Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 14 (1885)
- Issue
- N° 44. (29.10.1885)
- Date
- 1885-10-29
- Page
- Seite 174 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 174 — es durch die ▼on der poetischen Gestaltungskraft und dem üppigen Formenreichthum Levius sengenden Gedichte ״ Juan de la Abadia“ nnd ״Torijuemada“ — nach meinem Empfinden die gelungensten und ansprechendsten der Sammlung — ergriffen und aufgewühlt wird, 80 wird sich unserer doch kein Rachegefühl bemeistern, die Lectüre dieser scharf umrissenen, mit historischer Treue gezeichneten ״Bilder“ Levius, wird vielmehr in den Herzen der gebildeten Jugend Israels, der dieses geschmackvoll ausgestattete Büchlein sehr zu empfehlen ist, jene tiefelegische Grnndstimmung zurücklassen, welche Liebe und Begeisterung für unsern Glauben zu wecken und zu fördern geeignet ist. Berlin. t Dr. Ludwig Stein. Roscntl!al,nr. F. Vier apokryphische Bücher aus der Zeit und Schule R Akiba’s. (Schluss.) So z. B. die Controverse zwischen R. Eliezer und R Akiba (Mechilta zu Exodus 1-1,111 und auch in die Pessach-IIaggada recipirt) ob jede Egypter-Plage aus 4 oder 5 Plagen bestand, oder die Controversen über Rückkehr und Antheil der 10 Stämme an der zukünftigen Welt u. 8. w. Solche Aussprüche werden R’s Untersuchungen zu wichtigen Gliedern eines ganzen religion'philosophischen Systems und zeitgeschichtlich bedingter Weltanschauungen. — Manche Aussprüche des Talmud erhalten durch R. überraschend einfache Erklärungen, so z. B. der von R. Akiba:והכל לפי ררב המעשה px ובטוב העולם (Aboth '1,15). Dieser wird durch einen andern Spruch des R. Akiba (Midr. r. c. :1:1) erläutert: מדקדק עם הצדיקים ונוכה מהם מיעוט מעשים רצים שעשו בע״וה־־ז כדי ליתן להם שכר טוב לע ־וה־׳ב und umgekehrt den רשעים. Das מיעוט מעשה ist also massgebend für diese Welt, das .רב המעשר wird für die zukünftige Gerechtigkeit aufgespart und darin liegt die Güte Gottes: ובטוב הצולם, px — Die durch R. gewonnene Apologie des Amhaarcz, ist eine geschichtswissenschatlliche Entdeckung, zu der man dem Verfasser gratuliren kann. Der Amhaarez, das Landvolk, wird im Gegensatz zu dem Chaber im Talmud in einer bisher unbegreiflichen Weise geschildert. R. Akiba wünschte sich, als er noch eiu Am-haarez war, einen Talmid chacham, um ihn ״so zh heissen, wie ein Esel“, d. h. nach talmudischer Erklärung, weil der Esel auch die Knochen beim Beissen zerbricht. Eine Tochter einem Amhaarcz vermählen nnd sie gebunden einem Löwen vorlegen, galt den Mischna-Lehrer für eins. Jede bisher von den Meistern der Geschichte, Griitz ctc. versuchte Erklärung für dieses Phänomen reichte nicht aus, um einen solchen, alle menschliche Ilassenskraft überschreitendcuGegensatz, der zwischen den Am-haarez und den Talmid chacham bestand, zu motiviren. Diese Motivirung wurdo um so schwerer, ja erschien unmöglich, seitdem der politische Zclotismus im Kriege gegen die Römer, der sich auch aus dem Landvolk rekrutirt hatte, seine Apologie gefunden. Wie sollte da plötzlieh dieser edle llerd des jüdischen Patriotismus mit der Zerstörung Jerusalems einer solchen Eutartuug anheimgefallen sein? — Dr. Rosenthal hat nach dieser Richtung einen ausserordentlich glücklichen Griff gethan, indem er die Assumptio Mosis einem Amhaarez zuschreibt, und den in diesem Werke herrsehenden Geist als eiueu Ausfluss der Am-haarez- Gesinnung erkennt. Dieser Punkt erscheint mir so wichtig, dass ich mir nicht versagen kaun, ihn näher darzulegen. Die Assumptio Mosis giebt eine Schilderung, die sich unzweifelhaft auf die Zeit des Tiberius, CaligulR, Claudius und Nero bezieht, von den unter den Juden herrschenden Parteien in folgender Weise: ״Und es herrschen unter diesen (den Juden) verderbliche und gottlose Menschen, indem sie lehren, sie seien gerecht: und diese werden den Eifer ihrer Seele erheben. Das sind trügerische Menschen, nur sich zu Gefallen lebend, verstellt in allen ihren Dingen und zu allen Tagesstunden Liebhaber von Tafeln, Schlemmer der Kehle“. Auf einem neuen, sum Theit lückenhaften Blatte der Handschrift folgt es nun so: ״(das sind) Trügerische, die 8ioh verstecken, um nicht erkannt zu werfen, voll Frevel und Ungerechtigkeit, vom ■Osten bis Westen, sprechend: Wir werden Mahler haben und Ueberfluss, essend und trinkend, und wir werden geachtet sein, als wären wir Fürsten*. Und ihre Hände und Seelen treiben Unreines und ihr Mund wird Grosses sprechen und dazu sagen: rühre mich nicht an, damit Cu mich nicht verunreinigst an dem Orte, an dem (ich weile) . . . und das wirkt auf das Volk, das ihnen (dient) “ ״Liebhaber der Tafeln, Schlemmer der Kehle“, im ersten Theile passt auf die Sadduzäer, dagegen passt der zweite Theil auf die Pharisäer in ihrer Strenge hinsichtlich levitischer Unreinheit. Wer sind aber ״die Trügerisehen, die sich verstecken etc sprechend: wir werden geachtet sein wie Fiirsteu etc.?‘ Rosenthal calculirt nun so. Nachdem R. Jochanan b. Saccai sich heimlich in einem Sarge aus Jerusalem geflüchtet hatte, um in Jahne ein Lehrhaus zu gründen, musste zwischen den Zeloten und Schrittgelehrten, die früher gleicherweise dem Pharisäismus angehörten, ein Zwiespalt von heftigstem Charakter entstehen. Die Zeloten mussten die Flucht des R Jochanan b. Saccai als Feigheit, als Buchlerei um die römische Gunst auffassen, und 80 mussten ihnen Später alle jamnensischen Schriftgelehrten als römische Creaturen erscheinen, gegen aie sie den äussersten Hass, die grimmigste Verachtung für berechtigt hielten. Die Scrupulosität hinsichtlich levitischer Reinheit, wodurch die Schriftgelehrten von dem Am-haarez sich isolirten, musste diesen Hass nur srluiren. Die Zeloten erblickten darin nur den sklavischen Hochmuth der Römerknechte gegen dievon Rom geächteten Patrioten. Dies findet in dem zweiten Theile des obigen Citats seinen nun begreifliehen Ausdruck: ״wir werden geachtet sein wie Fürsten“, . . . ״rühre mich nicht an, dass Du mich nicht verunreinigst etc.“ In solcher Weise ist die Brücke vom Zelotismus zu dem Am-haarez natürlich geschlagen. — Ich gehe sogar noch weiter: ich glaube, auch der erste Theil bezieht sich nicht auf die Sadduzäer, sondern ebenfalls auf die Pharisäer. Wenn R daran Austoss nimmt, »lass sie ״Liebhaber von Tafeln, Schlemmer der Kehle“ genannt werden, so enthält ja auch der zweite Theil diesen Vorwurf: ״Wir werden Mäkler haben und Ueberfluss, essend und trinkend“. — Ich glaube diese Vorwürfe durch folgenden talmudisiheu Bericht (Baba bathra <10 b) beleuchten zu können:תנו רבנן כשחרב הבית בשניי רבו הפרושין בישראל שלא לאכל בשר ולא לשתית יין וכוי. ich vermuthe wohl nicht mit Unrecht, dass diese extreme Askese von den Zeloten geübt wurde, während lt. Josua daselbst den Standpunkt der Schriftgolehrten vertritt. Aus diesem Grunde mochten die Pharisäer von den Zeloten der ״Schlemmerei“ etc. geziehen worden sein. — Ich behalte mir vor auf einzelne Punkte des R.’schen Werkes die mir als besonders fruchtbar für die Geschichte jener Zeit erscheinen, noch in besondem Referaten in diesem Blatte zurückzukomraen, und schliesse mit Dank gegen den Verf. für die mannigfachen Anregungen, die sein Buch mir gegeben, uud jedem gewähren wird, der es mit wissenschaltlichem Ernste durchliest. Dr. Gold sch m id t-Weilburg. Yeuuitw.-vilirlii■!■ ltcikiu.Mir I>r. Itulimer, .Ma^äi.lmr Il1־u1׳k von 1). I.. \* »111 Magdelmr(־< \ ׳rlao von KoIkmi!סי־סו■!*־, I.ciji/.i{:.