Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 14 (1885)
- Issue
- N° 40-41. (8.10.1885)
- Date
- 1885-10-08
- Page
- Seite 161 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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1885. Beilage z. ״Jüd. Litteratur-Blatf. ^40-41. Erscheinung machte daher mit Ausnahme des ausdrucksvollen Kopfes, der hochgewölbten Stirn und des feurig blitzenden Auges wenig Eindruck. Erst mit dem Eintritt in das Haus eines Fabrikanten als Erzieher, in welchem er in den verschiedensten Stellungen, als Buchhalter und Theilhaber, lebenslang verblieben war, hatte seine drückende Noth ein Ende erreicht. In diesem Hause fand er den leiblichen Bedarf für sioh und später für seine Familie in ausreichendem Masse, geistige Nahrung und Anregung aber schöpfte er besonders im sogenannten ״gelehrten Kafleehause“, wo an hundert gebildete Männer täglieh zu Ernst und Spiel zusamihenkamen und unter welchen ein reger wissenschaftlicher Verkehr gepflegt wurde. So ist Berlin ihm allmählich zur liebgewonneneu zweiten Heimath geworden. Aber so geeignet auch der Boden war, die Keime seir־^ Geistes herrlich emporspriessen zu lassen, so gesu״ . auch die Nahrung und kräftig die Triebe, die Blüthen seiner Denkerseele wären nicht zu so prangender Entfaltung gelangt, ohne die belebenden Sonnenstrahlen — der Freundschaft Leasings. Erst durch ihn ist das schüchterne Talent zum vollen B6wusstsein seiner Kraft und seiues hohen Werthes erhoben worden. Beim Schachspiel wurde er mit Lessing bekannt, zu dem er fortan in einem immer inniger und fester sich gestaltenden Freundsohaftsbunde stand. ״Das Königsspiel hat zwei Könige im Reiche der Gedanken zu einem engen Bündnisse vereinigt“. Lessing mit seinem übersprudelnden Geiste, seinem kernhaften, herzwarmen und derbhumoristischen Wesen, fern von der würdesteifen Gemessenheit damaliger Zunftgelehrten, Lessing der schon als 20 jähriger Jüngling muthig für jjii Juden (in es^Ufi1n.Xdl^L. "gpHif'^die Juaen^fTÜarCei genommen, musste vön der ersten Stunde an auf Mendelssohn einen bezaubernden Eindruck gemacht haben. Und Lessing* konnte seinerseits nicht genug den ״zweiten Spinoza“ bewundem, ״welcher ohne alle Anweisung in den Sprachen, in der Mathematik, in der Weltweishei und in der Poesie eine grosse Stärke erlangt hat“. _ (Schluss folgt.) Die biblische Schöpfungsgeschichte im Lichte der Wissenschaft. Die geschichtlichen Berichte der Bibel finden ihre Bestätigung in den Resultaten wissenschaftlicher Ausgrabungen und den Nachrichten aufgefundener Papyrus-Rollen; die neuesten Forschungen der Astronomen bestätigen nun auch die biblische Sohöpfungstheorie. Bekanntlich ist diese vielfach angegriffen und als nicht mit der Wissenschaft übereinstimmend hingestellt worden. Besondem Anstoss erregte die Schöpfung des Lichts am ersten und das Wachsthum der Pflanzen am dritten Tage, während doch die Sonne, als Quelle des Lichts und der Wärme für die Pflanzen, erst am vierten Tage geschaffen wurde. Die Wissenschaft belehrt uns nun über die Bildung der Himmelskörper. Sterne bilden sich auch heute noch aus dem Sternennebel, das will sagen: sie sind^ in ihrem Keimen und Werden vorhanden, aber anfangs nicht, dicht genug, um gesehen und erkannt werden zu können. Auch unsere Erde hat sich aus einem anfänglichen Dunstkreise, der sie umgab, und aus einer feurigen, glühenden und flüssigen Masse erst allmählich zu einem festen und dichten Körper gebildet. Mit der Sonne habe es sich anfänglich 6benso verhalten. Dieselbe sei von Anfang an nicht dicht und compact genug gewesen, um eine ausreichende Anziehungskraft zu üben. Die Planeten seien daher bei ihrer Umdrehung um die Sonne, als ihr Centrum, theil weise ihrer eignen Schwerkraft gefolgt und rechtsläufig geworden, sie verfolgen ihren Rotationsweg von der Sonne abgewandt Nur Uranus und Neptun rotiren um die Sonne linksseitig, d. h. der Sonne zugewandt, weil bei deren Schöpfung der Sonnenkörper bereits oompaot und dicht genug war, um volle Anziehungskraft ausüben zu können. Die Schöpfung der Erde ging demnach der vollendeten Sonnenbildung voraus; bei deren Schöpfung war die Sonne noch nioht dicht und sichtbar genug, ihre Einwirkung auf die Erde war in der ersten Zeit, ״in den ersten Tagen in Bezug auf Licht, Wärme und Anziehungskraft noch keine vollkommene Dies will die Bibel damit sagen, dass die Sonne erst am vierten Tage geschaffen worden. Aber immerhin war die Sonne in ihrem ersten Keim und Anfang bereits vorhanden, um Licht und Wärme für das Wachsthum der Pflanzen ausstrahlen zu lassen, wenn sie auch nicht sofort dicht und sichtbar war. Darum lässt die Bibel in Ueberein8timmung mit der Wissenschaft, wenigstens nicht im Widerspruch mit derselben, Licht und Wachsthum der Pflanzen dem Sichtbarwerden und der Verdichtung, d. h. der Schöpfung der Sonne vorausgehen. Auch war der Boden der Erde anfänglich wärmer und fruchtbarer, als heute nach Erkaltung der Erdrinde. Vulkanischer Boden unterscheidet sich jetzt noch darin merklich von dem gewöhnlichen. Auch aus diesem Grunde ist das Wachsthum der Pflanzen vor der vollen Sonnenwärme nicht auffällig. Alzey. Dr. Rothschild. Litteniturbericht * Recension. — * Die Gesetzsammlung des Jadenspiegels, zusammen gestellt und gefälscht von Aron Briman, Pseudodoctor Justus, (0pif6x speculi in lumine veritatis, immersus palude in tenebris mendacii). Beleuchtet und beriohtigt von Med. Dr. R. Lippe. Jassy. Buch- und Steindruckerei H. Goldner, Primariegasse. 1885. ״Liebe führt vom geraden Wege ab, und Hass führt vom geraden Wege ab“. Ein leidenschaftlicher, vom Verfasser selbst als ein durch die Verzweiflung der beklemmten Brust erpresster Nothschrei (S. 261) bezeichnete Schrift liegt uns vor, mit welcher deutlieh gezeigt wird, wie jedes Land nicht allein die Juden hat, welche es verdient, sondern auch, wie jedes Land seine Juden modelt durch sein Verhalten gegen sie. Uns kann diese wilde Feindschaft gegen die katholische Kirche, ebenso wie die an Redensarten reiche, an Begründung aber arme, wahnwitzige Begeiferung derselben nur ein mitleidiges Achselzucken abgewinnen. Denn wir sehen in dieser Kirche einen gewaltigen Bau, durch Gottes Fügung errichtet, dass dort die Heiden den Glauben an den einen Gott und die Moral des Judenthums lernen! Herr Dr. Lippe!ist in Galizien geboren, ihm hat kirchliche Unduldsamkeit schon seine Jugend- und Schuljahre verkümmert, er sieht die Israeliten Galiziens leiden und dulden — sieht Geistliche als Führer der Feinde, welche nur die Form des Kampfes moderniairt haben, die aber, wo sie es können, die alten Mittel der Inquisition brauchen. Dazu lebt er in Rumänien, wo der Antisemitismus rein materiell und von der Kirche losgelöst zu 8ein scheint. Darum kämpft er gegen d;e Kirche, wie wir meinen, mit unzulänglichen