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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1886-04-22 · N° 17-18. (22.4.1886) · p. Seite 68

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
15 (1886)
Issue
N° 17-18. (22.4.1886)
Date
1886-04-22
Page
Seite 68 (sequence 4)
Language
German
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Welche Verwirrung die Bestimmung der jüdischen Daten auf Grund der in dieser Tabelle angegebenen bürgerlichen Daten haben würde, zeige :folgende Gegenüberstellung der Falsa mit ihren Berichtigungen für den 1. Tag ראש השנה der Jahre 5656—5665. Falsum. Berichtigung. 5656, 14. September den 19. September 5657, 13. מ מ 8. ff 5658, 16. מ מ 27. ff 5659, 16. מ ff 17. ff 5660, 4. מ » 5. ff 5661, 21. n * 24. ff 5662, 11. n ff 14. ff 5663, 29. ff ff 2. October 5664, 19. ff ff 22. September 5665, 3. מ ff 10. ff Wollte man nun nach diesen falschen bürgerliehen Daten für das jüd. Neujahr den jüdischen Kalender fortfuhren, so würde im Laufe der Jahre das Chaos nicht mehr zu entwirren sein. Die Tabelle S. 63 ״Almanach de Cabinet de l’annee 1737 & 2240, pour connaitre le jour de la semaine correspondant aves la date du mois“ zeigt ebenfalls, wie der Verfasser bei Aufstellung derselben die nöthige Sorgfalt ausser Acht gelassen hat. Bis zum Jahre 1900 den 28. Februar, welcher auf Mittwooh fällt, hat Alles seine Richtigkeit. Nun übersieht aber der Verfasser, dass das Säcularjahr 1900 ein gewöhnliches und kein Schaltjahr sei und beglükt uns für dieses Jahr mit einem 29. Februar, welcher natürlich auf Donnerstag fallen muss. Dieser Donner• stag ist aber in Wirklichkeit der 1. März, auf den er mithin den Freitag verlegen muss. In Folge dessen ist er bis zum Jahre 2100 den 28. Februar für jeden Wochentag um einen Tag des Monatsdatums zurück und muss bei Benutzung der Tabelle das Monatsdatum für jeden Tag um einen Tag früher genommen werden. Für das Säoularjahr 2100, welches gleiohfalls ein gewöhnliches Jahr ist, hat die Tabelle wieder einen 29. Februar und bleibt bis 2200, den 28. Febr. jeder Wochentag um 2 Tage des Monatsdatums zurück. Von 2300, den 29. Februar würde dieser Verlust schon 3 Tage betragen und so mit jedem Säcularjahr, welches nicht ein Schaltjahr ist, einen Tag mehr. Zum Glück schliesst aber die Tabelle mit dem Jahre 2240 und auch ich will diesen Artikel mit dem Bemerken schliessen, dass, da Zahlen oft Vieles beweisen müssen, die Benutzung derselben zu chronologischen Zwecken die grösste Vorsioht erheisoht. Litteratur bericht, Recensionen. Zederbaum, Dr. Alexander. המצפה Hebräische Monatsschrift. I. Jahrgang. No. 1. St. Petersburg. 1885. 74 S. Gr. 8°. Dass die Juden in allen Theilen der bevölkerten Erde sich zu acclimatisiren und heimisch zu fühlen vermögen, ist eine Wahrnehmung, welche Philo- und Anti-Semiten unumwunden zugestehen, die einen zu ihrem grossen Behagen, die anderen zu ihrem nicht eringen Missbehagen. Mehr controvers wird schon ie These sein, dass man auch die Flora des gelobten Landes mit gutem Erfolge auf nordischen Boden verpflanzen könne. Und doch gedeiht der ״Zederbaum“ seit Jahren und Jahrzehnten am rauhen Newastrande in der nord-östlichen Metropole, welche Peter, der Grosse, der capriciösen Natur durch Beharrlichkeit und Energie abgetrotzt. Wir reden natürlich nur in metaphorischem Sinne — von Herrn Zederbaum, den» bekannten, trotz seines hohen Alters thatkräftigen Redacteur des ״ .המליץHameliz“ ist nach der zielbewussten Intention des gewandten Redacteurs berufen, eine Culturaufgabe von eminenter Tragweite innerhalb der gesetzestreuen und bildungsfreundlichen russischen Judenheit zu lösen, die Aufgabe יפה תלמוד תורה עם ד״א Er steht nicht vereinzelt in diesem Kampfe für die innere Emanoipation seiner Glaubensgenossen. Neben und mit ihm schafft eine tüchtige Schaar gleichgesinnter, gewandter, treuer, sichtlich ernster, glaubenseifriger und bildungsbeflissener Arbeiter. Sogar Harkavy lässt es sich nicht nehmen, Zederbaum’s Pläne zu fordern. Hinter ihm steht — wie es scheint — ein qualitativ und quantitativ reoht ansehnliches Lesepublikum. Eine weitere Etappe auf dem Wege zu den von uns angedeuteten Zielen ist die illustrirte hebräische Monatsschrift המצפה, deren erste No. uns vorliegt. Wenn die folgenden Lieferungen das halten, was das Probeheft verspricht, dann darf mau auch dieser periodischen Zeitschrift eine glückliche Zukunft prognosticiren. Die Lesefrüchte, welche dieses Heft uns bietet, bestehen aus 19 grösseren und kleineren Aufsätzen und dichterischen Ergüssen, welche, was Reichhaltigkeit des Inhalts, Eleganz der Form, Schönheit der Sprache betrifft, auch einen gebildeten und selbst einen verwöhnten Geschmack zu befriedigen vermögen. Den Hauptpunkt des Interesses absorbiren die Skizzen und Auf- Sätze, welche die modernen russischen und jüdischrussischen Zustände streifen und beleuchten. Nicht ohne Wehmuth konnten wir die eingehenden Belehrungen über das sogen, russische Judenrecht durchlesen. Diese minutiösen und vexatorischen Bestimmungen, welohe hier ganz bedeutend sich aufstapeln, gestatten schon eine leise Ahnung von jenem ehernen Koloss des codificirten Unrechtes, da3 man russisches Judengesetz nennt. Sehr eindrucksvoll itnd in seiner antithetischen Behandlungsweise nicht ohne epigrammatische Spitze und Schärfe ist der Aufsatz, welcher aus der gewandten Feder Josua Lewinsohn’s fliesst, unter dem Titel: משפט ישראל כעמים• Das Kapitel, über ״Keuschheit“ nach Theorie und Praxis, wie die Völker der Welt, die Völker des heidnischen Alterthums und des christlichen Mittelalters, sie ausgestaltet hatten, wird in Parallele gestellt mit den uns jetzt noch massgebenden biblisch-talmudischen Anschauungen über diesen mit ganz besonderer Gewissenhaftigkeit und Liebe stets behandelten Theil der jüdischen Ethik. Dass der Vergleich durchweg zu Juda’s Gunsten ausfällt, braucht kundigen Lesern nicht erst gesagt zu werden. Wir hätten aber dringend gewünscht, dass der gelehrte Verf. seine das christliche Mittelalter betreffenden Daten aus einwandfreien, lauteren, primären, und nicht aus zweifelhaften zum Theile tendentiösen, seoundären Quellen geschöpft hätte. Seine treffliche Arbeit hätte alsdann bleibenden, wissenschaftlichen Werth für sich beanspruchen dürfen. Nicht ohne poetischen Werth sind unter den• dichterischen Ergüssen, denen allen man Schönheit der Form, Reinheit der Diotion und gewandte, durchsichtige Wiedergabe der Grundgedanken nachrühmen muss, Dolitzki’s stimmungsvolle, leider noch immer zeitgemässe Verse, welche die Aufschrift tragen: הזאב והשועל. Ein Schmerzensschrei, dem gepressten Herzender seit Jahrzehnten in Rumänien mit rafflnirter Brutalität gequälten und bis auf’s Blut gehetzten Glaubensbrüder abgelauscht, erhält in dieser an bitteren Sarkasmen reichen Fabel poetisohen Aus־ druck. Die traurigen Vorgänge in Rumänien dienen auch der gross angelegten Novelle Bermann’s היתומים zur Staffage. Vier Illustrationen zieren diese Monats-

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