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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1885-12-03 · N° 49. (3.12.1885) · p. Seite 193

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
14 (1885)
Issue
N° 49. (3.12.1885)
Date
1885-12-03
Page
Seite 193 (sequence 3)
Language
German
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»t«lle anmöglich «in lockendes Ziel bilden. Die Lehrerstellen an höheren Schalen aber gönnt man den Jaden anoh nicht; ans welchem vernünftigen Grande, ist mir freilich unerfindlich. Mediciner können doch nicht alle werden, Theologen nun gar nicht — was bleibt ihnen denn am Ende übrig? Und noch zwei Berufszweige, welche sehr zahl• reichen jangen Leuten Unterkunft gewähren, sind den Juden thatsächlich 80 gut wie verschlossen: die Landwirthschaft und die militärische Laufbahn. Es gicbt wenige jüdische Gutsbesitzer und noch viel weniger jüdische Wirthschaftsbearate. Selbst die reichen Banquiers, welche einen Theil ihres Vermögens in Grundbesitz anlegen, lassen ihre Güter lieber, durch christliche Inspectoren verwalten. Soll man daraus schliessen, den Juden gehe die Befähigung zur Landwirthschaft ab? 0 nein, es fallt ihneu nur ungemein schwer, gegenüber der ungebildeten ländliehen Arbeiterbevölkerung die unumgänglich nothwendige Autorität zu behaupten. Wer aus Erfahrung weiss, wie schwierig diese in den meisten Landes• tkeilen überhaupt aufrecht zu erhalten ist, wird dies natürlich finden. Wurzelt ja doch das alte Vorurtheil, dass der Jude nichts weniger als eine Respektsperson sei, in der Seele des ungebildeten Theiles unserer Bevölkerung noch sehr tief! In das Militär treten heut zu Tage so viele Söhne aus guten bürgerlichen Familien ein, oft sehr gegen Wunsch und Willen ihrer Eltern, aber angelockt durch den äusseren Glanz und die bevorzugte Stellung dieses Standes, auch wohl durch die frühe Selbstständigkeit, die er gewährt — allerdings bis auf die Zulage aus der Tasche des Vaters. Welche Aussichten hätte der Sohn einer jüdischen Familie in dieser beliebten Oarriöre? Bei vielen Regimentern würde er sicherlich gar nicht einmal angenommen werden; ein Vorwand für die Zurückweisung ist leicht gefunden Aber selbst, wenn er irgendwo Annahme fände, wenn er sich als Avantageur tadellos führte, sein Officiersexamen gläuzend bestände -daun käme immer noch die Wahl und der Esprit de corps ist stark genug, tim die Kameradschaft mit dem Juden zurückzuwoisen. Die jüdischen Jünglinge haben, soweit sie körperlich brauchbar sind, ihrer Dienstpflicht wie alle andern zu genügen; sie haben in den letzten Kriegen ebenso gut die Waffen getragen und maneher ist verwundet, ist wohl auch dekorirt und damals zum Officier befördert worden. Aber sie alle — so viel ich weiss, ohne Ausnahme — sind wieder aus der Armee verschwunden, während manchen andern jungen Mann, der uisprünglich einen bürgerlichen Beruf erwählt hatte, die besseren Aussichten iu der militärischen Laufbahn lestgehalten haben. Dem Juden war der Esprit de corps nicht nur unbehaglich, sondem ein uuiibersteigliches Iliuderniss für seine Beförderung. Es ist noch nicht lange her, dass ein jüdischer General, de Meza, der eigentliche Führer dar dänischen Armee war und er hat sie damals zum Siege geführt. Uält man in Deutschland etwas Aehnliches wohl für denkbar? Ja, könnte es selbst nur einen jüdischen Regimentscommandeur geben? (Schluss Ben Patura. Herr Dr. Goldfahu in Bacs-Topolya tritt in No. 44 des Litt.-Bl. meiner Ausführung über Ben Patira in No. 42 entgegen und bezeichnet meine Voraussetzuugen als falsch, indem er durch zwei herbeigezogeue Stellen aus Pesachim 12 a meine Behauptung bezüglich des Gebrauchs von ”דר für widerlegt erachtet. Sehen wir diese beiden Stellen genauer an, so beweisen sie durchaus nichts gegen mich.'f* In der ersten Stelle heisst es: ״Rab Jenada sagte, die Frau knete den Mazzothteig nur mit Wasser ״Sohela&a* 9לגי d. h welches am Abend vorher geschöpft and die Nacht über sich abgekühlt hat“. Nun heisst es weiter, diese Vorschrift verkündete (דרשה) Rab Matna in Pafunja. Am folgenden Tage kamen die Leute — durch ein sprachliches Missverständnis irregeführt — und verlangten Wasser zur Bereitung der Mazzoth au« R. Matna's Brunnen, so dass er ihnen die Bedeutung des Ausdrucks ״Schelauu* richtig stellen musste. |Es geht hieraus deutlich hervor, dass der Ausdruck דרשה hier ein שכה הנחל *Vortrag war, in welchem er den Zuhörern die traditionellen Vorschriften bezüglich הדץ u. רצה erläuterte und selbstverständlich als Text die hierzu gehörenden Verse 2. B. M. XII. 15. 19. u. 20 zu Grunde gelegt hatte; war es da etwa nötbig, bei jeder einzelnen Vorschrift die betreffenden Verse stets zu wiederholen? Ebenso verhält es sich mit dem hierauf folgenden דרש רבא; es ist gleichfalls ein Vortrag an einem der 4 dem Feste vorangehenden Sabbathe gewesen, an welchen nach altem Gebrauch — welcher sogar auf Moses zurückgcfühi't wird — die bezüglichen Gebräuche und Vorschriften dem Volke erklärt und eingeschärft wurden. Selbstverständlich hatte der Vortragende seiner Belehrung die betreffenden Verse aus der II. Sehr, vorausgeschickt. Der Talmud reproducirt nun eine von Raba, neben vielen anderen, bereits bekannten, auf eigen« Erfahrung gegründete Vorschrift, welche mit der des R. Jehuda liarmouirt, dass man bei Zubereitung des Mazza -Teigs weder laues oder an der Sonne warm gewordenes Wasser gebrauchen darf, auch sollen beim Kueten die Hände zeitweilig iu kaltem Wasser abgekühlt werden etc. Dass bei diesem דרש die betrellende Schriftstelle nicht angeführt zu werden brauchte, ist einleuchtend. Wenu ferner Herr G. meine Voraussetzung, dass Ben Pat seine Ansicht nicht aus dem Schriftworte abgeleitet habe, durch die Boraitha in Torat Kohanim zu widerlegen sucht, so bedarf es nur eines kritischen Blickes auf den Text derselben in deu ält. Ausg. (ed. Weiss ist mir zur Hand), um sofort zu erkennen, dass derselbe corrumpirt und die richtige Leseart die ist, welche iin Talmud B. Mez. angeführt ist. Man sehe nur den Comnieutar ״Korban Ahron“, wie er sich ״wehe thun“ muss, in den corruinpirten Text Harmonie zu bringen, während seine Deductionen nach meiner Ansicht von der Boraitha auf’s Schönste passen. Was Herr G. nun noch mit seiuem ״Schliesslich“ will, ist unbegreiflich; ich hatte es als Unicum bezeichnet, dass ein Tauaite Jesus Meinung bekämpft; מיחלק ist — natürlich im gegebenen Falle nicht persönlich, sondern wie die Leseart im Talmud B. Mez. ist עד שבא ר־ עקיבא, also an ca. 140 J. nach ihm — und Herr G. belehrt uns, dass auf angebliche Aussprüche Jesu angespi-lt wird, Ab. Sara 17a und Sabb. 11 Üb. (Wer aber hat das geleugnet, wem sind nicht die häufigen Lücken bekannt, welche sich in unsern censirteu Taimudausgaben vorfinden?^ Diese beiden Stellen sind von Herrn G. als Beispiele übel gewählt; denn iu ersterer ist eine Entscheidung Jesu's angeführt, von welcher II. Klieser sagt: ״sie hat mich sehr angespiocheu (*ר.נאנ>• Iu dem andern, Sabb. 116, wird der in den Evaug sich befindliche bekannte Ausspruch ״Ich bin nicht gekommen, das Gesetz aufzulöseu“ etc. gerade auf Veranlassung des R. Gamliel bestätigt. — Was die Richtigstellung des Herrn G. betriilt, Patura statt Patira zu lesen, so ist letztere Leseart iu mehreren Talmudu. En-Jacob-Ausgg. im ' Jalkut und im Sedor Haddorot bestätigt, während ich

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