Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 14 (1885)
- Issue
- N° 22. (29.5.1885)
- Date
- 1885-05-29
- Page
- Seite 88 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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88 — "Werk im vorigen Juni zum Abschluss. Seitdem spielt die Druck- und Einbandfrage. Als vor vier Jahren das Neue Testament berauskam, gelang es dem Vertreter des New-York Herald, dessen ganzen Inhalt nach Amerika zu telegraphiren und dadurch den Absatz des Werkes zu beeinträchtigen. TJm der : Wiederholung dieser telegraphischen Freibeuterei vorj zubeugen, richteten die Universitäten es so sein, dass das neue Buch überall in England, Schottland, Irland, Canada, in den vereinigten Staaten Amerika’s in Australien, in allen Ländern englischer Zunge, an | demselben Tage zugleich in den Buchhandel kommen j sollte, wobei natürlich das strengste Geheimniss durch ן sorgfältige Beaufsichtigung der Drucker und Einbinder! gewahrt werden musste. Dass das letztere gelungen; ist, beweist der Umstand, dass gestern noch ein! amerikanisches Blatt 100 L. für die blosse Einsicht j in ein Exemplar bot, ohne zu seinem Ziele zu gej langen. Die Herstellung des Papiers, des Drucks und j des Einbandes legte den Universitäten grosse Anfor- ן derurigen auf. Das Papier ist aus den feinsten Lumpen 1 gearbeitet, um die Handlichkeit des Buches zu erhöhen. Eine einzige Fabrik lieferte 250 Tonnen, mit welchem sich 3(!km bedecken und ein 6 Zoll breiter Streifen um den Erdball legen Hesse Die Exemplare der; Oxi'order Universität würden allein, aufeinandergehäuft, : eine Säule von 22 km Höhe bilden. Die Zahl der Ziegen und Schafe, die ihr Fell für die Einbände geben mussten, zu berechnen, ist fast unmöglich, denn; die für den amerikanischen Ausschuss allein bestimmten 1 Exemplare beanspruchen 1560 Ziegenfelle. Mehr als ' 5000 Buchbinder waren hier mit Binden und Ver- | golden beschäftigt. Die für Amerika bestimmten; Exemplare sind längst abgegangen, sie betragen über : 1 000 000. In wenigen Tagen wird die ganze englische! und amerikanische Welt damit versorgt sein. Das Buch ist in verschiedenen Grössen und Einbänden zu haben, aber immer nur als vollständige Bibel, denn das alte Testament allein hatte sich meist unverkäuflich erwiesen. Zwar hat man von letzterm eine einzige Ausgabe veranstaltet, aber in vier Bänden, sodass das Publikum es auf keinen Fall kaufen würde. Bemerkt zu werden verdient noch, dass die amerikanische Regierung durch besondern Congressbeschluss den Eingangszoll für das Werk aufgehoben hat. Litteraturberieht. Recensionen. Grün, Dr. Nathan. Der hohe Rabbi Löw und sein Sagenkreis. Prag, 1885. Verlag, Jacob B. Brandeis. Wer das nur 10 Seiten umfassende Sckriftchen in die Hand nimmt, dem wird vielleicht im ersten Augenblick das dem Titel beigedruckte ״ Alle Rechte Vorbehalten“ als ein kleiner Luxus erschienen, da man vorzugsweise eine kleine Abhandlung über die an den Namen des hohen Rabbi Löw sich knüpfende Sagen erwartet und dann wäre dieser Vorbehalt freilich als ein unnöthiger Luxus erschienen, da sich in diesem Fall auch ohnehin litterarische Piraten kaum seiner bemächtigt haben würden. Diese Voraussetzung trifft aber, wie der Leser bald gewahrt, auch durchaus nicht zu. Wir haben es in dem Sehnlichen mit einer sehr werth- und geistvollen kritisch-lustorischen Untersuchung über das ganze Leben, die Schicksale und die wissenschaftliche Thätigkeit und Bedeutung des Rabbi Löw zu thun, der die vielen Dunkelheiten, die über dessen Leben und Wirken immer noch schwebten, aufhellt und die Biographie dieses einflussreichsten und bedeutendsten Rabbiner seiner Zeit gewissermasseen abschliesst. Das auf einem gründlichen Studium der Schriften des R. Löw, wie der auf ihn bezüglichen Litteratur basirende Schriftchen darf sich zweifellos des freundliohsten Willkommens bei allen Freunden dieser Litteratur versichert halten. Auf das, was der gelehrte Verfasser im Schlusskapitel über die Eutstehung des Sagenkreises, der sich um den hohen Rabbi Löw gebildet, namentlich über den ״Golem des h. R. L.“ sagt,behalten wir uns vor im ״Familienblatt“ demnächst zurückzukommen.. Max Weinberg Notizen. 1. Eine exegetische Bemerkung Das nach alphabetischer Ordnung verfasste Kapitel 34 der Psalmen, bietet sowohl constructiv als hermeneutisch eine Schwierigkeit dar. — Wozu ist nach Beendigung des Alphabets der Schlussvers ,פודד angebracht!׳ und dann wie widersprechend verhalten sich die Verse 17—18 — wo von der Vertilgung der Bösen gesprochen wird, und gleich darauf der andere Vers: Sie schreien und Gott hört's — zu der Lehre vor! der göttlichen Belohnung und Bestrafung der Bibel, nach der aufrichtige Reue und Busse loblieh ist, aller nicht ein momentaner Schrei des in Schmerzen, Folgen seines unmoralischen Lebenswandels, sich wälzenden Bösewichtes? -- l’ninteressant wäre daher nicht die Vermuthung, dass die jetzt in zwei getheilte Verse IG—17 als Buchstabe Seinen Vers bildeten, und der am Ende angebrachte, פודה , hierher als 'S zu setzen sei. Demnach würde jede Schwierigkeit gehoben sein. Im Gegensatz zu dem Vorhergesagten (unter Buchstabe י?), dass Gott die Bösen vertilge, wird in 'S hervorgehoben, dass er die Frommen erhöhe, aut' in auch das darauil'olgende צעקו sehr passend ist. Tarnow. Salomon Spinner. 2. ln Gesenius Wörterbuch ed. Dietrich (VI. Anti 1 03י) wird ״Chur1׳ kurzweg als Gatte der Mirjam, der Schwester Mosis, bezeichnet, ln der Ausgabe von Milhlau und Volck (IX Auti. 1883) finde ich den Zusatz: ״Ein Zeitgenosse Mosis. nach der jüdischen Tradition Gatte der Mirjam“. Zu Exod. XXIV, 14 citirt Raschi eine diesbezügliche Tradition, nach welcher Chur ein Sohn der Mirjam und des Kaleb war, denn Efras, die Kaleb zur Frau nahm und die iluu den Chur gebar!1. Chon. II, 19), ist nach Talmud Sota 11b Mirjam. Dieselbe Tradition citirt Raschi noch zu Exod XII, 10, XXXV, 30 und XXXII, 5 nach Levitic Rabba cap. 10. Die fragliche Tradition bei Gesenius fand ich auch im דר הדורות□ nicht verzeichnet, und glaube darum atmehmen zu dürfen, dass die erwähnte Anführung bei Gesenius auf einem Irrtlmni beruht. Prag. J. Hirsch, stud. phil. 3. ln No. 20 d. Litterbl. urgirt Hr. Dr. Deutsch das Wort פרייפרין mit den Worten: Nach der talmudischen Erklärung, eie ein Aruch von Peripherie abgeleitet wird, wären des krumme Baldachinstangen.“ dies ist nicht ganz genau; denn der Verfaster des Aruch leitet das Wort von אפריון her, wie auch Raschi 3. St. sagt. Mussaphia leitet es von Peripherie ab und übersetzt ״runde Trompete“, ihm stimmte Landau bei. Damit wären auch die Fragen des Hrn Dr. Deutsch erledigt. Was die Sänfte bei Leichenbegängnissen und Hochzeiten solle, ist iniv nicht klar. Leitet man das Wort von ■^zp'.'pipn ab, so sind es einfach Stangen zum Tragen des Sarges oder der Baldachine, oder Gegenstände die herumgetragen werden. Irgendwo halte ich gelesen, dass פר״פרין —~p׳.a~axo; ist, ein rundes aufrechstehendes Holz, Sinnbild der Furchtbarkeit, sein soll. Rabb. Dr. M. Du sc hak. (Es sind uns nocli mohrene Erklärungen dieses Wortes zngegangen, von denen wir einige noch in nächster No. bringen werden. Red.) Berichtigung. In der Uecension über Berliner’s Tnvgum sind folgende Druckfehler zu berichtigen: S. 80a. zu lesen ״dessen Redaction“, Z. 19 v. u. zu lesen ״einer“, Z. 18 ״dieselbe'1, Z. 14 — 1.0 ״ein wesentliches Moment“, Z. 1 130״“. In Col. 2 Z. 9 v. o. $ ll.׳>, Z. 7 v. u. statt ״entgegenzusetzen“ zu losen ״entgegonzutuhren“, S. 83 b. Z. 23 v. u. zu lesen ״des-', Z. 9 ein neuer Satz ״Der“, S. 84a. Z. 17 v. o. statt ״laut“ zn lesen ״Deut,“, S. 83 b. Z. 5 v. u. das Anm.-Zeichen unrichtig und die Amu.: ״Die Ausgabe B. hat Deut. 20,3 die Reihenfolge der V. V. unrichtig nmnmerirt, nämlich statt 3״“ die Zahl 1״' u. 8. w. — ist ausgefallen. Verantwortlicher Kedacteur Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Woltf, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.