Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 14 (1885)
- Issue
- N° 23. (4.6.1885)
- Date
- 1885-06-04
- Page
- Seite 91 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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sollte in ihm nicht gern den Namen jenes Pihaohiroth wieder erkennen, über dessen Lage so viel geschrieben und gestritten worden ist? Jetzt kennen wir dieselbe, und zwar ziemlich genau, wenn Naville’s Vermuthung, Serapiu sei nur der lateinische Name für Pikeheret, sich bestätigen sollte, und wiederum sind wir durch die Denkmäler selbst in Besitz einer Angabe getreten, welche den biblischen Beriobt über den Auszug verständlicher macht und ihn dadurch bestätigt. Bragschs Vorschlag, in dem Schilfmeer, das die Heere des Pharao verschlang, den Sirbonischen See und nicht das Rothe Meer zu sehen und die Juden von Etham (Ohetam)*) aus nordwärts statt südwärts abschwenken zu lassen, kommt durch die Bestimmung der wahren Position von Pi־achiroth völlig zu Fall. Unter den erwähnten Göttern im Giebelfelde tritt auch als Isis und Hathor Arsinoe II. Philadelphus mit deren beiden Königsschildem auf, welche ihr die volle Machtvollkommenheit eines männlichen Pharao zusichern. Unter der angen Titulatur spielen die Götter der Heroopolitanischen Nomos eine grosse Rolle. Auf der siebenten Zeile geschieht des Besuches des Königs in diesem Gaue nach Vollendung eines Heiligthums seines Vaters Tum von Theku-t Erwähnung; auch erfahren wir, dass Philadelphus bei dieser Gelegenheit Pikeheret berührte. Wenn man dem in der achten Zeile Mitgetheilten glauben darf, würde das Heiligthum dieses von der Erde verschwundenen Ortes ein besonders stattliches gewesen sein. Wir müssen es bis attf das Erscheinen einer photographischen Reproduction unserer Inschrift aufschieben, an eine Ergänzung des Naville’schen Textes zu gehen. Was übersetzbar war, hat er in zuverlässiger Weise übertragen, und wir fürchten, dass es Niemandem gelingen wird, viel mehr aus den schlecht in den Stein gegrabenen und halb verwischten Zeilen herauszulesen. Wir sehen, dass die Naville’sohen Grabungen reiche Resultate ergeben haben, unter denen als unumstösslicli sicher zu bezeichnen ist, dass an der Stelle des heutigen Teil el-Maschüta ein Ort mit dem heiligen iNamen Pithom.**) und dem profanen Theku-t gelegen war, dass sich daselbst ein grosses und befestigtes Vorrathshaus befunden hat, dass die Landschaft ’An, in welcher die 'Apuria sassen, Gosen mit umfasste, und dass der erste Pharao, welcher auf den dort gefundenen Denkmälern genannt wird, Ramses II., d. h derjenige König von Aegypten ist, welchen wir längst als den Pharao der Bedrückung kennen. Wenn Pikeheret Pi-hachirot ist, so lehren sie uns auoh die Lage dieses Ortes ungefähr bestimmen. Die Naville’schen Erwerbungen werden so mauchen Forscher, der sich mit der alttestamentarischen Kritik vertraut gemacht hat, bestimmen, noch einmal zu prüfen, ob es nicht die Negation zu weit treiben heisst, wenn man die biblischen Erzählungen vom Aufenthalt der Juden in Aegypten und dem Auszuge aus dem Gebiete der Geschichte verbannt. Wer hier Licht finden will, für den giebt es nur den einen Weg, die ägyptischen, mit den angezweifelten Ereighissen gleichzeitigen, Quellen aufmerksam zu studieren. Wir haben aus dem Vertrautsein mit denselben den Muth geschöpft, mit allem Eifer für die allgemeine Historicität der auf Aegypten und die Hebräer bezügliehen Stellen in Genesis und Exodus einzutreten. *) 18G8 von Ebers in seinem .Aegypten und die Bücher Moses’,“ als das biblische Etham erwiesen. **) LeDsias hat bis zuletzt daran festgehalten, dass Teil el-Machüta nicht Pithom, sondern Ramses sei; hätte ihm aber, wie uns, die Naville’sche Fabiication in ihrer ganzen Vollständigkeit Vorgelegen, würde er kaum auf eeiner alten Ansicht bestanden haben. Die neu bearbeitete autorisirte englische Uebersetzung des Alten Testaments. Am Vorabend des jüngsten Woohenfestes spielte sich in Paternosterrow, einer bekannten Strasse in London, woselbst die bedeutendsten Baohhandlungen des Landes sich befinden, eine Scene ab, die in den Annalen des Buchhandels als Unioum verzeichnet werden darf. An jenem Tage sollten nämlich zum ersten Male die ersten Exemplare der obigen Uebersetzung dem kauflustigen Publikum zugänglich gemacht werden, und so gross war der Andrang desselben, um in den Besitz der neuen Ausgabe zu gelangen, dass lauge noch vor Tagesanbruch die belebte Strasse fast ganz blookirt war. Nicht minder merkwürdig ist die Thatsacbe, dass, obschon seitdem mehr als eine Million Exemplare abgesetzt worden ist, die Bestellungen auf diese neuen Bibeln noch immer recht zahlreich sind. Als vor einigen Jahren Herr Goldwin Smith in echt antisemitischer Weise so schonungslos über Juden und Judenthum herzog, da gab er der englischen Nation den curiosen Rath, sie möchte das Alte Testament vollständig beseitigen, da es für den jetzigen Zeitgeist nicht mehr passe. Welchen Anklang dieser Rath bei seinen Landsleuten gefunden, kann man aus den obigen Thatsacheu leicht ersehen. Seine Worte sind längst verschollen, aber ״das Wort Gottes wird ewiglich bestehen.“ Die fragliche Uebersetzung hat in letzter Zeit so viel Aufsehen im Lande gemacht und wurde uud wird noch immer in den verschiedenen englisohen Zeitungen so lebhaft besprochen, dass eine kurze Be- Schreibung ihres Wesens und Charakters auoh für die Le36r dieser Blätter von einigem Interesse sein dürfte. Die frühere sogenannte autorisirte englische Ueber- Setzung des A. T. wurde auf Anordnung des Königs James I. von mehreren berühmten Geistlichen und Gelehrten seiner Zeit unternommen und nach dreijähriger Arbeit im Jahre 1611 der ()Öffentlichkeit übergeben. Wie die Lutherische Uebersetzung in Deutschland, so erfreute sie sich seitdem hier zu Lande einer allgemeinen Anerkennung und die Spraohe derselben wurde stets und wird noch immer als eine echt klasische angesehen. Wenn aber gegen die Sprache selbst nichts oder nur wenig einzuwenden war, so gab es dennoch einzelne englische Gelehrte im vorigen und jetzigen Jahrhundert, die darin mehrere Unrichtigkeiten entdeckt zu haben glaubten. Und dies mit Reoht, denn da die fragliche Uebersetzung hauptsächlieh die Septuaginta und Vulgata zur Grundlage hatte*) und vom hebr. Original nur wenig Notiz nahm, 80 ist es natürlich, dass sie jene engl. Gelehrten nicht befriedigen konnte, die mit dem hebr. Idiom und den einsohlagenden semitischen Sprachen einigermassen vertraut waren. Auch waren viele freidenkende engl. Geistliche mit der allzugrossen christlichen Färbung der Uebersetzung nicht einverstanden, und so kam es denn, dass auf die Intiative der Häupter der zwei bedeutendsten Universitäten des Landes, Oxford und Cambridge, vor etwa 15 Jahren eine Revision derselben vorgenommen wurde, woran die bedeutendsten Theologen und Gelehrten Englands und Amerika’s sich bethoiligten. (Schluss folgt.) Recensionen. אנחת ש־ייר, S. L. Rappoport’s hebräische Briefe an S. D. Luzzatto (1833—1860). Mit Anmerkungen *) Doch ist dies nicht immer der Fall. So übersetzt js. B. die autorisirte Ausgabe Xocoi und populi mit Volk und nicht Völker — people nicht peoples.