Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 14 (1885)
- Issue
- N° 52. (24.12.1885)
- Date
- 1885-12-24
- Page
- Seite 204 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 204 — ־Wir geben non Einiges 409 dem Neuen hanno▼. Gesangbuch: Ko. M,2: Du wirst klein, Da groiser Gott. Ko.!><,4: Dein Blut soll mich stets vergnügen. Ko. ll'v»: Br reisset durch die lliill; ich hin stets sein Gesell. Ko. üüt*,ü: Wer sieh will zu dein Tisch machen, Iler heb wohl Acht auf seilt# Sachen. Ko. 441,1: Er kennet ja uns dlrfl'gern Erdeotdpfe. Ko.;'>18,'•: Sei Vater aller Kinder, der Schwängern. . Ferner bringen wir einige Proben von Formen* Schönheit ans dem alten Dresdener Gesangbuch, neu herausgegeben unter Genehmigung der König* liehen Konsistorien der Provinzen Brandenburg, Sachsen und Schlesien und des evang. Oberkirchenraths: Ko 2'Hi: Herr, ich will gar gerne bieiUn, Wie ich biu Dein armer Hand, Will anch anders nicht beschreiben Midi und meines Herzens Grund: Denn ich fbMe, was ich sei: Allos Br.se wohnt mir bei. Ich bin aller Schuld ergeben. Unrein ist mein ganzes Leben. Hiiiiuiach ist meiu Zorn und Kifer, Hündisch ist ■nein Neid and Hass, Hündisch ist mein Zank and Geifer, Hündisch ist mein Kaub and Frass, Ja, wenn ich mich recht genau, Als ich billig soll, lieschan, Halt ich mich in vielen Sache■ Acrger. als die Hund es machen. Kennt der Verf. der .Gedanken“ aus der hebr. Morgenandacht das Gebet: Ribbon kol haolamim, 10 &1 zidkothenu? — — — No. 110 sei nur obenhin berührt, indess repro* dneiren wir No. -,OO, V. 9. u. 10: Wenn Du wirst in Deinem Grimm Durch des strengen Unheils Stimm Zu der Hollen Pfahl und Flammen Die verflachte Schaar verdammen, Sprich mir wie den Fromme!• za: Komm Gesegneter auch dn: Dass ich in des Himmels Saal Unter Deiner Heil’gen Zahl Freudenvoll 01111' einzig Leid Leb" in alb‘ Ewigkeit. Ko .•»1,2•־•: Dein Fleisch wird micli einst aitlcr wocken 11. s. w. Ko. : Ja in dem Fleische, «las bis stirbt, Und in dem Stank uuil Koth verdirbt, Darin wenl* ich Gott sehen. Aus dem ״ Bramlenburgischen Gesang * Buch approbirt von einem hochpreislichen Ober-Consistorio, führen wir nur V. 5 der No. 2 1 ״ (Sonntagslied) an: Dio Null! hat wahrlich kein Gesetz Uml U1s>t ihr ni«11׳ts verbieten, Obgleich ein jüdisches Geschwätz Die Liebe will verhüten; Denn Jesus heilt ״m .Sabfcafhstag Die Wassersucht, als eine Plag, Die o-zhig war zu heilen. AVio formeuschön ':יז d — hoffentlich wird uns dieses eine abfällige Urtheil über einen Gebets* Inhalt Niemand veiübeln — wie wahr! Wir erinneru an die bereits erwähute talmudischo Vorschrift, in Notlifallen (inischum pickuach nefesch) das Sabbathgebot nicht zu beachten, au die biblische Vorschrift, am Sabbath dem Knecht, der Magd und selbst dem Vieh Ruhe zu gönnen, au die Thatsache, «lass sich die frömmsten jüdischen Aerzte nie geweigert haben und nie weigern werden, am .Sabbath Kranke zu heilen, und dass fromme Juden stet* gern am Sabbath Arme gespeist haben und noch jetzt speisen. Ungeachtet alles dessen ״will ein jüdisches Geschwätz die Liebe am Sabbath verhüten*! Das wagt Gross und Klein «lern Gott der Wahrheit zu singen, ja, gar manche ״irowme“ Gutsherrscliafl wagt es, die sich im Winter am ״Tage des Herrn* zur Kirche fahren lasst und weiss, dass draussen Knecht und Pferde vor Kalte starren! — — — O, Sie Mann der ״Gedanken“, wie sehr könnte ich Ihnen das rorstehende Kapitel noch erweitern, wie viel könnte ich. Ihnen in demselben noch sagen! Doch, wenn Sie in Ihrem Leben je einmal wahrhaft jüdisch gebetet, gedacht und empfanden haben, wird Ihnen das Vorstehende genägen. . . . (Fortsetzung felgt.) Wer ist Ben Patira? Unter dieser Ueberschrift stellt Herr M. S. Rens im Littbl. Nr. 42 die Vermuthnng auf, dass unter פטורא P (B. Mezia 62 a) Jesas gemeint und die Etymolog’.e dafür in ״filius natris“ za suchen wäre. In Nr. 44 kommt Dr. G old fann auf diesen Gegenstand in einem Artikel zurück, der mehrere ganz richtige Bomerkungea enthält — trotz der Entgegnung des Herr M. S. Rens in No. 49 — worin aber die Hauptfrage nach der Person des B. Patira — gar nicht in Verhandlung gezogen wird. Nun ist aber jene Hypothese hauptsächlich aus der Annahme hervorgegangen, dass der Name פטורא p — B. Mezia 62a — ein Unikum in der talmudischen Litteratur ist, and die Untersuchung hätte vor Allem darauf eingehen müssen, ob denn diese Annahme der Wahrheit entspricht? Würde diesem Punkt die gehörige Aufmerksamkeit geschenkt worden sein, so wäre man darant geführt worden, da»» ausser B. Mezia 62 a und der Paralellst. im Sifra der Name פטורי p — diese Schreibung, die sich dreimal vorfindet, wird man für die richtige halten müssen — noch zweimal in der Tosofta (Sota V, 1 .‘t, ibid. VI, 2 edit. Zuckermandl) erscheint: פטורי משום ר׳ p ר׳ יהושע אומי דרש ד׳ יהודה עקיביא; ר׳ יהושע אומר משום בן פטורי An dieser Stelle erhalten wir sogar Auskunf t über den vollen Namen, indem als der eigentliche Name des nach seinem Vater benannten Tanaiten יהודה angegeben ist; aus beiden geht als sicher hervor, dass wir es mit einem Tanaiten zu thun haben, der zu dem Tanaitenkreis des ß. Josua und R. Akiba gehörte. In beiden Fällen tradirt R. Josua im Namen des B. Pturi, einmal eine Schriftauslegung des R. Akiba, die iu der Mischnah (Sota V. .,I) ohne dessen Vermittelung angeführt wird, das andere Mal dessen eigene scharfsinnige Deduction aus dem Schriftwort zum Erweis, dass Hiob nicht aus Furcht, sondern aus Liebe Gottesdiener war. Der Umstand, dass B. Pturi in R. Josua eineu Tradeuten gefiiuueu, kann als Zeichen gelten, dass derselbe in jenem Tanaimkreise keine unbedeutende Stellung eingenommen hat. Den Autor u. dessenZeitalter habeu wir gefauden uud wissen, dass er in unmittelbarem Verkehr gestanden mit R. Josua und R. Akiba. Daraus ergiebt sich, dass die Fassung der in Rede stehenden Boraitha, wie dieselbe im Sifra — fol. 109 edit. Weiss —. vorliegt, als die authentische zu halten ist, gegenüber der im Talmud B. Mezia 1i2 a enthaltenen Fassung, was durch die Gegenüberstellung um so deutlicher hervortritt. Sifra: וחי אחיך עמך ... וו דרש p פטורי... שנאמר ויז* אדדו עמך. אמר לו רבי עקיבא ... Talmud: האי וחי אהיך עמך מאי עבד לי• מבעי לי• לכדתניא ... דרש בן פטורא ... עד שבא ר׳ עקיבא ולימד Die Darstellung in Sifra führt uns eine Controverse vor, wie sie zwischen nahestehenden zeitgenössischen Gesetzeslehrern stattgefunden, während uns die Worte im Talmud: עד שבא ר׳ עקיבא ולימד nach den zweifellos richtigen Daten über B. Pturi gänzlich unverständlich bleiben. Der Sachverhalt ist demnach einfach der: über eine neu aufgeworfene casuistische Frage ▼crhaudeltan B. Pturi und R. Akiba, deren Lösung jeder nach s«‘iner Auffassung der Sebrifistelle וחי אחיך עמך suchte.