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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1885-08-27 · N° 35. (27.8.1885) · p. Seite 139

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
14 (1885)
Issue
N° 35. (27.8.1885)
Date
1885-08-27
Page
Seite 139 (sequence 3)
Language
German
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— 139 — lieh mit Juwelen, goldenen und silbernen Uhren und Dosen, Tressen, Spitzen, Kanten, seidenen und wollenen (doch nicht schlesischen) Zeugen, Häuten, Pferden, alten Kleidern und Möbeln, sowie mit Petschierstecherarbeit gestattet. — Polnische Juden behielten volle Freiheit, nach Breslau zu kommen, und sich dort nach Gefallen aufzuhalten um Handel zu treiben. (Schluss folgt.) Recensionen. Volkmar, Gustav. Die neu entdeckte urchristliehe Schrift ״Lehre der zwölf Apostel an die Völker“. Deutsch herausgegeben und in Kürze erklärt. Leipzig u. Zürich, Th. Schröter. 18*5. (Schluss.) Ob der Verfasser dieser pseudoapostolischen Schrift ein Judenohrist oder Heidenchrist gewesen? Die Ent- Scheidung darüber scheint mir von der Entscheidung derselben Frage über die Epistel des Barnabas abhängig zu sein, welcher unsere Schrift offenbar sich anschliesst (vergl. Harnack’s Commentar a. v. St.). Der erste Theil der Lehre spricht nicht für einen Judenchristen; ferner ersehen wir aus dem zweiten Theil, dass man in den Kreisen unseres Verfassers noch vielfach mit den Juden Montag und Donnerstag, statt Mittwoch und Freitag fastete und auch die Gebete der Juden noch mithielt (S. 22 u. 23). Dass die Juden hier und sonst mit dem Kosenamen ״Heuchler“ u. dergl. traktirt werden, darf uns nicht stören. Derartige Schimpfnamen auf die Juden gehörten eben schon zu dem alten, ״guten“ Ton der frommen Evangelisten. Dagegen scheint mir eine Stelle S. 29 mindestens aus einem freundlichen Gefühle für die Judenchristen geschrieben zu sein. Die Stelle lautet: ״Jeder Prophet aber, der sich als ein' wahrhaftiger bewährt hat, wenn in Bezug auf das weltliche Sinnbild der Kirche eine Uebung hat, ohne die Uebung von dem, was er übt, (Andern) zur Pflicht zu machen: der soll vor euch nicht beurtheilt werden; denn bei Gott hat er sein Urtheil. Gleicherweise haben auch die Propheten der Urzeit gehandelt.“ Was ist hier unter dem weitliehen Sinnbild oder Symbol der Kirche oder Gemeinde ״ei; frjaxYjpiov xoapixov exxXrjaEa;“ zu verstehen? Nach dem Zusammenhang kann dies nur eine Uebung sein von etwas, was man Andern nicht zur Pflicht macht, aber doch zur Pflicht machen könnte, und zwar ist diese eine solche, welche auch von den Propheten der Urzeit beobachtet wurde ״waauxio; e~0’Yjaav xai 0E d׳.p־/a:o: 7rpocpYj־ta:. Man muss unbedingt Bryennios darin zustimmen, dass man unter Propheten der Urzeit im zweiten christlichen Jahrhundert nur die Propheten des alten T.’s verstanden haben könne. An die geschraubten Interpretationen von Harnack und Volkmar auf die Ehelosigkeit wäre demnach nicht zu denken. Diese wurde von den Propheten der Vorzeit nicht eingehalten. Ebenso wenig ist aber der Hinweis des Bryennios auf Jesaj. 20,2 zutreffend. Es konnte doch keineswegs erwartet werden, dass die Uebung solcher Symbole ad hoc von dem Propheten auch Andern zur Pflicht gemacht werde. Unter diesem weltlichen Symbol der Gemeinde ״|xu£׳ri)p:GV xoqicxiv ixxX7]atas“ durfte daher nur die Uebung der alttestamentlichen Vorschriften überhaupt zu verstehen sein, welche von den Judenchristen lange Zeit noch beobachtet wurden. Wohl hatte die pau- Unische Richtung des segensreichen Heidenchristenthums um die Zeit des Verfassers unserer Schrift die Herrschaft innerhalb der Kirche erlangt, dies bekundet auch der sogenannte Barnabasbrief, dessen Spuren unsere Schrift treu folgt; allein trotz alles heidenchristlichen Eifers gegen dieselben wurden die Juden- Christen, welche an dem mosaischen Gesetz noch festhielten, doch immer als zur Kirche gehörig angesehen. Auoh der Barnabasbrief, der in seinem wunderlichen Rationalismus behauptet, dass Mose im Geiste geredet und von den Israeliten im Fleische verstanden wurde, concedirt doch diesen wenigstens die Verehrung Gottes im Fleische (vergl. Hausrath, Neutest. Zeitgesch. IV, 343 ff.). In dieser Weise oder vielleicht in etwas besserem Sinne dürfte der Verfasser unserer Schrift das jüdische Gesetz das ״weltliche Symbol der Kirche“ genannt haben. So dürfte es wenigstens von den nach dem Gesetz lebenden Judenchristen dieser Zeit aufgefasst worden sein. Auch diese hielten das Gesetz nicht als eine Pflicht für Alle und namentlich nicht für die Christen aus den Heiden, aber für sich hielten sie es doch aufrecht. Auf die christlichen Propheten dieser Art bezieht sich nun unsere Stelle, indem sie ermahnt, an jenen Act keinen Anstoss zu nehmen, da ja auoh die von allen Christen verehrten Propheten der Urzeit so gehandelt hätten. So ist diese Schrift auoh für unsern Zweck von historischem Interesse, als ein partielles Stimmungsbild jener Zeit, in welcher die letzten Fäden, welche Judenthum und Christenthum bis dahin verbanden, abgerissen wurden.*) Bei den dunklen und sphynxartigen UeberlieferuDgen über die gewaltige Zeit der jüdischen Erhebung unter Bar-Kochba muss uns Alles höchst willkommen sein, was uns der Lösung der vielen und schweren historischen Räthsel näher bringen könnte. So fand ich eine sehr wichtige Bemerkung Grätz’s Gesch. d. J. IV, 458 durch unsere Schrift erhärtet. Zur Erklärung der WisohnaBerachoth Ende: משקלקלו המינים והתקינו שיהא אדם שואל1 את שלום חבירו בשם, und des Midrasch Psalm 36 ב* דורות נשתמשו בשם המפורש אנשי כ״הג ודורו של שטד bemerkt Grätz, dass das Geschlecht der Zeit des hadrianisohen Krieges sich des ursprünglichen Gottesnamens bedient habe, weil die Minäer d. h. Judenohristen auch Jesus ״Herr“ (אדוני xöpios) genannt haben. Nach unserer Schrift scheint es aber, dass man in jener Zeit die Bezeichnung ״Herr“, xipiog אדני überhaupt nur auf Jesus angewandt habe. In unserer Schrift kommt 18mal das Wort xup0£.׳ vor, davon ist 16mal ganz entsohieden Jesus gemeint, und nur zweimal bei einem Citat aus Maleachi könnte man zweifelhaft sein, ob sich dasselbe nicht auf Gott bezieht. Ein genauerer Blick zeigt aber, dass auch diese beiden Male nur Jesus gemeint sei, während Gott immer mit i>sd;, tcxtyjp, SesTtöTyjs bezeichnet wird. Recht charakteristisch dafür ist die Vergleichung von X, 5 (bei Harnaok) [ivrjatbju, xup׳.e . . . mit den vorhergehenden Danksagungen, in denen das Wort xopto; nicht vorkommt. Jenes bezieht sich auf den Heiland, diese wenden sich an Gott. Beuthen O./S. Dr. Rosenthal. *) Nach Dr. Ph. Schaff inNew-York ist die ״Didache“ das Original tur den ״Barnabas-Briet“ und den ״Hirten“ am Ende des 1. Jahrhunderts in Palästina oder Syrien geschrieben, und aus judenchristlichen Kreisen, aus der Schule des Matthäus und Jakobus, stammend.!Cfr. The oldest church manual called the Teaching of the XII apostles the Didache u. s. w. by Philip Schaff. New-York. Funk <fc Wagnalls 1885.) Wir verweisen noch auf die bei Fischbacher in Paris in 2. Auflage erschienene Schrift von Paul Sabatier, Pastor an der Nicolaskirche zu Strassburg. (״La Didache etc.“, griech. Text und Commentar), der auf die verschiedenen Anklänge an jüdische Ideen, Sitten und Gebräuche aufmerksam macht. — Schon Wünsche hatte in seiner Ausgabe der Didache auf die zahlreichen Parallelen in den Midraschim und Targumim hingewiesen. — Prof. Dr. Lechler, geh. Kirchenrath in Leipzig, geht in seinem Werke: Das apostolische und nachapostolische Zeitalter u. s. w.. 3. Auflage, Karlsruhe und Leipzig bei Reuther 1885, 635 S., menr auf die Gedankenwelt dieser Schritt ein. (Red.)

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