Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 14 (1885)
- Issue
- N° 52. (24.12.1885)
- Date
- 1885-12-24
- Page
- Seite 205 (sequence 3)
- Language
- German
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— 205 — Die Frage, die ja das gewöhnliche, religiöse Leben gar nicht tangirte, war neu; darüber gab es in den rabbinischen Schulen gar keine recipirte Meinung — was Goldtahn unrichtig annimmk — B. Pturi und R. Akiba haben dieselbe zuerst in den Kreis dos Gesetzesstudiums gezogen. Jesus und B. Pturi stehen aber in gar keiner Beziehung.*) ‘Werscheta. Dr. Sidon. Litten.. Reeensionen. »VIII, Alexandre. Le pentateuque selon Mo'ise et le pentateuque selon Esra. — Deuxieme partie, fin de la Genese. Paris, Denton. 1 *SG. Sie muthen mir Schweres zu, geehrter Herr Re* dacteur, da Sie mir den zweiten Theil eines Buches zuschicken, damit ich mir über die Ansichten des Verfassers ein Urtheil bilde. Das ״ex ungue leouem“ ist, dabei auch nicht angebracht — denn das Brüllen erinnert höchstens an Shakespeare’s Sommernachtsträum. ״Ich bin es" das klingt von der Mitte (vom Anfänge kann ich ja nicht sprechen) bis zum : Ende durch, ja bis über das Kude hiuaus, denn auf j der Rückseite macht ein ״Avis au lecteur“ darauf; aufmerksam, dass nur Ü00 Exemplare abgezogen werj den und dass das vollendete Werk mindestens .־!() | Franken kosten wird! ״ Doch was soll mir der ״Schluss?“ j rufen Sic ungeduldig. ״Haben Sie Sich überzeugt, ן dass System darin ist, wenn Weill von Gottes Liebe ' nichts wissen will, da er nur die Stellen als echt anerkennt, in welchen von Gottes Gerechtigkeit gesprachen ist“? Ja, das habe ich gesehen — und bleibe dabei, es bekundet einen tiefen, heillosen Mangel an aller Pietät, was Herr W. in deutschen Versen oder in französicher Bibelkritik leistet! Mit dem Schimpfen auf Esra und die Esraisten hat der Herr sich nur einen Prügeljuugeu geschaffen, dem er Alles aufbiirdet. was ihm von Moses nicht gefällt. Er macht’s nicht um ein Haar anders, als der l’Autisemitique, der einfach sagte, ״der Jude ist’s, was uns nicht gefäüt“. Hat man früher mit dem Scherzworte: ״Jeder Jude hat seinen eigenen Schulchan Aruch“, einen üusserlichen Missstand bezeichnet, so kann es jetzt bald heissen: Jeder Jude hat seine eigene Bibel — und wenn er ein verdorbener Bachur ist, so treibt er damit seinen blaspheinireuden Spott. Beweis dafür das launische Behagen, mit dem Herr W. erzählt, wie er als!,.!Jähriger sich erdreistet, aus der Thora v orzuleseu 2*בת אלד statt ״ 1-״תm einem Mädchen ein Compliment zu machen! ) Nun spielt sich Herr W. als Lamdan auf — (ist er ein וקן ששבח תלמידי?) ein Lamdan, der von der Chaliza sagt (S. 1!•:!): ״Couinie il y a des veuves riches, qui veuleut se remarier, le rabbin ne la rcinarie pas saus qu’ eile ait un ecrit de halitza signö du fröre de son raari dcfuut, et parfois celui־ci en lait un pretexte de chantage“ — ״da es reiche Wittwen giebt, welche sich wieder verheirathen wollen, traut sie der Rabbiner nicht, ohne dass sie einen Ch&lizabriet haben, der von dem Bruder ihre* verstorbenen Mannes unterschrieben ' ist, und oft macht dieser daraus einen Grnnd für Erpressung!“ Das stimmt auffällig mit der sonstigen Bekundung der Gelehrsamkeit! Dass sehr Vieles ge?8treich ist, braucht nicht gesagt zu werden. Manches Geistreiche ist sogar wichtig, wie das IX. Capitol — ״Rechte ohne Pflichten zu verlangen, ist das Unglück der modernen Welt, — daran krankt sie, daher ihre Laster — Moses dagegen kennt nur Pflichten“ filier möchten wir das ״nur“ bemängeln — denn jeder Pflicht entspricht ein Recht.), dass Weiupflauzen und Fleischessen gleichzeitig beginnen, dass nur Gottgläubige eine Gemeinschaft bilden können, Ungläubige aber sich nicht unterardnen (Lehre des Thurmbaues). Dagegen ist es geradezu unbegreiflich, wie eine Theorie, welche Inspiration und Prophetie zulässt, ja, deren Begründer sich selbst einen Propheten nennt, jeden Gottesbund als Liigo und Fiction, als ״esraistischc Erdichtung“ zurückweist. Und die Frage, weshalb Gott nöthig gehabt hat, die Israeliten in Aegypten und in der Wüste sich quälen zu lassen, sind so naiv, dass mau W.’s Esprit zu ihrer Beantwortung nicht braucht. So gcht’s, wenn mau mit einem vorgefassten Plane au eine Arbeit geht. Von seinen deutsehen Verben heisst’s ״Reim’ dich, oder ich fress’ dich“ — und von seiner französischen Bibulkuude heisst’s: ״Schick’ dich, oder ich erklär dich für gefälscht“. Die eine Frage hätten wir gern beantwortet: Warum hat Herr W. seine Verse nicht französisch und seine Bibelkritik nicht deutsch geschrieben? Fürchtet er, dass Beide dann recht strengen Richtern vorgelegt wären? Der Herr W. ist gar stolz darauf, dass er als der Erste es erkannt hat, wie in der Opferung Isaks das Verbot der Menschenopfer die Hauptsache ist. Nun, wir wissen nicht, ob dies in der Tliat so ist. Aber die deutschen Theologen haben aus dieser Entdeckung nicht viel Wesens gemacht, weil 1. die Beschneidung lange vorher geboten worden ist und diese als Ersatz des < )pfers angesehen werden kann, und .. die Stelle Taauis 1 a לא ללתר. עי* לבי וה יצחק בן אברהם besonders neben Micha 0,7 דאתן בכיר־'פשעי j die Entdeckung sehr r.aho legt. Da Rebecka und Joseph die Lieblingsgestalten des Verkünders dos neuen Mosaismus sind — kommen sowohl Isak, als auch die übrigen Söhue Jacobs schlecht fort. Nun wäre das Hiutreten Juda’s vor Joseph ein zu schöner Zug in dem Bilde des ״schlechtesten* Stammvaters gowesen — also wird es lorlgelassen. — In dieser Manier kann man aus Allem Alles machen — man kann, wie der selige Rector llorwitz in Berlin einst drastisch sagte, so deu Beweis führen, dass Bernstein ein Phünicier gewesen ist, der vor :!000 Jahren gelebt hat — hier also, dass Herr Weill mit zu den esraistischcn Fälschern gehöre! Noch schrecklicher, 3b; die Bibelkritik sind die gelegentlichen Proben der sprachvergleichenden Studien — ניב und nipjien,;יי und Liebe, love — und dergleichen mehr! Es ist schade, dass manch schöner Gedanke in solchem Wüste untergeht. Freiburg. L 0 w i n. Notizen. ') Dass דרש die allgemeinste Hedi-utung hat in lir/.ug : aut <las Vertragen jedwede» religiösen!״eluinlialts geht aus | vielen Stellen hermr, unter andern: .Mise'oiah Ketubotli IV, 0: i Sabbat 21b mit mul ohne בא" דבת*ב; ibid. sä zweimal: Ite/.a | :10a. Suta 1 la; ibid. .,t:'». Seharl-inn bann dagegen nicht hellen. ן '•) .lettisch almi Sota V, 7 ist wohl zu ,TV.T 1 ת:* בשם ר׳ zu ergänzen: *Tüß [U. | In den chronologischen Haudhuchern wie J'CnV ,t *• findet sieb weder 'TÜD p «׳*cli 'TuS P .־>T,T. ’) Da« erinnert ja an die frivole Wortverdreliung eines י׳ס! :קורא p ,׳ ונם לאמתך תעשרhoA.! 1. זכר und רחם• K-» i*t ♦ 1!u!!«1!! >*, dass der Hebräer «las Lenken dem Manne und die Liehe dem Weihe zu* weint, denn dass er ״Lenken“1 mit und ״Lüben“ mit רחם bc/.ei• huet, hat darin neinm tiruiid, dann ״ 21רMann“ und רחם ,,MiiUfTHrletoV* heisst. Ks »oll hiern.it ausi'edruckt werden, «lass, wie •lein Manne das L< hken, so dem Weihe die Lieb• von Natur eigen nein müsse. Lin Mann, der ui« Lt donkt, ^OdankenloH sj»ri< ht und )!andelt, ist ein eherne» unnatürliche* We־»en, wie ein Weih, das zu lieben nicht tahi# int. Hin• Mutter, 11:111, lieh• mul *׳etuhllo* ^;e^eu ihr eigenes Kind, da• hie ׳;elxiren und im Mutterschnofisu getrane!^ nennen wir un• menschlich; eine *dr.ho *teilt unter dem Thierc Mau ertr.tjjt 881169