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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1885-04-03 · N° 14-15 (3.4.1885) · p. Seite 55

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
14 (1885)
Issue
N° 14-15 (3.4.1885)
Date
1885-04-03
Page
Seite 55 (sequence 3)
Language
German
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§ 10. Die geringe Leistungsfähigkeit unserer Relig i onss eh ule ist also gar nickt aufRechnung der Lehrer tu set1«u, sondern ist hauptsächlich auf das Verhältnis!« au den weltlichen Schulen und die Menge der Lehrfächer zuräckznf!ihren. Die besten Lehrer mit dem besten Willen unter den besten Schulzuständeu würden darin nichts wesentliches ändern können. — § 11. So gewiss aber darin eine Aeudernug als Unmöglichkeit erscheint, so gewiss muss eine Aendernng eintreteu, wenn die Pol vpei arme des Indifterentismus nicht alle Kreise des Judenthums und auch dessen Zukunft, erfassen sollen. Alle andern Versuche, dem Indiflerentismus beiznkommen, haben nicht nur ihr Ziel verfehlt, sie waren zum grössten Theile die Pfeile des trügerischen Bogens, die auf den Schützen zurückprallen. Die Religiousschule selber ist ein solcher Pfeil, wie wir das noch später zeigen werden, und zum Theil schon gezeigt haben; sie hat dem Judenthnm nicht weniger schaden müssen, als sie ihm uiitzeu konnte. Aber trotzdem bleibt kein anderes Gebiet, wo i nicht von vornehereiu jede Hoftming eines Sieges über den ^ndiUVrentismns ausgeschlossen wäre, als die Religionsschule übrig «j 1-. Der Inditl'erentisnms hat nämlich, er mag sich noch so sehr ausgebreitet haben, doch immer eine Grenze, die ihm nie zugänglich ist, und das ist: Die Kinderwelt. Das Kinderherz ist die absolute , Negation des Inditlerentismus, es ist vielmehr das; unbegrenzte Interesse. Dem Kinde i«t nichts gleichgiltig. Eiu Strohhalm, ein Papierschnitzel, ist ihm wichtiger, als manchem König sein Krone. — Wenn wir täglich, stündlich in den hohlen Inditlerentismus, in die blasirte Philosophie des oöötv it-xjp.ä!!:•.•/ hineinwachsen, bis endlich auf der kahlen, eisigen Höhe uns die unendliche Fülle als ein Tolm wabohu angähnt: da erfasst, uns in dem Winter unseres Lebens eine vernichtende Sehnsucht aus dem unendlichen Nichts in das unendliche Etwas und mit heisser Rührung gedenken wir der schönen Tage unseres Lcbeustrühlings, wo das Herz so voll und die Welt so schön war. Wir kommen ja als Fremde auf die Welt, alles ist dem Kinde neu: wie sollte ihm nicht alles, reizend sein'/ Das seluille hakkol bowel iimlet. in dem Kiudesher/.en niemals einen Widerhall. So sehr also der Imlilierentismns auch׳ alle Gebiete necupirt haben mag, so giebt es doch in• alle Ewigkeit ein Gebiet, das er nie betteten kann: die Kimierwelt, und wenn es wahr, dass, wer die Kindheit hat, der hat die Zukunft, die stets mit jeder neuen Kinderweit neu anheljt, scs kann man sagen: Der Iudillerentismus hat nie die Zukunft! denn .er besitzt nie die Kinderwelt. Auf allen anderen Gebieten ist der Kampf gegen den IudiHerentismus nicht nur erfolglos, sondern unmöglich. Der Indifferentismus weicht auf IOOU Schritt allein aus, was an eilte Arena erinnert. Predigten, Schritten . . . alles umsonst! Der Indiirerentisinus müsste nicht : . . indifferent sein, wenn ihm' mit diesen Waffen beiznkommen .sein sollte. — Nur in der Schule kann man seiner zukünftigen Invasion Vorbeugen, weil er da nicht heimathsberechtigt ist. - - Es mag also auf dem Gebiete der Religionsschule noch so׳ trostlos alles liegen, so ist es doch der einzige Punkt, wo klle Bestrebungen gegen den -lnditrerenti.-mus ansetzen müssen. Hier, jm Kampf.: gegen den Iudillerentismus, heisst es nicht: tertiuiu non datur. sondern aliul non datnr, oder nach dem getingelten Worte aus dem Talmud: ”“,'“א־ן כ. i 1 .■־!. Wir wollen nun noch einmal die in ße- ' tracht kommenden Momente Revue pa-ssiren lassen, um zu sehen, wo doch noch ein Keil eingesehlagen werden könnte. — Die Unterrichtszeit kauu nicht erweitert, eher sollte sie vermindert werden. D״r bisher bewältigte Lehrstoff müsste vertieft und erweitert werden. Das geht aber nicht, wenn!bei Mädcheul I oder!bei Knaben! Lehrfächer in höchsten' 1> Stunden I vorliegeu. — ן Nun: vielleicht liesse sich aber die Anzahl der Lehrfächer vermindern? — Um es kurz zu sag<n: ich glaube, das ist das Ei des Kolumbus! Unsere Religiousschule leidet an einer zu grossen Anzahl von Lehrfächern. Die Anzahl der Lehrfächer muss reducirt werden, und uun gehe ich bis zun! Extrem: bis aut Ein Haupt-Lehrfach. S 11. Das Eine H aupt-Lehr t ach ist: Die heilige Schrift im hebräischen Urtexte! § lö. Die heilige Schrift ist die (Quelle aller monotheistischen Religionen und insbesondere Quelle der jüdischen Religion und ib-r biblischen Geschichte. Im Urtexte gelehrt, gelehrt na.'li ׳ler besten Methode fremdsprachlichen Unterricht', gewährt sie g r ii 11!11 i c 11 e Kenntnis* des hebräischen, also nicht bloss mechanisches Lesen ohne Sinnverstämlniss, liir di- Synagoge. Sie ist ab! r auch die Fackel, an welcher einzig un i allein Liebe uu!l Begeisterung fürs Judt-nthmn sieh cutzünden lässt. .K..11-.1Z111!” i..lu!, Kain, ein Epos von Kastropp. (Sellins-.. ׳ Der Tag der Entscheidung ist g-komineu. Adah steht bleich, zitternd au der Felsenhöhle: sie fühlt sich .schuldbeladen, sie kann nicht mehr Abels Weib werden, ihr grauet vor!lein Kichti-rspnieli Gottes! Schon sind zwei steinern!• Altar•■ errichtet. da will noch vor der Opferung Al״l freiwillig zunioktreten, doch Kain verlangt,!lass Gottes Stimme entscheiden soll Nach einem von Adam verrichtetem Gebete beginnt Abel mit der < )pferuug. Gott nimmt seine Gabe gnädig an, wahrend die Feld fruchte Kains' zerstreut aut den Bodei. lallen und ein Blitz seinen Altar zersplittert. — Gott selbst hat entschieden. Allah muss Abel zugesprochen werden. Und während Adam die Hände segnend anis Haupt seiner Kinder legt, sie f.ir's Leben zu einen, schreit Adah in entsetzüehcm Schmerze auf, di" sie niemals Alm! angehören kann, da sie sieh bereits mit Kain verbunden habe. Die Eltern weichen entsetzt znuick, sie tlnehen dein vernichten Sohn!׳, der die Uusehuld der Tochter vernichtet, der Schmach über sie und ihr Haus geliracht. - Kain verlässt tluchbeladen die Stätte de- Grames und der Lust, um in der Wihlniss sein sündeubeladenos Dasein zu sühnen. Auf!lern Wegbegegnet er Abel,■ der betend seine •Stimm* zu Gott erhebt ״Hinweg“, ruft ihm der fromme Binder zu, ich verabscheue Dich, stöie fiirdtr nicht unsere.' Hauses Frieden; ich. will Adah glücklich machen“. .,Die Schwester ist mein“, ruft Kain, ״Du hast es gehört“, uml da sie nur einen von uns Beiden augehören kauu, so muss Einer liier auf der Stelle bleiben. Lass uns um sie kämpfen!“ Er* wirft!lem frommen Abel die eigene Keule zu uml bricht für sich eiuen A't vom' Baume. Abel w! -t entsetzt!las Ansinnen des Bruders zurück; ״ich will kein Mörder werden, spricht er, so kämpfe Du allein“. Uml da er betend >eiu Angesicht gen Himmel richtet, tritlt ihn des Bruders grallser Schlag'uml ent-eelt, blutüberströmt, stürzt Abel nieder Kain ist sich' im Momente der

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