Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 14 (1885)
- Issue
- N° 19. (7.5.1885)
- Date
- 1885-05-07
- Page
- Seite 76 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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a : b -2:3 folgert ».■.£, so ist das wol sehr geistreich, aber gegenüber der Motivirung des R. Sera sehr überflüssig. (Schluss folgt). Litteniturbeiielit. Recensionen. Berliner, Dr. A., Targum Onkelos. Herausgegeben und erläutert. I. Tlieil, Text nach editio; Sabioneta v. J. 1557. II. Theil, Noten, Einleitung! und Register. Mit Unterstützung der Akademie : der Wissenschaft in Berlin. Berlin, Gorzelanczyk 8 Co. 1884. Das Targum Onkelos gehört nicht zu den Stiefkindern der Wissenschaft, da ihm seit Jahrzehnten, | seit dem Beginn der neuen wissenschaftlichen Rieh-! tung von den hervorragendsten Forschern die liebe-! vollste Aufmerksamkeit zugewendet wurde. L txz zatto eröffnet* den Reigen mit seinem Oheb Gier und die berufensten Vertreter der Wissenschaft befassen sich in eingehenden Studien mit Onkelos. Es sind auch positive Resultate zu Tage gefördert worden, sowohl bezüglich des Textverständnisses als auch bezüglich der höhern kritischen Fragen. Aber an einem eigentliehen auf umfassender gründlicher Vergleichung von Handschriften sich aufbauenden textkritischen Apparat hat es bisher fast gänzlich gemangelt, und Berliner hat das Verdienst, zur Herstellung dieses für die Wissenschaft unentbehrlichen Apparates wesentliche Beiträge geliefert zu haben. Mit der Herausgabe der Massora zu Onkelos hat er sein Werk begonnen, und in der vorliegenden Leistung bietet er eine solche Fülle gesichteten und geordneten textkritisclien Materials, dass daraus für die Diorthose des Textes ein reichhaltiger Ertrag resultirt. B. hat aber auch den Fragen der höheren Kritik in der ״Einleitung“ die eingehensten Untersuchungen gewidmet. Auch hier begleitet ihn ein schöner Erfolg. Er behandelt nicht nur gründlich, besonnen und umsichtig die bestehenden Fragen, überall mit grosser Sachkenntniss und feinem kritischen Verständniss prüfend und durch musternd die Lösungen, die sich um diese Fragen gruppiren, er behandelt auch höchst wichtige neue Punkte, von denen wir beispielsweise hervorheben wollen: die Geschichte des Targum-Textes, der Consonantentext und dessen Umwandlung in den vocalisirten, das Targum in der Geonim-Periode, in welchen Abschnitten des Buches dem Leser viel Neues und Lehrreiches entgegentritt. Der Akyläs-Onkelos-Frage versetzt B. den Todesstoss, er zerhaut durch einen Meisterhieb den Knoten, der sich hier geschürzt und zu so mannigfachen eigenthümlichen Lösungsversuchen geführt hat. Er nimmt an, dass die Notiz im B. Talmud Megilla 3a, von dem betreffenden Referenten aus Jeruschalmi Megilla 1,1), wo augenscheinlich von der griechischen Uebersetzung des Akylas (Aquilla) die Rede ist, aus Miss verständniss auf die aramäische Uebersetzung übertragen worden und in Folge dieses Missverständnisses ein aramäisches Akylas-Oi.kelos erstanden ist, dem jedoch jeder geschichtliche Stützpunkt abgeht. Ich stimme B. vollkommen bei, dass hier ein Missverständniss vorliegt, nur denke ich mir die Entstehung desselben in folgender, wie ich glaube, ganz naturgemässer Weise. Die Notiz stammt nicht aus dem Jeruschalmi, sondern kann dem b. T. so ureigen sein, wie dem jerusalmischen, ebensowenig ist der Irrthum auf der Seite des Referenten zu suchen. Die Notiz hat in Babylon eine Erweiterung, einen Zuwachs I erfahren, der im Jeruschalmi nicht zum Vorschein I kommt, indem mit derselben ein ähnliches Thema, die in Babylon über das Targum zu den Propheten und den Hagiographen verbreitete Meiuung verbunden — ganz nach der so vielfach wahrnehmbaren Art der Composition des Talmud-Textes — und zu einem Ganzen vereinigt wurde. Diese Zusammenfassung, durch welche R. Chija b. Abba auch als Tradent für das Targum zu den Propheten und Hagiographen er• scheint, hat veranlasst, dass die griechische Ueber- Setzung für eine aramäische und als deren Autor Akylas• Onkelos gehalten wurde. In Folge dieser Zusammenfassung ging die ursprüngliche Beziehung der Mittheilung des R. Chija b Abba verloren, und Akylas-Onkelos galt als Autor des Pen täte uch-Targums gleichwie Jonathan b. Usiel als der des Propheten- Targums. Welcher Umstand hätte auch bei dieser Verbindung des gleichartigen Stoffes auf den richtigen Sachverhalt führen können, sind doch die im Jeruschalmi enthaltenen Worte: *קילסו אוחו יאמרו לו יפיפיה . , ., welche auf eine griechische Uebersetzung hindeuten, in der babylonischen Ueberlieferung nicht wiederzufinden? Ist das Missverständniss auf die Fassung des Referats zurückzuführen, so ist die Bemerkung B. (S. 99 ff), dass für Archäologisches und Historisches die Angaben des jerus. T. zuverlässiger sind, als die des b. T., für unsern Fall wenigstens nicht nur entbehrlich, sondern nicht einmal zutreffend, da die Redaktion des Jeruschalmi einem gleichlautenden Referat gegenüber, wie die Redaktion des b. T. die Frage hatte aufwerfen können: ותרגום של תורה עקילם אמרו...? so ist auch nicht begründet, was B. in der Antwort: שכחום *הורו ויסדום finden möchte (S. 99 ff.), da darin keineswegs mehr zu suchen ist, als was in der vorangehenden ersten Stelle (Megilla 3a1 enthalten ist, die sich auf die Buchstaben גוגצפך , bezieht. Der Verfasser weiss seinen Liebling, dem er so grosse Opfer an Mühe und Arbeit gebracht, für den Verlust des berühmten historischen Namens und für die Versetzung in den bescheidenen Zustand der Anonymität dadurch reichlich zu entschädigen, dass er ihm im Gegensatz zu den Annahmen anderer Forscher durch eine Phalanx wohlerwogener Argumente •in weit höheres Alter vindicirt. Bevor B. an diese Frage herantritt, zeigt er den Weg, wie dies bereits früher auch von anderer Seite geschoben ist — den die Meturgemanim eingeschlageu, dass sie selbst mit dogmatischen Anschauungen und Religionsgesetzen in Collision geriethen, fremden Ideen Einlass gewährten, überhaupt das Scliriftwort mit solchen Zusätzen umgaben, dass es fast unkenntlieh geworden. Diesem willkürlichen schrankenlosen Vorgehen musste gesteuert werden, und es stellte sich j die Nothwendigkeit heraus, für die Abfassung eines! mit der Lehre und dem Gesetz übereinstimmenden, 1 von allem fremdartigen gereinigten und dem Wort- ' sinn, soweit als thunlich, sich anschliessenden Tar- ' gums. So entstand ein einheitliches Targun), | welches vorhandenes brauchbares Material in sich! aufnahm, und, nachdem es zur Geltung gelangt war, mit der Bezeichnung ״unser Targum“ belegt wurde In der Gestalt des sogenannten Targum Onkelos ist es auf uns gekommen. Sein Mutterland war Palästina, aber in der Heimath konnte es sich keine allgemeine Anerkennung erringen, und was die Heimath ihm versagte, das gewährte ihm in vollstem Masse die Fremde — Babylonien, wo es die alleinige Herrschaft für sich gewann. (Schluss folgt.) Verantwortliche! Redactem- Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Woltf, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.