Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 14 (1885)
- Issue
- N° 52. (24.12.1885)
- Date
- 1885-12-24
- Page
- Seite 206 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 206 es am Hann« noch eher, wenn er gedankenlos handelt, als am ־Weibe, wenn es gefühllos ist: namentlich die Mntteriiebe ist es, ohne welche ein Weib nicht gedacht werden kann. Darum nennt der Hebräer CIT1 .,Muttorschooss“ und 01T1 ״lieben“, ״ רחמנות רחמיםMitleid, Mitgefühl, Erbarmen“. ״ רחמןlieberoll, barmherzig“, im Gegensatz zu ״ אב1ריlieblos, hart, grnnaam, unmenschlich■‘. Hiermit soll gesagt, werden: ״Liebe muss dem Weibe gleichsam angeboren, von Natur eigen sein. Wir sagen auch von dem, was uns von Natur eigen, was uns eine unverwischbare, charakteristische F.igentliiimlichkeit ist, dass wir diese mit der ״Muttermilch“ eingesogen haben, dass uns diese in ״Fleisch und Blut“ übergegangen sei. So auch m:t der ״Liebe“. Die ״Liebe“ soll uns nicht blos angelernt, auerzogen, sie muss uns angeboren sein; sie 8011 uns nicht blos etwas Aeusserliches sein, wovon wir auch lassen könneD, sondem etwas Innerliches, was nicht von uns getrennt werden kann, ohne das wir gar nicht gedacht werden können. Denn der Begriff von רחמ*ם, ursprünglich ״angeborene Mutterliebe“ ist nicht auf diese beschränkt, sondern bezeichnet umfassender ״Mitgefühl, Menschlichkeit, Liebe gegen Mitgeschüpfe, Nächstenliebe“ überhaupt, aber mit dem Nebenbegrifle, dass diese von Natur, innerlich eigen, gleichsam angeboren sei; unterschieden von אחכה, womit die auf ״Neigung und Begehren“ beruhende Liebe bezeichnet wird, die den ־״Willen“ und das ״Bewusstsein“ zur Untorlago hat, während רחמים die Liebe bezeichnet, die ans dem ״Getiihl“ und der ״Empfindung“ hervorgeht und darin wurzelt. Hierin liegt die nächste und einfachste Erklärung datur, dass ״Fa1v.!!i*-1.sii1־!, Wohlthätigkeit und Nächstenliebe“ bei Israel in hervorragender Weise gefunden, dass diese Tugenden nicht blos von der Religion vorgeschrieben, sondern auch im Hause gepflegt und im!.eben geübt werden; sie sind eben gedacht als Israel ״von Natur eigen und durch die Macht der VcrerbtiDg erhalten“. Israel beschränkte sich darum nie auf die Theoiie der Liebe im Unterricht, sondern erstrebte auch «ine Religion der Liebe, ein ״praktisches Judonthum“ für das Leben. Wenn es ausserdem eines Beweises bedürfte, dass das Judenthum nicht exclusiv-national, sondern universell-human ist, in dieser Anschauung, in diesem Begriff von der ״Liebe“ ist er gegeben. Die ״Liebe“ ist dem Menschen von Natur eigen, so er derselben entrütli, hört er auf Mensch zu sei«, die Begriffe von ״Humanität (Menschlichkeit) und ״Liebe" decken «ich. Die allgemeine Nächstenliebe, welche allen Menschen zu Gute kommt und gegen Alle in allen Verhältnissen Pflicht ist, heisst רחמנית רחמים; dagegen אהבה ist *״יו «pecielle Nächstenliebe ans persönlicher Neigung oder individuellen Verhältnissen. Daher ist Fcindesliebe um der Nächstenliebe willen geboten. No Dich Dein Bruder beleidigt oder kränkt, sagt die Schritt, räche Dich nicht und bewahre nicht Feind- Schaft gegen ihn im Herzen; stell ilm vielmehr zur Rede und sprich Pich mit ihm ans, denn auch der beleidigende Freund bleibt Dein Nächster und ״liehen sollst Du Deinen Nächsten wie Dich selbst“ (Lev. IS, 17 und 18). Dem Fremden sollst du kein Unrecht thun, ihn nicht bedrücken und zurücksetzen, , ״leiches Recht hat der Fremde wie du und liehen solltest du ihn, wie dich selbst“ (ibid. V. 3S und 34). Alle Fehler deines Nehemnenschen decke mit dem Mantel der ״Liebe“ zu (Prov. 10,12), und so deinen Feind hungert, gicb ihm zu essen, so ihn durstet, gicb ihm zu trinken, räche dich nicht, sammle lieber leurige Kohlen auf sein Haupt und überhäufe ihn mit Wohlthaten!ibid. V. 20 und '-Mj. Wir empfehlen diese Studio nicht blos den Sprachforschern, sondern anch denen, welch« die Q«- schichte mittelalterlicher Judenverfolgungen lesen, wie solchen^ welche in der Gegenwart noch antijüdische Lieblosigkeiten und Ungerechtigkeiten anregen nnd rechtfertigen. Alzey. Dr Rothschild. 2. Berichtigungen zum hebr. Jahrbuch 1 האסיף d. J. 6646 — S. 227 Z. 9 v. o. Im Jahre ה* שפ״ח fiel IPD “D auf Sonntag, nicht auf Montag. — S. 224 Z. 6 v. u. Im Jahre ,6050) הי נ) fiel י״א שבט auf Dienstag, nicht auf Mittwoch. — S. 400 Z. 21 v. o. heisst es, dass nach dem julianisidien. Kalender נראמניץ TTH-Lichtmesse (2. Februar) immer in אדר fall:; dies war jedoch nur in Schaltjahren der Fall, in welchen 'אדר א mit Februar zusammenfiel; in dem aaaest. Jahre ה׳ שי״א fiel der 2. Febr. auf שבט V3 und nicht auf י* אדר. Cohen-Reea a Rhein. Wie wir hören, steht Frau Elise Henle (Levi), die Verfasserin des Preislustspiels ״Durch die Intendanz“, im Begriffe, unter dem Titel ״Was soll ich deklamirenV“ ein Werk herauszugeben, das wegen seiner Originalität wohl viel Aufsehen erregen dürfte. Es sind nämlich bei demselben mehr als 60 Bühnen-Künstler und Künstlerinnen ans den verachtedensten Theilen Deutschlands und Oesterreichs zu Gevatter estandeu, indem sie der Herausgeberin, welche ״oine Auslese er besten älteren und neuesten Deklamationsstucke ernsten und heiteren T״halts“ zu bieten bestrebt ist, bei Auswahl des Stoffes als kompetenteste Sachkundige mit Rath nnd That an die Hand gingen und daher als Mitarbeiter an dem Buche za bezeichnen sind. Wir begegnen da Buhnengrössen ersten Ranges, wie Heimine Claar-Delia (Frankfurt a. M.), Minolta F rieb-Blumauer (Berlin), Siegwart Friedmann (Berlin), Ernst Possart (München), Eleonore Wahl mann (Stuttgart), Charlotte ־Wolter (Wien), Klara Ziegler {München) etc. Auch der berühmte Wiener Vortragsmeister Protessor Alexander Strakoscli ist in dem Buche vertreten. Man geht also wohl nicht fehl mit der Annahme, dass dasselbe eine reiche Auswähl der deklamatorisch wirksamsten Vorträge enthalten dürfte. Das Werk, welches gewiss eine vielbegehrte Weihnachtsgabe bilden wird, 8011, mit Lichtdruck-Porträts berühmter Buhnenkünstlerinnen geschmückt, in den nächsten Tagen im Verlage von Levy & Müller in Stuttgart zur Ansgabe gelangen. Soeben ist im Verlage von C. Wagner & Co. in Meiningen' erschienen: Moses Mendelssohn. Darstellung seines Lebens und Wirkens von Landrabbincr Dr. X. Dessaner, — Mit Bild und Stammtafel. — Preis 1 Mk. (beim Bezug von wenigstens 30 Exempl. ä 60 Pf.) DCT Diese gcrado zur rechten Zeit erscheinende treflliche Festschrift eignet sich ganz besonders zur Verkeilung in Schu'on bevorstehenden 100. Todestage Mendelssohn und sei hiermit bestens empfohlen. Iiitcrciiitflte Pdpfdjrift für ias ßcliMe piita. Tiefe üUciavii* poliiijdic 3citi<btiit «)־len!Hange•} »crbin&ct bic Bdtjiige einer liuteiljaltenben ״»& auregenbeu 'TRürf)tufcbrift mit bciu-11 einer loohlinioimiilcn iridt mit Nachrichten nub elfter Cuollc aiiigcitaitetcn 3citu11g. uub jo cntfprid)l SM ״Dcutfcbe QRontagO« Statt" in feiner Toppei tVamr einem cutfcpicbeiicil '5$cbiirf11ifi bee gcbil&ctci» Vefcpltbliflimi, uwjiir bic grof;c Scrbrcitimg bfn befielt Bciocii liefert.?luiKr bei! Bcüiägra ber rcgolmäfiigcn ').Viloibeiier licgeit bereit« eine :Wcilje jrljr inlcrejjnnter ütitifel ober 3uftd)rtungen joldjer für bie nädiiicn C.uartnlc 0011 2d11i!ljl.ilcn1 oor, bie lln'iliocii fdjon }11 bei! ßcjcicrtjtrn nuferer mobernen '?(litoren gehören: llnrl Büitb, “llocmbcr 'Baron :Koben•'. Cito :Kogiicltc, '4? Jt :Hojcgger, :Kiiliaib Bon, £1. Billingcr, tl. Seit), ®ס!!Kinn, ftcbioig Trobm, f'Jeihnrb iKohltl, 3■ ö. iiolpenboii, Celar Bluiueitl'oai, 'A'cnnmnn )poicr, 'IV. Willi. Bicijer, IjlroB.?Iler. 'IVoJjfoiuoli, (icnnann Subcrmami, tierm. Deiberg, Cöu BianPc«, 3tan•, uub Baul 0011 cdiöntljan. Üllbcrl Träger, irmil 3d)ifj. .~ara \ווו (der, Wilhelm 'Kaabc,!Robert Bor, Broj. Bcjd)uöi־böiu׳c,?•Jolbcmar Haben, B. Culol, (iiiiil Boj.litüu, (Sutloa 0011 ©agcrii, Jlonrab Iclinann, loomob vioolj Hrauje, 9.H. 0. ßbiier vSjdjenbad), W. tätjl, $. 2dnrar;fopf א. 'Xnfiiibcm 10i;S bai ״Tcutjd)0 'äKonlu״i«Btall" im Vaiifc bei nädifien C.uaucli grofjre ncaelliftifdK 'Arbeiten oeröfjenltidKii Alexander ISaron Bolierts! '?.'filitarkben. Karl Warfenbnrgs JOcitii grauen alt loerben. ilelsrlch Ehrlich: (Vitt .t>a;arPfpicl Per tßcfilhle. A. Weber: 2ticflufr.!!lufierbem aber loeibcn bic foloniabpolitiidKii?luiiäpc 0011 ©erwarb!H01)(j4 uub bie politiübrn Urinnctiingen Dr. 3• Salljon* tue bei! ooimärtlidK״ Tagen Mönigcbcrg« jortgejept uub )11 Hube geführt. 3111c Neicbovoftciiftaltcu 1111b 'SudibaiiPitlugru nehmen?(bonncmritt« .;um Birije von 3 Warf 50 '־Dfpro C.umlal entgegen. Bei Bojth'itcUitngen oenoeije nu; Nr. 115» ber Boiijemm.io ISrciiliiie pro IHH.V Jcferale •־inben b•«•‘, bieieä ja ft au4jd)Iiejiii<t) in ben femiie« ,־viimUcutrcijeu gclcjcne imb in allen beiirren {.'oieü,!Heitaavanti. ffonbiioreien :r «miliegenbe Bin« eine felir ,poedmiifiige Bcrbic'mmg. Vrobcmiinmcrii oerfenbet gratis unb franco bie 151pebi:ic•;: bei ״Deut!־dien i*.'f0i1tagu־olalt״, 'lerliil aW. \traiit'Aorthehcr KcJ..cteur Pr. hahmer, Magvlvlairg. I.*1 .;■-k vc!: P. I., \\ 0111*, Magdeburg Verlag von Kobort Friese, l.cipig.