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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1885-06-11 · N° 24. (11.6.1885) · p. Seite 94

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
14 (1885)
Issue
N° 24. (11.6.1885)
Date
1885-06-11
Page
Seite 94 (sequence 2)
Language
German
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richtig: ״Ich habe den Codex nicht gesehen, weiss aber aus der Blattangabe, dass die Worte am Ende der Klagegesänge des 9. Ab. stehen. Die Angabe sagt dem Betenden: ובא לציו:, ואתה קדוש, קדוש קדוש d. h: Heute werden im ובא לצון die Worte ואני ואת בריתי weggelassen; indenKaddisch-Benedictionen wird-—nach der Recitation der Threni — wegen (לפ־ ־ ־ לפי שנאמר) : des Verses;1,8 תקבל“ nicht gesagt (I.מיצר.). Für! 10 Kreuzer wird diese Weisheit in jedem jüdischen | Kalender (ילוח) verkauft.“ J Verlangt man noch mehr Proben? Ich denke, der Leser verzichtet. Wollte ich bitter sein, dann ן würde ich mein Urtheil über die Leistung des Herrn Techen dahin zusammenfassen, dass er werth sei, — Mitglied der Göttinger philosophisehen Fakultät zu werden. Denn diese, nicht den unbekannten jungen Mann, trifft der Tadel, welche die Schrift, abgesehen von den Irrthümern und lächerlichen Schnitzern, ganz besonders auch wegen des hochfahrenden, kecken, über Beriihmtheiten, welche jedes Mitglied einer Fakultätwenigstens demNameunach kennen muss, leichtfertig absprechenden Tones verdient. Als Schopenhauer der Dänischen Akademie die bekannte Preisschrift überreichte, wurde dieselbe zurückgewiesen, weil Sch. darin über Fichte und Hegel gespottet hatte. Die Göttinger philosophische Fakultät hätte aus gleichem Grunde die Schrift des Herrn Techen reprobiren sollen, zuraal derselbe nach den aulgewiesenen Irrtlhimeru und Schnitzern nicht die geringste Aussicht hat, ein — Schopenhauer zu werden. Denn der juuge Mann, den jeder jüdische Schulknabe meistern kann, erdreistet sich (p. 17 — 18), von den LeistUDgen der Zunz, Landsliuth und Luzzatto zu sagen, dass dieselben ״als im wesentlichen verfehlt zu betrachten“ seien. Besonders scheint es ihm ״angebracht, mit dem Urtheile über die Leistungen des Herrn Dr. L. Zunz nicht zurückzuhalteu.“ Dabei muss man wissen, dass fast injederZeile dieSchriften der genannten jüdischen Gelehrten und besonders die von Zunz benutzt sind, ja, dass Techen ohne Zunz nicht einmal die Feder hätte eintauchen können, um über Machzor- Handschriften zu schreiben! Sehr richtig sagt Herr Kaufmann: ״Ich bin zu tief von Ehrfurcht für den wahrhaft einzigen Mann erfüllt, als dass ich die Abgeschmacktheit begehen könnte, ihn gegen diesen Angriff“ vertheidigen zu wollen. Aber ich frage, wie wohl mit einem Jünglinge verfahren würde, der nothdürftig die Anlänge einer provencalischen Liederhandschrift nachzumalen im Stande war und sich über einen Diez zu Gerichte setzte, oder mit einem Anlänger, der ohne Vorbereitung Einiges aus Grimm und Laclimann sich angeeignet hätte, um dann mit pietätloser Dreistigkeit über die allverehrten Meister herzufallen? “ Ich füge diesen richtigen Bemerkungen meinerseits lolgeude hinzu: Fiir jüdische Zeitungs- Schreiber und Litteraten haben christliche Kritiker und Gelehrte immer die Epitheta der Keckheit und des Vorwitzes bei der Hand. Nun frage, ich, ob man je in Schriften von Juden eine solche Keckheit, solchen Vorwitz gefunden hat, wie sie dieser junge Wicht—igtliuer, der auf dem Boden der jüdischen Liturgie sich breit machen will und nur hin- und herstolpert, in seinem absprechenden Urtheile über die Leistungen des (Hljährigen Zunz bekundet? Wenn eine philosophische Fakultät ein derartiges bornirtes Benehmen nicht durch Zurückweisung der Schrilt, in welcher es zu Tage tritt, tadelt und brandmarkt, so macht sie sich zur Mitschuldigen. Oder sollte die Fakultät bloss wegen seiner un- (jualifizirten Schmähung jüdischer Gelehrten Herrn Techen den Docktortitel, den er wogen des sonstigen Inhaltes seiner Schrift wahrlich nicht verdient, verliehen haben? Fast gewinnt man diese Meinung, wenn man die kleine Notiz p. 79 bei Techen liest, die folgendermassen lautet: ״Vorstehende Schrift, zu der ich die Anregung Herrn Prof. Dr. de Lagarde verdanke, hat der philosophischen Facultät in Göttingen als Inauguraldissertation Vorgelegen u. s. w.“ Aha! Nun wissen wir, wo Bartel den Most holt! Wir haben ein Spezimen aus der Schule de Lagarde’s vor uns, wie die von mir im Drucke hervorgehobene Stelle besagt, und ״wie die Alten summen, so zwitschern die Jungen.“ Für de Lagarde sind bekanntlich die Juden und die jüdischen Gelehrten nur zu dem Zwecke auf der Welt, damit sie iu seinen Schriften in der giftigsten, gehässigsten Weise aller möglichen Schändliclikeiten angeklagt und auf alle mögliche Weise herabgesetzt werden. Diesen Judenhass hat denn nun Techen seinem Herrn und Meister de Lagarde ״weidlieh abgeguckt“und man konnte glauben, dass dieser die Facultät bestimmte, dem hoffnungsvollen Schüler den Doktortitel zu verleihen. Letzterer kann dafür nun den Vorwurf, ein ״Am-haarez“ zu sein, auf seinen Meister weiterschieben. Denn hätte Herr de Lagarde selber gewusst, was שני וחמישי ושני ist, oder hätte e r eine ״befriedigende“ Erklärung der famosen ״Subskription“ geben können, so würde er wohl Herrn Techen vor der Blamage, die nun seine eigene, ja die der Fakultät ist, bewahrt haben. Also die Juden sind doch auch für Herrn de Lagarde noch zu etwas anderem auf der Welt, als die Zielscheibe seines Hasses zu sein, — er kann von ihnen noch etwas lernen, besonders für den Fall, wenn er wieder einmal eine Inauguraldissertation über jüdische Liturgie zu prüfen haben sollte Ich bin gleichwohl der Letzte, die wissenschaftlichen Leistuugea de Lagarde’s — wie Techen von hervorragenden jüdischen Gelehrten sagt — ״als im wesentlichen verfehlt zu betrachten,“ was jedoch seinen blindwüthigen, lächerlichen Judenhass, seine Selbstvergötterung und — seine Unkenntniss der jüdischen Liturgie betrifft, so scheint es mir auch ״angebracht mit dem Urtheile über ihn nicht j zuriickzulialteu.“ I Ein kleines Sträusschen gebührt noch Herrn Prof. | Hermann L. Strack. Derselbe erklärt, wie Kaufmann | aufmerksam macht, in einer Anzeige der Techen’schen | Schrift im theol. Literaturblatt 1885 p. 74: ״Die For- , muliruug des Urtlieiis über Zunz und Grätz veran-! lasste den Referenten, nachdem er das Vorstehende; geschrieben, sich nach der Person des Verfassers zu | erkundigen. Zu seiner lebhaften Freude ist ihm ן von gut informirter Seite die Mittheilung geworden, | der aus Mecklenburg stammende Verfasser sei Philolöge lutherischen Glaubens. So inehren sich denn die Anzeichen, dass die jüdische Litteratur, deren Studium in Deutschland in neuerer Zeit ausser Franz Delitzsch fast nur de Lagarde, C. Siegfried und Referent gepflegt haben, auch in weiteren Kreisen der Christenheit Gegenstand ernster wissenschaftlicher Forschung wird. Gott helfe weiter!“ Wir bedauern, Herrn Strack seine ״lebhafte Freude“ durch vorstehende Zeilen ein wenig getrübt zu haben. Wenn Gott so weiter hilft, so wird der Antisemitismus in ״weiteren Kreisen der Christenheit“ gewiss Fortschritte machen, aber mit der ״ernsten wissenschaftlichen Forschung“ über jüdischo Litteratur wird es in derselben sehr windig aussehen. Herr Strack verdient ja den Dauk der Juden dafür, dass er über Tisza-Ezlar und Col-Nidre öffentlich der Wahrheit die Ehra gegeben hat, danach sollte mau aber auch erwarten, dass er hochverdienter jüdischer

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