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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1886-03-11 · N° 11. (11.3.1886) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
15 (1886)
Issue
N° 11. (11.3.1886)
Date
1886-03-11
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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—— Jüdisches •J?h-rg•xv Litteratur-Blatt. Zar Bclnrhtaag •Iler )■Iwllin 114 J(in betreffe■ de■ llttenrlsehe• Br- •ekel■■■•» uf de« Gebiete der PkUo- *ephle, fleeehlehte. Kthaogripkle, Theo- ■•gie, OrieaUII■, Exegeee, Hoiületlk, MUrglk, PXdagoglk. Heraasgegeben Ton Rabbiner Dr. Moritz Rahnier. 11. flfläzz, 1886. Bicherder eiMCIilaglgci■ Lltteratar, welch• der RedActlon augeaaiidt werden. finde■ In diesem Blatte eingehende Beeprechang. Bel Einsendung ron sw ei Becenslans- Exemplaren erfolgt einmalige knrae Gratls-Inscrtto■• Da« *Jldlsche Lltteratar-Blatt« erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Buchhandlungen (in׳ Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei allen Postanstalten and Buchhandlungen 5 Mark kostet) erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit 86Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit M Mark• berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. Buchhftndler, welche direct oder durch Robert Friese in Leipzig luserace einsenden, erhalten 25 Rabatt. Inhalt: Wissenschaft 1 i che Aui Sätze: Der 68. Psalm, historischkritisch erläutert von Arthur S. Weissmann. — Moses Mendelssohn und das Judenthum. — Daten-Berichtigungen zu Dr. Zunz ״Zur Qeschichte und Litteratur“. Von L. Cohen in Rees a. Rhein. Litteraturbericht: Recensionen: Orzeszko, E. P. Meier Ezofowicz. — Jacobsohn, B. Bar Mizwah- und Confirmations-Feier. Inserate. Nachdruck nur mit •voller Quellenangabe gestattet. Der 68. Psalm historisch-kritisch erläutert von Arthur S. Weissmann. Es wäre eitle Mühe, alles Das, was über diesen Psalm geschrieben wurde, zasammenzntragen. Eduard Reusa*) hat in seiner Spezial Schrift ״Der 68. Psalm, ein Denkmal exegetischer Noth und Kunst zu Ehren der ganzen ZuDft“ (Jena 1851. 106 Seiten) die Ansichten von etwa 400 Auslegern gesammelt und auf- *) Herr Eduard Reuss, dem ich einige Conjecturen und manche Notizen zur gefälligen Beurtheilung unterbreitet habe, war 80 freundlich, in seiner bescheidenen Weise mir wie folgt zu antworten: ״Sie werden mich gütigst entschuldigen, wenn ich es so lange habe anstehen lassen, che ich Ihren für mich so schmeichelhaften Brief vom 2!). Octobor beantwortete. Er traf gerade mit dem Anfang der Collegien ein urid somit zu einer Zeit, wo der Geschäfte und Störungen mehr sind, als sonst. Auch möchte ich bitten, zu bedenken, dass bei meinem hohen Alter (82) die arbeitsfähigen Stunden sehr gegen früher reducirt sind. Was nun den Psalm 68 betrifft, so wissen Sie aus meiner eigenen Erklärung, dass ich mich, so gut es gehen mochte, au den massoretischen Text gehalten habe, den auch ich durchaus nicht als ganz rein und authentisch betrachte. Aber ich scheue mich vor Conjecturen, die ja erlaubt sind und sich oft fast unwiderstehlich aufdrängen, die aber doch meines Erachtens im besten Falle entsprechend, nie ganz sicher sind. Sie befolgen hierin andere Grundsätze urd scheinen in der Behandlung des Textes einen viel kühnem Muth zu haben, als ich. Ich erlaube mir nicht, mich darüber auszusprechen. Interessant war mir Ihr Nachweis von Parallelstellen, namentlich aus Psalm 66 und Richter 5. (Der gleiche Anfang des Deboraliedes verstand sich von selbst.) Aber vermisst habe ich eine bestimmte Erklärung über Zeit und Zweck des Psalms. Errnthen habe ich wohl, dass Sie denselben im Gegensatz zu den meisten Neueren (und allen Aeltern) für jung halten, da Sie sogar V. 18 Eiephanten an den Wagen Gottes kennen und, wenn ich Sie recht verstanden habe, auch in V. ■'12 die Makkabäer finden. Nun darin bin ich ja mit Ihnen einverstanden, dass der Psalm aus der makedonischen Zeit stammt. Aber ich bin ja mit dieser meiner vor mehr als 30 Jahren ausgesprochenen Meinung nicht durchgedrungen und eine Reihe neuerer Kritiker und Commentare und Spezialschritten (letztere namentlich von Oornill und Grill) sind mir entgegengetreten. Dass Sie sich einen Autodidakten nennen, veranlasst mich, hinzuzufügen, dass Ihre Studien bei gründlicher Fortsetzung zu weitern Hoffnungen berechtigen, da aas vorgelegte Specimen 80 originelle Ergebnisse aufwoist.“ geführt, um sie in ihr läoherliohes Nichts zurückzuweisen und seine allerdings neue und überraschende Ansicht an ihrer Stelle treten zu lassen, ohne jedoch allgemeinen Beifall za finden. Seit jener Zeit hat sich die Zahl ansehnlich vermehrt. Und weil sie die historische Veranlassung nicht erkannt haben, haben sie sich wie iu einem Kreise bewegt, ohne fortzuschreiten. Denn dass der Psalm einen geschichtlichen Hintergrund hat, geben ja alle Ausleger zu. Nur gehen sie in der Bestimmung desselben weit auseinander. Und um nur auf die äussersteu Extreme hinzuweisen, genügt es auoh nur diese anzuführen. Während Hitzig ihn in das hohe Alterthum, in die Zeiten Jehoschafats, versetzt and sogar annimmt, dass die Stelle 4. Moses 10, 35. 36 auf unsern Psalm V. 2 fusst, verlegt ihn Olshausen iu die Zeit der Kriege zwischen Ptolemaeus Philometor und Alexander Balas mit Hinweis auf I. Makk. 11, 15—18. Beide aber ohne hinreichende Anhaltspunkte. Es wird daher erlaubt sein, ohne meine Vorgänger Revue passiren zu lassen, sie zu mustern, bekriteln, ihre Mängel oder gar Lächerlichkeiten aufzudecken, meine eigene, ich möchte sagen, mir mit überwältigender Ueberzeugung sich aufdrängende Ansicht vorzutragen. Bekanntlich stand Palästina 80 Jahre unter der Botmässigkeit der Ptolemäer und erfreute sich eines Gedeihens und Wohlergehens, wie kaum je zu Zeiten seiner Selbstständigkeit. Aber zum Wohlergehen geseilte sich damals, wie zu jeder Zeit, das Verlangen naoh Wohlleben, nach Wohlgenuss. Man fing an, griechische Manieren anzunehmen, sich griechischen Sitten anzubequemen, griechisch zu reden, zn schreiben und zu denken. Und die Wandlung war eine ebenso schnelle als vollständige, so dass die Heimath diesen Neuern unheimlich zu werden begann; die theokratischen Schranken mochten ihnen auf Schritt und Tritt hemmend oder beengend auf dem Wege gestanden haben. Dazu kam noch, dass Viele von dem schimmernden Glanz und der reioh entwickelten Pracht des alexandrinischen Hofes, wie von der nahegerückten Aussicht, Reichthümer zu erwerben, angelockt, das ihnen einst so theure Land der Väter und der Verheissung verliessen, um wieder in das einstige Land der Knechtschaft zu ziehen und sioh dort niedersässig zu machen. Dort gewöhnten sie sich an. die Sprache ihrer Machthaber, die damals die Sprache der Intelligenz war, an das Griechische, so sehr, dass sie ihrer Muttersprache, in der ihr Gott zu ihren Vätern durch die Propheten und heiligen Bücher gesprochen, ganz and gar vergassen,und es erst einer Ueber- Setzung der heiligen Schriften bedurfte, damit nicht

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