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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1886-04-22 · N° 17-18. (22.4.1886) · p. Seite 67

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
15 (1886)
Issue
N° 17-18. (22.4.1886)
Date
1886-04-22
Page
Seite 67 (sequence 3)
Language
German
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schlechthin ״Rabbi“ genannt. Sein Tod fällt in das Jahr 1442. (ונפל ממנן ף״׳כ) Den Grossvater dieses Meisters, Namens Israel Alnak&wah, nannte man den Heiligen, weil er den Namen Gottes öffentlich geheiligt, da er zu Toledo mit R. Jehuda ben Ascher in Gemeinschaft mit einer Pentateuohrolle den Flammen übergeben wurde. Ascheri hatte 4 Söhne: der älteste war R. Jeohiel, von dem man erzählt, Ascheri wäre vor ihm, wenn er das Gotteshaus betrat, aufgestanden, da sein Vater ihn für gelehrter als sich selber hielt. Der zweite war R. Jacob, der Verfasser der Turim, und der dritte, Rabbi Beohai, der Verfasser (?) des unter diesen Namen bekannten Pentateuehoommentars. Dieser Oommentar ist durch folgendes Wunder uns erhalten. Ein Maranne, Namens Moses Afrangi, hatte vonseinem Vater vor dessen Tode den Auftrag erhalten, um jeden Preis zur jüdisohen Religion zurückzukehren, da beide nur zwangsweise die Taufe empfangen hatten. Da giLg nun der Mann von Stadt zu Stadt, von Land zu Land und kam auch am Morgen eines Tages — es war der 14. Nissan — auf seiner Flucht nach Toledo. In die Stadt gelangt, in der er Niemanden kannte, kam er auf den Gemüsemarkt. Dort sah er eine Magd, die auffällig viel Kräuter kaufte. Das machte ihn stutzig und nachdenklich. Wie wenn Gott ihn hier an’s Ziel gebracht hätte? Bald kam die Magd wieder und kaufte von Neuem Kräuter, und noch ein drittes Mal. Als er diesen eifrigen Einkauf von Kräutern wahrnahm, dachte er bei sich: ״ Heute ist der 14. des Nissan und ich weiss duroh Ueberlieferung aus meinem Elternhause, dass es bei den Juden Brauqh ist, am Rüsttage des Pessachfestes Kräuter einzukaufen; das ist ein göttlicher Fingerzeig!“ — Heimlich folgte er der Magd, bis diese zu ihrem Hofe gelangte. Hier erkundigte er sich nach dem Besitzer, um seiuen Namen zu erfahren und vernimmt, dass er zu den Granden der Stadt gehöre und des höchsten Ansehens bei der Regierung sioh erfreue. Darauf lässt er dem Herrn melden: ״Ein Fremder steht draussen am Thore, der Dich zu sprechen wünsoht “. Der H6rr lässt ihn eintreten und fragt ihn nach seinem Anliegen. ״Mein Anliegen“, sprach er, ״will im verborgensten Gemache vorgebracht sein“. Der Herr geleitete ihn dahin und fordert ihn auf zu reden. Dieser eröffnet ihm: ״Ich bin mit einem Geheimniss zu Dir gekommen, und ich bin des Todes, so Du es verräthst“. Nachdem Jener ihm gesohworen, Nichts zu verrathen, fuhr er fort: ״Wisse, dass ich ein Jude, Sohn eines Juden bin, dass ich an dem Glauben der Juden festhalte und nur darum von Stadt zu Stadt umherpilgere, um in den Glauben Mose ben Amrams (Gott hab’ ihn selig!) einzutreten Nun sehe ich aus Deinem Thun, dass auch Du ein Jude bist. Nimmst Du mich nun freundlich auf und kann ioh die nun folgenden Tage des Passahfestes bei Dir verweilen, Heil uns! Wo aber nicht, so will ich mein und Dein Geheimniss verrathen, dass wir beide durch die Hand der Andersgläubigen sterben“. Da erhob sich Jener, zerriss sein Gewand und raufte sein Haar und warf seiner ganzen Länge nach sich auf den Hoden hin und rief: 0״, Fluch und Verderben dem Tag, da Du diesen Hof betreten hast, um mich und meine Kinder in einem Augenblick dem Tode preiszugeben“. Darauf der Fremde: ״Das wird Dir Alles nichts nützen: Nimmst Du mich als Jude auf, dann gut; wo aber nicht ), so weisst Du, was Dir bevorsteht". So ging dies Heftige Zwiegespräch zwischen ihnen her uud hin. Als aber jener Herr die aufrichtige Absicht des Fremden erkannte, und wie so Nichts von bösen *) Hier bedarf der Text der; es ist wohl ואם לא zu lesen. Listen in ihm war, da fielen sie einander um den Hals, sohluohzten laut und die Thränen stürzten in Strömen aus ihren Augen. Der Fremde erzählte ihm sein ganzes Geheimniss. ״Woher wusstest Da, fragte ihn der Gastfreund, dass ich ein Jude bin, dass Du es mit solcher Bestimmtheit zu behaupten wagtest? ״Aus dem massenhaften Einkauf von Kräutern“, erwiderte Jener, ״die Deine Magd besorgt und weil heute Nacht das Passahfest eingeht und ich aus Ueberlieferung weiss, dass am Rüsttage dieses Festes die Juden Kräuter gar verschiedener Gattungen einzukaufen pflegen, da dachte ioh bei mir, das ist ein . von Gott bestimmtes Haus“. Der Fremde blieb nun während des Passachfestes bei ihm, ״sie feierten ein Passahfest wie nie zuvor“. (Reg. H, 23, 24.) Er theilte ihm auoh mit, dass er zu den Enkelkindern Ascheri’s gehöre. Nachdem das Fest vorüber war, gab er ihm, wie es einem solohen Manne gebührte, das Ehrengeleit und übergab ihm den Schatz des Rabbi Beohai. ״Jahre lang“, sprach er zu ihm, ״ist dieser Schatz bei mir aufbewahrt und tief verschlossen gewesen, ein Erbe von Geschlecht auf Geschlecht. Es ist das einzige Exemplar auf der Welt und aus Furcht vor den Bedrängern heimlioh augefertigt worden“. Seit dem Tage, da jener Jude das Buoh in unsere Gegend (Nord-Afrika) gebracht, ist es Dank jenem Marannen über alle Welt verbreitet worden und so jenem Manne dieses seltene Verdienst beschieden — möge sein zum Heil gedacht werden — denn das ist sicherlich eine der Gattungen der Unsterblichkeit. Der vierte Sohn Ascheri’s war jener Jehuda, der in Gemeinschaft mit dem oben genannten Heiligen und einer Pentateuohrolle verbrannt worden. — So weit habe ioh in dem Buche עומר השכחה gefunden, welches Abraham Gavison, der Grossvater meines Grossvaters verfasst hat, in der Handschrift seines gelehrten und bescheidenen Sohnes, des Arztes Rabbi Jakob, des Grossvaters meines Vaters, ,joli, der Geringste der Geringen, in der Gelehrsamkeit unzünftig und ungewandt, Mose Gavison“. Ignatz Kaufmann. Zur Kalenderkunde. Von L. Cohen, Lehrer in Rees a. Rhein. Um anzudeuten, dass Etwas unmöglich sei, bedient man sioh wohl der Redensart: ״Es wird geschehen, wenn שכת נחמו auf Mittwoch fallt“. Das ספר אמרי בינה כולל כי חשבוני המולדות ותקופות עד תשלום שנת ת״ת״ר לאלף הששי von S. Wiedersheim, Metz 1821, rückt dieses Wunder in das Bereich der Möglichkeit und schon im Jahre 5656 könnten wir’s erleben, nach der in diesem Werke aufgestellten Berechnung ש, נחמו auf Montag fallen zu sehen. In den folgenden 9 Jahren bis 5665 inol. würde man sogar diesen שכת und natürlich auch jeden andern mit allen beliebigen Wochentagen zusammenfallen sehen. Wäre das in manch anderer Beziehung praktisch angelegte Buch nicht für die Gegenwart berechnet, so würde es sich nicht der Mühe lohnen, solche Fehler aufzudeckeu. So aber befindet es sich vielleicht in den Händen Vieler, die es zur Grundlage ihrer Berechnung für die Bestimmung der heil. Fest-, Fast- und Feiertage machen und da fordert schon die Pflicht להסיר מכשיל, auf die Unbrauchbarkeit desselben für den erwähnten Zeitraum hinzuweisen. Die Tabelle S. 61 hat die Uebersehrift לוח לידע באיזה יום מחדשי החמה יבאו כל ראשי החדשים ומעדים לחדשי הלבנה משנת ת״ק״ל״ב עד ת״ר״ס״ו שהם רי׳צ״ה שנים. In Wirklichkeit und zum Glück für die Besitzer des Kalenders sind dies aber nicht 295, sondern nur 135 Jahre, die schon mit dem Jahre 5665 (A. 1!M)5) zu Ende gehen.

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