Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 15 (1886)
- Issue
- N° 17-18. (22.4.1886)
- Date
- 1886-04-22
- Page
- Seite 69 (sequence 5)
- Language
- German
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schrift: Jerusalem, aas der Vogel-Perspective betrachtet, East Ciiff Lodgo, das Wohnhaus des verewigten Sir Moses Mouteuore, sein Bildniss and das von Lord M. Nathans el von Rothschild za London. Erreichen diese Illastrationen aach nicht die Kunstblätter unserer deutschen Woebenand Monatshefte, 80 dienen sie immerhin der Aufgabe, den ästhetischen Sinn und den Kunstgeschmack unserer russischen Glaubensbrüder zu läutern. Mag auch dieses litterarische Unternehmen Zederbaum’8 auf fruchtbaren, ergiebigen Boden fallen und nicht verfehlen, in weiten Kreisen geistig anregend zu wirken zur Ehre unseres Glaubens und Schriftthums, zur Ehre des Judenthums und der modernen Gesittung! Sohrau O./S. Dr. Immanuel Deutsch. Sondheimer, Dr. H., Bezirksrabbiner in Heidelberg, Der Pentateuch für den Schulgebrauch. Urtext, Uebersetzung neben dem einzelnen Worte oder Satze, Erklärung und Präparation. Nebst einem Anhange: Das Wichtigste aus der hebräischen Elementar- und Formenlehre. Frankfurt am Main. Verlag von J. Kauffmann. 1886. 8°. IV u. 343 S. Die Frage über die beste Methode des Pentateuch- Unterrichtes ist, wie manche andere auf dem Gebiete der israelitischen Religionsschule, zur Zeit noch eine offene und wird wohl noch längere Zeit der endgültigen Lösung harren müssen. Praktisch wird der Pentateuchunterricht von den Lehrern an den meisten Religionsschulen gegenwärtig so gehandhabt, dass eine Reihe von Versen vom Lehrer oder von reiferen Schülern v 0 r übersetzt, die Bedeutung der einzelnen Worte dargelegt und der Sinn des Ganzen besprochen wird. In der folgenden Unterrichtsstunde haben die Schüler zu zeigen, inwieweit sie durch häuslichen Fleiss das Gelernte in sich befestigt haben. Als Hilfsmittel für die Wiederholung waren die Schüler entweder auf Präparationen oder Uebersetzungen angewiesen. Bei ersteren machte man die Bemerkung, dass es beim Uebersetzen mit der Satzbildung haperte, während bei letztern dem Schüler meistens die Bedeutung der einzelnen Worte entging. Diesem Uebelstände hilft das vorliegende Buch in der Weise ab, dass es die Ueber8etzung neben jedem einzelnen hebr. Worte oder Satze*) auffährt und dabei dooh auf eine gute deutsche Satzbildung sieht, was sich nioht von allen Schulbüchern, die auf gleichen Principien aufgebaut sind, sagen lässt. Dass die vom Verfasser angewandte Methode theoretisch unangreifbar ist, wollen wir nicht behaupten, aber wie der Verfasser sein Geschick als praktischer Schulmann bereits durch seinen ״ Geschichtlichen Religionsunterricht* (namentlich im 2. Theil) berührt hat, so hat er auch hier sioh resolut auf poetischen Boden gestellt und ein recht brauchbares!Hilfsmittel für den Pentateuchunterrioht geschaffen. Der Verf. selbst verkennt nicht, dass aer von ihm befolgten Methode ein gewisser Mechani8m u s anhafte, aber einerseits erklärt er diesen in Anbetracht der beschränkten Unterrichtszeit wenigstens im Anfänge für unvermeidbar**), anderseits verlangt er *) Dass dies oft auch bei längeren, aus 4—5 Wörtern bestehenden Sätzen geschieht, beeinträchtigt den obigen Zweck zum Theil. (Red.) **) Das würde dann doch nur für das erste B. M. und einen Theil des zweiten zutreffend sein, aber nicht für den ganzen Pentateuch. Schüler, die andere Sprachen an der Hand von Grammatik und Lexikon lernen, müssen auch die hebräische auf diese Weise lernen, es ist,“!*דרך ארוכה וקצו• Die Hülfsmittel müssen sich darauf beschränken, ihnen die Präparation zu erleichtern, nicht ganz zu ersparen; — etwa wie es das jüngst erschienene treuliche Präparationsbüchlein zum 1. B. M. mit Recht, dass die Hauptarbeit vom Lehrer in der Unterrichtsstunde geleistet und durch das lebendig• Wort das Verständniss angeregt werde. Sehr beherzigenswerth sind in dieser Beziehung die Worte der Vorrede: ״Nicht dringend genug kann dem Lehrer empfohlen werden, nur d a s für den häuslichen Fleiss aufzugeben, was vorher in der Schule genau erklärt, vor- und na oh übersetzt worden ist. Der Schwerpunkt der Arbeit muss in d i e Schale verlegt werden. Es taugt durchaus nicht, den Sohiilem zu sagen: Auf’s nächste Mal zehn Verse weiter! Durch solches Verfahren geht nicht nur Zeit und Mühe verloren, sondern auch Lust und Liebe zur Sache! Dass der Verf. nicht den ganzen Pentateuch übersetzt, sondern eine — immerhin sehr umfangreiche — Auswahl, die sich der vom Grossherzogl. Badischen Oberrathe empfohlenen ansohliesst, getroffen hat, halten wir vom Standpunkte des praktischen Schulmannes für vollkommen berechtigt und würden das Gegentheil für einen pädagogischen Missgriff erklären. Man kann als Theologe die Opfer- und levitischen Reinheitsgesetze so hoch und heilig wie nur immer halten, ohne dieselben als Lehrer in den Vordergrund des Unterrichts zu stellen. Uebrigens ist ja auch für fast alle Kapitel, die nicht mit Uebersetzung versehen sind, eine Präparation beigefügt, die für den reiferen Schüler vollkommen genügt. Die Uebersetzung ist durchgehende correct und edel, dis Erklärungen sind klar und leicht fasslich, und wenn wir auch mit der Auffassung einzelner Verse in den schwierigeren poetisehen Stücken (wie 5. B. M. 32,5), oder den Erklärungen einzelner Wörter, wie 2) אדנים. B. M. 1,16) als ״Badewanne", und 5) אפאיהם. B. M. 32,26) ״ich will hier in alle Ecken 0אר&) zerstreuen" oder der Deutung vom 2. B. M. 20,5 nioht ganz einverstanden sind*), 80 können wir doch mit bestem Gewissen das Buoh zur Einführung in die Schulen aufs Wärmste empfehlen. Eine werthvolle Bereicherung des Buches ist der grammatische Abriss am Schlüsse. Druck und Ausstattung sind tadellos; Druckfehler haben wir nioht bemerkt.**) Wenn vielleicht der Eine oder der Andere in der Höhe des Preises (gebunden 3 Mark) Anstoss nehmen könnte, so ist doch zu bedenken, dass das Buoh 22 Druckbogen stark ist and dass der Druck wegen des stets wechselnden Satzes von rechts naoh links und links naoh reohts, sowie des Wechselns der von Dr. Mattersdorf in Gleiwitz thut, das wir bei dieser Gelegenheit bestens empfehlen, (geh. 80 Pf. im Selbstverl. d. Verf.) Fir selbst haben eine Verbindung von Lexikon und Präparation schon längst geplant, an deren Ausführung wir, sobald wir nur einigermassen Zeit gewinnen, m. G. H. gehen wollen. (Red.) *) Wir sind mit noch mehreren anderen Uebersetzungen nicht einverstanden, z. B. mit den Umschreibungen aus Decenz: ״ ותהרsie ward Mutter“ (warum nicht: sie empfing?), ,ותלד ״sie bekam“ und gar ,ותל!“ שרד »u. Sara schenkte“. Man darf auch die Prüderie nicht zu weit treiben, wie z. B. ״ דמלund er vollzog die Mila (das erinnert an לשו ,ויכו לשו tat!ממד gewesen die ,״ את בשר לרלתם (בכוח־am Fleische ihres Körpers“ (st. er beschnitt das Fleisch ihrer Vorhaut). Ferner; ״ נדול עוני מנשואals dass sie vergeben werden könnte“, warum passivisch, und nicht lieber: als dass man sie vergeben konnte.!״ אחר נאהder hernach hängen blieb“, warum hier nicht passiv, ״nachher erfasst od. verwickelt“. באחת כאחת .,voll Quellen“ st. ״Gruben“, DV7I ״ כחםum die heisse Tageszeit“, כלת חיה ״wie die lebendige Zeit“, ״ כאשר תרחwenn Du Dich ausbreitest“, ״ שילחRuhe“, ״יקחהו ישאהד nimmt sie, trägt sie (richtiger ״es“ das Nest), ״ ולא חכםund mit Nichten weise“ st. einfach: unweise. ״ 2] יאמרוsie möchten sprechen“ (S. 323) st. ״dass sie nicht sprechen“. — Die Deutung des Wortes שך*י in der Mesusa als Anfangsbuchstaben von שומר דירות ישראל (S. 26C u.) halten wir geradezu für unstatthaft. (Red.) **) Wir haben bei flüchtigem Durchblättem bemerkt: S. 48, v. 33 ויישם st ויושם (K’rij, s. 322, v. 11 9 ירחףt ירחף. S. 321 Text Z. 4 v. u. 8 st. V. (Red.)