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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1885-06-11 · N° 24. (11.6.1885) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
14 (1885)
Issue
N° 24. (11.6.1885)
Date
1885-06-11
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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2ג«• Jüdisches ^!3™ Litteratur-Blatt. tmr Belevflitiif Aller 1M Jade« betreffenden Htter*ri*fl1en Kr• •elietaaagea •vf dent Gebiete der TblU- «•pkle, flmblcliU, Ktbnefmpliie, Theologle, Orientalfe, Ksecreee* Homiletik, Liturgik, PXdAfOtrfb. Herausgegeben von Rabbiner l)r. Moritz Rabiner. 11. 0Hni 1885. Harber der eiu8ehlAjci|(e» l.itteratur,*elrhe der Kedartlnn tufe״at1<lt werden, (laden la dieneni Ulatte eiafteheade Heapreehaaft. Hei KitiNtmlun* ▼ott an ei Keeenaion«• Kxeaiplarea erfolgt einmalige kurae UratU-lnaertton. ^^——■we■————— , ■ —י* Das Lltt©r*4llP-BlÄttw erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Hark. Abonnenten der ,Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 8 Hark kostet) erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt■‘ gratis. — Inserate werden mit 2» Pf. iür die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 16 Hark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. MP Buchhändler, welche direct oder durch Robert Friese in Leipzig Inserate einsendeu, erhalten 25־ )i Rabatt. -9• Inhalt: | AVi sse 11 schalt 1 iche Aufsätze: Aus der Schule de Lai garde’8. — Die neu bearbeitete antorisirte englische Uebersctzuug des Alten Testaments. (Schluss.) l.itteraturhericht: Recension: Bacher,Prof.Dr.Wilhelm. Die Agada dev Tannuiten. .\ o t i z e 11. Nachdruck nur mit -voller Quellenangabe gestattet. Aus der Schule de Lagarde’s. Kürzlich fiel ioir eise kleine Schrift in die Hände: Zwei Göttinger Machzor-Handscbriften. Beschrieben von L. Techen, Dr. phil, Güttingen!Dietrich) 1884. 79 pp. gr. 8*. 3 M. Wie*schon der Titel besagt, handelt es sich hier um eine liturgische Arbeit. Ein flüchtiger Einblick in die Schrift giebt dafür die weitere Bestätigung. Es wimmelt darin von Citaten aus Zunz und Anderer liturgischen Schriften, und der Verf. erweckt durch seine zahlreichen Bernerkungen über Wesen und Geschichte der jüdischen Gebete, über die Einrichtung des Machzor, technische Bezeichnung der Gebetstücke u. dg], den Anschein, als ob ihm die jüdische Liturgie von Grund aus bekannt und vertraut sei. Da die Schrift eine Inauguraldissertation und der Verf. ein Christ ist, 80 war ich aus mehrfachen Gründen auf den Genuss und die Belehrung, welche mir die Lektüre bieten sollte, freudig gespannt. Denn die Geschichte der jüdischen Liturgie ist noch vielfach eine terra ineognita und, ausser von Zunz, Luzzatto und Landshuth, selbst von Juden noch wenig erforscht. Christliche Gelehrsamkeit hat sich, wenigstens in diesem Jahrhundert, von diesem Gebiete gänzlich ferngehalten, als sei es des Forschers unwürdig, es zu betreten. Wenn dennoch zufällig einmal ein christlicher Gelehrter dieses Gebiet streifte, so musste er die gewöhnliche Vernachlässigung desselben bitter büssen. Es ist wohl noch in Aller Erinnerung, wie sich einst der selige Ewald blamirte, als er ein bekanntes Stück aus dem täglichen Abendgebet, das er auf einem alten Pergament-Einband gefunden hatte, der Gelehrtenwelt als Gott weiss welch’ seltenen Fund auftischte. Nun tritt hier ein junger christlicher Gelehrter auf, der dieses bisher 30 geringgeschätzte Litteraturgebiet zum Gegenstände seines Studiums erwählt hat uud wahrscheinlich auch zum Gegenstände seiner Vorträge an der Universität machen wird. Man begreift hiernach, dass ich mich mit freudiger Erwartung der Lektüre hingab. Nebenbei freute ich mich auch dessen, dass von derselben Univeraität, an welcher auch Ewald lehrte und seine Blösse in der Kenntniss der jüdischen Liturgie aufdeckte, ein junger Mann gerade wegen seiner Gelohrsamkeit auf diesem Gebiete zum Doctor creirt wurde. Dies ist doch, dachte ich mir, ein Fortschritt, welcher der allgemeinen Wissenschaft und der jüdischen insbesondere zu Gute kommt. Also lesen wir die Schrift mit der Aufmerksamkeit, welche sie schon wegen ihrer Merkwürdigkeit als Erstlingswerk beanspruchen darf! Nun, ich habe die Schrift gelesen und ich kann nur sagen: ״Hier ist mehr als — Ewald!“ Der letztere hat sich nämlich für sich allein blamirt, mit der Annahme dieser Schrift als Inauguraldissertation aber hat sich die ganze Göttinger philosophische Fakultät blamirt! Ich weiss, dass ich hiermit ״ein grosses Wort gelassen“ au9spreehe, aber wer den Beweis dafür bis zur Unwiäerlegtichkeit kennen lernen will, der versäumo nicht, die Oesterr. Monatssohr, für den Orient, herausg. vom Orientalischen Museum in Wien, No. 4 u. 5 aufmerksam zu lesen. Herr Prof. Dr. D. Kaufmann in Budapest hat die Herkules- Arbeit übernommen, den Augiasstall von Irrthümern und Fehlern, als welchen wir die im Eingänge genannte Schrift nunmehr getrost bezeichnen können, zu durchstöberu, und das Resultat findet der Leser in der soeben erwähnten Monatsschrift am bezeichneten Orte niedergelegt. Wir können und wollen die Besprechung hier nicht ganz abdracken, aber eiu paar Proben wollen wir doch zur Erheiterung der Leser anführen. Was soll man von einem Manne sagen, der über Machzor-Handschriften schreibt und nicht weiss, was שני וחמישי ושני ist? Nach Techen p. 15 sind die Bussgebete für dieselben ״für denzweiten und fünften Wochentag“ bestimmt. Der Mann hat keine Ahnung, dass darunter ausschliesslich die bekannten Fasttage nach dem Neumond des Cheschwan und Ijar gemeint sind. Würde ein Examinand vor einem Forum von jüdischen — ich will nicht sagen Gelehrten Y sondern nur fleissigen Tempelbe- Suchern — diese Unwissenheit auftischen, so würden dieselben ohne Zweifel zu ihm sagen: ״Sie sind ein Amhaarez, wir wollen mit Ihnen nichts weiter zu thun haben.“ Eine andere Probe. Ueber eine ״Subscription“ belehrt uns uns Herr Techen, es finden sich in derselben ״die Verse Isa 59, 20; Ps. 22, 4; Isa 6, 3 geschrieben, dann folgen die Worte: ולא מומר תתקבל צלותהוץ לם שנ׳ שתם תפילתי. Die letzten beiden sind aus Thr. 3,8; 'ת־ צ sind der Anfang einer bekannten Gebetsformel: eine befriedigende Erklärung, besonders der Abkürzung, vermag ich nicht zu geben“ (p. t;—7). So? Aber sonst ist Herr Techen und sind seine Leser ״befriedigt“ und darüber belehrt, was mit der ״Subscription“ gemeint ist? Herr Kaufmann sagt

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