Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 14 (1885)
- Issue
- N° 44. (29.10.1885)
- Date
- 1885-10-29
- Page
- Seite 173 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 17S — theils auf Rücksicht auf die Eltern, theils aus alter Gewohnheit, die den Geschmack bestimmt. Mir haben z. B hochgebildete und vorurtheilsfreie Juden gesagt, sie ässen nur deshalb kein Schweinefleisch, weil es ihnen nicht schmecke, da sie von Kindheit an nicht daran gewöhnt seien. Solche besondere Geschmacksrichtungen spielen ja im Leben aller Völker eine gewisse Rolle; sie sind es, die die nationalen Lieblingsgerichte bedingen, über die sich die Fremden lustig machen, wie die Franzosen über nn“״r deutsches choucroüte. Noch eine Generation und auch diese äusserliche und nebensächliche Eigenthiimlichkeit verwischt sich. _ 'Knrtsetzmi{; folgt.) Zu dem Artikel Uber ״Ben Patira“. Die Erklärung des Herrn Rens über ״Ben Patira“, richtiger Patura 'TuS, in No. 12 des Littbl. an sich schon deshalb unwahrscheinlich, da es sich äugenscheinlich um eine in den rabbaiiischen Schulen allgemein recipirte Ansicht, welche sodann*) durch die entgf genstehende des It Akiha verdrängt worden war, handelt., leidet noch an dem Fehler, dass last ihre sämmtliehen Voraussetzungen falsch sind Der Vorausset.zung, dass der Ausdruck: *CTT״ nur dann angewendet werde, wenn die voigetragene Ansicht aus einem Schrift Worte abgeleitet wird, widerspricht nicht blos die von Rens selbst angeführte Stelle iGittin -13 a,) wobei es ganz gleichgültig ist, dass die angeführte Ansicht eine irrige gewesen, sondern noch zahlreicl e andere Stellen. Die noch jetzt geltende Vorschrift, dass das Wasser zum Hacken der Mazzot.h am vorhergehenden Abende geschöpft werden müsse (Pessach ■12 a), wird auch nicht ans dem Schriftworte abgeleitet und wird dort dennoch als ,־»! דרשד»•ichnet. IJnmittelbar darauf wird der Vortrag einer gleichfalls noch jetzt geltenden Bestimmung, die ״jeglichen Beleges ans der 11. Sch “ entbehrt, angelührt und hIs דרעז רבא bezeichnet. Aber auch die Voraussetzung, dass Ben Patura seine Ansicht nicht ans dem Schriftworte abgeleitet habe, ist eine irrige, wovon sich Jeder überzeugen kann, der die Boraitha in d>r <)uelle tSifra oder Torath Kohonim zu 3 M. 25,3li cd. .1 II. Woixs 109 ־ c) naehlesen will. Ben Patura und R Akiba ditl'eriren eben in der Ausdeutung des Ausdruckes לחי א*זץד לד“**). B.!,.deutet: Dein Bruder soll mit (:.eben 1 dir leben heisse, du musst deinen Leheusiiiiterhalt mit deinem Bruder t.heilen, mag er zur Krhultnug Beider ansreichen oder nicht; R Akiba hingegen behauptet: mit <1 ir leben bedeute, wenn I)u 111 ehr hast als das, was zur Erhaltung deines Lehens unumgänglich nothwendig ist, so musst Du cs zur Erhaltung des Lebens Deines Meiisclicnbruders hergtbeu. Schliesslich ist auch die Voraussetzung des Herrn Rens, dass, wenn sciue Ausführungen richtig wären, die Oontroverse eines Tanaiten gegen Jesu mit Recht ein Unicum sei, eine unrichtige. Herr Rens wird docli nicht behaupten wollen, R. Akiba habe persönlich mit Jesu coutroversirt; auf angebliche Aussprüche Jesu wird aber augespielt in Ab. Sara 17a und Sabb. IDib.. Dass Talmud und Midr. zahlreiche polemisch-apologetische Aussprüche gegen polemische Aussprüche des Urchristeiithnms enthalte, nahe ich bereits in meiner Abhandlung über ,,[*מ- (Frankel- Grätz, Mouschlt. Jahrg. 1S70) und meiner Schrift: *) Vgl, die l’aralle!« 11 )>ei .1. II. V’ei>- an dein in der naelistellenden Anim ■rkutig ang. Orte. **) .1. II. Wein’ Klag- und A11twnr1s|1icl a. a. <>. Amu. tu ist wulil Mos eine liibg.Wor'h'ii«•!liljmlistiselie Formel, die Wahres mit 11ו1*»ו!'1<י11־\־ \ernii-elii. Das ל^ד T' im voraulg«‘hr11 ־ 1 י : ־ «len Vcr.se: &’», wird, wie ich iiebiiibi■“ I•« •••<•• ki׳, ganz emlneli, ן ohne Mi iinings'lilli'ieiiz a. a. O. HW l>. לחיץ CTTp “'*ח ge- , deutet. 1 Jnstinus Martyr und M. Agada, Breslau 1873, nach• gewiesen und werde gelegentlich noch weiteres nachweisen. Hier möchte ich gelegentlich nur daraaf hinweisen, das» Matthäus lft,18 vom Midrasch Jelamdenn zu 4. M. 23,9*) benützt nnd mit Beziehung auf Jesaia 51,1 auf Abraham bezhw. auf die Israeliten umgedeutet worden ist. לבנות K1CC ׳־הרי מצאתי עליה ולייסד את העולש לכך קרא לאברהש צור־ lioat sich wie eine freie Uebersetzung von: •ri t! lltxpo{, xal tri -xtrij ri4 -2tpx 0:x5;׳x|tT(a(1> jto-j xfv Ixxj.r^.T* ״Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen“ Petro־ ist bekanntlieh auch ein Heros der jüdischen Sagendichtung. Ueber die Entstehung der Petruslegonden, welche Jellinek in seinem Beth-Haminidrasoh Bd. 5 und 0 mitgetheilt, habe ich eine von den mir bis jetzt bekanut gewordenen abweichende Ansicht, die ich jedoch erst dann weiteren Leserkreisen übergeben werde, wenn ich erst Gelegenheit gehabt haben werde, Güdemauns ״Geschichte dos Krziehnngswesen und Cultur der Juden in Italien etc.“ zu lesen, da sich daselbst, wie ich aus der Recension im ״Littbl.“ Jahrg lss| S 101—א ersehen, auch ein Capitel über die Petruslegende befindet. Bacs-Topolya. Goldfahn. Recensionen. I.eviii, l)r. M. Jberia, Bilder aus der spanischjüdischen Geschichte. Berlin. Ford. Dtimuilers Verlag, (llan-witz und Goxsmann) 18.35. Der Gott in der Geschichte hat sich in seiner gerechten Vergeltung noch bei keinem Volk der Enht so mäcluig, so nachhaltig und so sonnenklar hel.liätigt, wie hei dem spanischen. Was wollen die pharaonischen Plagen gegenüber dieser endlosen Reihe von Unglück, Jammer und Elend besagen, die über das einst 80 mächtige Reich mit zermalmender Wucht horeingebrocken ist? Von dem Augenblick an, wo das aufgestachelte, wahnbethorto Kiinigspaar Ferdinand und Isabella die erbarmungslose Vertreibung des guwerbefleiseigston, handelstiielit igsten 'flieiles der spanischen Bevölkerung, der Juden, beschlossen hatte, begann für Spanien eine bislang ununterbrochene Kette von Leid und Missgeschick aller Art. Mit dein 30. März 1 192, jenem' Unglückstage, an dem Ferdinan«! jenes folgenschwere, jammervolle Ediet erliess, waren für die Spanier ״diu schönen Tage in Aranjnez“ vorüber. Das ehemals klassische Land der Grand.zza ist zum klassischen Typus der Dm» Quichoterio herabgesuukon! Uud doch ist es kein Gefühl befriedigter Rache, das wir Juden beim Gedanken au diese traurige Völkerruine empfinden — so erklärlich dies Getühl an sich auch wäre, — sondern eine Art mitleidsvoller Wehmuth. Auch die ״Bilder aus «1er spanisch-jiidisehen Geschichte“, die uns Herr Dr. Levin, der einige Jahre in diesem ״schönen Land der Jugend- Träume“ geweilt, iu warmherzig«.*r Sprache, mit rhythmischern Wohllaut und plastischer Anschaulichkeit virführt, siinl von «lern vollen Gedanken getragen, «la-s ■üe unser» Vorfahren augetliaue Schmach durch die seither erlittene Unbill wett gemacht ist. So heilig auch das jüdische Herz aufzucken mag, •wenn •; Auge!ehrt Jalkut Scliiiucnni ft. 1. <'W e«l Frkl'rt. a. O.!,,!21:111־ ״;׳.«■; vgl. Arnkii s. v. פטרא «nd *■ v. 1 •תמליוש» «tem lierichtc über ״die exegetische und judisch-wissciisi'liatlliehe läitciatur d«1 Jahres 13M, in J.umurhcft« der ״May*. /Mdö-Szemble“ «heilt ll«-rr I'rof. Dr. Dächer mit, d.nt Isr. hovi in •1er ״Revue des Ktudcs Juivos“ juden-christliche Aga«lot)1 11a«־bgewiesen habe. Die ״Revue“ steht uiir aber niebt zur Vertuguug und i«־b kenne douina11 ׳ auch «iie betrc/l'oüdc Arl/eit 1.uv ins nicht.