Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 14 (1885)
- Issue
- N° 25. (13.6.1885)
- Date
- 1885-06-13
- Page
- Seite 99 (sequence 3)
- Language
- German
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— 1)9 — scher Männer wird auch kein verrannter Antisemit au schmälern versuchen. LitU‘n1t1u*bmH1t.; Recensionen. Bacher, Prof. Dr. Wilhelm. Die Aga׳.la der Tan- ן naiten. Erster Band von Hillel bis Akiba, von :!(> v. . bis 133 nach der g. Z. iSclilu-!. de* ersten Artikels.! Mit welch grosser Mühe die kritische Zusammen- Stellung, Sichtung und Ordnung der in der sehr umtaugreicheutalmudischen und midraschischen Litteratur zerstreuten, einzelnen Aussprüche verbunden, welch vielfacher und besonderer Erwägungen die Feststellung der einzelnen, in den verschiedenen Sammelwerken zuweilen variirenden Namen oft, bedürfen, wird derjenige, der mit der Textbeschaffenheit der fraglichen Litteratur einigermassen vertraut ist. genau ermessen können; Nichtkennern jener Schriften kann hiervon ׳ keine anschauliche Darstellung geboten werden. Des Verfassers, aus seinen früheren Schritten bekannte, gewissenhafteste Gründlichkeit, unermüdlicher Fleiss und energische Schaflenskrafl bat sich hier wieder einmal aufs glänzendste bewährt: denn obschon der geehrte Herr Verfasser seine ohnedies recht schwierige Aufgabe sich dadurch noch schwieriger gemacht, dass er selbst die spätesten Ausläufer und die notorisch pseudographische Literatur in den Kreis seiner Untersucliung gezogen, hat er seinen Gegenstand vollkommen gründlich dnrehgearbeitet und in den allermeisten Fällen sichere Resultate zu Tage gefördert. Der Verfasser hat sich aber nicht auf das Litterarhistorische selbst beschränkt; mit richtigem, wissenschädlichem Takte hat er, wo die Knappheit der Sentenzen ui d die eigentümliche Ausdrucksweise es nntkwend'g gemacht, durch zahlreiche Noten dem Verständnisse nachgeholfen. Diese erklärenden Noten sind gleichfalls neue glänzende Beweise der umfangreichen Belesenheit, der ausgebreiteten Sprach kennt.- nisse und des sinnvoll und feinfühlenden exegetischen Taktes des rühmlichst bekannten gelehrten Verfassers. Wir können daher dieses Werk, das der neuern wissenschaftlichen theologischen Literatur der Juden zur Ehre gereicht, allen Jenen, welche eineu gründlichen ' Einblick in die Entwickelung und das Wesen der J Agada suchen, mit gutem Gewi-sen angelegentlichst zum eingehendsten Studium empfehlen und sehen der Fortsetzung des Werkes mit aufrichtiger Spannung entgegen. Dass einzelne Punkte noch de* Weiteren Erörternug und selbst der Berichtigung bedürfen, liegt in der Natur jeglicher menschlichen Thü'igkeit und giebt wohl der Herr Verfasser selbst zn, wie er denn auch . in den Nachträgen und den Berichtungen auf unsere prodromist ische Gegenbemerkung bereits Rücksicht . genommen. In den später nachfolgenden Artikeln wollen wir mm eine weitere Reihe von Gegenbemerkungen und Bericbtnngen folgen lassen, welche sich uns beim Studium dieses Werkes ergeben heben. Bacs-Topolya. Rabbiner Dr. Goldfahn.' L'ngcr, Dr. Joachim Jacob. בב:*ר Dichtuugen. Iglau lssö. II. Autlage. 175 S. Kl. 8. Die meisten dieser Gedichte sind bereits vor JO Jahren gesammelt und veröffentlicht worden. Im Laufe der Jahre brachten Stem's בידב* יצהק mehrere; Gedichte, welche aus der Feder des Verfassers flössen. Schon in der!.Auflage muss sich eine stattliche Zahl von Gedichten angesammelt haben. Den letzten zwei Jahrzehnten entstammen etwa 10 kleinere Gelegen• heitsgedichte, welche dem Jndeutuuin im Allgemeinen oder dem Verfasser im Besonderen nahe stehende Personen bei festlichen, freudigen oder traurigen Ereignissen feieru. Wir persönlich sind sehr angenehm überrascht-, in dem Verf. einen gewandten Hebraisten kennen zn lernen. Seine ״patriotischen (’asual-Reden* haben uns in ihm diese «.Qualität nicht verninthen lassen, weil er daselbst mit jungfräulicher Sprödigkeit und mädchenhafter Prüderie jedem hebräischen Citate fein säuberlich ans dem Wege geht, als hätte er es mit der exotischen Blume Noli me tangere zu tliua. Wir freuen uns, da-s d״r Verf. uns Gelegenheit bietet, ihm ein Unrecht, abzubitten, zn •lern er uns selbst den äusseren Anluss gegeben. Von grosseren Gedichten nennen wir hier pv |7 (in Kochebc Jizcliak נד ■ל האדם genannt׳, sorgfältig geteilte Reime in Dialogform — ־anders können wir diesen dramatischen Versuch nicht nennen — dereu Bedeutung in ihrem zweiten Tlieile gipfelt. Angeregt, von Hiob c. 3S ff. legt der Verf. der GottessUnnne kosmogrnisohe Anschaumigen unter, welche •las copt׳->>>ka<1:<-c]1e System retlectiren Jedenfalls ist die originelle Grundidee einfach und geschickt durcligefiihrt. Ein anderes, grösseres Gedicht האר.ד pg. s:i—!11! 1 ist eine anmutln nde Idylle, welche mit vieler Li, be die Lichtseiten des Landlebens schildert und stellt im Dienste der Tendenz, unsere Glaubensgenossen für die Berufstliätigkeit unserer Ahnen, für Landwirtbschaft und Ackerbau, zu begeistern. So lobenswertli die Absicht des Verf.’s sein mag, so sehr timt die. didaktische Nutzanwendung ipg. ffj dem poetischen Werthe der Gesammtleistung Abbruch. Diese praktische Lehre, welche der Verf. i!n Auge hat, hätte sich viel deeenter mul vom ästhetischen Standpunkte ans viel wiiksamer ergeben, wenn der verständnisinnige Loser spontan das Facit hätte ziehen dürfen, 011110 vom Verf mit Fingern darauf gewiesen zu werden. In der Form vollendet ist das launige, des poetischen Hauches nicht ermangelnde Purimiied זדיר הבהיד״ם ליד* הנ־ירים pg.!11!—100.. Allen Dichtungen gereicht aber die Glätte der Form, die Einfachheit <l«-r correcten Diction und ein unverkennbares Muss von Selbstbeschräukung. die si׳-h von schwülstiger IJeborladung fern hält, zum wahren Vorzüge. Sohran O. S. Dr. Immanuel Deutsch. Von llcliopolis nach Berlin oder die Verwandt״־ schalt ferner Jahrhunderte. Eine historisch-kritische Parallele vom Stadt-Rabbiuer Dr. S. L. Schwabacher. Der Reinertrag ist zur Gründung eines Baufonds der Talmud-Thora bestimmt.) Odessa, l.ssö. 104 S. •V Wodurch hat Edoin die Bedeutung Rom erhalten':' Weshalb verbergen sieb bei den Talrnudisten in Nebukadnezar und Haman letc.l so viele Andere? Nun — was man nicht sagen kann, das zeigt inan durch Geberden an! So schildert der geistvolle und gelehrte. Vortragende (denn dieses Buch ist eine zum Besten armer Schüler höherer Lehranstalten gehaltene Vorlesung) Aegypten und eine Rathsversainmlung vor Pharao, in welcher die Priester es verstehen, Pharao’s Angst, dass sein geknechtetes und niedergedrücktes Volk an dem in sich freien Israel ein Vorbild habe, durch welches es lüstern werden könnte nach Freiheit und Menschenrechten, ihm vom Gesichte zu lesen und dafür die Scblagwörter des Antisemitismus zu prägen. Obschon keine Spur Aegyptisches im ägyptischen Theile ist, ist dieser doch das1* Beste im Buche. Die Zeichnung der Alcxandrinischen