Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 14 (1885)
- Issue
- N° 13. (26.3.1885)
- Date
- 1885-03-26
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
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auf den Sonntag verlegt worden? Hat nioht Christus den Sabbath gefeiert, nicht diesen zu feiern geboten? Hat er den Dekalog (Exod. 20, 8 ff.) oder die Propheten; Jes. 58,13 u. 14), welche strenge Sabbathruhe vorschreiben, aufgehoben? In der Bergpredigt (Matth. 5, 17—19) hält Christus das jüdische Gesetz und die Propheten sehr hoch; dort heisst es: ״Wähnet ja nicht, dass ich gekommen, das Gesetz oder die Propheten aufzuheben: ich bin nicht gekommen, sie aufzuheben, sondern sie zu erfüllen. (Vergl. hierzu eine hochinteressante Parallelstelle im Talmud Sabbath lliib. Kr.) Wahrlich, ich sage euch: Eher würde Himmel und Erde vergehen, als dass der kleinste Buuhstab, oder der mindeste Punkt vom Gesetz verginge, bis dass Alles geschieht. Wer nur eins dieser kleinsten Gebote entkräftete und die Leute so lehrte, der würde der Kleinste im Himmelreich sein; wer aber darnach handelt und lehrt, der wird gross im Himmelreich sein.“ Fürwahr, jeder Christ, der dies liest, kann sagen, ״er verstehe genau, er schaue, was er 8 011.“- Der Verf. hebt' freilich S. 19 den Ausspruch Christi Marc. 2, 27 hervor, dass ״der Sabbath um des Menschen willen und nicht der Mensch um des Sabbaths willen da sei“; hätte aber der Verf. die unmittelbar vorhergehenden Marcusstellen sich angesehen, so würde er gefunden haben, dass Christus auf David, als dieser in Noth war, sich beruft, den eben erwähnten Ausspruch also nur auf dringende Fälle angewandt wissen wollte. Damit ist uns aber gar nichts Neues geboten; in der Mechiltha zu Ki-thissa und an zahlreichen Stellen des Talmuds haben wir fast denselben Ausspruch (״der Sabbath ist euch überliefert, aber ihr seid nicht dem Sabbath überliefert“) und ähnliche Lehren, deren Beobachtung für Fälle, wo es die Erhaltung eines Menschenlebens (Pickuach uephesch) gilt, nachdrückliehst befohlen wird. Wir sehen hier übrigens wieder, dass das Lebensbild Christi da, wo es aus dem Rahmen des nationalen und gesetzlichen Judenthums gehoben und die Bekämpfung desselben nicht der spätem Entwickelung zugeschrieben wird, entstellt erscheinen muss — eine Entstellung, deren Grund sowohl in dem Mangel an der erforderlichen Primärquellenkenntniss, als auch in der Abneigung gegen richtige Schätzung des Judentliums zu suchen ist.*) Wir werden noch Anlass haben, diese unsere Ansicht — die immer mehr bedeutende christliche Gelehrte theilen — des Weitern darzuthun. Wir erinnern noch besonders daran, dass der Sabbath sich in den letzten Jahrhunderten vor Chr. Gesetzt, der bäuerliche Beruf wäre den Ja( wirklich 80״ gut wie verschlossen“, sollen sie desht ihrer Religion untreu werden? Und ist nioht an vielen Christen gar mancher Beruf, ja zuweilen sei der bäuerliche, aus verschiedenen Gründen unzugäi lieh? Wenn aber der Verf. zu bedauern scheint, d die Juden keinen Antheil an jener köroerliehen Kr tigung haben, welche den (?allen?) üorigen Theih der Bevölkerung aus ihrer Vermischung mit Person! des Bauernstandes immer wieder zu wächst, so tröst< wir Juden uns — bei aller aufrichtigen Achtu vor dem wackern Bauernstände — mit statistisch erwiesenen Thatsache, dass unsere Gesun heitsverhältnisse im Vergleich zu denen der übrigi Bevölkerung aus bekannten Gründen zu allen Zeiten au< ohne jenen Kräftigungsznwachs sich sehr günstig gestr tet haben, sowie mit der offenkundigen Thatsache, da) zahlreiche höhere und höchste Militärpersonen, die sic durch Tapferkeit im Kriege ausgezeichnet, ihre Körpe kraft der Vermischung mit Personen des Bauer Standes zuzuschreiben sich allen Ernstes verbitt< würden. Wir könnten hier noch mandherlei nah liegende Trostgründe anführen; doch sind dieselbenwie der eben beispielsweise beregte — nun einm so geartet, dass schon ihre einfache Erwähnun als Satire erscheinen würde, und darum hier — Punktui Nachschrift. Soeben geht uns No. 7 d< ״Südd. Sonntagsbl. für die Gebildeten aller Confe sionen“ zu, worin die ״Gedanken eines Juden“ kuH besprochen werden. Der Redacteur des Blattes, treffliche Dr. Johannes Gihr, sagt: ״Der Verf. der ״Gedanken“ schildert darin d] gegenwärtige Lage des Judenthums und tritt dan entschieden ein für den Uebergang desselben in de! Protestantismus, Das Ganze läuft auf eino Pr o s lytenmacherei hinaus, von der wir nicht Lieb• haber sind. Jeder denkende Mensch, mag er welche׳ Confession angehören, als er immer will, wird in Laufe seiner geistigen Entwickelung aus der Eng«] seiner Confession herauswachsen, woraus aber nooll nicht folgen soll, dass er die alten Bande mif neuen vertauschen muss.“ | Wieder ein Beispiel, wie heutzutage erleuchtet« und edle Christen über gedankenlose ״Gedanken“ de Judenbekehrungssucht urtheilen! (Fortsetzung folgt.) auch den Weg in heidnische (römische) Kreise gebahnt hat, worüber sich Seneca heftig ereifert; dass der Sabbath haggadol, der letzte vor dem Passahfest, auch in der christlichen Kirche als Karsamstag den Namen Sabbatum magnum (oder sanctum) erhalten; und dass der Mennonit oder der Christ der anglikanischen Kirche eine gewisse Sonntagsfeier als Sabbathschändung betrachtet. — *i Pnmiirquollenkpnntniss. richtige Schätzung des .ludentliums — 11«, welche Bagatellen! Wozu giebt’s denn Blätter wie die von Vorhovay rodigirten, wozu denn Bücher wie die von ״Justus“ edirten? Auf Grund derselben kann man selbst vor Gericht Gutachten erstatten und beschwören, ja sich als Gelehrten geriren! Was schadet’s. dass jene ״Autoren** wie jetzt alle Weitaus den Zeitungen weis» als Betrüger, Schwindlev und Fälscher hinter Schloss und Hiegel sitzen? Werden die ״deutschen Gelehrten“ (sit venia verhol), welche ihnen nachgebetet haben, noch nicht erröthen? 0 deutsches Wissen und Gewissen im letzten Viertel dos neunzehnten .Tahrlmnderts des — ״Heils“ I Kr. Kain, ein Epos von Kastropp. ' (Fortsetzung.) ' 1 Lauge ruht Kain in süssem Selbstvergessen bej Lilith. Da erwacht er und uubezwingliches Sehneii nach Adah erfasst ihn. Er ist erschrocken, das! er sich von der Hölle hat umgarnen lassen, er. fühlt sich nur noch elender und unglücklicher. Egk will fort, Adah schauen, sie sein Weib nennen, ufLA ginge es auch ins Verderben. Lilith will mit sanfteiN Schmeichelwort6n Kain zurückhalteu. Sie beschwört! ihn zu bleiben, sie verspricht ihm Vergangenes und' Zukünftiges zu zeigen. Umsonst, Kain kann, er will! nioht bleiben. ״Wehe, 80 bist auch Du nur ein Mensch“,! ruft sie aus, ״und ich glaubte Du wärest ein Gott mit ] deinem starken Geiste und deinem unbeugsame!! י Willen. Geh’, nimm meinen Fluch mit; vergeben» wirst Du mich rufen, dich in Sehnsucht nadh ffiij verzehren, ich werde Dich nicht hören, wie heiss Dw auch nach mir verlangst. Geh’ zu Adah, Du wirsjö nicht glücklich mit ilir werden“. — Unter donnef! ähnlichem Krachen verschwindet Lilith und die Grotte der beide so selig geruht, und Kain ist wiede} ( in allein im finstern Urwald. Schmerzlich ruft er de^ll Namen der Geliebten, aber hohl und dumpf wirft ihijj das Echo von den Felsen wieder zurück. Indessen l