Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 14 (1885)
- Issue
- N° 32. (6.8.1885)
- Date
- 1885-08-06
- Page
- Seite 127 (sequence 3)
- Language
- German
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— 127 — kann ich hier einen Stossseufzer nicht unterdrücken! über die Mehrzahl nnserer jüdischen Fachgelehrten, die noch heute auf die moderne Grammatik von oben herabsehen und in den elementarsten Begriffen der Sprachlehre die grösste Naivetat verrathen Ist es mir ja erst kürzlich bei einem Rabbiner in meinem Vaterlande, einem modern gebildeten Manne, passirt, dass er meinte, der Begriff Segolat-Form decke sich mit dem Substantiv - Paradigma פעל bei den alten Grammatikern. Doch genug der Klage über eine nunmehr unabänderliche Thateache und vollen wir lieber an das Buch selbst gehen, welches sich als 21. Auflage des vor 70 Jahren zum ersten Mal erschienenen Lehrbuches von Gesenius giebt, aber zuerst durch Rödiger’s, dann durch Kautzsch's Hände gegangen, längst ein anderes geworden ist. Da wir bei den Lesern dieses Blattes eine genaue Bekanntschaft mit der früheren Auflage voraussetzen dürfen, so können wir nur über die Veränderungen in der jetzigen sprechen, sowie über das, was wir geändert gewünscht hätten. Was zunächst heutzutage ein Lehrbuch der liebr. , Sprache beeinflussen kann, Kt der noch immer mit gleicher Heftigkeit fortgeführte Streit, ob zwei- I oder dreibuchstabige Wurzeln als ursprünglich iu der Sprache anzunehiuen sind. Diese grundlegende Theorie wird auf die Flexionsbetrachtung, sogar auf die Auf- Stellung der Paradigmen einen bedeutenden Einllass nehmen. Nun will ich nicht so weit gehen, wie Stade, gegenwärtig wohl der bedeutendste Vertreter der Theorie von den zweibuchstabigen Wurzeln, weleher kürzlich in der ״Theologischen Litteraturzeitung“ No. tt das Metzler’sche Lehrbuch und einige andere für unbrauchbar erklärte, weil sie au dem Wahnsinn der Drei-Consonanten-Lehre festlichen, aber ich meine, der Vermittelnngsversuch,!lass ״vom sprachgeschichtliehen Standpunkt11 diese Theorie sicher zu aceeptiren . sei, hingegen im ״Sprachbewusstsein der überlieferten i Sprachperiode“ die Idee der Coiitraction dreiläufiger! Wurzeln in bililterale fcstges( Anden habe iS. Iיי:!), sei j ein verunglückter. Hier giebt es nur ein entweder — : oder. Entweder ist die bililterale Theorie richtig, 1 dann kann kein Sprachbewusst-ein einer geschieht- 1 licheu Sprachperiode uns darüber hinweghelfcii, dass es ein Nonsens ist, auzunehmen, die zweibuchstabigen Formen von "עי und עייע seien durch Contraction aus den dreibuchstabigen entstanden, statt, dass es richtig ist, zu sagen, die noch vorhandenen Formen nach Analogie von .33 sind nach Analogie der starken Verba *333• 333 entwickelt worden, oder die trilittcrale Lehre ist richtig, dann mag inan in Gottes Namen die Formen der ״geininata ''־* als Contractionen erklären, mag weiter קם für entstanden aus ד)*ם ei klaren und ebenso Cp! von Cp! ablciten, aber ein solches Hinterplörtchen ist das caudiuische Joch der trilitteralen Lehre. Sage mau lieber ganz olfeu, wie ich es gcstehe, dass mau heute •lie gesicherten Ergebnisse der modernen hebr. Philologie für den praktischen Lehrgang der hebr. Sprache nicht leicht verwerlhen kann, dass man — und das scheint die Hauiitiir-aclie zu sein — die stereotypsten Paradigmentaf-in aus Scheu vor den Kosten nicht umgiessen wollte, und darum befriedigte man sein wissenschaftliches Gewissen mit der Erfindung von dem ״Sprachbewusstst der überlieferten Sprachperiode“. Das Bcibchalten der allen Paradigioeutafelu hat auch zur Folge gehabt, dass mau bei dem Paradigma ל,טל geblieben ist, welches doch nur deswegen erfunden wurde, um d׳n Uebergang zur Erlernung der anderen semitischen Sprachen zu erleichtern, nachdem es von Kautzsch doch sogar für seine aramäische Grammatik aufgegebeii worden ist, obwohl es gerade im aramäischen Sprachgebrauche viel häufiger ist, als im hebräischen. Analogie-Formen sind bei dem geringen Umfange der biblischen Litteratur nicht zu vermeiden, doch soll man sie möglichst einschiänken, warum also nicht für *33 .33 das wirklich vorkommende הדל .CT! setzen? Warum als Paradigma der unveränderlichen Feminina das ungeschickte 3'3ה, warum nicht lieber •TT7I oder eia ähnliches, leichter auszusprechendes Wort, als dieses Conglotnerat von Zischlauten. Das Substantiv - Paradigma ist überhaupt noch immer der unsicherste Theil der hebr. Formenlehre. Kautzsch ist uoch bei deu vier Paradigmen der früheren Autlage stehen geblieben, wovon das erste die einsilbigen Stämme umfasst, das zweite die zweisilbigen Stämme mit zwei ursprünglichen kurzen Vocalen, z. B. ד3ר, das dritte, die zweisilbigen mit erstein Vocal unveränderlich und zweitem veränderlich, z. B. עילם, das vierte sowohl die Substautiva mit erstem veränderlichen und zweitem unveränderlichen Vocal, auch die ganz unveränderlichen, z. B. 3.3ת פקיד. Dabei ist zunächst die Zusammenziehung der unveränderlichen mit deu theil weise veränderlichen unangenehm auffällig, sowie dass diese den Schluss der Paradigmen bilden, statt dass, was besonders für didaktische Zwecke empfehlenswert!! wäre, gerade die ganz unveränderlichen Substautiva den Anfang machen sollten, und als Beispiel für sie würde ich nicht 3TI3. sondern ein den *עי abgeleitetes Substantiv, als z. ß. גר. מת,עד wählen. Dann würden die Beispiele mit eiuem veränderlichen und einem unveränderlichen Voeale folgen; hierauf' kamen die mit zwei veränderliehen Vocalen und endlich erst die sogenannten Segolat.a Begreiflicherweise müssten nach der bilitleraleii Theorie die von ע״ע abgeleiteten Stämme als 3. א3. דל* aus diesem Paradigma ausgeschlossen sein. Das veranlasst mich überhaupt, über das verunglückte Wort Segolata zu sprechen. Ich sehe nicht ein, warum man nicht lieber einsilbige Stämme •sagt, welche tlieils ohne lliilfsvocal, tlicils mit. Hiilfs-Segöl, UteiU mit lliilfs - Pal ach, tlieils mit lliilfs - Cltirek gebildet sind. Das würde den Lehrer der iiherllüssigen Mühe überheben, immer zu sagen, dass diese Stamme wohl Segolata heissen, aber diesen Namen nicht verdienen. Und es ist nichts ungeschickter, als immer hefürchten zu müssen, dass sich durch den falschen Namen cdn falscher Begriff einschleich״ In dieses Kapitel gehört auch die Bezeichnung Pilel für das richtigere P<׳lel und bei *ע״, wenn mau es schon nicht vorzieiit, einfach diese Formen als Piel zu bezeichnen. Von dein, was die (frammatik uns Neues bringt, und was meistens in den Noten untergehracht ist, gehört der grösste Theil in das Gebiet der Lautlehre, und die Bereicherung der Grammatik ist meisten״ einzelnen Aufsätzen aus Zeitschriften zu verdanken. Eine interessante Aeiiderung findet sich § I 7 Seite fitj Wo die Notliweudigkeit der Aussprache *קד für *קל nachgewiesett wird. Hierzu ist Kautzsch’ aramäische Grammatik eitiert. Thatsäclilich aber scheint hier Strack’s Iss.'! erschienenes Lehrbuch die (Quelle zu sein, welches wied-r aus Luzatto schöpft. Interessant ist es. dass dieselben Herrn, welche sonst so gerne die jüdischen Grammatiker citireu, wenn sie ihnen einen Fehl״r nach weiset! können, sehr schweigsam werden, weint sie deren Ansichten aceeptiren. Doch soll das Ge-agtc den Werth dos Buches keineswegs schmälern. Gerade im Gegeutheile möchte ich alle die grossen Vorzüge des Buches gerne in’s recht« Licht setzen, wenn dies der mir zur Verfügung stehende Kaum nur gestattete. Mit dein Worte der Bibel