Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 14 (1885)
- Issue
- N° 21. (21.5.1885)
- Date
- 1885-05-21
- Page
- Seite 84 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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ובמוראים נחילים ... Hier wird ובמרא נדול (Deut. 26,8) als גלד שכינה gedeutet mit Berufung auf ובמוראים גדולים (Deut. 4,34). Wieso liegt aber in במוראים גדולים di6 sich kundgebende Erscheinung Gottes — גלוי שכינה? Die Auslegung fusst entweder auf der LA. מראים, oder מוראים wurde darum nicht von מורא, sondern von מראה abgeleitet, weil es sonst neben ביד חזקה ובזרוע נטרה einen Pleonasmus bilden würde.*) Ob nun das Eine oder das Andere der Fall gewesea, wir besitzen eine alte Ausleguug, dass מורא und מוראים als נלוי שכינה zu erklären ist — und bei den LXX haben wir cpdpa-ca, bei 0. חזונין und חזונא, durch welche Bezeichnungen die Bedeutung der גלד שלינה zur Anschauung gebracht wird. Bei den LXX beschränkt sich diese Uebertragung auf die in der P-Hagada angeführten Stellen, während המורא laut 34,12 mit 6־a׳j|idb1a wiedergegeben ist. 0. jedoch hat auch hier חזונא (Vgl. Frankel a. a. 0.) Zu meiner Freude fand ich nachträglich in dem Commentar der P.-Hagada von R Simon Duran zu den zwei aas der Hagada zur Vergleichung herangezogenen Stellen eine Hinweisung auf das Targum. Zur ersten Stelle bemerkt er: ווה על דרך התרגום שתרגם לבן בפא לאובדא ית אבא zur zweiten: הנה פירשו מורא לשון ראייה ואינו משורשו כ־׳א משרש יראה אבל אנקלם הוא מתרגם בבל מקום מורא חזונא לשק ראיה כי אלו המלות שהם עלולות להתחלפות . . .• Der P.-Hagada wäre demnach ein Platz anzuweisen unter den Quellen, die zum Verständniss der LXX und des Targums führen. Unsere Bemerkungen beeinträchtigen nicht im Geringsten den hervorragenden Werth der Arbeit Berliners. Er hat mit dem Wiederabdruck der rühmliehst bekannten aber höchst seltenen edit. Sabioneta v. J. 1557 der Wissenschaft einen guten Dienst geleistet, durch seine ״Noten“ und ״Einleitung“ dieselbe wesentlich gefördert und zum Fortschreiten der Untersuchungen die lehrreichsten Anregungen geboten. Seine Monographie über T. O. ist für den Forscher geradezu unentbehrlich. Dr. Sidon. Wolf G. Zur Geschichte der Juden in Böhmen. J. S. Brandeis Prag 1885. Die kleine Schrift des bekannten Forschers auf dem Gebiete jüdischer Geschichte ist ein Separatabdruck von Brandeis ״Illustrirter Volkskalender“ für 5646, dem sie sicherlich zur Zierde gereicht. Zunächst enthält sie zwei Urkunden, worin Kaiser Karl IV. und sein Schwiegersohn Erzherzog Rudolf der Stifter einander die Zusicherung geben, ohne gegenseitiges Uebereinkoinmen die Juden des einen Reiches nicht in das andere aufzunehmen. Daraus lässt sich jedenfalls schliesseu, dass die Juden im 14. Jahrh. ein Object waren, um welches die Territorialfürsten Deutschlands einander derart beneideten, dass sie sie in ihre Staaten hinüberlockten. Wichtiger ist der zweite Theil der Broschüre, worin auf Grund urkuudliehen Materials und richtiger Schlussfolgerungen der Nachweis erbracht wird, dass die von Kaiser Ferdinand I. im Jahre 1561 über die Juden in Böhmen verhängte Ausweisung nicht, wie man bisher meinte, offiziell zurückgenommeu wurde, (wie Grätz IX, 388 angiebt, auf Verwendung des Buchdruckers Mordechai Zemach beim Papste), sondern durch Intervention des Erzherzogs Ferdinand von Tirol (Sohn des Kaisers und Gemahl der schönen Philippine Welser) wurde *) Ks ist auch möglich,!lass die unmittelbar folgenden Worte: ככל אשר עשה לבם ה־ אל במצרים לעיניך zu der Aultässung von גלד שכינה geleitet haben, indem diese Wort«, worin Gottes Kingreiten, als ״vor deinen Augen“ geschehen, dargestellt wird, in ersterlleihe aut מיראים bezogen wurden. die Ausführung des Ediotes so lange erstreckt, bis fl es ganz als aufgehoben galt, ohne jemals formell fl widerrufen zu sein.*) fl Der Druck ist natürlicherweise derselbe wie im fl Kalender, leider ist auch das Papier kein besseres, fl Bedauern müssen wir, dass in eine nüchterne wissenfl schaftliche Arbeit ein Satz gerathen konnte, der von I Parteileidenschaft eingegeben, nicht beitragen kann, auf die bestehenden Verhältnisse beruhigend zu wirken; er lautet: ״Wir empfehlen diesen Satz (Esther 7, 4) der Erwägung der heutigen Hamans!!), falls sie, voll von christlicher Liebe, vernünftiger Erwägungen noch fähig sind.“ Im Einzelnen ist zu bemerken: Gongregation des Inderees(!), ferner, dass der Ausdruck Stammbrief der Beerdigungsbrüderschaft nicht erklärt ist. Die Vertreibung der Juden aus Brünn erfolgte, wie die Originalurkunde im städtischen Archiv lehrt, im J. 1453 und dürfte, wie die Vertreibung der Juden aus andern Städten Mährens, mit dem Auftreten Capistrano’s zusammenhängen. Eigentümlich muss aber einen Historiker der Passus berühren: ״die ,luden waren aber nicht bloss Kammerknechte, sondern sie zahlten auch Steuern“. Thatsächlich hiessen sie ja deswegen Kammerknechte, weil sie Eigenthum der camera regia waren, d. h dem kaiserlichen Fiscus und nicht den städtischen Territorialfürsten ihre Steuern zahlen mussten. Brünn. Dr. Deuts oh. Salfeld, Dr. Siegln. Landesrabbiner Dr. Salomou Herxheimer. Ein Lebensbild. Frankfurt a. M. bei Franz Benjamin, Auffarth, 1885. Vor Jahren habe ich einmal mit dem Herrn Verfasser der vorstehenden Skizze die Idee einer Herausgabe ״jüdischer Charakterbilder für das Ha/us und die ersten Klassen jüdischer Religionssohulen“ besprochen, etwa nach dem Muster von Grube’s geschiehtliehen Characterbildern. Mir schien und scheint ein solches Buch für die jüdische Familie zu fehlen und die vorliegende Skizze des gewandten Redners und feinen Stylisten bestätigt mir von Neuem, wie Herr Dr. S. so recht das Zeug dazu hätte, ein solches Buch zu schreiben. Die Skizze ist nicht nur durchweg schwungvoll, lebenswarm und lebenswahr gehalten, der man überall die Verehrung und langjährige persönliehe Freundschaft anmerkt, die den Herrn Verfasser mit dem Gegenstände seiner Darstellung verbunden gehalten, sondern sie meidet auch geschickt jede Uebertreibung und jedes Zuvielthun, was freilich bei Herxheimer auch nicht nöthig war, da, wie der Verfasser mit Recht seine Skizze mit Rückert’s schönen und zutreffenden Worten richtig bemerken kann: ״wenn viele Namen, die nun klingen, sind verklungen, Noch seiner wird genannt von später Enkel Zuugen!“ Das Schriftchen wird den vielen Verehrern H.’s eine willkommene Gabe sein. Wir können diese Bemerken nicht schliessen, ohne den Wunsch, mit dem wir begonnen, zu wiederholen, dass Herr Dr. S. trotz seiner umfassenden Amtsthätigkeit zu dem geplanten Buche nooli Zeit und Müsse finden möge. Max Weinberg. Notiz. Der Bischof von l’laviopolis, apostolischer Vicar von Pondichery, hat für eine Studie über den ״Brahmanismus und seine Beziehungen zu •Tudenthum und Christenthurn“ eine Medaille von 1ÜOO |<'r, von der franz. Akademie erhalten. *1 Diese Proben lassen uns mit Herrn Professor Wolf! bedauern, dass jüdische Historiker noch nicht die archival. Schätze Prag's für die Geschichte der Juden zu venvertln u gesucht haben. (Red.) Verantwortlicher Hedacteur Dr. Kahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolff, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.