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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1885-05-21 · N° 21. (21.5.1885) · p. Seite 83

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
14 (1885)
Issue
N° 21. (21.5.1885)
Date
1885-05-21
Page
Seite 83 (sequence 3)
Language
German
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- 83 der Gründer der befestigten Vorraths- und Tempel- 8tadt Pithom. Naville fand das grosse Monument Ramses II. von röthlichem Sandstein, welches die Aufmerksamkeit der Forschung zuerst auf Teil el-Nfaschüta gezogen hat, nicht mehr an Ort und Stelle; man hatte es in das benachbarte Ismailije am Timsah-See gebracht. Der Pharao wird auf ihm Herr von Theku genannt, und hinter diesem Namen steht das Determinativzeichen des Pfahles, welches lehrt, dass wir es hier mit einem vorzüglich von Nichtägyptern bewohnten Orte zu thun haben. Dieses Theku bietet besonderes Interesse. Es begeguet uns auf vielen der von Naville ausgegrabenen Inschriften und lehrt mit unumstösslicher Sicherheit, dass die Stätte von Teil el-Maschüta auch Theku oder Theku-t, d. i. kaum etwas anderes als das hebräische Succoth, genannt worden ist. Solche Doppelbezeichnungen für die gleiche Localität sind im alten Aegypten ganz allgemein. Hier wie anderwärts wird der Ort — und zwar zunächst sein Tempelbezirk — nach der Hauptgottheit und die Wohnstatt der Bürger mit einem anderen profanen Namen benannt. In unserem Falle heisst der Tempelbezirk und das zu ihm gehörende, wahrscheinlich von Aegyptern bewohnte Quartier Stadt des Gottes Tum (Pithom) und der übrige Ort, welcher sich in weitem Kranze um den Tempelbezirk hinzog, Theku-t. Hier ist Naville auf zahlreiche zerstörte Wohnhäuser gestossen. Wer den biblischen Bericht über den Auszug der Juden kennt, ist auch mit dem Namen Succoth vertraut, denn so wird der erste Ort genannt, wo das Volk nach dem Aufbruch von Ramses (für uns Tanis, hebräisch Zo‘an, arabisch San) rastete.*) Durch die geographische Bestimmung dieser Exodus-Station fällt auf den Weg, den die ausziehenden Juden genommen; neues Licht, und der Anastasi VI genannte Papyrus lehrt, was Naville’s Ausgrabungen bestätigen, dass Theku-t eine feste Stadt war. Es heisst dort in einem Decret des Pharao wörtlich: ,Wir haben geduldet, dass die Tribut (mahau’) der Schasu von Atuma (Beduinen von Edom?) überschreiten die Festung des Königs Merneptah, welche auch Theku heisst (nti Theku), um sich nach den Teichen des Pithom des Königs Merneptah, das auch Theku heisst, zu begeben, um sich zu nähren und ihre Heerden zu nähren, auf der grossen Domäne des Pharao etc.“ Aus dieser Notiz geht nicht nur hervor, dass Pilhom-Succoth befestigt war, sondern auch, dass der Nachfolger Ramses II., Merneptah, der Pharao des Auszuges, von dem sich bei Teil el-Maschuta keine Denkmäler gefunden haben, diese Gränzstation, in deren Nähe noch manche stehenden Wasser fluthen, nach seinem Namen benennen liess. Er scheint wenig vorsichtig gehandelt oder dem Druck der Nothwendigheit nachgegeben zu haben, als er Beduinen gestattete, ihr Vieh in einer von semitischen Elementen überhillten Provinz zu hüten. Wenn es noch in seiner Hand lag, die Sohasu einzulassen, so war er doch nicht stark genug, um dem Auszuge der Hebräer zu wehren, welche auf ihrer ersten Wanderstation Vorräthe genug gefunden und sich ihrer bemächtig haben *) Ein englischer criticus negativus im ״Athenaeum“ hat liegen die Identificirung von Theku-t mit Succoth aus lauthohen Gründen Einsprache erhoben, aber mit Unrecht, denn ׳lass die Aussprache des Zeichens, das wir gewöhnlich th ums<,hreihen, von fremden Ohren tur die die Sibillante 8 gehalten ''erden konnte, beweist nicht nur der griechische Name Se- '׳ennytos, dessen hieroglyphisch geschriebenes Vorbild mit derselben Letter beginnt. Andere lautliche Schwierigkeiten sind nicht vorhanden. werden. ״Gerüstet zogen die Söhne Israels aus dem Lande Aegypten“. (2. Mos. 13,18.) ״Mit aufgehobener- Hand“ etc. 2. Mos. 14,8. Sollte es ein Zufall sein, dass je mehr Denkmäler aus jener Zeit ans Licht gezogen werden, desto reichere Bestätigungen für die Historicität des Aufenthalts der Juden in Aegypten der Forschung entgegenkommen? Darf man nicht an die oben angeführte Stelle aus dem Papyrus Anastasi VI. denken, wenn wir 2. M. 12, 37 und 38 lesen: ״Und so zogen die Söhne Israels aus von Ramses nach Succoth bei 600 G00 Mann zu Fuss, die Männer ohne die Kinder. 38. Auch eine Menge Fremde zog mit ihnen, und Schafe und Rinder, sehr viel Vieh.“ Unter diesen Fremden haben wir gewiss jene Schaar zu verstehen, welche mit Erlaubniss des Pharao ihre Heerden neben denen der Hebräer weideten und so bestätigt der schriftliche Nachlass der Aegypter auch diese Angabe der Bibel, die wir für historisch halten, obgleich sich in unmittelbarer Verbindung mit ihr Zahlen finden, welche sich in keiner Weise mit der Wanderung durch die Sinai-Halbinsel vereinigen lassen und der legendarischen Ueberlieferung den Ursprung verdanken. Diese beiden Verse sind charakteristisch für die gesammte biblische Erzählung vom Aufenthalte der Juden in Aegypten und dem Exodus. Die Grundläge ist geschichtlich, und zwar hier der Zug von Ramses uaoh Succoth (Theku-t) und der Anschluss von anderen Nichtägyptern an die Auswanderer; aber in jenem Theil der später in Eins zusammengearbeiteten Tradition mischt sich leicht und gern das Wunderbare, womit die Ueberlieferung unter einem phantasievollen Volke die schlichte Begebenheit zu vergrössern und auszuschmücken trachtet. - (Fortsetzung folgt.) Recensionen. Berliner, Dr. A., Targum Onkelos. (Schluss). Eine Quelle zur Erläuterung des T. ist, bisher unbeachtet, uns erhalten in der Pessacli-Hagada. Wir gewinnen aus derselben Aufschluss für eine Uebertragung, der wir sowohl bei den LXX wie bei Onk begegnen, und welche bisher nur durch Ver- | muthungen verständlich gemacht wurde. Der Vortrag der Auslegung des Abschnittes Deut. 26, ö—0 oder 11, mit ארט* אבד אבי beginnend, gehörte nach der Mischnah Pesachim X, 4 zu dem Rituale der Seder- Abends. Wie verhält sich 0. zu der in der Pessach- Hagada und theilweise im Sifri (Debaritn § 301) enthaltenen Auslegung? Bei V. 5 fällt es leicht, sich an den Text der Pessach-Hagada zu erinnern. 0. . . לבן ארמא בצא — p. H.לבן בקש, Sifri:...מלמד ... ומעלה על לבן כאילו. V. 8 geben die LXX für במרא iv 6pa;1aa׳., ebenso 4,34 für 0 במוראים. V. 8: בחזו ני ן :4,34 בהזונא. Bei den LXX, bei denen eine Abweichung vom massoretischen Text häufig wahrzunehmen ist, beruhigte mau sich leicht mit der Annahme, sie hätten nach der Leseart במראה und במראים vertirt, aber sollte auch 0., der doch in vollster Uebereinstimmung mit dem mass. Text sich zu befinden pflegt, gleich den LXX gelesen haben? der in dieser Richtung sonst so ängstliehe Luzzatto hatte es dennoch über sich gebracht, 0. die LA : במראים zuzuschreiben (S. Berliner S. 208), Frankel hingegen (Einfluss S. 217) sucht durch eine geistreiche *)Deutung 0.im Einklang mit dem mass. Text zu rechtfertigen. Nehmen wir die P.-Hagada zur Hand und die Aufklärung für die LXX wie für 0. dürfte gefunden sein. Die betreffende Stelle lautet: ובמרא נדול זו נלוי שכינה כמה שנאמר או הנסה אלהים....

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