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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1885-06-13 · N° 25. (13.6.1885) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
14 (1885)
Issue
N° 25. (13.6.1885)
Date
1885-06-13
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Ich würde eine volle Wiedergabe desselben vorgezogen haben, da gerade statistische Artikel am wenigsten Lücken dulden, wenn nicht das ominöse ״Nachdruck verboten־ mich daran verhinderte. Ich halte aber einen eingchendou Hinweis auf die Fuld'seho Arbeit auch um desswilleu für g.'hnten, weil der Werth und Einfluss der Statistik im Allgemeinen in jüdischen Kreisen noch nicht allzubekannt ist, und sic eigentlieh einen neuen, aber bedeutsamen Factor in den Wissenschaften bildet, mit dem die alteren wohl oder übel zu rechnen lernen müssen. Erst di« Neuzeit ist ihre Mutter und ihr in Deutschland Raum und Geltung verschallt zu haben, ist bekanntlicli Ernst Engels unvergängliches Verdienst.. Er ist dafür auch, um vor anderen Hahnbrechern keinen Vorzug zu haben, wie wir wNseu, eines der ersten Opfer unserer neuen Wirthsehallspolitik geworden. Denn die Statistik ist eine den Diplomaten oft vorlaut erschviuonde Schöne, die gerade tla und dann spricht, wo und wann es uns am unliebsamsten ist und das• ausplaudert, was wir gern für uns behielten oder umgekehrt darstelltcn. Die Herren Wirthschaftsreformer, Antisemiten etc. auf und hinter den Hretiern und ihre Gefolgschaft haben dies unter Ernst Engel denn auch oft bitter erfahren. Indess er ist jetzt abgetreten und wer weiss, was die Zukunft bringen wird Lernen wir daher zeitig ihren Werth und Einlluss, ihre Bedeutung und ihre Lehren und Ermahnungen verstehe 11, und die Fehler, Schwächen nud Nachtseiten meiden , die sie unnachsiehtlich blosslegt. Dass sie — jung und selbstbewusst — in ihren Folgerungen oft ein wenig und mehr über die Stränge schlägt und anderen Mitfactoren ihr Terrain zu ,entziehen oder docli dieses zu beschneiden such•, ist wohl last selbstverständlch. Die .vorliegende Abhandlung Fuld’s betitelt sich ״Religion und Volkssittlichkeit“ nud will untersuchen, ob und welchen Antheil die Religionen für ihre Hekenner auf' die Volkssittlichkeit ausüben, in wie weit sie die letztere beeinflussen und wie sieb das Plus und Minus der einzelnen Reiigionssysteme zu derselben verhalte Er geht davon aus, dass jede Religion deu Anspruch einer versittlichenden Wirkung erhebe und ihrem gauzen Weseu uaeli erheben müsse und jede ״im Punkt der sittigenden Erziehung ihrer Auhänger,“ vor allen ihren Schwestern den Vorzug zu verdienen behaupte. ״Schon bei den griechischen Gesetzgebern und Philosophen finden wir deu versittlichenden Ein* lluss des griechischen Cnltus mit grosser Energie betont; in nicht geringerem Grade hat die talnmdisehe Spmehweisheit denselben Gedanke» cultivirt, und in ähnlicher Weise, aber mit viel grösserer Bestimmtheit und prononcirter Ausschliesslichkeit haben die mitte!-! alterlichen und modernen Schrittsteller für die Christliehen Confossionen die-en Vorzug stets 111 Anspruch genommen. So lauge man nicht gewöhnt war, im Gebiete der!•tlii-chen Wissenschaften nach inductiver Methode vorzugehen. wurden an der Thatsaclte j der Beinlhissnng niemals Zweitel rege: erst als mau! mit Hülfe der statistischen Methode dazu kam, i die verschiedenen Factnren. von welchen überhaupt . die Volkssittliehkeit abhäugt, zu analysiren und ge- , sondert zu betrachten, cr.-t seitdem wind•: man einigermasst?11 skeptisch an dem so lange als selbsverständlich! betrachteten Axiom.■1 Fühl kommt nun im weiteren Verlaut seiner Arbeit, zu dein Resultat, dass, ״soweit , die Statistik überhaupt in der Lage sei. Ke n nzeir hen I für die Benrtheilung des Grades der Vol k ssittliehkeit zu liefern, diese einen Eiutluss der l'״!igiou auf ■ die letztere nicht schlechthin in Abrede stellen könne,“ ן ihn aber auf ein bescheidenes Maas rediu.ire. Die- ' jenigeu Hauptkennzeichen der Volkssittliehkeit, über j welche die Statistik aber ein gewichtiges Wort mit-! zusprechen habe und die Fühl seiner Untersuchung! unterzieht, sind: Verbreche n, Selb stmord, uuo hej liehe Geburtsziffer und Kindersterblichkeit. Zuerst bespricht er nun die Ergebnisse der statistischen , Untersuchungen auf dein Gebiete der uuehelichen Ge* hurten uud das Verhältnis* der einzelueu Religionen; zu denselben und kommt hierbei betrelfs der Judsn zu folgendem Resultat: Den geringsten Theil zu der ' aiisserehelichen Geburt'ziller stellen, wie allgemein bei kannt, die Bekeiiner des mosaischen Glaubens; der Bruchttheil, welcher aut' die israelitische Bevölkerung in West- und Mitteleuropa entfallt, ist geradezu ver- ' sehwindeud kleiu; und es ist ein Zeichen,,mit welch’ namenloser Verbitterung der anti-emitische Partei-

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