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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1885-07-16 · N° 29. (16.7.1885) · p. Seite 115

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
14 (1885)
Issue
N° 29. (16.7.1885)
Date
1885-07-16
Page
Seite 115 (sequence 3)
Language
German
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— 115 Aufbau unserer Religion, aber wir würden unser• ganze Schulzeit mit dieser Grundlegung ausfüllen müssen und das können wir nicht. Also in dieser Weise geht es nicht — da hat meiner Ueberlegung nach Herr Klingenstein vollständig Recht. Ich sage daher:כשם שקבלתי שכר על הדרישה כך אקבל על הפרישה• Dagegen hat mich mein Experiment aufs festeste überzeugt, dass die Herbart-Ziller’sohe Methode die einzige unserer Religions-Schule angemessene ist. Im § 23 und 24 meines Artikels habe ich gezeigt« dass wir.•absolut kein anderes Interesse brauchen können, als das immanente, nur am Lehrgegenstande haftende. Ich glaube nicht, dass meine Argumentation in diesen §§ irgendwie erschüttert werden kann. Dass das immanente Interesse duroh die H.-Z.’sche Methode in kaum glaub- Hoher Weise erregt werden könne, das zeigt mir meine Erfahrung jetzt jeden Tag. Sogar für die hebräische Sprache war, wie gesagt, das Interesse in kaum übersteigbarem Grade wach und nun, da ich die H.-Z.’sche Methode in BibUscher Geschichte anwende, mache ich dieselbe Erfahrung in immer steigenden Potenzen. Herr Kl. ist ein Gegner der H.-Z.’schen Methode: ״Es hat sich herausgestellt, dass das Neue in dieser Schule nicht gut, und das Gute nicht neu ist.“ ״Herbart*Ziller können uns nicht nützen.“ — Nun, ich fühle mich nicht zum Anwalt H.-Z.'s berufen, wenigstens nicht an dieser Stelle. An dieser Stelle bin ich nichts als jüdischer Religionslehrer. Dass ich von keiner Vorliebe für meine Ideen mich beherrschen lasse, habe ich oben gezeigt: wo ich nicht Recht habe, will ich auch nicht Recht behalten, sobald ich überzeugt wurde, dass ich nicht im Rechte bin. Aber — dann darf ich aber auch von anderen verlangen, dass sie nicht bloss Ansichten äussern, sondern auch sie begründen. Was soll das heissen: ״Herbart-Ziller können uns nicht helfen?“ Ich habe doch, wie ich glaube, unerschütterliche Gründe angeführt — in den citirten §§ 23 und 24 — dass uns nur einzig und allein Herbart-Ziller helfen können, weil eie uns den Weg zur Erweckung des immanenten Interesses zeigen. — Ja, aber — ״das Gute ist nicht neu.“ Nun dann sei es alt; wenn es nur gut ist. Wir treiben ja hier nicht Geschichte der Pädagogik. Wir wollen hier einen Kranken heilen. Sollen wir ein Recept neuester Therapie darum nicht anwenden, weil ein Gegner des Erfinders desselben nachgewiesen zu haben glaubt, die Gründzüge davon seien schon im Hippocrates vorhanden. — Was frage ich darnach, wo H.-Z. ihre guten Ideen hervorgenommen haben? Meinetwegen von Ratich, meinetwegen aus Comenius, aus Rousseaut aus Pestallozzi, Niemeier u. 8. w. Wenn sie nur gut sind, so können sie uns helfen, und Herr Klingenstein giebt doch zu, dass das Alte in ihnen gut ist. — Wenn uns H.-Z. aber nicht helfen, sondern die ältere offizielle. Pädagogik — nun warum blühen unsere ReUgionsschulen nicht? Pestallozzi’s: ״Wie Gertrud ihre Kinder lehrt“ und Schwarz’s Pädagogik und Diesterweg’s ״Wegweiser“ u. s. w. sind doch schon eine Reihe von Jahrzehnten in der Hand der Lehrer und im Credit der Lehrer-Seminare? Warum haben diese kein Lebens - Elixir für unsere Religionsschule daraus schöpfen können? — Offenbar aus den Gründen, die ich in den genannten §§ 23 und 24 meines Artikels auseinandergesetzt habe. H.-Z. aber sind noch nicht salonfähig, ungefähr wie . . . das Judenthum. Soll darum das Judenthum auf die Worte der offiziellen Meister schwören? Soll es nicht im Gegentlieile seine glückliche Lage benutzen, die es an keine offizielle salonfähige Pädagogik bindet, und das Gute da nehmen, wo es zu finden ist? — ״Es hat sich herausgesteUt, dass das Neue in dieser Schul• nicht Sit und das Gute nicht neu ist.“ Sie haben das, err Kl., in der Allgem. d. L. Z. in einem Briefe des nun leider auch heimgegangenen Stoy an Direotor Dr. Bartels gelesen. Aber Stoy ist selbst Herbartianer und spricht dort nur von Ziller. Ziffer und Stoy sind eben Gegner in der Interpretation Herbarts. Sie scheinen aber das Stoische Anathema auch auf Herbart auszudehnen. Nun: Herbart wird von״ affen Pädagogen hoch gehalten, auch Dittes nicht ausgenommen. Aber Dittes ist ein Schüler Beneke’s, der in der Psychologie ein Gegner Herbart’s ist. Daher die Differenz. Die eigentliche Gegnerschaft Dittes’ richtet sich nur gegen die Juugherbartianer, die Zillerianer, welche ihre Nichtanhänger mit dem ehrenvollen Namen ״Vulgärpädagogen“ belegt haben. Ueber den mächtigen Impuls, den Herbart der Pädagogik als Wissenschaft gegeben hat, darüber herrscht nur eine anerkennende Stimme. Also, wenn schon uns Ziller nicht helfen kann, 80 kann uns doch möglicherweise noch Herbart helfen können.— Nein, wir müssen uns endlich gewöhnen, unsere eigenen Wege zu wandeln, das Judenthum und unsere Religionsschule als etwas ganz Individuelles zu behandeln, auf das keine fremde Schablone passt. Wir haben unsere eigenen Schönheitslinien und unsere eigenen . . . Auswüchse; unser Rock muss also direkt auf unsern Leib zugeschnitten werden. Die officielle Pädagogik ist überhaupt vollständig christianisirt; das christliche Lebens- und Sittlichkeits-Ideal ist der Polarstern in den Systemen unserer grossen Pädagogen. Wir finden dort nichts fertiges für uns, aber viel Stoff, aus dem wir uns eiu Kleid, ein gut sitzendes, wärmendes und schützendes, machen können. Darum keine Nachbeterei, sondern Gründe. Mögen sie draussen zanken: für uns fragt es sich: was können wir für unsere Religions-Schule brauchen? — Dass ich eine ungeschickte Anwendung von Herbart-Ziller gemacht hatte, indem ich die Bibel im Urtexte als einzigen Unterrichtsgegenstand proponirte, das ist für mich ein Irrthum gewesen, der mich doch der Wahrheit näher gebracht hat. Wie ich mir jetzt die ״Theorie und Praxis der jüd. Religions-Schule“ denke, das werde ich mit Gottes Hilfe in einer Monographie zeigen, in welcher ich das erste Schuljahr der jüd. Religions-Schule zu bearbeiten gedenke, u. z. sowohl dem Lehrstoffe, als auch dem Lehrgang und der Lehrform nach. — Dass Ziller Gegner der confessionslosen Schule ist, gebe ich zu. Aber Ziller’s confessionelle Schule könnte uns willkommener sein, als die beliebte confessionslose. Die Cofession Zillers, soweit sie im Unterricht zum Ausdruck hommt, ist die Religion der Philosophie, allerdings christlich zugeschnitten, aber auch streng nach Logik und Ethik. Der Confes sionalismus ist bei H.-Z. nur ein nebensäch- Hohes Moment; die Hauptsache ist Religion und Moral. Und die religionslose Schule ist gewiss nichts, was wir wünschen könnten. — Ueber Katechetik als Lehrform werde ich mir erlauben, einen besonderen Artikel zu schrei ben. Wir haben leider kein jüd. pädagogisches Blatt; die jüd. Blätter müssen also deren Stelle vertreten. Was Herr Klingenstein über jüdischen Ge- ( schichts-Unterricht sagt, uuterschreibe ich voll und ganz. Aber wie er behandelt werden muss, damit er die Wichtigkeit erlange, die ihm Herr K.! zuschreibt, das ist noch die Frage und eine zu lösende! Aufgabe. Das gut Erzählen allein macht es noch | lange nicht. Unterhaltung ist gewiss nicht das Ziel I der Religions-Schule, und gute Erzählung kann

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