Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 14 (1885)
- Issue
- N° 40-41. (8.10.1885)
- Date
- 1885-10-08
- Page
- Seite 159 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 159 — langt) freilich, um einen Preis, der ihm zu hoch erschienen. Von diesem, durch verwandtschaftliche Bande mir besonders theuern Grabe machte ich einen kurzen Bundgang über diese Stätte ewigen Friedens, besah mir die Gräber bedeutender Persönlichkeiten, die Monumente künstlerischen Werthes und las von den Grabsteinen, was die überlebenden Angehörigen und Lieben über die hier Schlummernden gedacht und vermerkt. Liegt doch oft die ganze Lebens- und Leidensgeschichte der Verstorbenen wie deren Hinterbliebenen in diesen wenigen Grabsteinworten! Ich sah hier die künstlerisch ausgeführten Grabstatten und von Meisterhand geschaffenen Monumente des Geh. Commerzienraths Jacob Landau, der Frauen v. Bleichröder und v. Liebermann (letzteres 8011 einen künstlerischen Werth von enormer Höhe repräsentiren), der Frau Ludwig Löwe (Gattin des bekannten Abgeordneten und Grossindustriellen) die Gräber der Prcf• ssoren Traube und Waldenburg, beide einstens Zierden der Berliner Universität und der Wissenschaft, der Parlamentarier Lasker und H. B. Oppenheim, des verdienstvollen Literaten Joseph Lehmann, der Sladträthe David Friedländ.er (des treffllichen Menschen und Freundes von Moses Mendelssohn) und Meyer Magnus’, an den unser deutscher Kronprinz die denkwürdigen Worte gegen die Antisemitenbewegung richtete, die Erbbegräbnisse der edlen Familie Beer, der Eltern Wilheim Beers des Astromen, M ichael Beers des Dichters und Giacomo Meyerbeers des Componisten, welche auch sämmtlich an der Seite ihrer Eltern ruhen, die Gräber Abraham Geigers und Joseph Aubs der bekannten Rabbinen Baruch Auerbachs des Gründers der nach ihm benannten grossartigen Waisen-Anstaltenund seinerGattin, Leonor Beichenheims, des einstigen langjährigen Abg. für Waldenburg (Freund Schulze-Delitzsch’s und Stifter des nach ihm benannten Waisenhauses); hier ruhen auch wenige Schritte von der nach ihnen benannten und von ihnen gegründeten Altersversorgungsanstalt Moritz und Sara Reichenheim und viele andere verdienstvolle Menschen, deren Namen und Thaten sie noch lange überleben werden. Von den mir zu Gesicht gekommenen Grabstein- Inschriften mögen die nachstehenden hier eine Stätte finden Das gleich rechts vom Eingang sich befindliche Grabmonument der Frau Emma v. Bleichröder, ein prachtvoller weisser Marmorblock, trägt neben dem Namen der Entschlafenen die Inschrift: Sie war von hohem Sinn und edlem Walten Die treue Gattin, liebevolle Mutter, Der Armen Stütze, der Bedrängten Zuflucht, Sie starb beweint von Allen, die sie kannten, Und erntet jenseits ihrer Tugend Saat. Nicht weit davon liegt Professor W a 1 d e n b u r g, dessen Grabstein die Worte eingegraben sind: Hier ruht in Frieden mein innig geliebter Gatte, der Professor Dr. Louis Waldenburg, geb. in Filehne am dl. 7. 1837, gost. in Berlin d. 14. 4. 1881. und darunter: Liebe war sein ganzes Sein, die Erforschung der Wahrheit sein rastloses Streben, die Ausübung des Guten und Wahren sein opfervollcs Tagewerk. Jacob Landau’s prachtvolles Monument hat die vielgebräuchliche Inschrift: Du bist nicht von uns geschieden, In unseren Herzen lebst Du fort Die auf alle vier Seiten des Sarkophags vertheilten Inschriften des viel beschriebenen, in bestem Marmor ausgeführten, fürstlich schönen Moinuments der Frau v. Liebermann lauten: ״Besser Ehre, denn Ehren“. Darunter in vorgeschobener Niesohe: ״Alles Leid, das gemeinsam wir erlitten, verschwindet doch gegen das e i n e L e i d, das mich. Du Gute, getroffen hat — durch Deinen Tod!“ und darunter: Kein grösster Schmerz, als sich im Leid Auf altes Glück zurückbesinnen. An der einen Seite: Wohl uns, die wir hier ruhig schlafen können, Denn unser Gewissen ist rein vor Gott.“ An der anderen Seite: ״Wir vertrauen auf Dich, o Herr, der Du vergelten wirst einem Jeden nach seinem Thun.“ Darunter in vorgeschobener Niesche: Und so seh’ ich alle Tage Einen Tag dem andern folgen, Bis zuletzt der letzte kommt.“ In den oberen Ecken: Dem Manne die hingehendste Gattin, Den Kindern die liebevollste Mutter Riena Liebermann v. Wahlendorf. f, hinten rechts: Den links: Der Unglücklichen Helferin. Der Edlen Freundin und weiter unten: Kurz gelebt ist — kurz gelitten. Der Grabstein des Stadtraths MeyezMagnus trägt unter seinem Namen, Geb.- und Sterbejahr die wohlverdiente bezeichnende Inschrift: Was vergangen, kehrt nicht wieder, Aber ging es leuchtend nieder Leuchtet’s lange noch zurück. Die von einem prächtigen schwarzen Marmorblook überdeckte, von einer Palmen beschattete Gruft Eduard Laskers trägt als Inschrift ausser dem Namen nur noch Geburts- und Sterbejahr (geb. 14. Oct. 1829, gest. 3. Jan. 1884). Ebenso steht auf dem einfachen Grabstein des verdienstvollen Mediciucrs Louis Traube nichts weiter als: Louis Traube geb. 12. Januar 1818 gest. 11. April 187ti. Auf H. B. Oppenheim’s, des einstigen ״Grenzboten “-Mannes, des trefflichen national-öconomischen Schriftstellers, Patrioten und Volksvertreters Grabstein las ich: Dem Andenken Heinrich Bernhard Oppenheims, Dr. jur. geb. zu Frankfurt d. 20. 7, 1819 gest. in Berlin 29. 3. 188U und darunter: Treu und gut im Herzen, stark und hell im Geiste, Allzeit ein gerüsteter Kämpe, allzeit ein helfender Freund, Kundig der Lehre und des Lebens Dem Kleinsten mit Verständnis« lauschend, Dem Grössten mit Begeisterung dienend, Willig empfangend, noch williger gebend Alles, Was Mensch dem Menschen lnetet; so wirkte er für Vaterland, so lebte er den Seinen bis zürn, letzten Atliemzuge, so, unvergesslich und unersetzlich, lebt er in der Geschwister, in der Freunde Gedächtniss. Auf Moritz Reichenheims Grabstein steht das schöne Bibelwort: Er errettete den Armen, der da schrie, und die Waise, die keinen Helfer hatte. Kann es ein schöneres Bewusstsein für einen mit irdischen Gütern gesegneten Menschen geben, als unter diesem Bilde im Herzen der Nachwelt fortzuleben? Wenige Schritte links vom Eingang und der Leichenhalle hat die Gemeinde Berlin einen ihrer hervorragendsten geistlichen Führer der Neuzeit, den Rabbiner Dr. Abraham Geiger gebettet. Auf seinem Grabstein heisst es: Die jüdische Gemeinde Berlin ihrem unvergesslichen Lehrer und Führer Rabbiner Dr Abraham (teiger geb. 24. 5. 1810 gost. 23. 10. 1874. Mit ihm ist zweifelsohne der begabteste Streiter des fortschrittlichen Judenthums unserer Zeit und ein unermüdlicher, fruchtbarer Forscher, eine echte Gelehrtennatur zu Grabe getragen.