Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 15 (1886)
- Issue
- N° 11. (11.3.1886)
- Date
- 1886-03-11
- Page
- Seite 43 (sequence 3)
- Language
- German
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43 fortfährt, die menschliohen Kenntnisse ungemein. Allein der grosse Hanfe ▼erstand die mit sinnlichen Zeichen verbundenen Begriffe entweder gar nioht oder nur halb; er sah die Bildnisse und Umrisse der Dinge leioht für die Dinge selbst an. Die Gestalten, welohe ihm in der Natur nichts Entsprechendes boten, waren ihm etwas Bäthselhaftes, Geheimnissvolles, und ersengten Aberglauben, Erdichtung und Fabel, zumal da man für jede Erscheinung irgend eine, wenn auoh ungereimte Erklärung haben wollte. Indem man so die Bedeutung der Zeichen nicht mehr verstand, konnte sich der Thier- und Götzendienst entwickeln. Zur Bezeichnung moralischer Eigenschaften waren nun gerade die Thiere am passendsten. Jedes Thier hat einen bestimmten Charakter, es ist behende oder scharfsichtig, treu oder falsch u. s. w. Auoh Aesop wählte, wie Lessing treffend ausgeführt hat (Abhand• lungen über die Fabel. Werke Bd. V. S- 150 folg.), aus diesem Grunde vornehmlich Thiere zu seinen Fabeln, und noch jetzt werden von Künstlern die Götter nicht besser als duroh Thiere charakterisirt. Die unverstandene Schrift also artete in Thierdienst aus, das Bedürfniss der Schriftzeichen ward so die erste Veranlassung zur Abgötterei (8. S. 335). Wenn der Fürst von Otahaiti in einem Gottestempel nur die schwarzen Züge ״Gott, allweise, allmächtig“ u. 8. w. sehen würde, zu denen Alle sich ehrfurohtsvoll neigten, so würde er mit seinen Landsleuten gewiss über den Aberglauben der Leute lachen, welohe schwarzen Zügen auf weissem Grunde göttliche Ehre erweisen; und ähnlich ergeht es auch noch jetzt, sagt Mendelssohn, unseren Reisenden. Die Eroberer von Jerusalem fanden die Cherubim auf der Bundeslade und hielten diese Symbole der göttlichen Vorsehung und Gnade für die Götzenbilder der Juden. Besonders lehrreich ist die lange missverstandene Vor- Stellung der indischen Weisen vom Weltenbau. Nach ihnen wird das Weltall von einem Elephanten getragen, der auf einer Schildkröte steht; diese hält wiederum ein ungeheurer Bär, der auf einer unermesslichen Schlange ruht. Die Erklärung dieses Symbols ist die, dass auf der Weisheit, deren Zeichen die Schlange ist, die Stärke ruht, die in dem Bären verkörpert ist u. s. w. Die Menschheit verstand solche Bilder nicht mehr. ״Die Begriffe von Gott waren verdorben durch Gottlosigkeit und Pfaffenlist, der Geist der Wahrheit, der in den Bildern auf bewahrt werden sollte, war verduftet“ (8. S. 337). Gottlosigkeit schien besser als eine solche Religion, welche auch noch — zur Schmach des Menschengeschlechts — menschliche Opfer erheischte. Blühende Jünglinge und Mädchen wurden Opfer scheusslicher Ungethüme, die man für gefürchtete und furchtbare Götter hielt Die Philosophen freilich suchten das Volk über die wahre Bedeutung der Bilder zu belehren. Aber sie drangen nicht durch, da die Menge eben das Geheimnissvolle, Wunderbare wollte. Andere kamen auf den Gedanken, die abstracten Begriffe durch etwas auszudrücken, was solcher Missdeutung nicht ausgesetzt schien, durch Zahlen. Allein auoh hier schweifte man aus, iudem man sogar den Zahlen überirdische, geheimnissvolle Kräfte unterlegte. Vielleicht möchte der Leser durch die Austührlichkeit dieser Materie ermüdet werden. Indess, wenn wir verstehen wollen, worin die wahre Bedeutung des hebräischen Monotheismus, der bildlosen Gottesverehrung in Israel liegt, so ist es eben so nothwendig, dass wir aber das eigentliche Wesen und die Entstehung des Götzendienstes, welcher den geraden Gegensatz zum Monotheismus bildet, einen betriedisenden Aufschluss erhalten. Nur so kann man den Glauben verstehen, welcher in der heiligen Schrift niedefgelegt ist, nur 80 von dem Werthe der mcsaisehen Lehre dem Götzendienste gegenüber' daroh-, drangen sein. Und abgesehen davon, geben ans alle diese philosophischen Dedaotionen über Kirohenreoht, über ewige Wahrheiten and über den Bilderdienst ein beredtes Zeugniss von der Tiefe and Durchdachtheit, mit weloher Mendelssohn den inneren wie aussen Glauben systematisch aufgebaut und vollendet. (Fortsetzung folgt.) Daten-Berichtigungen za Dr. Zanz ״Zur Geschichte und Lltteratur*‘. Von L. Cohen in Rees a. Rhein.*) (Schluss.) 11. S. 286, No. 125.: 1609, zum vierten Tur, beendigt am letzten Kislew, Freitag (26. Dez.) 12. S. 287, No. 127: 1609 am 10. Tebet (26. Dez.) 13. S 288, No 142: Montag den 26 Tamils (24. Juli) 1596. 14. S. 289, No. 154: 1613 am 18. Jjar und 21 Tammus beendigt. 15 S 292, No. 176: Mischnajotli I ist gedruckt am 1. Cheschwan 375 (1611, 4. Octbr ); 16. Die dritte, Dienstag den 1. Elul (26. Aug) 1615. 17. S 293, No. 186: Dienstag 17. Tebet (26. Dez. 16191 und Donnerstag den 21. des zweiten Adar (28. März 1620). 18. Jbid. No. 187 : am 2. Jjar (7. Mai 1620(. 19. S. 405, 11139 ץ Wien. Montag 19. Schebat. Es kommt aber auch der Monat Tammus in der Inschrift vor Anmerk: In dem gedachten Jahre war dieses aber ein Sonntag. 20. S. 406. Iz39 Toledo. 25. Tebet Aamork : Donnerstag war der 25. Tebet.. Vergl. Rapoport im Kerem Cheraed Th 1, S. 248. 21 Jbid 1252 Regensburg Montag 11. Kislev. 22. S. 409. 1326 Toledo. 27. Cheschwan d. i. am 26. October. 23. S. 415. 1374 Regensburg. Dienstag, 8. Kislev. *) In vor. No. S. 39 Z. 6 ist 1585 (st. 1586) zu lesen. 11. Das Jahr 370 (A. 1609) war ein regelmässiges mit dem Kalenderzeichen ינכה Der 1. Kislew fiel auf Freitag, also der 30. auf 26) שבת. Dez.), üebrigens fällt dor letzte Kielew nie auf Freitag, weil der 1. Tebeth nie auf שכת fällt. 12. Im Jahre 1609 giebt es keinen 10. Tebet, da es mit dem 25. Tebet 369 beginnt und mit dem 5. Tebet 370 schliesst. Jedenfalls muss es bierheissen: 371 (A. 1610) in welchem Jahre der 10. Tebet mit d. 26. Dez. zusammenfällt. 13. Dies war der 22. Juli. Kornick hat denselben Fehler. Vergl. zu No. 58 und 61. 14. Geiger hat in seiner Recension desEingangs genannten Werkes (mitgetheilt 1m ״Litteratur-Hlatt, Beilage zum Israeliten des 19. Jahrhunderts“ 1846, S. 79( unwiderleglich nachgewiesen, dass es statt den 21. den 1. Tammus heissen müsse, worauf auch die Aum. des Herrn Dr. Zunz hinweist. 15. Dieses Datura fiel aut שבת, ist also verdächtig. 16. Dies war ein Mittwoch, denn der 1. Elul ist nie am Dienstag. Die genauen (?) Daten sind mithin auch in dem Exemplar zu Wolfenbüttel, No. 92 u. 111 falsch angegeben. 17. Die deutschen Monatsdaten waren liier 24 Dez. 1619 und 26. März 1620. Komicks Vergleichungstabelle für das Jahr 380 ist falsch. 18. Der 2. Jjar war am 5. Mai. Audi bei Kornick falsch. Vergl. vorstehende No. 19. Der 19. Tammus fiel wirklich auf einen Montag, was Herr Dr. Zuuz aber nicht bemerkt. 20. Zu diesem Datum ist zu bemerken, dass es im Jahre 1239 zweimal vorkam und zwar am Montag 3. Januar und am Donnerstag 22. Dez. Welches das richtige ist, ist aus der Angabe des Wochentages festzustellen. 21. Dev 11. Kislev war Donnerstag. Kalender השא• 22. 27. Cheschwan war 25. October. Bei Kornick falsch. 23. Der 8. Kislev war Montag. v. u. unter ״Berichtigung“ Nr. 5