Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 14 (1885)
- Issue
- N° 29. (16.7.1885)
- Date
- 1885-07-16
- Page
- Seite 116 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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höchstens unterhalten. Ich hoffe das hierher Gehörige in dem obengenannten L Schuljahr der ״Theorie und Praxis“ •tc. zu zeigen. Denn wie ich an den Herrn Redakteur privatim schrieb, in der Pädagogik gilt das נעשה קודם לנשמע; die Theorie überzeugt am besten, wenn sie in der Form dor Praxis hervortritt. — Nur noch ein "Wort über meine Kühnheit, in der Schule zu experimentiren. In unserer Religionsachule ist leider wenig zu riskiren. Jeder zielbewusste Versuch ist mehr werth, als unser hergebrachter ziel- und gedankenloser Schlendrian, der nichts als ein leerer Verbalismus, ein Memorir-Materialisinus ist. Dr. J. Goldsohmidt-Weilburg. Recension. Marx, Gustav H. Traditio Rabbinorum veterrima de librorum veteris Testamenti ordine atque origine. Leipzig 1884. 60 S. 8°. Das Buch, offenbar eine Leipziger Dissertation, Delitzsch gewidmet, mentis memoriam beneficiorum ... servantis testem, macht dem Verfasser persönlich, wie der Schule, aus der er hervorgegangen ist, alle Ehre. Es ist eine gründliche Untersuchung der Baraitha in Baba bathra 14 b und 15a über die Ordnung der biblischen Bücher, wobei der Verfasser zu dem Schlüsse kommt, es sei hier keine Tradition, sondern nur ein Versuch, die Bücher der h. Schrift chronologisch zu ordnen. (Baraitham nihil continere, quod non potuerit colligi e libris sacrae scripturae.) Demgemäss fallen alle Schlüsse über die ursprüngliehe Ordnung der Bücher, welche aus dieser Baraitha gezogen werden, weg. Gelungen ist der Nachweis, warum in der Reihe der Propheten der Name Jesaiah’s nach Jeremiah und Jecheskel steht, was Marx ganz unzweifelhaft dahin erläutert, dass man das Buch Jeremiah von den Königen nicht trennen mochte, da man beide als das Werk eines Mannes ansah. Schwieriger ist die Erläuterung der Thatsache, dass das Buch Hiob seine Stelle zwischen den Psalmen und Sprüchen hat, da es doch nach Ansicht der Tanaiten von Moses verfasst sein soll. Marx meint nun, man habe einerseits die drei grossen Hagiographen zusammen lassen, anderseits die Werke Salomonis nicht unterbrechen wollen, deshalb ist die Reihenfolge Ruth, Psalmen, Hiob, Sprüche etc., dagegen Hesse sich doch noch einwenden, dass die Ordnung hätte lauten müssen: Ruth, Hiob, Psalmen, denn dass Ruth mit der Genealogie Davids schliesst, ist kein zwingender Grund, j um die chronologische Folge zwischen Samuel, dem | Verfasser des Buches Ruth, und David, dem Verfasser der Psalmen lieber zu unterbrechen, als zwischen David und Salomo. Jedenfalls ist dem Verfasser der positive Nachweis gelungen, dass die Aufeinanderfolge der biblisch. Bücher keine traditionell percipierte, sondern nur aus chronologischen Gründen coniecturierte ist. Die Anordnung ist eine sehr übersichtliche. Zuerst wird nach einer kurzen Einleitung der Text mit den unerheblichsten Varianten gegeben. — (Hier kann ich nicht umhin, das traurige Ueberwuchern der kleinlichen (V Red.) philologischen Akribie auf allen Wissenszweigen zu beklagen, welches so viele Mühe an einen so untergeordneten Gegenstand verschwendet) — dann folgt die lateinische Uebersetzung u. Erklärung. Im Einzelnen wäre zu bemerken, dass die Uebersetzung der talmudischen Stellen nicht überall gelungen ist. Wohl war es schwer, die talmudisohe Etymologie רית von!TH wiederzugeben, doch glaube ich nicht, dass der Ausdruck, ״qui perfudit Deum canticis“ einem nicht eingeweihten Leser die Sache klar macht Bedauernswerth ist ein direkter Fehler, indem Herr Marx die Stelle, dass David seine Psalmen mit Hilfe "',ע (d. h. durch Aufnahme des vorhandenen Liedervorraths in seine Sammlung) von 10 Aeltesten geschrieben hat, durch pro deoem senibus übersetzt, wo es ״per“ heissen müsste. Das wäre einem jüdisehen Autor unmögUch gewesen, der hätte die Bedeutung von *ע״ aus dem Siddur gekannt. Der von Marx gelieferte Text bietet gegen die besten Editionen S. 19. מלכות שבא für *מלכת ש, dementsprechend ist auch die Uebersetzung (S. 27.) regni Sabäorum aetate für reginae etc. — Manche Aeusserung wird, wie das in Erstlingsarbeiten gewöhnliche ist, hingeworfen ohne bewiesen zu sein. So behauptet M., die Talmudsohulen in Sura und Pumbeditha hätten keine geschriebenen Exemplare besessen, während Friedmann in seiner Gratulationsschrift an J. H. Weiss das Gegentheil unumstösslich bewiesen hat. Die Aeusserung, dass nirgends ein Zweifel über den canonischen Charakter eines biblischen Buches geherrscht habe (nusquam soiscitantur, num sit hic illeve über ejiciendus e eanone) S. 30, ist trotz Wellhauseus Einleitung (S. 551) noch lange nicht ausgemacht. Die Einwendungen, die der Verf gegen Abr. Kuenen und Robertson Smith erhebt, welche die grosse Synagoge nicht als geschichtliche Thatsache anerkennen, sind nicht bedeutend. Freilich haben auch diese Männer nicht den eigentlichen Grund dieser Sage betont, der offenbar in dem apologetischen Moment für die Pharisäer liegt, welche die Kette der Tradition von Mose an ununterbrochen fortgesetzt wissen wollten und für die zwischen Ezra und Simon dem Gerechten eine weite Lücke klaffte. Dieses apologetische Moment ist um so wichtiger,, als die ganze Baraitha von der Ordnung der biblischen Bücher von dem gleichen Geiste beherrscht ist, wie ja der Verf. die abenteuerliche Vermuthung Fürsts, die ältesten Tanaiten hätten noch einen doppelten Jesaiah gekannt, mit Recht zurückweist und sowie die Prophetie nach dem Zeugnisse des Josephus ein apologisches Moment gegenüber den Heiden bildete, (Antiqu. XI. 1.), so war die Stetigkeit der Tradition nothwendig zur Apologetik gegenüber den Sektirem. Ungerecht ist der Verfasser gegenüber den Tanaiten, wenn er meint, sie hätten alles das geglaubt, was sie als Geschichte ausgeben ״non possumus non concedere, Judaeos tum credulos fuisse, ut somniarent, Adamum fuisse poetam.“ Wir haben und nicht aus tendenziösen Gründen die Meinung, dass alle derartigen Aggadahstellen eine in mystisches Gewand gehüllte Allegorie sind. Falsch ist die Polemik gegen Wrigths Uebersetzung von Hosea, 1. 1. The beginning of the word of the lord to Hosea,“ welche auch ohne Coniectur möglich ist, so haben Raschi und Ibn Ezra schon erklärt (vide Genesis 1,1) und dieser Ansicht schliesst sich die jetzige Grammatik an, z. B. Gesenius § 116. 3, dass der status constr. auch mit dem verbum finitum verbunden werden kann. Trotz alledem möchte ich meine Besprechung, mit gleichem Rechte wie der Talmud bei Jesaiah, כוליה נחמתא heissen, denn ich kann das Resultat der Arbeit ein gesichertes, die Form eine schulgerechte, wissenschaftliche und die Gelehrsamkeit des Verfassers eine ausserordentliehe nennen. Keine biblische Einleitung und kein Werk über Geschichte der Bibel wird künftig geschrieben werden können ohne Benutzung dieses Buches. Dr. Deutsch-Brünn. Berichtigung. In vor. No. ist aut' drr ersten Seite, Spalte 2, 1 Zeile :1 von unten das Wort אשפכה zu streichen. Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wollt', Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.