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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1885-05-07 · N° 19. (7.5.1885) · p. Seite 75

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
14 (1885)
Issue
N° 19. (7.5.1885)
Date
1885-05-07
Page
Seite 75 (sequence 3)
Language
German
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einen Apfel aus dein Kasten nimmt. Die Israeliten waren über einen weiten Landstrich verbreitet, und dass zu Heliopolis, welches kaum mehr selbst zu Gosen gehört hat, Juden, die sich den Aegyptern assimilirt und doch an ihrer unverwüstlichen ethni* sehen Eigenart festgehalten hatten, sitzen bleiben konnten, ist ein ganz natürlicher Vorgang. H. Brugaoli hat dann in seinem Dictionnaire geographique die ’Apuriu für ein Volk erklärt, welches in der Landschaft ’An zwischen dem Nil und dem Hotlien Meere östlich von Heliopolis gesessen habe, und nicht mit Unrecht; ja wir werden sehen, dass die Naville’schen Grabungen die Landschaft ’An als mit zu Gosen gehörend erweisen. Dieses ’An ist gewiss das Aean des Plinius, und dieser lässt dort Heroon oppidum gelegen sein, welches, wie wir nun wissen, gleich ist jenem Pithom, wo die in Gosen geknechteten Israeliten Zwangsarbeiten für den Pharao zu verrichten hatten. Dass die ’Apuriu kein ostafrikanisches Namadenvoik gewesen sein können, dafür zeugt der Umstand, dass sich in einem historischen Märchen, welches auf einem Papyrus des British Museum von der Einnahme von Jpu (Joppe) erzählt, ein ’Apuriu- Mann erwähnt wird, welcher Botendienste verrichtet. Ein Hebräer konnte — gerade in Joppe — leicht, ein Nomade aus der Gegend zwischen dem Nil und dem Rothen Meere zu solchem Geschäfte schwer verwandt werden. Der Name Gosens als einer der Ostprovinzen des Delta hat sich auf den Denkmälern wiedergefunden, und in unserem ״Durch Gosen zum Sinai“ haben wir in einer Weise, welche bisher keinen Widerspruch erfahren, dargelegt, dass sich in Phakus (Pha-kos) die Metropolis der Provinz Gosen sammt ihrem Namen erhalten hat. Die begeisterten Schilderungen, welche die Papyrus von der Fruchtbarkeit dieser Landschaft und dem üppigen Leben in derselben entwerfen, stimmen mit dem biblisohen Bericht aufs beste überein, und sowohl der Verfasser als auch später H. Brugsch haben bewiesen, dass Gosen oder besser, dass das gesammte östliche Delta eine Provinz war, in der die semitischen Elemente den ägyptischen mindestens das Gleichgewicht hielten. Versetzen wir uns nun in diejenigen Zeiten, in denen der Auftenha.lt der Juden in Aegypten und der Exodus einzig und allein gesetzt werden können, so finden wir, dass die ^tatsächlichen politischen Zustände jener Epoche so beschaffen waren, dass sie dem biblischen Bericht überall zur Erklärung dienen. Für den Pharao der Bedrückung halten wir allgemein jenen Ranises IJ., welcher gern in Tanis, dem biblischen Zo’an, d. h. der Stadt residirte, wo nach dem Paalmisten Moses mit dem Pharao zusammengetrofifen sein soll. Mit seinem Namen (Ramsesstadt) wurde diese Residenz belegt, und die Denkmäler lehren, wie gewaltig die Bauthätigkeit gewesen, welche er in derselben geübt hat. ’Apuriu hatten dabei ״Steine zu ziehen,“ und als ihre Vögte werden libysche Polizeisoldaten genannt, welche, da sie den Semiten durchaus nicht stammverwandt waren, keinen Grund hatten, sie schonend zu behandeln. Den Canal, welcher den Nil mit dem Rothen Meere zu verbinden bestimmt war, hatte des Ramses Vater, Seti I., schon in Angriff' genommen. Eine Darstellung zu Karnak nennt ihn ״den Durchstich“, und er durchzog ganz Gosen. Die Hebräer müssen an demselben thätig gewesen sein, und so haben wir in seiner Nähe eine Niederlassung derselben zu erwarten, die denn auch, wie wir sehen werden, thatsächlich gefunden worden ist. Das Delta war voll von semitischen Elementen, und diese blieben dem König im Rücken, wenn er nach Asien in den Krieg zog, was häufig geschah. Er musste die Fremden beschäftigen, und aiess ist auch geschehen. Nach Ramseo’ II. Tode bestieg Memeptah, den wir für den Pharao des Auszuges nalten, den Thron. Er hatte schwere Kämpfe gegen die Libyer zu bestehen und allen Grund, die Fremden in der Ostmark scharf im Zaume zu halten. Aber all diese Dinge haben wir schon anderwärts eingehend behandelt;*) hier gilt es nur diejenigen, welche sich für Bibelkritik interessiren, mit den Resultaten Naville’s und den Argumenten vertraut zu maohen, welche die Ausgrabungen dieses fleissigen und gewissenhaften Gelehrten für die Historicität des Aufenthaltes der Juden in Aegypten neu herbeigebraoht haben. _ (Fortsetzung folgt) Collectanea zur Mischnah. Unstreitig haben wir Juden am längsten unter den Banden der Scholastik geschmachtet; jedenfalls zum Schaden unserer Leistungen auf dem Gebiete der biblischen Wissenschaften, wo Alles, was seit Eiiah Levita geleistet worden ist, mehr oder minder ausschliesslich den Christen zu danken ist, deren Schüler wir geworden sind, während diese früher auf unsere Unterweisung angewiesen waren. Im Gebiete der talmudischen Wissenschaft ist zur Befreiung von diesen Fesseln noch wenig gethan worden und wo der Talmud Gegenstand des Jugendnnterriclits ist, gilt es als ausgemacht, dass die Mischnah nicht anders erklärt werden darf, als der letzte unter den Lösungsversuchen des Talmud es verlangt, wobei man ganz ausser Acht lässt, dass sehr oft eine Reihe im Mischnah-Texte ganz unbegründeter Voraussetzungen angenommen wird, wie die häufigen חסודי מחסרא oder הכא במאי עסקינן und dass wir deutlich sehen können, wie bei einer schwierigen Mischnali-Stelle alle Amoraim-Geschlechter sich abgemülit haben, eine plausible Erklärung zu Stande zu bringen, welche Versuche sicherlich noch fortgesetzt worden wären, wenn nicht das sterile Zeitalter der Geonim auf Mar bar R. Aschi gefolgt wäre. Meine Versuche zur Erklärung einzelner schwieriger Stellen verdanken dem Bedürfnisse des Unterrichts ihre Entstehung; ich gebe davon zunächst einige Proben auf etymologischem Gebiete. Zunächst gehe ich von der Thatsache aus, dass den Amoraim die Kenntniss des Griechischen ganz [ entschwunden war, dass bei der Erklärung einzelner j griechischer Wörter die Tradition sie im Stiche liess I und sie mehr oder weniger auf Conjecturen angewiesen j waren. Ein Beispiel hierfür bietet Synhedrin 8.2, wo gesagt wird, erst derjenige sei dem Gesetze über den ungehorsamen Sohn (Deut. 21.18 ff) verfallen, welcher ein טרטימר Fleisch isst und ein halbes Log italischen WTeines trinkt. Der Talmud erklärt טרטימר für eine halbe Mine, wobei R. Sera (fol. 70. a.) ganz naiv gesteht, da R. Jose im Gegensätze zum Ausspruche des Tanna kamma meint, der Säufer beginne bei einem ganzen Log, der Schlemmer bei einer Mine Fleisch, er also für den Wein das Mass verdoppelt, so ist sicherlich auch für Fleisch das Mass verdoppelt, es muss also טרטמר eine halbe Mine sein. Das ist also einfach gerathen, wenn hingegen Benjamin Mussaphia im Aruch s. v. die Etymologie von tp׳.vv(p£po; ״ein Dritteil“ richtig angiebt, dabei aber zwischen der Etymologie und der talmudischen Angabe einen Ausgleich treffen will, indem er annimmt, das Verhältnis zwischen der Mine bei den Juden (a) und der Mine bei den Griechen (b) sei wie 2 zu 3 gewesen und aus *; G. E liers. Durch Gosen zum Sinai. Aus dem Wände!- I buche und der Biblioihek. 2 AuÜ. Leipzig 1882.

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