Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 14 (1885)
- Issue
- N° 13. (26.3.1885)
- Date
- 1885-03-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Jahrg. XIV. itteratur-Blatt f/ur Beleuchtung *Her Jndenttaom nnd ן Jaden betreffenden littererischen Kr* leeheinnagen aaf dem (Jebiete der Philo• liephfe, 6e*chiehte, Ethnographie, Theo• ■toglc, Orleatslla, Exogene, HomMettk, IJtergtk, Pldagogtk. Herausgegebeii von Rabbiner I)r. Moritz Kahmer. 91£a<j9c6׳m,1j, 2(5. 1SS5 KUrlter dferalKaciiläglgeii l.iUerul1>r,ffelck« der KedicLIoa aMgeMndt werden, finden In dienern HUtte eingehende Heeprechnng. Bel Klneendung ran »wel Keeenelene- Kxeniplnren erfolgt einmalige knrse Cratla-Ineertlon. Das ״Jüdische Litteratur-Blatt« erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Buchhandlungen (in sipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Hark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei en Postanstalten und Buchhandlungen 0 Hark kostet) erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 16 Hark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. E* Buchhändler, welche direct oder durch Robert Friese in Leipzig Inserate einsenden, erhalten ‘25 6ן Rabatt. 9־■ Inhalt: is8enschaftliche Aufsätze: Gedanken eines Juden. Beleuchtet von Rabb. Dr. Krön er, Brandenburg a. d. H. — Kain, ein Epos von Kastropp. (Fortsetzung), itteraturbericht. Recensionen: Gustav Bickell, der Prediger über den Werth des Daseins — ,.זמירות ושירים ללילי #מורים — Replik. Von Dr. Salfeld. otiz. — Inserat. Nachdruck nur mit •voller Quellenangabe gestattet. ״Gedanken eines Juden“, )leuchtet von Dr. Krön er. Rabb. in Brandenburg a. d. H. in.*) Der Verf. sagt, am Sonntage und an den ohristohen Feiertagen ruhe die Arbeit. Ist diese Belupiung ipi vollen, ja auch nur im grössten Umnge wahr? Wir erinnern daran, dass erst vor urzem wieder die Frage der Sonntagsruhe im Reichsge angeregt wurde. Bei der Berathung des Post-;ats brachte der ultramontane Abgeordnete L i ng e n s ie Resolution ein, dass an Sonn - und Feiertagen er Postverkehr auf die Vermittelung von riefen, Postkarten und Quittungen beshränkt, imUebrigennur für Eilsendungen ufreoht erhalten werde. Der Staatssekretär tephan antwortete: ״Schaffen Sie doch zuerst en ganzen Verkehr in Handel und Wandel esetzlioh ab, sperren Sie dieTheater und issen Sie die Eisenbahnen still stehen ann will ich auch mit der Post folgen“. _ t Post- und Eisenbahnverkehr, ist der ganze Verkehr, Jl Handel und Wandel, selbst die Vermittelung von!riefen, Postkarten und Quittungen, die Beförderung Irin Eilsendungen, ist vieles, sehr vieles Andere, das!tristen an den Sonntagen und den christlichen ästen thun — keine ״Arbeit“, vielmehr Sonntags- 1d Festes weihe? Allerdings ruht die Arbeit an nen Tagen zu einem grossen Theil — ob mehr aus merer als aus äusserer Nöthigung, kann hier füglich!erörtert bleiben. Nur ein Curiosum sei hier mit- Iptheilt: Einer unserer (christlichen) Freunde von jjiswärts hatte an einem Sonntage in dem Geschäfte ,nes Christen Etwas einzukaufen; wir begleitetenden reund. Nach einer kurzen Unterhaltung mit diesem chtete der Geschäftsinhaber, der auch einige jüdische, (>er ungleich mehr christliche Concurrenten am Orte ät, an uns gleichfalls einige Worte, um schliesslich i sehr salbungsvollem Tone uns zu fragen, wie es 0mm6, dass jetzt die meisten Juden an ihren Ruheigen das Geschäft offen haben. Wir fixirten uns *) In II.,?10. 4, S. 14a, Z. 13 v. o. bitten wir zu lesen iese statt dieselben. den — wohl lediglich um die Frömmigkeit der Juden so besorgten — Herrn und antworteten ihm mit der Gegenfrage, ob er das Sprichwort donn nicht kenne: ״Wie es sich ohristelt, 80 jüdelt es sich.“ Er schien uns sehr gut zu verstehen, er verfärbte sich und — lenkte flugs das Gespräch auf einen anderen Gegenstand. Allerdings würde, wie der Verf. weiter bemerkt, auf dem Lande kein Jude einen Knecht finden, der ihm am Sonntage und an den christlichen Festtagen Feldarbeit verriohtete, und umgekehrt möchte wohl ein christlicher Bauer schon deshalb keinen jüdischen Knecht nehmen, weil dieser ihm die Arbeit am Sabbath voraussichtlich verweigern würde; und doch kann die Feldarbeit nicht jede Woche an zwei Tagen ruhen oder ungenügend geschehen. Wir sehen von der Möglichkeit, dass, wie es z. B. in Russland häufiger vorkommt, jüdische Aokerbauer ausser christlichen auch jüdische Arbeiter halten, ganz ab und tragen: Wenn sich Juden ״christliche Staaten“ und deren Lenker, Gesetzgeber und andere Würdenträger mit wirklich sehr ״praktischem Christenthum“, die, wie dargethan, zahlreiche Arbeiten etCaetera an Sonn- und christlichen Feiertagen gestatten müssen, bezw. billigen, zum Vorbilde nähmen; wenn Juden ferner darauf hinwiesen, dass an den vielen speoifisch katholischen Feiertagen protestantische Handwerker und Arbeiter überhaupt oft für katholische Auftraggeber thätig sind; und wenn nun jüdische Landwirthe einen christlichen Inspeotor hielten, der die Knechte am Samstag arbeiten Hesse, während jene diesen Tag feiern — würden sie da weniger ״jüdisch-fromm“ handeln, als alle gedachte Christen ״christlichfromm“? Ob od er יי י wieweit׳ wir solch(? Handlung®- weise jüdisoher Landwirthe billigen, kommt hier garnicht in Frage, wo den Juden die Taufe empfohlen wird, damit sie ihre Kräfte, d. h. dooh wohl nicht allein die körperlichen, sondern auch die geistigen und namentlich die sittlich-religiösen, ״frei bethätigen, wie die Christen es vermögen“. Der Verf. dürfte vielleicht den Einwand erheben, dass religionsgesetzlioh der Christ den Ruhetag nicht so streng zu feiern habe, wie der Jude. Aber ist das sohon so selbstverständlich, so entschieden? Der Verf. hat bei sein9m Religionswechsel, wie er 8. 20 seiner ״Gedanken“ andeutet, nur zu dem Evangelium stehen zu wollen erklärt; ferner behauptet er S. 21, der Christ besitze im Stifter seiner Religion eine concrete Persönlichkeit, er verstehe genau, er schaue, was er soll. Nun, wo ist im Evangelium die Sonntagsfeier geboten? Ist nicht der Sabbath erst mehrere Jahrhunderte nach Christus willkürlich I