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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1885-05-29 · N° 22. (29.5.1885) · p. Seite 87

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
14 (1885)
Issue
N° 22. (29.5.1885)
Date
1885-05-29
Page
Seite 87 (sequence 3)
Language
German
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- 87 — der Landschaft des Snpt Herrn des Ostens “ gewesen Var und diese Landschaft gleich ist dem 22. unterägyptischen Nomos, deren mit dem Gau selbst gleichn&mige Hauptstadt altägyptisch Pha- oder Pha-Kos, koptisch Phakos, griechisch Phakusa hiess. Das Pa (oder unterägyptische Pha) ist der Artikel, und wie aus dem ägyptischen Ortsnamen Kos das hebräische Gosen oder naoh der Schreibung des Artapanus bei Eusebius Kaisan werden konnte, ist jedem Kenner der semitischen Sprachen verständlich. Unser ’Aak, der GaufÜrst der Landsohaft Gosen, war also zu gleicher Zeit Oberpriester des Tum-Tempels von Pithorn. Der dreimal auf einem Kalksteinbiooke, welchen Naville weiter entdeckte, wiederkehrende Königsname ist leider unlesbar; das Bild dieses Pharao blieb aber erhalten. Einmal wird er dargestellt, wie er mit Bogen und Keule in der Hand ins Feld ziehen will, einmal mit dem Gefangenen am Schopfe, d. h nach vollendeter Ueberwältigung seines Gegners. Die spärliohen Fragmente zweier Statuen von weissem Kalkstein, einen Mann und ein Weib darstellend, welche bestimmt waren, einander als Pendants gegenüber zu stehen, würden nicht der Erwähnung werth sein, wenn die erhaltenen drei Inschriftszeilen auf dem Bücken des Mannes Naville’s Ansicht, dass Teil el-Maschüta Pithorn und keineswegs Bamses sei, nicht endgültig bestätigt hätten. Dem Vorsteher des Speichers und des Tempels des Tum von Succoth, Namens Pa-mes? Isis, welchen diese Bildsäule darstellt, wird von der Göttin Hathor gewährt, dass sein Name im Heiligthume des Tum, des ״grossen lebendigen Gottes von Theku-t“ dauerhaft fortbestehe. Wie dem Tum von Succoth, 80 diente er auch der Hathor von I ’An, jenes grösseren Bezirkes, den wir schon lange als Heimath der ’Apuriu kennen. Diese Fragmente stammen aus der 26. Dynastie wie durch zwei kleinere im gleichen Styl, welche sich im Besitze des Hrn. Paponot befinden, erwiesen wird. Das nun folgende Monument, eine Steintafel mit rundem Giebelfelde und 28 Zeilen in Hieroglyphenschrift, ist 4 Fuss 3 Zoll hoch und 3 Fuss 2 Zoll breit und von solcher Wichtigkeit nicht nur für die alttestamentarische Forschung, sondern auch für die Geographie und Geschichte der hellenistischen Zeit, [ dass sie recht wohl verdiente, neben der Tafel von Rosette und von Tanis die von Pithorn genannt zu werden. Sie wird gegenwärtig im Museum von Bulaq conservirt, und ihr Entdecker hat sie nicht nur in I brauchbarer Weise publicirt, sondern auch was lesbar auf ihr war übersetzt. Dies ist wegen der Flüchtigkeit, mit der viele Zeilen in den Stein gemeisselt sind, keine leichte Aufgabe gewesen, aber Naville’s Scharf- | sinn hat sich auch hier bewährt. Um den vollen Werth dieses Monumentes zu verj stehen, muss bemerkt werden, dass Naville auch lateinische Inschriften gefunden hat, aus denen mit Sicherbeit hervorgeht, dass die römische Militärkolonie, welche sich an das ältere Succoth schloss, Ero, Erocastra und auf griechisch Heroonpolis hiess. Eine gut erhaltene lateinische Inscription sagt das Folgende: ״Unter unseren siegreichen Herren, den Kaisern Maximianus und Severus, sowie den alleredelsten Cäsaren Maximinus und Constantin waren es von Ero nach Ciysmd neun*) Meilen.“ Von diesem Ero oder Heroonpolis konnten, wie wir sehen werden, Flotten aufbrecnen, und es unterliegt keinem Zweifel, dass sich noch in der Kömerzeit der Busen von Sues weiter nach Norden erstreckte I *j Das fh. welches die Meilenzahl nngiebt, hat Mommsen ‘1'u• ein 9 erklärt. als heute; keinenfalls aber bis nach Sucooth. Wahrsoheinlich verband ein Canal diesen Ort mit dem Bothen Meere. Naville behandelt diese Frage S. 21 und giebt S. 26 eine kurze Charakteristik des Ptolemäus Philadelphus, dem unsere Inschrift die Ent* stehung verdankt, 30wie seiner vergötterten Schwester und Gattin Arsinoe. Ferner zeigt er, wie der von ihm übersetzte Text die Lust nach fremden und neuen Dingen, aus der Ferne stammenden Gegenständen und Nachrichten, welche diesen Monarchen beseelte, sowie seine Liebhaberei für Jagd und ausländische Thiere vortrefflich illustriert; ja er kann es wahrscheinlich machen, dass der Bericht über eine Expedition naoh dem südlicheren Ostafrika, welchen die Tafel von Pithorn enthält, sich auf die von Strabo erwähnte Fahrt des Generals Eumedes bezieht, bei welcher der Ort Ptolemais Theron**) gegründet ward. _ (Schluss folgt.) Die neue englische Bibel. Die neue, seit 15 Jahren überarbeitete und durchgesehene englische Bibel wurde zum Schowuausfeste ausgegeben. Die früheren Uebersetzer waren schlechte Griechen und Hebräer, aber wundervolle Stilisten, welche ihre grammatischen und lexicalischen Schnitzer in kostbarer Wortumhüllung auftischteu. Shakespeare selbst kann sich nicht rühmen, stärker als jene die Einbildungskraft des englischen Volkes durch seine Lautmalereien beeinflusst zu haben. Vor vier Jahren erschien zuerst das durchgesehene Neue Testament: nooh jetzt hat sich der bibelfeste Brite nicht damit ausgesöhnt. Beim Alten Testament, das jetzt mit dem Neuen zusammen ausgegeben wird, lagen di• Verhältnisse günstiger. Dort gab es eine Menge verscliiedener griechischer Lesarten, zwischen welchen die gelehrten Theologen sich vor der Neuübersetzung zu entscheiden hatten; hier aber galt es lediglich, den missverstandenen hebräischen Text klarzustellen; und daher wird die neue Lesart derselben wohl Aufnahme in den Kirchengabrauch finden, aus welchem das Neue Testament bis jetzt noch ausgeschlossen ist. Die hervorstechendste Aenderang, welche sich die Durchseher erlaubten, ist der Ersatz des Wortes ״Hölle“ durch das hebräische Scheöl. Letzteres bezeichnet• nur den Aufenthalt der abgeschiedenen Seelen, nicht den Ort, wo Heulen und Zähneknirschen ist. Daher heisst es hinfüro im Psalm: Die Gottlosen sollen in Scheöl zurückkehren, ebenso alle Nationen, welche Gott vergessen. Dann die Verdrängung von ״Adam“ durch das einfache ״ Mann. “ Erst als Gott zu ihm spricht: ״Weil du auf dein Weib gehorcht hast, tritt der erste Mensch als Adam auf. ״Sündenbock* wird zu ״Azazel“, ״ Einhorn “ zu ״wilder Ochs“, das frühere ״Cockatrice* zu Basilisk, Neffe zu Enkel, ״Eliezer of Damaskus“ zu ״Demmerck Eliezer“, ״grosse Walfische“ zu ״grossen Seeungeheuern“, ״Biesen“ zu ״Nephilim“, ״du sollst nicht tödten“ zu ״du sollst nicht morden“ u. s. w. Die neue Uebersetzung ist das gemeinsame Eigenthum der beiden Universitäten Oxford und Cambridge. Von den 16 Mitgliedern des Ausschusses, der vor fünfzehn Jahren durch die Convooation von Canterbury niedergesetzt wurde, sind zehu gestorben. Sie setzten sich schon 1871 mit dem amerikanischen Ausschusse, welcher dasselbe Ziel verfolgte, in Verbindung, hielten im ganzen 85 Versammlungen ab, die zusammen 792 Tage dauerten, unterwarfen jede Aenderung einer dreimaligen Abstimmung, bei weloher zuerst die blosse Mehrheit genügte, dann eine Zweidrittel-Mehrheit nothwendig war, und brachten das **) Oder f 7;־. itfjpa־ wegen 11er Elephantenjagd.

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