Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 14 (1885)
- Issue
- N° 27. (2.7.1885)
- Date
- 1885-07-02
- Page
- Seite 108 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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3. Herr Marz fahrt S. 130 fbrt; ,An einer andern Stelle sagt Goldschmidt, dass der christliche Sonntag in Aboda sara 7 b doch nicht ״jom haakum“ genannt werde, dass sich also von daher nicht beweisen lasse, dass die Christen Akum genannt werden. Und doch hat er selbst vorher zngegeben, dass der Sonntag vom Talmud als heidnisoher Festtag angeführt wird. Nur hat er behauptet, es sei dort noch zweifelhaft gewesen, ob der christliche Sonntag so betrachtet werden müsse. Aber Gold8chmidt weiss sehr wohl, dass der hier in Frage stehenden Meinung Rabbi Ismaels im Talmud Niemand widersprochen hat, dass sie noch fiir Maimonides als gesetzeskräftig galt.“ — Herr Marz, der mich der ״Unredlichkeit“ zeiht, hat wiederum mich und die Talmudstelle nicht aufmerksam gelesen. Nicht die Meinung des Rabbi Ismael steht hier in Frage: R. Ismael spricht in der Mischna gar nicht von Christen, sondern von wirklichen Heiden. Ein viel späterer Amorai, Tachlipha b. Abdima im Namen Samuels, zog eine Schlussfolgerung von dieser Ansicht Ismaels über Heiden auf das Verhalten am christlichen Sonntag. In Rede steht also eine Ansicht Tachlipha’s oder Samuels. — Daraus, dass Tachlipha den Sonntag erst den heidnischen Festtagen ausdrücklich gleichstellen musste, schloss ich, dass die Christen nicht ohne Weiteres als Akum galten; sonst war eine ausdrückliche Subsumption überflüssig Ich habe also nicht ״selbst vorher zugegeben, dass der Sonntag vom Talmud als heidnischer Festtag angeführt wird, sondern dass die Gesetze für heidnische Festtage von Tachlipha als auch für den Sonntag gültig erklärt werden, während der Sonntag nicht als heidnischer, sondern als christlicher Festtag angeführt ist. Ich spreche auch hier nicht von Unredlichkeit, sondern ich weiss: אהבה מקלקלת את השורה. שנאה מקלקלת את השורה. S. 133 wird gesagt: Auch Dr. Goldschmidt redet ähnlich.*) Er sagt: ״Alle allgemeinen Pflichten der Humanität, der Liebe und der Gerechtigkeit, also die Pflichten, welche den Juden nicht als Mitglied des confessionellen Verbandes, sondern als Menschen betreffen, müssen in gleicher Weise auch Christen gegenüber als giltig erachtet werden.“ — Dieser Ausspruch, sagt H. Marx, ist ״nicht gefälscht, aber falsch.“ ״Zur Widerlegung genügt an sich der Hinweis auf den S. 69 angezogenen Ausspruch von Joseph Karo in Betli Joseph zu Tur Chosohen ha-Mischpat 266. Er lautet: Nach dem klaren Wortlaut (des Gesetzes, welches das Verlorene des Bruders אבדת אחיך zurückzugeben heisst) sind hier alle Gojim gleich, mögen sie nun Götzendiener sein oder nicht (d. h. ihnen allen braucht Verlorenes nicht zurückgegeben zu werden) denn sie sind nioht ״dein Bruder“. Und unser Rabbi, (der Verf. der Arba Turim, Jacob b. Ascher) war nicht genau, wenn er hier allein die Götzendiener nannte. Vielleicht that er das, weil im Lande Edom (d. h. den christlich europäischen Staaten) die Abtrünnigen das Volk Israel in den Augen der Könige wegen dieses und ähnlicher Gesetze verdächtigen, worauf die Weisen geantwortet: dass sich dies auf die Gojim der Talmudischen Zeit beziehe, welche Götzenbilder angebetet haben, und sich nicht zum Weltschöpfer bekannten; diese allein gezeichneten sie als Götzendiener; aber die Gojim äer Gegenwart, die sich zum Weltsohöpfer bekennen, wurden nicht zu den Götzendienern gerechnet bei diesem Gesetze, wie bei andern ähnlichen! Demgemäss habe Joseph Karo im Schulchan Aruch statt T'TV das allgemeinere הבותי.!Schluss folgt.) *) Es ist vorher von I)r. Lewin und Holfmann die Rede. Litteraturbericht. Recensionen. Hirschfeld, Hartwig Dr., das Buch Al-Chazari aus dem arabischen des Abu-l-Hasan Jehuda Hallewi übersetzt. Breslau. Verlag von Wilhelm Köbner 1885. In diesem seinen Eltern gewidmete» Buche spricht sich der Verfasser in einem Vorworte über die Veranlassung zu dieser neuen Uebersetzung aus, welche durch die genauere Vergleichung des arabischen Manuscripts und vier Manuscripte der hebräischen Jbn Tibbonidisohen Uebersetzung zunächst für die klarere Erfassung des Textes dem Verfasser selbst nothwendig wurde, aber für die Freunde dieses berühmten religionsphilosopl1i8chen Werkes eine willkommene Gabe ist und neue Freunde demselben zuführen wird. In der Einleitung giebt der Verfasser einen geschichtli chen Ueberblick über die Chazaren und einige Erörterungen über den Namen des Buches, des Gelehrten Isak Sangari, den Titel des ganzen Werkes und die seinen fünf Büchern zu Grunde liegenden Hauptgedanken. Die Uebersetzung selbst umfasst 290 Seiten, ist von einzelnen interessanten Anmerkungen begleitet; ihr folgt ein Namen- und Sachregister, ein Verzeichniss der angeführten Bibelstellen und Verbesserungen. Da der Verfasser nicht so sehr einen wissenschaftlichen Zweck als neue Verbreitung des werthvollen Hallewi’schen Werkes im Auge hat, so hat er nur wenig Anmerkungen angeschlossen und mehr auf eine genaue und recht klare Uebersetzung geachtet, die sich allerdings recht leicht liest und das Verständniss ungemein erleichtert. Da aber auch Textcorrecturen vom Verfasser als nothwendig erachtet wurden, ist die Uebersetzung an einzelnen Stellen wesentlich neu. —r Zur Bedeutung des Stöcker-Mythus. Ein freies Wort an Dr. theol. M. Schwalb. Berlin, Verlag von Walther & Apolant 1885. Der zum Volksredner gewordene Hofprediger Stöcker wird hier bei aller Milde in der Darstellung entschieden verurtheilt. ״Er hat aber seinen Beruf (Dorfgeistlicher zu werden) gleichviel durch wessen Schuld verfehlt; ist Hof- und Domprediger, leider auch Volksredner geworden, der lauteste Stimmführer der orthodoxen Partei im ev. Deutschland, ein Haupt der Christlich. Socialen. Dass solches geschehen ist, dass dieser Mann eine sololie Stellung einnehmen und ausfüllen konnte, das wird einst und villeicht in sehr naher Zukunft, als eins der traurigsten Zeichen unserer Zeit erkannt werden und weder unserer ev. Kirche noch unserem Vaterlande wird es zur Ehre gereiohen.“ So urtheilt die ״Köln. Zeit.“ — wir haben nichts hinzuzufügen. Notiz. Im קונטרס המפתח von Jellinek wird Seite 6 3ub Nr. 7) angeführt: בני] יהושע von Josua HeschiL Rabbiner in Woloain. Diese Titel-Angabe ist falsch; das Bach heisst: ציון יהושע• Bei dieser Gelegenheit bemerke ich noch, dass das a. a. 0. sub Nr. 5) aulgeführte Werk בית אהרן in Wilna 1880 neu erschienen ist mit Zugaben und Verbesserungen von Abraham David Lawat. Emen wesentlichen Vorzug hat diese Ausgabe dadurch, dass anstatt der Blattangaben: beim Jeruschalmi die Perakim und Halachoth, bei den Midraschim die Capitel, beim Reschith Chachma die Pforten und Capitel angegeben und ein Schlüssel: פחח התבה zur Vergleichung der älteren Ausgaben mit den neueren beigegeben worden. Goldf ah n. Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolff, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig,