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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1885-10-15 · N° 42. (15.10.1885) · p. Seite 165

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
14 (1885)
Issue
N° 42. (15.10.1885)
Date
1885-10-15
Page
Seite 165 (sequence 3)
Language
German
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— 105 — 4 Daraus ergeben sich denn die wunderlichsten Bedenken. Der richtige polnische Jude fragt, auch nachdem ihm der Arzt schon erlaubt hat, Fische zu essen, sicherlich noch ausdrücklich, darf ich auch Hering essen‘/ Das Studium des Talmud nun gar — obgleich in demselben unbestreitbar viel echte Lebens- Weisheit und hohe Tugeudlehre enthalten ist — hat wegen des «larin herrschenden Geistes spitzfindiger Kasuistik etwas geradezuVenvirren11es,Geisttödtendes.*) j Die unglücklichen jungen Leute in den russischen i Städten, welche sich ohne ein geistiges Gegengewicht 1 diesem Studium hingeben und meistens von früh bis ' znm Abend dabei sitzen, ruinireu fast sämmtlich ihr Nervensystem; manche werden geisteskrank, bei an- I dem entwickeln sich die mannigfachsten Formen von! Nervenleiden. I Selbst das alte Prophetenthum hat noch eine Art von Fortsetzung in jenen Ländern. Es giebt immer einen oder den andern heiligen Mann, einen Rabbiner, I weit berühmt nicht 11t«r durch seine Frömmigkeit und Kenutniss des Gesetzes, sondern auch durch seine Weisheit im Allgemeinen. Hunderte von Meilen reisen seine Glaubensgenossen zu ihm, um seinen Rath, seine Entscheidung in zweifelhaften Fällen einzuholen, so etwa wie .-einer Zeit Dr. Luther als Schiedsrichter und Berat.her auch in weltlichen Augelegen heiten von fern her angernlen wurde. fSt111׳uss ) Wer ist Ben Patira? Im Tract. B. Mezia fol. •>/ a. wird folgende Boraitha mitgetheilt: ״Zwei Reisende befinden sich unterwegs, in wüster Gegend, uu<! nur im Besitze «les Einen ist ein Schlauch Wasser; wenn beide davon trinken, so werden sie später beide vor Durst, uinkommen, trinkt jedoch nur der Eine, so kann er wieder eine bewohnte Gegend erreichen; für diesen Fall, predigte B<-11 L'atirn, es ist besser, dass beide trinken und sterben und nicht d«׳r Eine das Y<׳rselm1aohtc11 des Andern -äh«‘, bis R. Akiha kam und lehrte: 111 der Schrift :!. 15. M. 'Jö,:!ti heisst es: ״Dein Bruder lebe neben Dir“ das bedeutet: «lein Leben geht dein deines Nächsten vor. Ein Uliieuin ist «1er Name ״Ben Patira“, da ders׳db1« ausser an dieser Stelle im Talmud nicht wieder vorkommt; sodann ist. auch der Gebrauch «les Ausdrucks דרש hier «•in ungewöhnlicher. Mit demselben werden unzählige mal im Talmud religiöse \ortnig«־, Preiligteil etc. eingidciict und stets bdgt. darauf בא' דב״*ב, ein Schrift vers als Text, worauf «1er Von ragend«! sich stützt und sein«! Ausicht.cu biblisch begründet. — Nur einmal, Git,tili 1:5, a wirtl ein hala׳ hischer Vortrag «les Raliba, Sohn Ilaniia’s, mit «TTT «•ingeleitet, in welchem dieser »•ine eigene Ansicht, 011110 Schrittbeweis «larlegt, es wirtl ihm jedoch sotort. das Irrige seiner Ansicht gezeigt mul seine Deductiou zurückgewiesen. — Wer ist nun Beil Patira, «lesseu eigene Ansicht obige üoraitlia mittlieilt mul welche, wie es scheint, lange Zeit von seinen Schülern weiter tnulirt und w.ohl auch als Beweiss seines hochedeleii Glmracters c! •nutzt wunle, bis endlich R. Akiba aulirat und «las ן Irrige devsclbt*11 «larlegte und *las Gegontheil aus der! heil. Schrift «leducirt«־/ Ich vermittln! «larunter «len j Stifter der christliehen Religion. In seinen Vortragen ן lehrte er sein«! ethischen Grundsätze 01111«! }••glichen 1 Beleg aus «1er II. Sehr., in «1er ״ Bergpredigt“ sogar *j Pasda- Smdium des Talmud ״■e-i-U—«•.«11*11־<l“ wirke, i-t ן ein gan/. neuer, u11c1־l1'׳1׳t«T \ .׳rw url, gerade, *la- «.eg.-ntlteil i-t! walir met anerkannt, 1׳s wc■• kt dir (׳ei-o -kraüc• und -■ ״•>«lt •len j Yev-t:«1ul. 1"'1•י im Gegensatz zu derselben; daher in der Boraith» auch nur einfach דרש• Es scheint, das» «las Gerücht von seiner übernatürlichen Geburt schon bei seinen Lebzeiten entstanden nml von seinen Anhängern weiter verbreitet worden war, von seinen Gegnern jedoch dazu benutzt wurde, auf seine Mutter einen Makel zu werfen Dem zu begegnen, benutzt er 80 oft die Gelegenheit, wenn er von sich redet, sich als ״Menschen“ d. h. als einen Adanissohu zu bezeichnen; andererseits aber gaben Redowemlmigon wie Math, lö.ld.: Alle Pilanzen, die mein himmlisclier Vater nicht gepflanzt, oder Job. 1 d. 17: Wenn ihr mich kenntet., so kenntet ihr auch meinen Vater—und so ähnlich an vielen Stellen, vom Volke missverstanden, Anlass, jt-nes Gerüchtzu bekräftigen u1nl ihm als «les — himmlischen — ״Vaters Sohn“, Ben Putira i. e. filin» patris, zu bezeichnen —Wenn nun auch der in «1er Boraitha mitgetlieilte Ausspruch Jesus’ sich in «l«!n als canonisch recipirten Evangelien nicht vorfiudet, so hat er entweder in einem «h‘r verloren gegangenen Evangelien, vielleicht im Evang Ebriieorum gestand«*n, oder sielt durch Ucherlieferung fnrtgepllanzt, wie sich ja auch in «len Schriften der Kirchenväter Reden un«l Aussprüche Jesus’ finden, welche sie «lurch müinlliche UcbiTlieferung empfangen hal>«׳n. 1V«׳rgl. «lt! W«!tte, Kilileit. in d. N. '1'. ij 7.Y) .Jedenfalls passt der Aus- Spruch ganz in «l<‘11 Rahmen der von Jesu gepredigten Grundsatz«! vom Streich auf den rechten Backen un«l vom Rock und Mantel, Matt. 5;!!t. 10, ebenso sollte man sein eigen«.-• Lehen liinopfern, um das eine» andern nicht zu veikürzen, ln Anbetracht jedoch, «lass die Sorg«• «les Menscln-ii Jür sieh selbst, ein durchaus be1«!«d1tigter Egoismus ist, l.i--t R Akiba zu dein Schluss gtdangen und ans der Thora b. - weisen: Dein Leben geht dem Deines Nächsten vor! Wenn auch aus der Zeit «los aiifbliilieiuleu Christenthtims sieh manche Andeutung im Talmud findet, welch«* gegen dasselbe geriel1t«*t, war, wie Herr J A. Weiss in seinen! Werke l'li'TT די" דד nachweist, so ist «loch «lio Controverso eines Tauaiteu gegen Jesu mit Recht ein Uniciim zu Heimen. Eine Illustration zu uuserm Gegenstand«! bil«l«!t die vor kurzem in Etiglaml staUgid’mnb'iin G.-richtsverhamlhiiig g«’gen zwei Sebillbriicliig«*, welche ihren dritten!-••iihmsgenossen töiilcten und verz«*11rt«!n u11«l so ihr |jeb«‘11 vor «!«•m Ilungi-rtoil«! bewahrten. Sie wnr«b‘11 vom Gericht«! zu <׳in׳׳r (iefängnissstrafe v״r-! urilu-ilt mi'l «lurch «lie Begnatligtmg «1er Königin in I Freiheit gi'set /.I, si•• entschied also nach R. Akiba’» I Meinung, wi«׳wohl «li«־s«-r in g«־g«'11wärtigem Fall•! nicht so gi-iiriheilt hält«־, denn in «b in von «1er Boraitha I anfgestidlten Fall«! war «l«׳r Eino Eige11thiim«!r «ies , Was-*••:•■ und halt«! ein R«*«׳ht, dasselbe fiir sich all«!i11 ' zu bi-nutz«•!!, hi«*r aber, welch«•» Anrecht hatten «lie 1 heiilen an «lein L«d>«11 «les Dritten, «la hätte R. A. ent- He.hi1»״«!n: יא;״. דדבך ב־ניקא גב־ «lein Blut nöther ist, als das leicht ist das »einig«! röther“, voller. Hamburg. ‘״ באwer sagt dir, «lass deines Nächsten, vield. h. sein Leben werth- M. S. Itcns.!1 in Nadler“ No. 3H Ueber den Ursprung des Namens thidlt der wacker«! I.«׳hrer Cohen-Rees «les ״Jii'l. Liit.-Bl.“ den Inhalt eines in seinem Besitze bi-finillicheu Schriftstiick«-s mit. Z׳-igt dasselbe auch manche Lücke, wie Herr C. .selbst «larthut, und maiiehc U11 wa h r s c!1 e i n 1 ic 11 kei t, die den sagenhalten Charakter «1er Erzählung sofort ausser allen Zweifel setzt, wie z. B. «lass dem fraglichen zweijährigen Knaben eine Stecknadel hinter «las Ohr zwischen Haut und Fleisch gesteckt und «lass er in /

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