Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 14 (1885)
- Issue
- N° 27. (2.7.1885)
- Date
- 1885-07-02
- Page
- Seite 107 (sequence 3)
- Language
- German
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107 — Bilderdienst als etwas Heidnisches anzusehen, — wird zugestanden. Nur darüber wird sich der Verf., Herr Lio. Gustav Marx, nicht recht klar, dass Maimonides nur Mohammedaner, Karo Christen und Mohammedaner, Isserles nur Christen gekannt hat. — Die Aufsätze schliessen mit dem Satze: ״Dass in unsem Tagen in einer christlichen Offioin ״ein Pamphlet wie der ״Judenspiegel“ erscheint, ״dass ein Docent einer Königl. Akademie zur ״Schande der deutschen Wissenschaft den Mantel ״seiner wissenschaftlichen Anerkennung darüber ״breitete, das ist schmähliches Unrecht.“ Aber in Heft 5 kommt der hinkende Bote nach• Den jüd. Vertheidigern wird in Bausch und Bogen der Vorwurf der Unredlichkeit, der Verlogenheit gemacht. Einen Hoffmann und Goldschmidt brauche ich nicht zu vertheidigen — die Herren stellen selbst ihren Mann — einen Rodkinsohu überlasse ich den Herrn Missionaren! Mir wird aufgepackt, dass ich (Orach. Chajim 224.1) verschwiegen habe, ״das von dem in Krakau lebenden Isserles beigefügte Motiv, wonach jene Benediktion (״der Langmuth übt“ u. s. f.) nicht mehr gesprochen wird, weil man dergleichen götzendienerische Symbole beständig um sich habe! — Glaubt denn Herr Marx, dass die in Babylonien lebenden Rabbiner götzendienerische Symbole nicht beständig um sich hatten, dass sie nicht auoh zu besorgen hatten, ״man müsste die Benediktion zu oft an wenden?“ — Dass man nur da eine solche Benediktion spricht, wo man seit 30 Tagen etwas derartiges nicht gesehen hat, bedurfte Isserles nicht zu bemerken, das ist alter Grundsatz! Sein Zusatz bekündet vielmehr das Streben innerhalb des Rahmens der bestehenden Satzungen, trotz des Bilderdienstes und der ihm wohl durch Hörensagen bekannten, ״schwarzen Mutter Gottes von Czenstochau“ den Unterschied zwischen einer christlichen Kirche und den heidnischen Tempeln hervorzuheben! ״Ohne Weiteres“ führe ich die Stelle Baba Bat.hra 54 b an, weil Justus sie allegirt hat — dass ״dadurch ein falscher Schein erweckt“ werden kann, ist mir unerfindlich! Dass hier nur ״von einem bloss in den Formen der Besitzergreifung zwischen heidnischem und jüdischein Recht bestehenden Unterschied“ die Rede ist, hat Herr Marx selbst auf S. 43 überzeugend dargethan! Ob die Schädigung des Juden oder des Heiden den Titel רשע erwirbt, dafür war mir das Vorhergehende: ואחריותו צל העכום entscheidend! Dass, und wie die Moral ״für den Vortheil des Heiden“ Interesse hat, möge Herr Marx sich von Herrn Marx S. 43 (Choschen ha Mischpat 359,1. 348,2. 228,6. 231,1.) sagen lassen. Dr. Rosin, Fassei, Hoffmann, Goldschmidt und ich — ich vermehre die Zahl derer, die falsche Aussprüche thun, nicht, obsohon ich aus alter und neuer Zeit recht Viele bezeichnen könnte, die sich mit uns in derselben Täuschung über die wahre Form des Rabbinismus“ befunden haben — müssen unbewusste Fälscher sein, weil R. Joseph Karo in Widerspruch zum Tur (266) alle Gojim vom Zurückgeben des Verlorenen ausschliesst. *) Hat Herr Marx es übersehen, dass wir nicht in verba magistri schwören? dass es unsere Pflicht ist, die Halachah zu eruiren und wir nach dem Beer haggola entscheiden dürfen? Ja, hat Herr M. nicht gesehen, dass Karo Raschi’s Begründung fortlässt und als Grund angiebt, ״weil er die Macht der צוברי צבירה vermehrt!? Nun machen Sie sich gefälligst selbst den Reim darauf! *) In meinem Coschen Mischpot steht בצכום. Ui* Folg#- rnngen des Herrn Marx Hiegen in der Luft! Doch ich sollte demüthiger und schuldbewusster auftreten, denn ich habe wirklioh ein Entsetzliches begangen, als ich nicht erst nachsah, ob der Beer haggolah den Maimonides richtig oitirt, wenn er sagt: ״Und was der Maimonides schreibt, dass der ״Grund ist, weil er die Macht der Uebelthäter stärkt, ״das scheint mir zu erweisen, dass er der Ansicht ״ist, Raw habe dort in Svnhedrin nur ven götzen- ״dienerischen Ackum gesprochen und nicht von den ״Aokum in unserer Zeit u. s. f — Ihr Herren, sucht nicht den Splitter in Anderer Augen, dann wird Frieden und Eintracht herrschen auf Erden! Herr Dr. G o 1 ds c hm id t-Weilburg sendet folgende Berichtigungen: In No 5 des ״Nathanael“ hat Herr Lic. Gustav Marx in dem Aufsatze ״Der Schulohan Aruch und seine jüdischen Vertheidiger“ gegen mich Besohuldigungen der schwersten Art erhoben, die aber durchgängig auf thatsächlichen Unrichtigkeiten beruhen. 1. S. 130 sagt Herr Marx: ״Bedeutend weniger eingehend ist Dr. Goldschmidt’s Kritik des Juden- Spiegels.“ — Eine ״Kritik des Judenspiegels“ habe ich gar nicht geschrieben, sondern nur einen ״Offenen Brief an Herrn Prof. Gildemeister,* der natürlieh nicht in umfassender Weise auf den Judenspiegel eingehen konnte. Meine Kritik des Gildemeister’sohen Gutachtens wird wohl eingehend genug sein. 2. Ebendaselbst heisst es: ״Nicht völlig zuverlässig schreibt Dr. Goldschmidt etc. Aber es grenzt doch an Unredlichkeit, wenn Dr. Goldschmidt dem Prof. Gildemeister verrechnet, dass der Schulohan Aruch 17,050 Paragraphen zählt, aus denen Justus mit grösster Mühe 100 die Akum betreffenden Gesetze zusammengestapelt habe; Gildemeister übertreibe, wenn er sage: ״Es erscheinen im Schulohan Aruch unaufhörlieh die Akum.“ Dr. Goldsohmidt wusste doch, dass die Akumstellen des ״Judenspiegel“ sich noch bedeutend vermehren Hessen. “ Wer das üest, könnte glauben, die von mir angegebene Anzahl der Paragraphen wäre gefälscht. Herr Marx wollte doch gewiss diesen Schein nicht unredlicher Weise erwecken. Ich bitte daher zu constat.iren, dass die gegebene Zahl nicht als unrichtig bezeichnet werden sollte. Ebenso ist es gewiss nicht Unredlichkeit von Herrn Marx, sondern nur menschliche Flüchtigkeit, wenn das Citat, auf das er den Vorwurf der Unredlichkeit gegen mich erhebt, einfach falsoh ist. Die citirte Stelle lautet nicht: ״Justus habe mit grösster Mühe nur 100 die Akum betreffenden Gesetze zusammengestoppelt“, sondern: ״Da hat Justus nur mit grösster Mühe nicht mehr als 100 Gesetze zusammengestoppelt, die sich mit Akum in angeblich liebloser Weise beschäftigen.“ Dass die ״Akum betreffenden“ Gesetze nicht mehr als 100 im Schulchan Aruch sind, habe ich nicht behauptet; im Gegentheile führe ich selbst an derselben Stelle noch ungefähr 195 Paragraphen, die die Akum betreffen, an. Die mit Akum sich in angeblich liebloser Weise beschäftigenden Gesetze, sagte ich, seien mit Mühe zu einer Hekatontade zusammengestoppelt. Man könnte ganz ruhig einen Preis von 1000 Dukaten auf ein 2. Hundert gegen die Akum lieblos erscheinenden Gesetze aussetzen. Die sind durch Justus ziemlich erschöpft. — Hätte ich nicht mehr Recht, mich über ״Unredlichkeit“ des Herrn Marx zu beklagen? Ich weiss aber, ich bin überzeugt, Herr Marx hat nur eine Flüchtigkeit begangen. Das ist die Nemesis für den vorschnellen Vorwurf der Unredlichkeit. —