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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1885-06-13 · N° 25. (13.6.1885) · p. Seite 98

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
14 (1885)
Issue
N° 25. (13.6.1885)
Date
1885-06-13
Page
Seite 98 (sequence 2)
Language
German
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kämpf arbeitete, als er, mit anscheinend objeotiven Angaben, diese gar nit bt anzweifelbare Thatsaehe zu bestreiten suchte. Wir möchten nun aber keineswegs diese Sapericrität lediglich auf Rechnung des jüdischen Glaubens setzen. w׳«■ man zuweilen irriger Weise getbau hat, vielmehr kommen hier eine Reibe von Momenten in Retracht, welofcegemeiusam mit jenem diese günstige Erscheiu.iiig erklären. Zunächst dürfen wir gerade bei diesen. Paukte dis Macht der Traditicn und Familiensitto nicht gering anschiagen. Es ist jedem Kenner des israeiitischer: Volkslebens hinlänglich bekannt, mit welcl'.er Verachtung ein Fehltritt des Weibes in weiten Kreisen bestrstt wird: die Seltenheit, welche ein solches Ereiguiss seit alter Zeit war, hat dazu beig. tragen, die Tradition f -'t^r und immer fester zu biM״n, wonach eine Verfehlung dieser . Art st-ts als Ausnahme betrachtet wurde, und uncerkennbar ha*■ die «tr. nge Ansicht des mosaischen Gesetz*•« die Biidnng dieser mit hervorgerufen. Nehmen wir hierzu die außerordentliche Ausbildung, welche das Familienleben und die Familiensitte im Judeuthiun um desswilleu namentlich gefunden hatte, weil jenes der einzige gesellige Kreis war in welchem während de: langen Zeit, da die übrige Welt ihm hermetisch verschlossen schien, eine Art geselliger Bewegung sich entfalten konnte, so werden wir wohl in dieser Tradition eine Hauptursache der geringen ausserehelichen Gebnrtsziffer erkennen Sodaun darf der Eiutlnss der Raue nicht ausser Acht gelassen werden und ebensowenig möchten wir der ökonomischen Verhältnisse nicht gedenken. Die Statistik zeigt uns, dass die grösste Zahl der unehelichen Geburten auf das Conto solcher Personen kommt, welche in Fabriken u. s. w. in dienender Stelluug sich befinden; die geringe Zahl, mit welcher im Ganzen der weibliche Theil des Judentlmms in dieser Berufsklasse vertreten ist, wird ohne Zweifel auch die uneheliche Geburtszitier beoinllusseii. Endlich wollen wir des Bildung.«- factors Erwägung tlmn; es braucht an dieser Stelle nicht erörtert zu werden, dass die Bildung in den unt -reu weiblichen Volksschichten, welche dem Judentlium angeboren, verbreiteter ist, als in den entsprechenden Klassen des übrigen Volkes, da diese Thatsache allgemein feststellt; wo könnte man aber ein besseres Palliativmittel gegen eine Steigerung der unehelichen Geburten finden, als in der Verbreitung des Wissens, in der Erweiterung der Bildung, der Einsicht, der Erkenntnis«? Wir meinen hierunter selbstverständlieh nicht lediglich die rein formelle Bildung, welche sich aut die formalen Künste des Lesens, Schreibens und Rechnens beschränkt, sondern die materielle, die Bildung des Herzens, des Denkens und Fiihlens. 'vllluss 1<׳י[ו».. Litterarische Excerpte, imigctheilt von A lexaniler Elsäs.-er. So lauge der Antisemitismus als Schmarotzerptlanze und literarisches Unkraut wuchert, lallen seine Schmähungen auf die Pamphletisten, heissen sie Stöcker oder Rohling, Jakob Ecker oder Justus ßriiiunn, nach dem Sprich warte: ,Sage mir, mit wem du umgehst und ich will dir sagen, wer du bist“ selbst zurück; weuu aber der Fanatismus lier Unduldsamkeit selbst in die wissenschaftliche Litteratur einzudringen versucht, so ist das »in Verbrechen gegen die Freiheit der Wissenschaft, das früher oder spater gegen jene Zeloten sich als ein in Gift getauchter Spies kehrt, und eiternde Wunden hinterlässt. Um so erfreulicher ist es. wenn vorurtheilslose Männer, deren Charakter und Gelehrsamkeit unantastbar und allgemein anerkannt ist. dem Verdienst« die Krone aufsetten. ohne nach Glaubeusbekenutniss und Race zu fragen In Baud XLI der ,Deutschen Rundschau*1 sind solche Zeugnisse niedergelegt, auf die dieLeser dieses Blattes durch kan« Excerpte aufmerksam gemacht werden sollen. K. Brnckmann gieb*. auf S. (00—II:! ein Essay über Wilhelm von Humboldt, in welchem er die Palme, als Biograph desselben, dem Professor Dr. Steinthal überreicht. Er sagt: ,Humboldt's Schriften sind oft schwer verständlich. Er bedurfte eines Erklärers und Fortsetzers und war so glücklich einen zu finden. Kein anderer hat sich so eingehend und erfolgreich seit beinahe vierzig Jahren dieser Aufgabe gewidmet, als Steintlial. Sein Studium die<es Lieblings-Schriftstellers hat nie geruht und stets war er bemüht, alles aus Humboldt aufzusaugen, was irgend für die Sprachwissenschaft und Philosophie zu verwertheu schien. — Steinthals Ausgabe der ,sprachphilosophischen Werke Wilhelm’s von Humboldt“ mit Erklärungen ist seit Ende vergangenen Jahres vollständig erschienen. Das ganze Werk enthält: 1. Ueber das vergleichende Sprachstudium. 2. Ueber das Entstehen der grammatischen Formen und ihren Einfluss auf die Ideenentwicklung. 3 Ueber die Aufgabe des Geschichtsschreibers. I. Ueber die Verschiedenheit des menschlichen Sprachbau’» und ihren Einfluss auf die geistige Entwicklung des Menscheiigeschlechts. Es tritt nun die Gliederung von Humboldt’s Schritten, sowie der Fortschritt des Gedankens darin deutlicher hervor; gleichfalls wird jetzt seine Stelluug in d«r Geschichte der Philosophie und besonders der Aesthetik besser erkannt werden als bisher. Zu diesom Unternehmen war natürlich ein allgemein Iitterarisches Studium erforderlich, welches die Gesammtheit von Humboldt’s Schriften, sowie sein Verhäitniss zu Schiller, Kant, Herder u. s. w. umfasste; dazu kommt aber, was höchst wichtig ist, nicht nur eine Vergleichung der Handschriften, sondern es haben sich Handschriften gefunden, welche entweder noch gar nicht abgedruckt oder noch keinesweg» hinlänglich für die grosse Abhandlung ,über die Verschiedenheit“ ausgenützt sind. Dieser höchst günstige Umstand, die Verwerthung noch unbenutzter Handschriften, ein theilweiser Abdruck derselben und die gewissenhafteste, philologische Strenge geben dieser Ausgabe einen unvergleichlichen Vorzug, der noch erhöht wird durch die besondere Zutlmt des Herausgebers. Wir werden nicht nur durch eine allgemeine Einleitung in Humboldt’s spr8c‘_'" ische Arbeiten eingeführt, und namentlich über seinen Stil unterrichtet, sondern jedesmal durch besondere Einleitung mit der Architektonik des folgenden Ab- Schnittes vertraut gemacht. Endlich wird der Text fortlaufend von einem theils grammatischen, theils sachlichen Commentar begleitet. Da hier weder der Verfasser, nocli der Leser mit Lobeserhebungen belästigt werden soll, so ist es schwer ein Urtheil auszusprechen. Doch möge man der lebhaften Empfinduug des Daukes für eine solche Gabe des hochverdienten Gelehrten den Ausdruck gestatten, dass sein Werk Hiunboldt’s würdig sei. -- Georg Ebers giebt S. 1*5—201 eine hocliinteressante biographische Skizze von Richard Lepsius, worin er erwähnt, dass derselbe genöthigt war, sich gegen die abweichende Anpassung des berühmten Assyriologen J. Oppert zu vertheidigen. — S. fPi bis •1.-)(» setzt L. Bamberger seinem Freunde Karl Hillebrandt geb. za Güsten 17. Septbr. 1820, gest. zu Florenz 18. Oet. lt5S« ein biographisches Monument, das wir nicht durch einen Auszug verstümmeln wollen Das Verdienst Süe-inthals und Bambergers als Biographen hoehberührater deut- 328507

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