Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 14 (1885)
- Issue
- N° 47. (19.11.1885)
- Date
- 1885-11-19
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches itteratüir Jahrg. XIV. Zar Belt.rkt••! ■IIh Jiinll»■ ... Jade. ktlfffftaln tltliruWIl• Cr• wkrla.aur■ a.r Sr» I.eHe!» Ih rkl(»- «pW», tirarkfrhl», )(.■Oftr»..(•, Tk(*׳ l.ltl«, OrltaUlla, Kimm. iMHillt, (.Itarrlh, Päa^toglk. Heransgegeben VOD Rabbiner l»r. norit/. Italiener. *:Cnttij, 10. 9lo1v»»tfv1 1885. Mrfcfr 4»! rlitrhlmiM LlllrtaUr,»*lrfe• 4er kedaetlo■ iikmkII «tHr«,!•In 1■ dlMr« Klalte el«cehra4e Rra^rKh•■!. ■el Ha«nd1M voa •«*•I KfrtaiUii• hf«|1i1rM erf»l«t tliMilti• kari« («rallflaatrtt•■. D»b nJBd1Sch( Lltttritnr-UllH** erscheint wöchentlich in riimni iislhen |t<^eu!*reis hei )illmi Buchhandluagon (in " ® 1P * * g oei Robert t riese) pro JahrgAn^ 8 Mark* Atkoiiuentpu «lt*r ^Nnelitischeu WncheuHchritV* 1 (»Iie vierteljährlich bei alleD Pöstanstalten und Buchhandlungen S Mark kiwlet) erlialteii das ״.l11.Ii.Mcl1» Utt״ran1r-Blatt־ gratis. Inserate worden mit 2nPf• lür die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit II Mark« liereeluirt uim! sind an die Kxpodition dieses Blattes an senden. £si־ Buchh&ndler, welche direct oder durch Knbert Priese in Leipzig Inserate einsenden, erhalten •5^ Ilahatt. *^g Inhalt: 'Wissenschaftliche Anisätze: I ie jüdische Theologie als Wissensrhalt. Von Dr. G. Deutsch. (Fortsetzung.) — Z um Artikel ״Nadler“. Von Colien, Ilhers a Ith. — George Kliot und das Judenthum. Litteraturbericht: Rrrensionen: Bosenzweig, Adolf Dr-!•ns Jnhtlinndeit nach (1(111 l.al.v!c.nis shin Kxile. — Wolt, ü. l>ns trid(ntinische Cotiril und d*־r Talmud Nachdruck nur mit -voller Quellenangabe ge stattet. Die jüdische Theologie als Wissenschaft. Von Dr. 0■ Deutsch. (Fortsetzung). Mit der Ausbildung der Rabbiner in biblischer Exegese sieht •s nicht mV] günstiger ans. Ith nehme ganz jene ehemaligen But hurim aus, die eines schonen Tages sich als moderne Prediger lul len nt d meiien, *eil sie etwas Talmud gelernt leien ui.d Deutsch lesen und schreilcn honnen, jüdiscle Tic ob gm zu sein. Aber seilst in utseien Simn aricn, wo wird dafür gesoigl, dass man sich n.it dm! Zusta1.de der gegenwäidgcn Pcntateuclkiitik likeii.t rnatlc? Allgemein legiügt man sich, die sc 1 wieiigsten Bücher der hchrifi exegetisch zu hilaitldn, waltend man die historisch wichtigen BucLer der ersten rtojlieten, ebenso wie den Pti.taiimb ven wtssti st 1 ältlicher Tradiruig ganz ausschliesst. Ui wiüLütlub muss ich mich an die Anekdote von dun Bsblir.tr, der seine Deiaschah über כשלןצת!“ITC mit den Werten begann: ״Den alten Balbah kennt dich die gsize Welt“ erinnern. — Alletdirgs sind es eint halte religiöse Bedenken, gerecbtlertigte BütksicLtm aul den Tbtil des jüdischen Publikums, der des grösste!!!Dresse an der Ausbildung der Rabbiner nimmt, welche hier in Betracht kommen. Sind aber, ganz al gischen davon, ob die Ansicht R. Simons (Bala heithia i. 1 •r>, MenacLot 1. 30), dass Mose die ganze TL01 a gesehrielen habe, iür das JudentLum Ctgma ist, die Etagen der PentateuiLkritik duith Igneonung aus der Welt geschafft? Muss man nicht gerade aus 8] <löget ist Len Gründen sich lestieben, oie Ansichten der Gegner kennen zu lernen? Bat nicht Saadjah Gec׳u sieh mit den Lehren der Karaer bekannt gemacht, ohne dass er daran gedeiht hatte, die rabbintscl.e Auslegung über die Bestimmung des ScLubuoth - Festes könnte Unrecht lehalten? Baien etwa die Tanaint verschmäht, aui die Lehren der Sadducaer einzogehen? hat nicht gerade der entschiedenste Vertieter eJes PLatisaeisnnts, Rabbau Jcchanan len Sakkai, sich bemüht, ihren StandjiitLkt einzunebinen, um sie zu widerlegen r Also hier fehlt es; erst eine gründliche Einführung in die biblische Wissenschaft kann jüdische Theologen erzn iien. Sehen wir uns »her anderswo um! Wie sieht es mit unserer sy 8 tem at i sehe n Theologie aus? Ein« olficielle Dogmatik besitzen wir nicht; das wäre nicht schlimm, bei der Geneigtheit der Juden zur Selbstkritik können wir das ein Glück nennen, aber di« geschichtliche Anordnung der religiösen Ansichten, die Klärung und Sichtung des StolTes in der älteren Litt erat ur fehlt noch ganz und unsere Apologetik von den Kämpfen gegen Saclduc-äer und Karäer bis auf Li1׳mann Mühlhausens Nizzachon, Mauasse ben Israels Schtilt über die Blutbeschuldigucg u. s. w. ist noch Nitmanden eingelallen, für eine wissenschaftliche Bear- Leitung zu verwenden. f-oll ich von unsererhistoriscbenTheologiereden? Ich will gerechte Verdienste nicht schmälern. Es ist viel Verdienstvolles geleistet worden, aber noch immer n.iisste «iie Geschichte des religiösen Gedankens im Judeiill.t.m geschrieben werden, wobei von der äusseren Geschichte ganz abzusehen wäre, insoweit sie nicht | zum Verständnis des inneren Enlwickelungsgauges , nöthigist. Unsere Theologen müssten be־greifen lernen, i wie elurch starres Festhalten an dem Gesetze die Mo• | tivc desselben so verloren gingen, dass die Erweiterung oft eine entgegengesetzte Richtung nahm. Wir selun 1 eispielsweise im Pentateuch, wio im Propheten Jeelieshel mit dem Verbote des Genusses gewisser Speisen inmer den mystischen Ile grill der Unreinheit veibunden, ja sogar bei Jeeheskel auf das äusserlich Abscheu Kriegende erweitert. Der Grund ist alao nur der, dass die Berührung des Aases und der Ge• i nuss des Fleisches gewisser Thiere ebenso wie dio menschliche Leiche verunreinigen. Infolge dessen ist das Brod der Ibiden, die diese Vorschrift nicht halten, gleichfalls unrein und die spätere taluudiache Gesetzgebung sucht den Giund nicht in der Verunreiniguig, sondern entwickelt die Conseejuenzen auf Grtnd des veibotenen Genusses, während es daa Geten der Verunreinigung ganz aufhebt, insofern es sieh nicht auf die Tempel Vorschriften bezieht. Viel drastiscLer tritt dies bei dein Gesetze von בשד בחלב zu Tage, wo die Lib)isch6 Vorschrift gegen die Roh* heit in der Auflassung des tbieriechen Lebens genchtet ist, wahrend die talmudische Erklärung wieder nur das Aeusserliche des Verbotes, Fleisch und Milch 7.u gemessen, betrachtet. Neben dieser Entwickelung, die das Gesetz starr ohne Rücksicht aut Grund und Bedeutuig fortfiiVnt, steht die alexahdriuisclie Philo• eopbie u it der Urberz.euguug, dass Gottes Gesetz und Plato’s Philosophie identisch sein müssen, die erste