Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 14 (1885)
- Issue
- N° 47. (19.11.1885)
- Date
- 1885-11-19
- Page
- Seite 184 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 184 — Yernanftreligion, di• in Sudjmli, Mnimonide* und Mendelssohn wieder beredte Verkünder hat. Endlich die mystische Richtung der K&bbalah neben der nüchternen Pilpalistik müssten in ihrer culturgeschichtlich nothwendigen Aufeinanderfolge uns vorge• fuhrt werden, bis zu dem Punkte in der neuern Zeit, den .wir überhaupt noch im Stande sind, vorurtheilsfrei zu erfassen; die politische, ohnehin zumeist passive Geschichte träte nur als Verbrämung hinzu und die Geschichte Israels bis auf Ezra müsste für sich be• handelt werden, da sie ganz und gar auf anderer Basis beruht und mit der nachexilischen Geschichte nicht in geradliniger Fortentwickelung sich befindet. __ 1 Schluss folgt.) Zum Artikel ״Nadler“. I. Zu der in No. •12 von Herrn Rabb. Dr. Kroner mitgetheilten Ansicht über den Ursprung des Namens ,Nadler“ gab ich dem hochgeehrten Herrn Referenten meiue Bedenken gegen dieselbe brieflich kund, ohne ihn jedoch für meine persönliche Ansicht, dass der Name unmittelbar von CnC, welche in meiner Mittheilung eine Hauptrolle spielt, abzuleiten sei, gewinnen zu können, wie mir in einer freundlichen Antwort erwidert wurde. Ob nun das Factum, wonach eine Mutter ihren Sohn geheirathet haben soll, mit allen erzählten Einzelheiten buchstäblich wahr sei, oder ob es nicht vielmehr durch vom Volksmunde hinzugedichtete Nebenumstände den schein b ar sagenhaften Charakter erhalten habe, alterirt die rein etymologische Frage nach dem Ursprünge des Namens ,Nadler“ nicht im geringsten. Auch wenn das ganze Ereigniss in das Gebiet der Sage verwiesen werden müsste, weil es Löwe b. Bezalel, der muthige Vertheidiger der Gekränkten (vergl. נתיבות עולם, Abschnitt נתיב 9 § חלשו)) zu thun versucht uud zwar unter Anlehnung an die Worte בטנה p התשכח אשה עולה ואת, wogegen Herr Dr. Kroner den Kern der Erzählung nicht antastet: so wird es genügen, auf eiue andere Quelle hinzu weisen, nach welcher ein ähnliches Factum zur directen Bildung des Wortes ,Nadler“ Ton מחט (Nadel) den unwiderlegbaren Beweis liefert. ♦ Diese Quelle findet sich in זרע ברך שלישי על ברכות Ed. Frankfurt a. 0. 1721 (?) S. 7 unten und lautet in wortgetreuer Uebersetzung: ,Eine Anfrage ergiug an Mordechai Jaf4 wegen Jemandes, der seine Schwester geheirathet und mit ihr Kinder gezeugt hatte. Im Volksmunde wurden alle von diesem Paar herstammenden Nachkommen als ממורים *) betrachtet, da sie von Bruder und Schwester gezeugt waren. Dieses wurde bekannt durch ein Geschwür am Kopfe des Mannes, welches von einer Nadel herrührte, mit welcher seine Mutter in dessen Jugend die Würmer, welche ein böser Kopfgrind erzeugt hatte, entfernen wollte. Wer diese Familie sah, nannte sie fortan מחט משפחה ,Nadler“ und wollte sich mit derselben nicht verschwägern. M. Jafö erliess einen Bann gegen die Beschimpfer etc.“ Das übrige bezieht sich auf die Erörterungen einer Meinung Raschi’s, ob solche Beschuldigte überhaupt als illegitim oder nur als פבול לכהונה zu betrachten seien. Auf Grund die8es Beweises uud der von Herrn Dr. Kroner angeführten Sentenz ,a potiori fit deno- *> Im א יצר השרשים voll ~בן זא Ed. Lemberg 1»7ע bol-st ״ 0«1« ממור שם לעם פרא איבלי אדם :«סMenschcuiresser“!?׳. im איצר המלים הכללי »bid. 1»»0,ממזר שם בתלמוד מבדלת זנות. Sollte unter dem biblischen und talinudischcu ממזר ein Unterschied sein? Das wäre wirklich neu! minatio“ wäre also dar Ursprung das Namen• ״Nadler" unwiderlegbar festgestellt.**) Za Vorstehendem wäre nooh Folgendes za bemerken: der Baun des M. Jaf6 ist in der mir vorliegenden Ausgabe des נתיבות עולם (Nowydwor 1809) nicht enthalten, wie ia dem vorgenannten Werke angegeben ist, wohl aber dessen Bestätigung eines Bannes von ')אליעזר מתא aus Worms, damals Rabbiner in Posen, durch ITamensunterschrifc. Ferner sind ausser diesem und dem Banne des L. b. Bezalel noch die Bannedicte von S Rabbinern mitgetheilt, daranter von Elieser Aschkenasi und Israel gen. Seligmann Chefez in Gnesen. Aus letzterem Umstande schliesse ich, dass das vorstehend mitgetheilte Ereigniss in ganz naher Beziehung zu dem in No. 38 von mir mitgetheilten stehen muss. Es treten nur verschiedene Personen auf die Bühne, hier Bruder und Schwester, dort Mutter und Sohn; Gnesen und Posen als Schauplatz und El. Aschkenasi als mithandelnd• Person berechtigen ferner zu dieser Annahme, sowie ondlich noch die Zeit, zu welcher beide Ereignisse sich zugetragen haben sollen. Cohen-Rees a. Rhein. II. Erwiderung. Hat schon der fragliche Briet des Herrn Cohen zur Erhärtung unserer Ansichtsäusserungen über den qa. Namen viel beigetragen, so dient hierzu vollends die vorstehende Mittheilung. Zuvörderst wiederholen wir unsere Antwort auf den Briet, der sich aus derselben sehr leicht reconstruiren lässt, vorab bemerkend, da9s ein Vergleich des Briefes mit der gegenwärtigen Mittheilung des Herrn C. zeigt, wie sehr derselbe im Hinblick auf unsere Antwort und die ihm neuerdings zugänglich ewordenen Quellenwerke soiue trüberen Behauptungen modicirt hat Unsere Antwort lautete; ״Ich habe nur Spille (spillol, nicht Spillmagen mit שפילקא identificirt. Warum sollte das altdeutsche Spille mit dem polnischen szpilka nicht zusammengestellt werden können? Ist denn das Polnische so frei von fremdem Sprachgut? Ich glaube, den Zusammenhang beider Ausdrücke genügend begründet zu haben. — •Sie meinen, dass der sagenhatte Charakter der Erzählung zwar uicht zu verkennen sei, derselben abor ein wirkliches Pactum zu ()runde liege. Habe ich dies etwa geleugnet? Habe ich den Kern der Er- Zählung, wie ich ihn mir aus der 1 ticken hatten und tabulösen Erzählung zu reconstruiren versucht, etwa nicht deutlieh genug dargelegt? — Dass in einer Erzählung bestimmt• Namen autgeluhrt sind, darf nicht immer als Thatbeweis gelten. Sind uicht im Buche Job gleichfalls bestimmte Namen autgeiuhrt? Und doch - יש מחלוקת בדברי חכמינו רל בעדן איוב. יש מי שא‘ איוב לא היה ולא נברא אלא משל היה כבא בתרא מ"ו).) Die Glaubwürdigkeit des R. Elieser Aschkonasi in Zweitel zu ziehen, lag mir uicht einmal ein Aulass vor, denn das <jn. Schriftstück ist ja gar nicht von ih m verfasst. — Dass weder das rabb. noch das historische Schrittthum irgendwo von dem Pactum Notiz geuonunen, muss uns allerdings in der Ansicht von dein sagenhaften Charakter der Erzählung nur bestärkon. — Die fraglichen ״Umwoge“ sind sehr naheliegend: Spille — Szpilka — Nadler. Wer an die zahlreichen andern ״Umwege“ im Jargon denkt, wird jene keinen Augenblick bedenklich linden. Hat doch der Jargon z. B. in Polen und Deutschland sogar oft der Grossmutter, der Mutter und dor Enkelin iu einem und demselben Hause gleich bedcutonde Namon gegeben, wie: Dobrisch (ראבריש) polnisch, Gute (דטא) deutsch, B 11 no (בונא — Bonue) franz. Cfr. Nachalath Sch. c. 1*> s. nom. דבורה• Die Annahme der Tattowiruag mit einer Nadel alterirt meine Combiuation nicht im mindesten, unterstützt sie vielmehr wesentlich. - Der Schmuggel mit Loicheu und lebendigen Männern in einem geschlossenen Gelasse ist glaublich, weni- **) Herr Rabbiner Simonscn iu Copeuhagen thoilte mir noch gntigst mit, dass in Bikkme haissiin Bd. V. dos Briefes Erwähnung geschehe in welchem R. Löwe b. Bezalel zum ' Einschreiten gegen diese Unsitte aufgefordert wurde und ferner, 1 dass iu der שכח תשיבה• Predigt des R L. b. B. oöeiitalU aut diese l nsitte uud den Baun hittgewiesen werde. Der vorerwähnte Brief ist in נתיב״ת עולב ahgedruckt Den lllL Rabbiner Simonsen und Dr. A. Berliner hin ieh für den gütigen Nachweis der einschlägigen I.itteratur zu innigsten! Hanke verpachtet. •) Dieses מחא ist wohl' נרמתא-Wurms: die J ersten Buch• staben sind wahrscheinlich durch dieähnlichen vorangehenden (1ר) ausgefallen. (Red.)