Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 14 (1885)
- Issue
- N° 48. (26.11.1885)
- Date
- 1885-11-26
- Page
- Seite 189 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 189 — troedeln Trotz und Ungestüm. Sie sind die Schlauesten! der Sterblichen und wahrlich dabei nicht die Sclilech-! testen. Aber findig sind sie, in einem Maasse, dass man nur staunt, weshalb sie nicht längst alle Völker be- ' herrschen. 1 Du fragst, o Cethegus, wie ich im Lager Belisars; vor Pappua zu dieser sonderbaren Betraclitung über! die viel verachteten Hebräer gelange? Sehr einlach! Sie haben etwas fertig gebracht, was ich für das Allerunmöglicliste halte, sie haben Kaiser Justinian viele Tausend Pfund Goldes von der vandalischen Beute aus den geldgierigen Faust heraus-, nicht gerissen, — bei Leibe! — auch nicht gestohlen —aber geredet. Kaiser Titus hat aus dem zerstörten Jeru-! salem hinweg die Schätze des Judentcmpels: Leuchter, Schalen, Schüsseln, Krüge und alles denkbare Geritth! von Gold und Silber mit Perlen und Edelstein gej schmückt, nach ltoin gebracht. Aus dem geplünderten I Rom entführte Geiserich den Tempelschatz auf seinen J Raubschillen nach Karthago.! .Als nun diese Geräthe in Ilippo ausge- , schifft und sanuut dem übrigen llort zunächst nach Karthago gebracht werden sollten — Belisar will die! ganze Beute bei seinem Einzüge in Byzauz zur Schau t stellen — da liess sich der Aelteste der Juden von Ilippo bei Belisar melden und sprach: ״Lass Dich warnen, grossmächtiger Kriegsgewaltiger! Schalle diese Schutze nicht nach Byzanz. Höre ״ine Fabel au aus dem Munde Deines arm• 11 Knechtes: ״Der Adler raubte aus dem Opferbrande Fleisch und trug es in seinen Horst. Aber an dem Fleisch, das Gott geweiht gewesen, klebten glimmende Kohlen. Und die glimmenden Kohlen entflammten den Reisighörst des grossen Aars und verbräunten den Horst und verbrannten die Jungen, die da noch nicht flügge waren an ihren Flügeln, und die Adlerin darauf. Und! da der Adler retten wollte, stürzte er iu die Flammen und verbrannte sich die Schwingen. Und elend starb der starke Räuber, der da hatte getragen in sein Haus, was Gott gehörte, dem Heiligen. Wahrlich, wahrlich, ich sage Dir: Das Kapitol in Rom fiel iu , Feiudes Iland, weil es Jeliovah’s Hausrath barg; die Uochbnrg der Vandalen fiel in Feindes Hand, weil sie die Schätze barg; soll nun die Hochburg des Kaisers zu Byzantium der dritte Aarhorst werde», der darum verdirbt? Wahrlich, ich sage Dir, spricht der Herr: Dieses Gold, dieses Silber wird wandern über die Erde, wird verderben alle Städte, wohin der Raub geschleppt wird, bis Gold und Silber wieder liegen in Jerusalem, der heiligen Stadt.“ Und sieh da: — Belisarius erschrak. Er schrieb au den Kaiser Justinian die Fabel | des alten Juden und — wirklich und wahrhaftig! — . Justinian, geiziger und habgieriger, als alle Juden J zusammen, befiehlt, diese Schätze nicht nach Byzanz ן zu bringen, sondern nach — Jerusalem und dort sie zu vertheilcii unter Christenkirchen und Bethäuser der Juden. So hat der alte Jude einen Theil der Schätze seinem Volke zurückerworben — ohne Schwertstreich — wahrend Römer, Vandalen, Byzantiner sie nur durch heissen Kampf, gegen sehr viel Blut gewonnen. Ob der Alte an den Fluch geglaubt, der auf dem ן Schatze liegt? Ich glaub’ es, dass er’s geglaubt. Er ן lügt nicht, und es nützt seinem Zweck, daran zu glauben: so glaubt er's ganz leicht und er glaub* es im Ernst. Der Germane sagt: ,lieber durch Blut, als durch Sclnveiss erwerben“, der Jude sagt: ״lieber durch Sclnveiss, als durch Blut und viel, viel lieber durch Geld, als durch Schweis»“! Von den Juden kann man rühmen: ihre Fehler und Tugenden wetteifern, sie zn erhalten und ihren Reichthum, ihr Leben, ihre Zahl zu mehren, während die Germanen durch maasslese Trägheit un.l raaassloses Zechen nicht minder sich, ihr Leben, ihre Habe, ihre Macht zu Grunde richten und durch maasslosen Trotz and durch ihr dummes ״Heldouthum der Ehre“. Man hasst die Juden, man verachtet sie; ioh meine, man sollte sie fürchten und in ihren Vor• ziigen sie zu iibertreffen suchen.‘‘ L. IL in G. Litt(‘1־aturlK‘ri(‘ht. Recensionon. Weill, Alexander. Knittelverse eines Elsässer Propheten. Selbstverlag des Verfassers. Paris. 18-S5. 77 S. Eiue Karrikatur Victor Hugo’s will Herr Wcill durchaus geistreich sein. Jedes Wort, das er spricht, ist eine Offenbarung — denn Herr Weill ist dor letzte Prophet, der die Erfüllung aller Ideale hörbeiführt! Vorläufig sehen wir nüchternen Menschen nur das Wort erfüllt: ,,Der geistreiche Mann ist toll goworden!*‘ denn nur in wessen Oberstübchen es nicht mehr ganz richtig ist, kann ein Buch verüben, wie diese Knittelverse Wäre der Verfasser jünger, wir würden ihm den Titel Stock verso angeratheu haben, denn einen andern Entgelt verdienen sie nicht. Bis zur Narrheit hat sieh Herr Weill in einen Doppol• hass eiiigefressen, in einen Hass gegen Deutschland und gegen das Christen! hum. Der Erstero hat ihn glücklich dahin gebracht, ihn, der unter Heine’s Acgide ein deutscher Schriftsteller zu werden vorsprochen hat, dass er nicht mehr deutsch schreiben kann. ״Wir pflanzen unser liier“, ״kleben wir wie eiue Klette“, ״ich höre einen Pfiff and einen Schall“, ״ unter Christeiikindcr“( wegen des R-imes auf ״Rinder!“) ״Ein Wolfshirt ׳?! für S,:hafe mul für Rinder“, als Einen zu haben für meinen Gott“ ״die Hälser“, ״auf das ich besegne der Tugend Liebe“, ״hatten weisso Häute“, ״einen Zoll setztest Dil auf alle R;ichon“, ״Aufwärts der Flössen“, ״alle Unglücke“, ״eiu Krieg der Schwarzen gegen Wcissen“, ״was Du aus mir machen wirst: Kin treuer Hund, ein gutes Pferd“ — ״und ihren Butter“, ״des religiösen Freiheitsfiober“, ״durch tausend Lieben“. — Diese Doruenle-e zeigt dem Dichter, wie recht die Freunde hatten, die ihm zunefen: ״ich hätte weder Liebe noch Gefühl, und meine Verse hätten weder Maass noch Styl. Nothzüchtiges tlnite ich die Sprache und ihre Regeln, ich zerschlüge sie wie Spreu mit meinen Hammerfiegelu“. Darum hätte er besser daran gethan, seine Deroulediana, mit denen er sich vielleicht cino ehrenvolle Erwähnung im ״Antiprussien“ verdienen wird, französisch zu schreiben. Uns Deutschen ist Inhalt und Form undeulsch — und selbst protestsächtige Elsässer werden noch so viel ästhetisches Gefühl haben, Ekel vor solchen Schimpfereien und Schmutzereion zu empfiuden! Aber als Prophet kämpft Herr Weill besonders für das Judenthuia und gegen das Christenthum! Das weiss jeder Christ, dass wir Juden sind, weil wir Christus nicht als Gott anerkennen, dass unsere Auflassung Gottes der Trinität gegnerisch ist! Aber wo ist es dem Juden gestattet, das, was Millionen ehrwürdig und heilig ist, so mit Koth zu bewerfen? Wahrlich der muss eine seltsame Vorliebe für die Gasse haben, der so iin Schmutze wühlt! Freilich, es kann von diesem inoderneu Prophetoa I nicht Wunder nehmen. Auch im Judeuthum lässt