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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1885-11-12 · N° 46. (12.11.1885) · p. Seite 181

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
14 (1885)
Issue
N° 46. (12.11.1885)
Date
1885-11-12
Page
Seite 181 (sequence 3)
Language
German
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— 181 — und so leisten denn nach die Geister zweiten und dritten Ranges ihr erklecklich Theil an der allgemeinen Culturarbeit. Helmholtz erfand den Angen• Spiegel und hat sich damit unsterblich gemacht; aber wer seine Erfindung zuerst zu einer Wohlthat der Menschheit zu machen wusste, das war AI brecht v.Grae fe, der Sohn eines Warschauer Juden, aer selber schon in der Chirurgie eine sehr bedeutende Stellung eingenommen hatte. Und nun mustere man die Namen unserer akademischen Lehrer, unserer hervorragenden Aerzte und Advocaten, ja selbst der höheren Beamten bis zu den Ministern hinauf! Ich mag nicht Namen lebender Personen nennen, aber Jedermann wird selbst nicht wenige von unverkennbar jüdischem Klange in allen jenen Categorien herausfinden. Soll man deswegen über die ״Verjndung“ Deutschlands schreien? Das ist Thorheit oder Neid! Wer ohue Vorurtheil diese Verhältnisse betrachtet, wird darin nichts Anderes finden, als eine Theilerscheinung des allgemeinen Kampfes um’s Dasein, in dem der Thätigere, Gewandtere dem Trägen, Indolenten den Rang abläuft und als Ergebniss dieses Wettstreits eine Mischung persönlicher Eigenschaften, welche eine Veredelung des Gauzen darstellt. Ist doch Treitschke aufrichtig genug, zuzugestehen, ״da^s unsere Sorglosigkeit und Schwerfälligkeit von den wirtschaftlichen Tugenden des jüdischen Stammes Manches lernen köune“. Warum soll das nur auf dem wirtschaftlichen Gebiete gelten? Warum wollen wir nicht anerkennen, dass überhaupt etwas orientalisches Feuer, südliche Lebhaftigkeit, quecksilberne Beweglichkeit eine glückliche Ergänzung unserer schwerflüssigen Gediegenheit bildet? Giebt doch ein Zusatz von etwas Phosphor zur Bronce eine doppelt werthvolle Legirung! (l־\ui'»t.*i/un;׳ folgt.) Die jüdische Theologie als Wissenschaft. Von i)r. ü ])outsc 11. (Fortsetzung). Die grundlegende Theologie, wie mau uach hergebrachtem Gebrauche die gründliche Kenntniss der Bibel nach ihrer Literaturgeschichte, ihrer Sprache, ihren Altertümern, ihrer Geographie und ihrer Philosophie nennt, ist bisher — ein Rest der alten Zeit — noch immer arg vernachlässigt. Der Lehrer betrachtet Rasehi noch immer als einzige Autorität. Er vergisst sich in die wahre Bedeutung der mosaisehen Gesetze zu vertiefen, und nimmt ruhig hin, was Itasclii aus dem Talmud citiert hat. Nicht besser gebt es mit der Geschichte der Bibel. Als Apologet jüdischer Wissenschaft habe ich oft schon Gelegenheit gehabt, den Halbwissern der alten Zeit eutgegenzutretcu, welche, wenn man in den Gemeinden concret die Vorzüge wissenschaftlicher Kenntniss entwickelt, dieselben für Schwindel erklärten and weil ich aus Erfahrung weiss, dass die Theorie im grossen Publicum nicht verfängt, sehe ich mich geuöthigt, zu Allem Beispiele zu bringen. Betrachten wir das mosaische Gesetz über den Diebstahl, so ist es klar, dass der Dieb, weun er das gestohlene Gut herauszugeben im Staude ist, das Doppelte zu ersetzen hat, während er in dem andern Falle vierfach Ersatz leisten muss. liier unterscheidet das mosaische Gesetz den DiebsLahl eines Lammes, der i fach gebüsst und den eines Rindes, der ’> fach gebüsst werden muss. Jedem Einsichtigen wird sofort klar, dass ähnlich dem heutigen Gesetze für den höheren Schaden auch eine höhere Strafe zuerkaunt wird, aber Rasehi kann sich nicht versagen, aus dem Talmud dio ethische, allerdings schöne Acusscrung anzuführen, dass die Thora selbst in dem Diebe die Menschenwürde achtet and darum für die schwerere Arbeit, ein Lamm za stehlen, welches man auf den Schultern forttragen muss, die leichtere Strafe zuerkannt.*) Giebt so etwas als wirkliche Erklärung des Gesetzes, so hat man den Sinn der Schrift verunstaltet. Auch aus der Geschichte soll ein Beispiel uns die Sache klar machen: Wer hat nicht gleioh mir, und ich gehöre nicht zu den Alten, das Märchen von Lemech kennen gelernt, welcher als blinder Greis von seinem Enkel Tubalkain, dem ersten Waffenschmied, auf die Jagd geleitet, statt eines Wildes seinen eigenen Ahn erschossen hat, den er nach der Schilderung seines Enkels an dem Horn auf der Stirne erkannt hat, worauf er dann, vor Schrecken die Hände zusammenschiagend, den Tubalkain zwischen seinen Händen tödtete. Ist es nicht mindestens eine falsche Pädagogik, die den Parallelismus der Worte, ״einen Mann habe ich getödtet zu meiner Wunde und ein Kind zu meiner Beule“, verkennend, eine schiefe Anschauung gerade dem zartesten Kiudesalter einprägt? Es ist elso nnthwendig, dass der Lehrer mit der wissenschaftlichen Exegese dor biblischen Schriften vertraut sei oder zum mindesten eine riehtige Anleitung zur Methodik des biblischon Geschichts- Unterrichtes bekomme. Ob das die Lehrseminarien in Deutschland leisten, ist mir nicht bekannt, in Oesterreich siud wir nicht in der Lage, Itdigionslehrer für Elementarschulen zu besitzen, die mit den Aufgaben ihres Berufes nur halbwegs vertraut wären; ihr grösster Stolz ist es, den M<-udelssohn’schen Comraeutar zu kennen, woraus sie mit merkwürdiger Findigkeit gerade das Unhaltbarste für ihre Zweck• zu verwertheu wissen. So ist mir kürzlich eine Auswähl aus dem 1. Buche Mosis zu Gesicht gekomtnon, worin jene echt rationalistische Idee, welche Mendelssohn bewogen hat, bei der Schöpfungsgeschichte zu vermuthen, dass man übersetzen müsse, ״denn an ihm ruhte er von aii seiucr Arbeit, die Gott erschaffen hatte, fortzu wirken “, iu den Text anfgenommen worden ist, während Meudelssohn sie doch in die Anmerkung verwiesen hat. (.Schluss felgt.) Litteratiirbericlik Recensionen. Karpeles, Gustav. Geschichte der jüdischen Litteratur. Berlin, Robert Oppenheim. 1-S85. Von diesem Werke, welches in einem Umfange von 00 Bogen als ein Baud des Colleutiv-Werkes: ״Goschichte der Litteratur der europäischen Völker“, in Aussicht genommen ist, hat das erste lieft den Druck verlassen. Unter ״Jüdische Litteratur“ versteht Karpoles ״das gesaramte Schrift(hura d«r Juden von den ältesten Zeiten ihrer Geschichte bis auf dio Gegenwart, ohne Rücksicht auf Form und Sprache, sowie auf den Inhalt dieses Schriftthums“. Es ist das eine kühne Auffassung: Dio jüd Litteratur soll eine Natio nal-Litteratur sein, wie K. ausdrücklich (S. 1 etc.) sagt, uud doch sollen die Haupt-Elemente des Nationalen, Land und Sprache, von ihrer Defiuition ausgeschlossen bleiben. Wir siud darum auf die Ausführung doppelt gespannt. Das ganze Gebiet der jüdischen Liiieratur wird in der Einleitung iu 0 Perioden cingetheilt: L Die *> Was soll inan nun gar crit dazu sa^cn, wenn Lehrer dio Stelle אנכי כעז, בכרך nach ltaschi's Aullässimg aimlngetisch mit ״Ich hin's (Jacob), — K-.au ist dein Krstgcborencr‘' uborsotzon? Wo bleibt da dio Moral i׳

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