Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 14 (1885)
- Issue
- N° 35. (27.8.1885)
- Date
- 1885-08-27
- Page
- Seite 140 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Jastrow, Morris. Abu Zakarijjä Jahjä ben Dawüd Hajjug und seine zwei grammatischen Schriften über die Verben mit schwachen Buchstaben und die Verben mit Doppelbuchstaben. Jnaugural-Diss. Giessen 1885. 31 S. 8°. Als wir diese Promotionsschrift bis zur letzten Reihe der letzten Seite durchgelesen hatten, mussten wir staunend fragen: wo bleibt die angekündigte Dissertation? "Wir blickten noch einmal sorgsam nach der Aufschrift, um uns zu vergewissern, dass der junge Autor uns eine Abhandlung versprochen über 2 Epoche machende grammatische Schriften des Hajjug, die Verba mit schwachen und die mit Doppelbuchstaben betreffend. Ausser dem dürftigen Hinweise, dass Hajjug mit aller Energie die These verficht, jedes hebräische Wort sei auf drei und nicht auf zwei Wurzelconsonanten zurückzuführen, ein Gesetz, welchem auch die Verba mit Doppel- und sogen, schwachen Consonanten unterliegen, werden die grammatischen Schriften des Hajjug und namentlich die in Rede stehenden in keiner Weise gewürdigt, ja kaum leise gestreift. H. J. verspricht also auf dem Titelblatte viel mehr, als er thatsächlich hält, ein Umstand, welcher für den Mann wie für den Autor gleich misslieh ist. Im Interesse des Verf.’s glaubten wir, nur ein Bruchstück seiner Abhandlung vor uns zu sehen; allein es fehlt an jedem positiven Hinweis hierauf. Von diesem gravirenden Fehler abgesehen, muss man den Ausführungen des H. J. Anerkennung zollen. Die Ansichten, für welche er sich entscheidet, bekunden eine gewisse Reife des Denkens und Selbsständigkeit des Urtheils. Nicht unwahrscheinlich ist, was J. gegen Derenburg vermuthet, dass das ספר הרקתה nicht sowohl ein Werk religions-philosophischen, als vielmehr grammatischen Inhaltes sei. Mit Stern nimmt Verf. gegen Pinsker, Geiger, Graetz, Derenburg und Bacher an, Hajjug sei nicht direct als Schüler des Menahem ben Sarük zu betrachten. Man muss bekennen, dass die Argumente, welche J. geltend macht, eine grosse, innere Berechtigung in sich tragen. Dass Hajjug in systematischer und methodischer Weise nach Analogie der damals hoch entwickelten, ihm als classisch geltenden Abhandlungen über arabische Grammatik seine Schriften über die Grundregeln der hebräischen Grammatik abgefasst hat, ist, wie der Verf. mit Recht hervorhebt, das hauptsächlichste und bleibendste Verdienst des berühmten Grammatikers. Man wird auch ferner dem Verf. zustimmen müssen, das Parhou’s Notiz (Lex. s. v. עד שעמד חיוג ומצא ערוך (פרח nicht ein lexikalisches, sondern ein grammatisches, wohl eordnetes Lehrgebäude im Auge habe. Sehr ankenswerth und interessant ist die Probe des arabischen Textes, welchen der Verf. im Originale nach gewissenhafter Revision der ihm zu Gebote stehenden drei Handschriften vorlegt, begleitet von einer correcten, dem Texte sich möglichst knapp anschliessenden Uebersetzung, Regeln über Schewä betreffend, welche fiir die zünftige Grammatik wenigstens ein hohes, historisches Interesse bieten. Möge H. J. bald sein Wort einlösen und den ganzen arabischen Text, welchen er nunmehr völlig beherrscht, herausgeben! Sorau O.-S. Dr. Immanuel Deutsch. Dilloo, F. YY. J. Das Wunder an den Stufen des Ahas. Eine exegetische Studie. In sehr eingehender Weise behandelt der Verfasser die schwierige Frage von dem Wunder, welches der Prophet Jesaias dem Könige Chiskijahu als Zeichen seiner Geuesung angiebt, dass nämlich der Schatten an den Stufen des Ahas um 10 Stufen zurüokgehen werde (2. Könige 20,9 ff., Jes. 38,7 ff., 2 Chronik 32,24). Seinen eigenen Standpunkt kennzeiohnet er duroh die Worte, dass er ״keine Erklärung, w>hl aber eine Anschauung des Wunders“ gegeben habe (Seite 41); das heisst, er will nur die exegetische, nicht aber die astronomische Seite der Sache betraohten. Und diese weise Beschränkung macht das Büchlein zu einer Bereicherung der exegetischen Litteratur. Da sich der Veifasser trotzdem der Nothwendigkeit nicht verscbliessen kann, dass eine religiöse Anschauung des Wunders nicht ohne Idee über das Verhältniss desselben zu den Lehren der Natur wissenschaff bestehen kann, so giebt er die Erklärung, dass der Herr sich die vollkommen freie Disposition über das Licht im Allgemeinen und sodann auch über das Licht der Sonne, des Mondes und der Sterne vorbehalten habe (Seite 40). Das Wunder bestand nach seiner Ansicht darin, dass ähnlich, wie Herodot II. 109 berichtet, und wie von Augustus gemeldet wird, ein auf Stufen errichteter Obelisk als Sounenuhr diente, wo man den Schatten naoh der Anzahl der Stufen mass. Ks wäre also bei Chiskijahu’s Erkrankung der Schatten auf der untersten der 10 Stufen gewesen und sei plötzlich vollständig verschwunden. Diese Erklärung giebt zugleich die Symbolik des Wunders, indem Chiskijahu von seinem Lebensabend wieder in die Mittagshöhe des Lebens zurückversetzt wurde. Soweit können wir also dem Verfasser vollständig zustimmen. Hingegen können wir ihm nicht folgen, wenn er die Erzählung von Chiskijahus Krankheit in die Zeit nach der Vernichtung des Heeres des Sanherib versetzt. Denn der babylonische König hat, wie 2. König. 20, 12 berichtet wird, die Gesandschaft zur Beglückwünschung Chiskijahus nach seiner Genesung geschickt. Diese Sache hat jedenfalls auch ihre politische Seite, indem das aufstrebende babylonische Reich gerne diejenigen unterstützte, welche von Assyrien unterdrückt wurden. Auch ist nioht abzusehen, warum die chronologische Ordnung der Ereignisse an dieser Stelle geändert sein soll. Dass, wie Dilloo meint, die Babylonier aus wissenschaftlichem Interesse eben dieses Wunders wegen Erkundigungen einziehen wollten, erscheint mir ganz unhaltbar (Seite 10). Keineswegs geht es aus den citierten Schriftstellen hervor. Ferner kann ich der Ansicht des Verfassers nicht zustimmen, dass (2. König. 20, 4) das Q6re חצר an Stelle des heutigen Kethib עיר thatsächlich einmal gestanden habe. Denn trotz der Bezeugungen des Qere (קרי) durch die Versionen ist es sicherlich nichts anderes als eine Conjeotur zur Hebung der Schwierigkeit, welche für die Massoreten in dem Ausdruck6 ״die innere Stadt“ lag. Mit grosser Heftigkeit wendet sich Dilloo gegen die rationalistischen Exegeten. Hierin können wir ihm aus wissenschaftlichen Gründen vollkommen zustimmen, ebenso wie wir seine Erregung von seinem christologischen Standpunkte aus, dass Chiskijahu’s Genesung wegen des ״Christus Gottes“ nothwendig war, begreifen können (Seite 9). Trotzdem hätten wir gewünscht, dass Ausdrücke wie ״das heisse Bügeleisen glühender Phantasie“, (Seite 18) ״ein unüberwindlicher Schrecken ist der gesammten Exegese in Herz und Glieder gefahren“, endlich das sprachlich bedenkliche ״auf deren Thorheit folio die eigene Weisheit sich desto herrlicher abhebt“ (Seite 29) vermieden worden wären. Brünn. Dr. Deutsch. Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahmer , Magdeburg. Druck von D. L. Wolff, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.