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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1885-03-19 · N° 12. (19.3.1885) · p. Seite 47

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
14 (1885)
Issue
N° 12. (19.3.1885)
Date
1885-03-19
Page
Seite 47 (sequence 3)
Language
German
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— 47 nen der Genuss des "Weines durch den Koran ver- D?t w rd, bereiten aus den saftigen Trauben einen e rup, der wegen seiner Sässigkeit allgemein im vi ient beliebt ist. Die Trauben sind ausserordentlich 08s, so dass sie ein einzelner Mann nicht unversehrt rtbringen kann. Ich dachte beim Anblick dieser ossen Trauben an die Kundschafter Mose’s, von di nen zwei im Bache Eschkol eine Traube auf einem gfocke trugen*). Die Weinberge um Hebron sind sehr ausgehnt. Auch ist die Art des Weinbaues sehr eigen- 1'imlich. Man sieht mitten im Felde eine ländliche e iitte von dem neben an gepflanzten und am Dache c lporragenden Weinstocke ganz übersponnen, so dass an hier eine sinnliche Verwirklichung des Propheten- Drtes gewahren kann: ״Ein Jeglicher wird unter inem Weinstocke wohnen ohne Scheu**). In jedem reingarten steht ein kleines Haus oder auch ein lürmchen von Stein, in dem der Hüter wohnt. Zur ,it der Weinlese beziehen die Bewohner von Hebron lbst diese Wachthäuschen oder richten Hütten und dte auf. Die Stadt ist dann wie verlassen, während if den Bergen und im Thal ein fröhliches Leben, esang und Jauchzen wiederklingt. Das ist die hönste und gepriesenste Zeit des Jahres. Auf den Höhen von Hebron ist der Schnee eine st unbekannte Erscheinung. So schneidend auch anchem die Nordstiirine brausen und wehen, so if ihren sie doch nur kalte Regenschauer herbei. Um e Zeit des Chanukahfestes treteu bessere Tage ein. aue Lüfte wehen aus der arabischen Wüste und e1|e Südwinde bringen Leben in die schweigsame atur. Im Monate Nissan blühen überall die Obstsh turne, manche haben schon in Adar abgeblüht. Die ischen fetten Saaten blühen schnell auf, und auf n m Wiesen gedeihen die Liliengewächse, die Tulpen 1d Narcissen in üppiger Frische und Fülle. Voll m nmuth entfalten die Rosen und Myrten ihre Reize, a Frühlinge gleicht die Laudschaft von Hebron uem reizenden Garten, voll der würzigsten Düfte. renn der Monat Nissan verschwindet, so darf der •vndmann schon die Sichel richten und die Saaten nl nd reif. Schwerbeladen kehren vor Schebuoth die iiijistthiere mit dem Getreide nach der Scheune. Wenn eine Gegend im heiligen Lande reich mit allen ’Zeugnissen gesegnet ist, so ist es die Umgebung!n Hebron. (Fortsetzung folgt.) Litteraturboridit. Recensionen. Uelegenheitsprertigtcji jüdischer , r ^.er Band. Trauungsreden für alle Wochenabschnitte;]*s Jahres von Rabb. Elias Karpeles in Wien ,Jeden und Margarethen). Zweite verbesserte aflage. Breslau 188"). Verlag von Preuss & Jünger. Vor einigen Jahren besuchte ich einen Freund, r die so seltenen und darum in diesem Bunde um löblicheren Eigenschaften eines hochberührnten isikdirectors und warmherzigen Juden in sich ver- dgte. Er befand sich zum Feiertagsbesuch bei s nem in A. wohnenden Vater. Das Gespräch drehte h um die Beschaffenheit der Reiselectüre. Aut ine Frage, was er denn für Bücher zur Abkürzung ״ unfreiwilligen Müsse, die ihm eine lange Reise (erlegte, mitgenommen habe, holte er zum nicht er ringen Erstaunen — zwei Bände Predigten hervor. :h e •e in en uin *1 4. Buch M. 13, 21,24. **) Mich. 4,1. Der freundliche Leser, zumal wenn er dem geistlichen Stande angehört, wird ungläubig das Haupt schütteln. Ein Laie und noch dazu ein Musikdirector, der zur Kurzweil Predigten liest, ist geradezu eine psychologische Unmöglichkeit! Und doch verhielt es sich so! Der Herr lebte nun natürlich nicht in Deutschland, sondern in — England; er war Musikdirector in Hüll und führte ais Reiselectüre die Predigten des Dr. Adler jr. bei sich. Wie diese nicht ganz uninteressante Reminiscenz hierhergehört? Nun ja, zur Kritik des Buches, das wir besprechen wollen, gehört sie freilich nicht, wohl aber zur Kritik des deutsch-jüdischen Publikums! Man zeige mir einen deutschen Juden beliebiger Richtung, der zu seiner Erbauung oder Unterhaltung eine Predigt liest, und ich maohe mich anhaimisch, für dieses Prachtexemplar eines ״deutschen“ Juden ein eigenes Raritätencabinet zu erriohten. Gehört das Bücherkaufen überhaupt nicht zu den Vorzügen des Deutschen, so giebt es vollends keinen deutschen Juden, der sich Predigten anschafft. Ausgenommen sind natürlich die armen Beamten, deren Beruf sie darauf hin weist, die sauer erworbenen Groschen in Predigtsammlungen anzulegen. Diese Reminiscenz drängte sich nun in lebendiger Frische auf, als ich auf dem Titel des eben bezeichneten Buches die für jüdische Predigten märchenhaft klingende Bemerkung las: Zweite Auflage. Man kann Herrn Rabb. Karpeles zu diesem glänzenden Erfolg beglückwünschen. Es mag sich wohl sonst verbraucht und trivial ausnehmen, wenn man aus der Zahl der Auflagen auf den Werth eines Buches schliesst, doch in diesem Fall erhält auch das Triviale Werth und Bedeutung. Wenn jüdische Predigten eine zweite Auflage erleben — ein Vorzug, dessen sich bekanntlich nicht einmal die geradezu classischeu Predigten Jellineks erfreuen*) — so dürfen wir getrost annehmen, dass sie einen hervorragenden Selbstwerth repräsentieren und andererseits einem offenbaren Bedürtniss entgegenkommen müssen. Beide Voraussetzungen treffen nun bei diesen Gelegenheitsreden im vollsten Masse zu. Heiliger Ernst, gehobene, schwungvolle Sprache, wirksame, ja ergreifende Pointen, manche feinsinnige Aggada- und Midraschauslegung, das sind Vorzüge des Buches, die um so anerkennenswerther sind, je seltener sie sich harmonischen Ebenmass zu verschlingen pflegen, dass aber das Buch auch im hohen Grade practisch ist, braucht wohl nicht erst gesagt zu werden. Welcher Lehrer und nicht selbstscböpterischer Prediger in die Lage kommt, in kurzer Frist eine Trauungsrede zusammenzustellen, die doch eine obligate Beziehung zum Wochenabschnitt, ׳/.n haben 11 Herrt, der wird mit Fronden zu dem Buche greifen, nicht etwa zur Entlehnung, aber doch zur Belehrung, wie nach ״berühmten Mustern“. Es ist wohl gemeiniglich nicht Sitte, Gelegenheitspredigtsammlungen längere Besprechungen zu widmen. Der Ausnahmefall einer zweiten Auflage mag aber den Ausnah mefall einer eingehenden Besprechung rechtfertigen. L. S. Fricilmami Meir, Kann der Talmud vollständig übersetzt werden?“ Gratulatiousschrift zu J. H. Weiss 70. Geburtstage (hebr.). (Zweite Recension). Es ist gewiss recht erfreulich, den talmudischen Ausspruch, dass die Gelehrten einander ebenso hassen, *1 Dagegen können wir z. B. mitthoilen, dass die zwei ersten Jahrgänge unseres Predigt-Magazins schon seit Jahren vergriffen, und vom dritten Jahrgänge nur noch ganz wenige Exemplare vorhanden sind; sodass wir — sobald es unsere allzusehr in Anspruch genommene Zeit gestattet — an eine zweite vermehrte Auflage werden gehen müssen. (Red.)

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