Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 15 (1886)
- Issue
- N° 11. (11.3.1886)
- Date
- 1886-03-11
- Page
- Seite 42 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 42 — auch ihre heilige Gesohichte bei ihnen in Vergessenheit komme. Diesem Umstande verdankte die Septuaginta oder die alexandrinische Bibelübersetzung, die griechische Uebersetzung der heiligen Schrift, ihr Dasein. Mit der heiligen Geschichte ist aber die Religion enge verknüpft und die Religion jener Zeit gipfelte ja im Opfercultus. Dieser Umstand kam einem schlauen und ehrgeizigen Priesterling sehr zu Nutzen. Wie Ezra in den guten Zeiten Gebote und Verbote, die er suchte, im Buche Gottes fand, fand auch Onias, ein naher Anverwandter Simon II. des Gerechten, im Buche Jesaia eine Vorverkündigung, die seinen schelmischen Zwecken dienen und seinen Tempel zu Heliopolis legitimiren soll (Jesaia 19, 18—22). Die Erbauung eines Jehovatempels in einer andem Stadt, als Jerusalem und somit die Decentralisirung des Opfercultus, musste alle rechtgläubigen Juden recht unangenehm berührt haben, zum offenen Bruohe kam es jedoch nicht. Entweder hatte man politischen Takt genug, um dadurch den Unwillen der Machthaber, die einen Jehovatempel in ihrem eigenen Lande sicherlich nicht ungerne sahen, nicht herausfordern, oder weil der Tempel zu Jerusalem selbst gerade damals sehr reparaturbedürftig war und man die Mithilfe und den Einfluss der ägyptischen Juden bei Hofe, wo besonders Joseph ben Tobiab, ein Vetter des Onias, Hohepriesters zu Heliopolis, und Simon’s II , zu hohen Ehren und Ansehen gelangte, bedurfte, uin die Bewilligung zu dessen Restauration zu erlangen. Man begnügte sich daher in Jerusalem damit, dass man sich das auszeichnende Epitheton ״ עליוןhöchst, erhabenst“ beilegte. Uebrigens mochte man in Heliopolis dessen Superiorität auch anerkannt haben, denn wir finden, dass Hyrkan, ein Enkel jenes Tobiah, einen Theil seines Vermögens im Tempelschatz zu Jerusalem hinterlegt hatte. (II. Makk. 3.) Als aber die Samaritaner einen Jehovatempel in Heliopolis neu erstehen, und den baufällig gewordenen zu Jerusalem mit viel grösserer Pracht wieder herstellen sahen, erwachte auoh bei ihnen das Verlangen, auoh ihren, auf den von ihnen für heilig reclamirten Berg zu Garizim verfallenen Tempel neu aufführen zu dürfen. Simon II. gelang es jedoch, das Vorhaben dieses thörichten, von Jesus Sirach so genannten, Volkes zu vereitelu uud dies gewiss nur durch Mithilfe der ägyptischen, bei Hof angesehenen Juden, da nur sie von den Schritten der Samaritaner Kenntniss haben, sie durchkreuzen und zu Schanden machen konnten.**) Diese für die damaligen Juden so hochwichtigen Begebenheiten fielen zusammen, wie wir gesehen haben, die in Zeit Simon II., des Gerechten, des Sohnes Onias II., unter Ptolemaeus II. Philadelphus 28li—240, und war wohl Veranlassung genug, um feierlich begrüsst uud der spätem Zukunft hoch angepriesou zu werden. Im Gegentheil müssten wir uns über die Unterlassung wundern. Nur Simon II. konnte diesen Psalm zur Feier des wieder zu eröffnenden, neu restanrirten Tempels und Einweihung verfasst haben.!Jesus Sirach 50,1 ff.) Bei dem festlichen Einzuge waren nur noch wenige Stämme betheiligt. (V. 28.) Die heilige Lade mit dem Hohepriester voran (V. 2), ihnen folgten die Priester mit ihren Rauchpfannen (V. 3), dann der **} Josephus, wio auch der Talmud, die diesen Vorfall in die Zeit Alexanders des Grosson setzen, sind hier, wie in allen Vorkommnissen jener Zeit, uusichern weil verwischten Ueberlieterungen gefolgt. Die Samaritaner, die den Unwillen Alexauders dadurch heruusgefordert haben, dass sie Beinen •Statthalter Andromachus getödtet, konnten doch unmöglich kühn genug gewesen sein, ein solches Begehren an ihn zu stellen. (Keuss, Gesell, der 11. Sehr. .024.) Chor, voran die Sänger, hernaoh die Spieler und zuletzt die paukenden Jungfrauen. (VV. 5, 10, 26) Neben eingestreaten Aasfällen gegen die Abtrünnigen (VV. 7, 22, 31), die Jerusalem Conourrenz maohten, wird die Theophanie geschildert, das Deborahad (Richter 5) nachgeoildert und die Heereszüge Gottes aufgezählt, bis er eich Jerusalem oder Moriah zur unwandelbaren Ruhestätte erwählt (V. 19), wie die Zukunft allein Jerusalem gehört. (V. 30.) (Fortsetzung folgt ) Moses Mendelssohn und das Judenthum. IV. Jerusalem. Um die Einwirkung dieses Umstandes auf die Religion uud die Sitten verständlich za machen, ergeht sich Mendelssohn ia einem weiteren Exourse über die Art und Weise, wie der Mensch sioh Begriffe, Vorstellungen, Bilder und Zeichen machen lernte. Die Entwickelung der Schrift, sagt er, hat stets Einfluss auf die Gestaltung der Religion geübt. Der Mensch, der den Eindruck eines Begriffes empfängt, sucht denselben an ein sinnliches Zeichen zu heften, um ihn aus dem Gewebe seiner Vorstellung kenntlich herauszuheben. Aus solchen natürlichen und willkürliehen Zeichen sind die Sprachen entstanden Auch jede Wissenschaft beginnt mit einer Sonderung und Versinnbildlichung der Begriffe. Die Bezeichnung von Begriflen nun geschieht in doppelter Weise, für Andere durch Laute, welche eine Vorstellung des Dinges geben, für uns selbst durch sichtbare Züchen, die unsere Seele fortdauernd festzuhalteu vermag. Die ersten siohtbareu Zeiohen für abstracte Begriffe waren vermuthlich die wahrnehmbaren Diuge selbst, so der Löwe eia Zeiohen der Tapferkeit, der Hund der Treue, der Pfau der Schönheit. Allmählich daohte mau darau, statt der Dinge die Bildnisse der Dinge in Körperu uud Fläoheu darzustellen, endlich uur die Umrisse oder einen Theil der Umrisse statt des Ganzen zu zeichnen. Aus der Zusammensetzung soleher heterogener Bsstaadtheile entfaltete sioh ein bedeutungsvolles Ginze, eine Vorstullungsart, die mau Hieroglyphik nennt (s. III, S. 330). Mendelssohn beschreibt hierauf ebenso eingehend den Uebergang von der hieroglyphisohea zur alphabetischeu Schrift. Diesen Uebergang faud mau uicht so le*cht, er ist eine der glänzendsten Erfindungen des menschlichen Geistes. Man fand Gelegenheit, Rede in Schrift und Schrift in Rede umzusetzen und hierbei die hörbaren Zeichen mit den sichtbaren zu vergleichen. So erkannte der Mensch bald, dass die Zahl der bezeichnenden Laute uicht so uuoadlioh gross war, als die der bezeiohneteu Dinge; er entdeckte den Umfang der Laute uud theilte ihu m Klassen eia. Sodauu eignete er jeder Klasse ein ihr entsprechendes Zeichen aus der Hieroglyphik zu. ״Mau sieht hier, wie die Menschen allmählich, ohne Flug der Erfindungskraft, darauf haben geführt werden können, sich das Unermessliche als messbar zu denken, gleichsam den gestirnten Himmel in Figureu abzvitheilen uud so jedem Sterne seinen Orb anzuweiseu, ohne die Auzahl der Sterne zu wissen11. Da man sioh nun aber gezwungen sah, eine Menge Laute durch eben dasselbe Zeioheu wiederzugebeu, 80 suchte man nach mehreren Buchstaben, um die Laute feiner zu unterscheiden. Die Züge und Namen einer derartigen hieroglyphischen Schrift gingen in das hebräische Alphabet über, aus welohem alle übrigen bekannten Sohriften entstanden sind. Die Vervollkommnung der Schriftzeichen förderte, wie der Philosoph in seiner Untersuchung über die Entstehung der Bilderzeiohen und des Bilderdienstes