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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1886-01-14 · N° 3. (14.1.1886) · p. Seite 11

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
15 (1886)
Issue
N° 3. (14.1.1886)
Date
1886-01-14
Page
Seite 11 (sequence 3)
Language
German
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— 11*— Dieses Gedicht feiert den Geburtstag des am 2. Februar 1783 zu Weimar geborenen Herzogs Karl Friedrich ▼on Saohsen-Weimar-Eisenach, des Vaters Ihrer Majestät der deutschen Kaiserin und Königin von Preussen und des jetzt regierenden Grossherzogs Karl Alexander von Sachsen; er ist am 8. Juli 1853 zu Weimar gestorben. . Der erste Druck dieses Gedichtes wurde in Weimar von dem*Für־tl. privil. Hofbuchdrucker Conrad Leon* h&rd Glüsing, geb. 1741, aasgeiührt. Das Gedicht erschien in der Hofbuohhandlung von Carl Ludolph Hoffmann’s Wittib und Erben ln Weimar und wurde das erste Mal mit Angabe des Dichters in ״Weimarisohe Wöchentliche Anzeigen, Ko. 20, Sonnabend, den 8. März 1783“ angezeigt: Lobgesang auf die hocherfreuliche Entbindung der Durchlauchtigsten Herzogin Luise . . . von Gabriel Ulmann (gefertigt von Moses Mendelssohn, in hebräischer und teutscher Sprache) in Folio. 1 Gr. Nähere Beziehungen des Herausgebers Gabriel Ulmann zu dem Verfasser des Gedichtes können wir nicht nachweisen.*) Unter der Regierung des lle10/־gs Ernst August Constantin von Sachsen, dem Gemahl der berühmten Herzogin Anna Amalia und dem Vater des Grossherzogs Karl August, war Gabriel Ulmafln im Jahre 1707 aus Bamberg nach Weimar gekommen, hatte hier ein Bankgeschäft gegründet, starb am 15. April 181(i als Hofkommissair und Banquier, und wurde die Handlung von seinem 80hne Ephraim fortgefulirt. Von seinen Nachkommen leben noch in Weimar der MedicinalrathI)r. Klaudius Ulmann und dessen Schwester Elise, Wittwe des am 29. Juui 185:5 in ׳jandsberg an der Warthe verstorbenen l)r. Eduard Boas. Der zweite Abdruck der Mendelssohn’sohen Dichtuug (hebräisch und deutsch) erschien S. 52—55 in der Sammlung von Reden und Glückwünsohungs-Gedichten auf die durch Gottes Gnade am 2. Februar 178:1 geschehene Höehsterfreuliche Geburth des Durchlauchtigsten Fürsten und Herrn, Herrn Carl Friedrich, Erb-Prinzen zu Sachsen- Weimar und Eisenach etc. und den darauf am 9. März Höchstbeglückt erfolgten Kirchgang der Durchlauchtigsten Fürstin und Frau, Frauen Louise, Herzogin zu Sachsen- Weimar und Eisenach etc. gebohrner Landgräfin zu Hessen- Darmstadt etc. Nebst vorhergehender Nachricht von denen deshalb allhier ungestellten Foverlichkeiten. Weimar, zu haben bev J. Dornberger. 8. Mit 1 Titelkupter (Triumphbogen) von Wilh. Waitz. Sprachliches zur jüdischen Ethik. Eine Studie von Rabbiner Dr. M. Löwy-Temesvär. Von einem Freunde auf R. v. Jhering’s ״Zweck im Recht“*) aufmerksam gemacht, ist es mir,־ freilich erst unter der Lectüre des 2. Bandes, nicht wenig aufgefallen, einer Besprechung oder dooh irgend einer Kenntnissnahme von dem reichen Inhalt dieses Werkes des berühmten Rechtslehrers in diesen Blättern noch gar nicht begegnet zu sein. Denn, abgesehen von dem grossen Raum, welchen der Verf. hier für die Ethik überhaupt, sowohl principiell, als für den Springpunkt seines Rechtssystems, als auch formell, was die Ausdehnung und Tiefe seiner ethischen Untersuohungen betrifft, in Anspruch nimmt, enthält dies bedeutsame Werk auch noch so manche Einzelheit, welche insbesondere auch für die Forscher auf dem Gebiete der Ethik des Judenthums, ohne Zweifel ungemein interessant und anregend sein möchte. So namentlich auch im sprachlichen Theile. Man wird dem Verf nächst der Zustimmung za dem Resultat seiner Auseinandersetzung über ״Die Autorität *) Wie Herr Max Weinberg uns mittheilt, war Gabriel Ulmann der Grossvater des verdienstvollen Professors R u b o in Berlin, dessen Mutter eine geborene Ulmann aus Weimar und Schwester der weiter erwähnten Frau des Dr. Eduard Boas war. (Red.) *) Der Zweck im Recht, von Rud. von Jheving, bisher 2 Bde. Leipzig 1877 (2. Aufl. 1883) und 1884. der Sprache in den Dingen des Sittlichen“ (Bd. 2. S. 14—20) im Ganzen und Grossen wohl auch einräumen müssen, dass der Zweig der Sprachforschung, dessen Aufgabe es wäre, unter dem Wechsel der Spraohformen au oh diese innere Eortbildung der (ethischen) Begriffe, das allmälige Wachsthum der Ideen zu verfolgen“ — ״zur Zeit noch wenig ausgebildet sei“, oder mit anderen Worten, dass die enormen Resultate der modernen Sprachforschung bisher lange noch nicht so ausgiebig, als man erwarten konnte, im Dienste der Ethik, zur Beleuohtuug der Entstehung und Entwickelung der sittlichen Begriffe bei den verschiedenen Völkern, verwerthet worden seien. Am allerwenigsten aber ist so etwas wohl bislang für die biblische und nachbiblische (talmudisohe) jüdische Ethik geschehen — und dürfte es sioh wohl als eine dankenswerthe Aufgabe erweisen, den Sprachschätz der Bibel und des talmudischen Schriftthums, auch in dieser Absicht, zunächst ungefähr nach dem bei Jhering gegebenen Vorgang, unter Benützung des doppelten Anhaltpunktes der Etymologie und des Sprachgebrauchs, recht gründlich zu durchforschen und zu bearbeiten. Diese Aufgabe berufeneren und mehr als wir, auch äusserlich, mit den dazu erforderlichen Hilfemittein versehenen Kräften überlassend — es ist ja in diesen Blättern wiederholt davon die Rede gewesen, dass wir in Bälde einer neuen, umfassenden Bearbeitung der jüdischen Ethik gewärtigen sollten, — wollen wir unserseits uns hier blos darauf beschränken, eine einzelne, freilich recht hervorstechende, axiomatisohe Behauptung Jherings einer Kritik zu unterziehen — und an dem Faden dei selben vielleicht auch ein gewisses positives Resultat, bezüglich der Frage nach dem sprachlichen Ausdruck für das Sittliche, auf hebräisch - jüdischem Boden, zu gewinnen. Ein Versuch, za dessen subjectiver Rechtfertigung man uns vielleicht gestatten wird, auf das Geständniss Jhering’s selbst (A. a. O. S. 17) hinzu weisen, wonach er sich auf dem Gebiete der Sprachforschung nur als Dilettant fühle — 80 dass auch wir, für unsern Dilettanti8mus, nur um so eher auf die Naohsicht der geneigten Leser wohl zählen dürfen. _ (Fortsetzung folgt.) Litteraturbericht. Recensionen. Fürst Bismarck und der Antisemitismus. Wien 1886. Verlag von Hugo Engel. (Schluss.) Wir haben diese Stilprobe eingeschaltet, um von dem schönen Pathos des Verfassers Kunde zu geben, das in stadentischen Kreisen durchaus wohlthätig wirken müsste. Zugleich aber muss gerade hierbei in heutiger Zeit vor Uebertreibungen gewarnt werden und Einiges zur Entschuldigung Schefiel’s und anderer literarischer Koryphäen beigebracht werden. Die Gelegenheit, die Tactlosigkeit eines jüdischen Schrift• Stellers, der sioh als Vertheidiger des Judenthums aufspielt, des Herrn J. Singer (ebenfalls in Wien) genügend za charakterisiren, badet sich so leicht nicht wieder und die Sache ist wiohtig genug, da die gesammte antisemitische Presse nicht nur, sondern auch die ersten Koryphäen der Wissenschaft durch besagten Herrn Singer in der That stark gereizt worden, — was das heute bedeutet, wenn Jemand so im Namen des Judenthums handelt, kann sioh Jeder leicht ausmalen. Herr Victor v. Scheffel, so wenig wie der durchaus humane Dubois Reymond, der im Grunde ganz dasselbe Urtheil abgab, wie Scheffel

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