Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 14 (1885)
- Issue
- N° 48. (26.11.1885)
- Date
- 1885-11-26
- Page
- Seite 190 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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190 der Herr nnr gelten, was ihm passt. So verkündet er dreist urbi et orbi: ״Der wahre Gott, der Sünden nie verzeiht“, — ״Nie verzieh Gott ein Verbrechen“, ״Gott belohnt und bestrafet nicht“. Nnn wir sehen hier wichtige Grundsätze des Jndenthums geleugnet Im IV. Buche Mosis 14,19 betet unser Lehrer Moses: Verzeihe doch die Sünde dieses Volkes nach Deiner grossen Gnade und wie Du von Aegypten bis hierher diesem Volke verziehen hast Und Gott antwortete: (a. a. O. 20) ״Ich habe verziehen nach Deinem Worte“. Dem entspricht die Aufzählung der 13 Eigenschaften. 2. B. M. 34. 6—7. f''־‘ Nicht Judenthum, nicht Mosaismus, sondern Weillianismus ist es, was der neueste ״Mann der Begeisterting“ lehrt und wie er lärmt Nicht die Furcht, ״christliche Mörder und Räuber möchten gliedern und zerstechen unsere Leiber“ — auch nicht ״weil es giebt jüdische Grafen und Barone, auf dass man ihre Güter und Titel verschone“ — nicht die Furcht ist es, welche uns zu feierlichem, öffentlichem Pro• teste gegen derartige Religionsschänduug, gegen die gemeinen Schiinpfreden, von denen diese ״Knittel- Verse“ strotzen, anspornt. Vielmehr ist es der Abscheu gegen Anhäufungen übelriechender Stoffe, welcher uns solch Schimpfen als baare Gemeinheit empfinden lässt. Das Judenthum hat keinen Theil an einer Misshandlung, welche durch Hohn und Spott, durch Gilt und Galle gewürzt und gepfeffert ist. Verletzte Eitelkeit und kindische Verbitterung allein können die Quelle sein, dem solch Schinähreden entfliessen. — Wir aber rufen, uns abwendend, dem alten Manne betrübt wohl, doch bewusst, ihm damit kein Unrecht zu tliun, seine eigenen Worte zu: ״Du l>i.st ein Narr oder ein Wühler. ,.(!011 in eine Krankenanstalt, ״Dort sind Deinesgleichen, jung und alt. 101*1״ den Doktor der Narren wurde ich bitten, ״Ihn. kaltes Wasser auf den Kopf zu schütten“. Freiburg. L e w i n. Was nun den Inhalt selbst betrifft, 80 ist der— selbe sehr reichhaltig. Die Gedichte sind in ihrer Form correct, in ihrer Sprache würdig und schwangvoll, in ihren Gedanken voll tiefer Empfindung and oft auch wahrhaft lyrischer Stimmung. Desgleichen sind die Tischreden und Toaste gut durchdacht nnd erfüllt von einem wirksamen, angemessenen Humor.. Das Buch kann deshalb bestens empfohlen werden, r. Notizen. I. מכבי (Makkahaus). Die Erklärung dieses Wortes ist noch nicht gesichert. Dio Ableitung von ״Mnkkab“ (Hammer), nach Art des provcnfnlixchcn Märtel (marteau) in Carl Martei, hat die Verwechselung der Buchstaben 3 und 3) קpÖ) gegen sich. Auch die Pcscliito schreibt '330 und ebenso Mcg. Aatiochns ed. Bär (in edit. Jelliuek fehlt das Wort). Die akrostichnnartigo Auflösung מי 3מוך ובו etc. oder: Matisjaha kohen hon .)och. etc. hnt gegen sich, dass, wenn auch Ahroviaturen, doch nicht nkrostichonartigo Wortbildungen so trüh im Gebrauche waren. Eino Ableitung nus dem Griechischen empfiehlt sich vielleicht um so eher, als der Hellenismus damals in Blü'he stand nnd die griechische Sprarlio Emgangsspruche geworden war. Mattathias’ Söhne selbst führten ja neben ihren hehritisehen Nau.cn im öffentlichen l'mgang, vielleicht zwangsweise, griechische Namen 11. Macc. ׳. Man hätto demnach etwa an pi״] ,}•/־der Schlacht•‘ <1. h. (״In der Schlacht“ oder ״Für die Schlacht) lebend“ zu denken. Nach Meg. Ant. hatto die Inschrift nicht aut einer Kahne oder einem ׳Siegel, sondern auf, einer Siegessäule gestanden, welche zum Andonketi dem au» der ■Schlacht zm öckkehrondcn Sieger errichtot worden sein soll und zwar die Inschrilt 3קי *m מבכי 0-ית. Hier hätte ein Akrostichon keinen Sinn und würde nur an einen Namen oder Beinamen zu denken sein. Vielleicht war die Inschrift in griechischer Sprache verfasst, um sio den Oricchon, die ja noch 1m Lande lebten, wie den griechisch redenden Juden verstandlieh zu machen. Die bisclirift würde dann lauten: ״Der (in) der Schlacht Lebende, tödtot dio Gewaltthätigcii“ oder ״dio Gewaltigen“. Es wäre mit Bär dann audi vielleicht zu lesen ,33Ü, mit Weglassung der Endungen r; und 'yj- »Iso (מבכי), im Griechischen vollständig Machä-bins. Dio Form (Maccahaeus) ist alsdann durch Gräcisirmtg und Einbildung des hebräischen Worts entstanden, wie ,33Ü da» hebraisirte Macliäbius ist. Alzey. Dr. Rothschild. Scherbel, Moritz,Prediger in Gumbinnen. Wünsche ftir das jüdische Neujahrsfest. Verbunden damit sind eine grosso Anzahl Gelegenheitsgedichte, humoristische Tischreden für allo freudigen Vorkommnisse im jüdischon Hause, Toaste und andere, besonders ftir den jiid. Kultusbeamten wesentliche Gegenstände. 1885. (Selbstverlag des Verfassers). Durch die vorliegende Schrift dürfte einem praktischen Bedürfnisse abgeholfen werden. Der Titel ist unseres Dafürhaltens nur insofern etwas unglücklich gewählt, als durch ihn leicht ein Irrthum hervorgerufen wird über den hauptsächlichen Inhalt dos Buches und seinen vernehmlichen Interessentenkreis. Weder ist es allein oder doch in erster Reihe das jüdische Neujahrsfest, zu welcher Zeit das Werk seine Verwendung findet, denn die Ncujalirswünsche nehmen im Inhalte des Buches vorhältnissmässig keinen grösseren Raum ein, als die übrigen Gelegenbeitsgediclite; noch sind es, wie es den Anschein erweckt, nahezu ausschliesslich nur die jüdischen Kultusbeamten, denen das Werk gewidmot ist. Sondem, wie auch ein flüchtiger Einblick nur erkennen lässt, wird das Buch zu jeder festlichen Gelegenheit (also auch bei allen Familienfesten) und in jedem jüdischen Hause willkommen sein. Wir würden also dem geehrten Verfasser rathen, in der zweiten Auflage den Titel dementsprechend zu ändern. 2. En der Hcdaetioiisbemcrknng S. 181 Sp. 2 erlaube icli mir. Folgendes zu bemerke!!: מ1'א (nicht Rl'13' kann an dor eit. Stelle ein עולם m3TD wohl liieht ״Worms“ liedeiitcn, was eine Tautologie wäre: die Entcrsebrift heisst. אל15ר 0זיא תולדות יעב״ץ ״> .מווורמש Amsterdam 1808, s. 29, z. 10 v. u. findet sieh als )•*נאמן דקהל מ «iר׳ יצחק איצק קובלענץ ״ מזיא (?)• Die Bedeutung des Wortes 3ןיא ist. auch liier durch das. nachfolgende (?) in Frago gestellt. (lohen-Kees n. Rhein. (Nachdem wir unser!) Red.-Bemcrkung in vor. Nr. hoi der Corrcetur llUclitig nicdcrgeschrichen. setzten wir unsere Nachforscimngen Uber das räthseihafte Wort fort uud fanden, dass bereits Altmeister Zuuz, Carmoly nnd Podiobrad (cfr. Hrull's Jalirb. VII. S. 4:1) verschiedene Erklärungen darüber gegelien Indien. Während dio erstereu cs für einen Ortsnamen halten (Carmoly meint, dass hei der Verfolgung i. .1. 1318 deutscho •Inden nach den griceh. Insoln gedächtet seien und sieh zeitweilig auf der Insel ״Zia“ niedergelassen hatten; dio von dort spater Zniurkgekclirteii hätten sieh מדא (d. 11. ״von Zia“l genannt. David Podiobrad jedoch hält das Wort liir eine Abbreviatur von C'u'IX C'T.T מרע d. 11. ״Abstammend von gewaltsam getarnten Juden“. Diese Erklärung hält Brüll für die wahrscheinlichere. Ens stört bei dieser Abbreviatur das *י, es genügte ו(מזרע אניבים) מו״א doch vielleicht ist das ‘י aus dou Abbrevialur.'trii blein entstanden, darüber musste ein Einblick in die Handschrift!.:! belehren. IL.l.) 3. Zu ״t'itate aus dem Mid rach Deliarim suta im Jalkilt“ von Herrn Stil. Hoher iliecettsion in No. Pi) hemerko ich, dass auch die von mir in No. 31 mitgetiieiltu Raschi-Notiz enter diesen Cilateii im Jnlkut sich befindet, jedoch in anderer und kürzerer Fassung. Sollte Kaschi dieso Erklärung auch violleicht dem Midrasch Deliarim suta entnommen liahcn? C\ in R. Verantwortlicher Kcdaeteur Er. Itahmer, Magdeburg. Druck von D. 1.. Wollt', Mag lehurg Vejlag von!{״lieft Fr i י« c, Leipzig.