Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 15 (1886)
- Issue
- N° 8. (18.2.1886)
- Date
- 1886-02-18
- Page
- Seite 31 (sequence 3)
- Language
- German
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— 31 — iähren will, dermassen mit dem umgekehrten Peitschen* stiel und schimpft es in so roher Weise, dass ein vor der Thür stehendes kleines Mädchen, welches so beneidenswerth glücklich ist, den Mann Vater zu nennen, flehentlich bat, er möchte doch ,gegen das fromme Pferd lieb“ sein. Wir wandten uns alsbald von dem hässlichen Bilde hinweg; aus unserm Innern aber will es noch nicht schwinden; noch sehen wir die Angst des Thieres, noch hören wir dessen Schimpf* namen: ״Aas, Luder, Racker, verfluchte Bestie“; noch sehen und hören wir das Kind zitternd den rohen Vater anflehen. Zwischendurch kiingen uns dann die Phrasen des ״Gedanken“helden von der ״religiösen Weihe“ des Sonntags, von dem ״unvollkommenen sabbathlichen Bild“ und ähnliche, und es regt sich, wir wollen es nicht verhehlen, der Wunsch in uns, der Held hätte jenes vollkommene sonntägliche Bild mit angeschaut. Vielleicht hätte er Mancherlei ge* lernt . . . Zur Textkritik in Raschi’s Pentateuch- Commentar. Von Dr. G. Deutsch in Brünn. Vielbenutzte Bücher unterliegen bekanntlich immer am meisten der Gefahr textlich verunstaltet zu werden, und zumal die Juden, welche das grosse Gebiet ihrer Litteratur als ein Ganzes betrachteten, das in keinem Punkte sich widersprechen dürfe, haben aus apologetischen Gründen in gutem Glauben Textesinterpolationen vorgenommen, welche, da sie jenseits aller paläographischen Forschung liegen, nur auf kritischem Wege erschlossen werden können. So mag es gekommen sein, dass von der Incorrectheit des Raschi- Textes zu II. Mos. 15. 2 selbst Dr. Berlinger in seiner Raschi-Ausgabe keine Notiz genommen hat, obwohl durch die Breite der Spraohe und die Häufung von Beispielen jedem, der mit Raschi’s Styl vertraut ist, die üneohtheit dieser Stelle auflallen muss. Dieselbe wird aber aus Jbn Ezra’s Polemik ganz besonders evident: Raschi meint עזי וזמרת יה ist nicht mit dem Targum zu übersetzen: ״meine Macht und mein Lied ist Gott,“ sondern: ״die Macht und die strafende Hand Gottes war mir zur Hilfe, indem er עזי nicht als Substantiv mit dem Pronominal-Suffix der l. sg, sondern als veraltete Form des Status constr. ähnlich wie הישבי (P8. 123. 1.) auffasst und indem er das syntaktisch auffällige ויהי in der Mitte des Satzes durch analoge Fälle zu rechtfertigen suchte. Dass עזי mit Qamez chatuph nur stat. cstr. sein könne, scheint ihm daraus hervorzugehen, dass es auss3r in den drei Stellen, wo es in gleicher Verbindung wie hier vorkommt, stets mit dem Qibbuz vocalisirt ist, dazu stellt R. in unserem Text die Regel auf: Wenn ein einsilbiges Substantiv mit Cholem im st. abs. 0על, רק, חק. ע) ein vokalisches Suffix erhält, hat die erste Silbe den Grundvocal ״u“. (In Raschi fälschlich Schurek für Qibbuz). Hingegen sagt Jbn Ezra: ״R. Salomo will einen Unterschied aufstellen zwischen עזי mit Qamez chatuph und עד mit Quibbuz und hält עזי für Status constructus, ohne dafür eine Analogie beigebraoht zu haben, ebenso hält er וזמרת für Status constructus und scheint zu meinen, dass das ויהי in Mitten des Satzes sich rechtfertigen lasse durch das Beispiel von I. Mos. 22. 4, was aber sowohl im Hebräischen als auch im Arabischen unrichtig wäre. Vielmehr ist keiu Unterschied zwischen עזי mit Qamez und עזי mit Qibbuz, denn wir finden חקי (Spr. 30.8.) und 3) חקןד. Mos. 10.14.) und ebenso in diesem Liede 2) בעוןד. Mos. 15.13.) und ferner (Ps. 21.1), daher ist das י in עזי Sutfixum der 1. sing. Jedermann sieht ein, dass, wenn Jbn Ezra den Text Raschi’s vor sich gehabt hätte, in welohem es heisst: ״Nur bei einem vokalisohen anlautenden Suffix haben die einsilbigen, von abgeleiteten Substantive den Grundvocal ״u“; vor dem Bindelaut Sch’wa mobile hingegen ״o“, er seine Polemik nicht in diese Worte kleiden konnte, welche Raschi’s Behauptung gar nicht taugieren; er hätte auch nicht gesagt, dass Raschi keinen Beweis dafür bringt, dass עזי Status constructus sein könne, wenn er die drei Beispiele in unserem Texte vor sioh gehabt hätte, obwohl ich zugeben wiii, dass man hier, wenn auch gezwungen deuten kann, Jbn Ezra meint, dass von עז der st. ost. עזי nicht nachweisbar ist. Sicherlich aber hätte Jbn Ezra nicht gesagt: R. scheint zu meinen, das ויהי in mitten des Satzes liesse sich durch 1. Mos. 22.4. rechtfertigen, wenn er die richtigen Beispiele, welche R. citiert, (l. Kon. 6.4; 2. Chr. 10.17; 4. Mos. 14.16. ib 36.f; 2. Mos. 9.21 vgl. Gesenius-Kautsch § 129 1. Anm) vor sich gehabt hätte; es ist demnach kein Zweifel, dass iu den Text Rasohi’s hier eine Interpolation von einem Abschreiber Platz gefunden hat, welche der Betreffende zur Vertheidigung Rasohi’s gegen Jbn Ezra’s Einwürfe an dieser Stelle anbrachte. Der echte Rasohi-Text wäre etwa folgender: אעקלום תרגם תוקפי ותושבחתי, עזי כמו עזי בשורק חמרת כמו וזמרתי ואני תמה על לשון המקרא שאין לך כמוהו בנקודתו במקרא אלא בג־ מקומות שהוא סמוך אצל חמרת ועוד אין באחד מרע כתוב חמרתי אלא חמרת וכלם סמוך להם ויהי לי לישועה. לכן אני אומר לישב לשון המקרא שאין עזי כמו עזי ולא חמרת כמו וזמרתי חהו השבח (עזי חמרת יה) הוא היה לי לישועה. Der sachlichen Aehnlichkeit wegen will ich hier erwähnen, dass Nachmanides zu 1. Mos. 29.27 eine Stelle aus Jbn Ezra citiert, die selbst in der Bornberg’schen Biblia rabbinica fehlt. Litteraturbericht. Recensionen. Orzeszko, E. P. Meier Ezofowicz, Erzählung aus dem Leben der Juden. Einzig autorisirte Ueber- Setzung aus dem Polnischen von Leonhard Brixen. Mit 26 Illustrationen voa M. Andriolli. Zweite Auflage, Dresden und Leipzig. Verlag von Heinrich Minden. Es geht mit Büchern wie mit den Menschen. Tausende ziehen im Laufe der Zeit au unserm Auge vorüber, die meisten ohne den geringsten Eindruok bei uns zu hiuterlassen, eine kleinere Zahl um naoh Monaten, Wochen oder Tagen wieder vergessen zu werden und nur eine ganz kleine auserlesene Schaar ist es, die wie ein echter Herzensfreund in uuserm Herzen Eingang findet, um niemals wieder darin zu erlöschen oder zu verblassen. Zu den Büchern der letzten Art zählt für mich das meiner gegenwärtigen Skizze zu Grunde liegende Werk der geistvollen Elise Orzeszko. Nie hat mir die Leotüre eines belletristisohen Buches einen grösseren Genuss gewährt und jetzt, nachdem ich es mit wachsendem, bis zur letzten Zeile anhaltendem Behagen zu Ende gelesen, ist es mir nicht mehr befremdlich, wie ein aus einer fremden Spraohe übersetztes (freilich meisterhaft übertragenes) Buch einer noch wenig populären Schriftstellerin trotz seines für unsere antisemitisch so stark durchtränkte Gegenwart bedenklichen Sujets und Titels und trotz seines durch die splendide Ausstattung bedingten hohen Preises lediglich durch