; ib.Z. 5 v. u. st. ״in“ 1. ״an“; 8. 70 a. Z. 2 v. o. st I wird“ 1. ״war“. Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Woltf, Magdeburg Verlag von Robert Friese, Leipzig.

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