Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 14 (1885)
- Issue
- N° 10. (5.3.1885)
- Date
- 1885-03-05
- Page
- Seite 39 (sequence 3)
- Language
- German
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/ 39 ז! mmels und der Erde“ allein, tür die Ernte und das ohl der Bewohner massgebend ist, wendete der lidrasch sehr passend den von Jacob vor seinem [inscheiden an Joseph ertheilten Segen (Genesis49, 25) üf dessen Nachkommen nach der Eintheilung des landes au, indem sie den befeuchtenden Segen des yassers bedürften. Die Nachkommen Joseph’s erleiten Aecker beider obenerwähnten Gattuugen fosua c. 17' daher wird auch der Vers getheilt, der »gen des Himmels von oben auf den Regen (אוכלותא), er dem Baalfelde genügt, und ״den Segen der Tiefe“ juf den wasserlechzenden Boden (ביה השלחין) Bethlaus**) angewendet. Tarnow. Salomon Spinner. Recensionen. Mandelkern, Dr. S. Hebräische Gedichte, Leipzig, 1884. Selbstverlag des Verfassers (Leipzig, Querstrasse 5, II.) 110 S. Ladenpreis 2 M. Eine der interessantesten Erscheinungen auf dem Jebiete der neuhebräischen Poesie! Der reiche Geist, las tiefe Gemiith, die sittliche Lauterkeit, die bibisch-klassische Sprache, die fesselnde Skala der nannigfaltigsten Aeusserungen eines vielbesaiteten nnenlebens, wie Scherz und Ernst, Witz und Spott, Freude und Schmerz, Weltsinn und Andacht, der die Religiosität des Dichters durchdringende ״conservative Hauch“ in des Wortes besserem Sinn — ein Hauch, der ״die närrischen Frommen und die scheinheiligen Pharisäer“ ebenso unsanft an weht, wie der Geist des Talmuds Sota 3,4 — alle diese Vorzüge, die sich uns hier darstellen, veranlassen uns, Herrn Dr. Mandelkern zu dieser Leistung zu beglückwünschen. Allerdings können wir nicht allen seinen Gedichten gleichen Werth beilegen; an diesen finden wir grossem, an jenen geringem, an manchen gar keinen Gefallen, einige hätten wir sogar weggewünscht; ausserdem ist die Sprache zuweilen nicht ganz fehlerfrei. Vermag aber ein an Duft und Farbenpracht sonst reiches Blumengefilde minder zu erlaben und zu entzücken, wenn hier und dort ein reizloses Pflänzchen oder gar ein wenig Unkraut zum Vorschein kommt? S. 15 No. 2 ist החסיד entschieden falsch; das He des Art. muss vor TDn Segol haben. S. 28 Str. XVIII können wir die selbstgebildete Redewendung ‘לקח חבל ב (an etwas theilnehmen) nicht billigen; kein alter Hebräer würde dieselbe verstehen. Kann die althebräisohe Sprache den fraglichen Gedanken nicht (etwa durch התחברו צם יוהד בינה oder חלקם צם י״ב ״*!vl ähnlich) ausdrücken? Doch was will לקח חבל בי (gegen die Solöcismen bedeuten, welche gewisse sogenannte Hebraisten darbieten! (Wir wollen heut nur in flüchtiger Parenthese שחק ממני anführen, das heisen soll: er hat über mich j gelacht, weil — der polnisohe oder russische Jude ״lachen“ mit einer andern deutschen Präposition verbindet.) S. 29 Str. XXIV wird Rumänien ארץ הדמים ■=» Land der Blutschuld genannt. Sprachlich nach Jechesk. 22,2 gewiss richtig; und sachlich? IBemerkenswerth ist, wie der verewigte Staatsrath Prof. M. J. Schleiden um dieselbe Zeit, als die betr. Dichtung entstand, über Rumänien schrieb: ״Es ist mir immer recht lächerlich vorgekommen, ivenn ich sah, dass inan Persern, Türken und zielen andern als civilisirten Völkern begegnet, blos weil sie Pantalon und Frack angezogen haben. Den **) Bethsean gehörte zu (lein Stamme Monasse. Rumänen z. B. gehören nicht diplomatische Noten, Verfassung und Geschwomengerichte, sondern die Schule und der Stock, bis sie gelernt hab6n, sich als gebildete oder doch bildungsfähige Menschen zu betragen. Nicht blos Vernunft an läge, sondern Vernunft gebrauch ist der einzige entscheidende Charakter des Menschen; wo und so lange der fehlt, hat man die Geschöpfe als Thiere zu betrachten, die der Dressur bedürfen.“ (Schleiden, Die Rose. Geschichte und Symbolik in ethnographischer und kulturhistorischer Beziehung S. 224.) Wie würde Schleiden erst heute über Rumänien urtheilen, wie würde er die ״Civilisation“ derjenigen Staaten schätzen, welche die thatsächliche Verhöhnung des bekannten Berliner Vertrages, die thatsächliche Verspottung aller geheiligten Menschenrechte und damit ihrer, jener ״Civilisation“ selbst, dulden! — S. 49 No. 22 sagt uns למפו־צ (in חשוב למפר־צ» nicht zu. Wir weisen keineswegs alles talmudische Sprachgut aus hebräischen Gedichten zurück. Wenn aber für einen Begriff althebräisches und denselben ebensogut deckendes vorhanden ist, warum nicht dieses gebrauchen? Thut’s z. B. hier 'תביט אחךיןד ל (s. 1 M. 19,17 und Ps. 74,20) nicht auch, nicht besser? S. 55 No. 28 muss es statt מתת לאחל) ימ3צ) heissen: ימ?צ; denn das reflex. sich abhalten lassen zu . . . wird durch das Niphal von מ?צ ausgedrückt, nie durch das Kal מ?צ, das stets transitiv ist. Vergl. z. B. 4 M. 22,10 bezw. 1 Sam. 25,2(3 und 34. S. 81 No. 4(3 steht zweimal מצבת; der Construct von מצבה lautet aber in der Bibel nirgends anders als מצבת (Sch’wa, nicht Zere unter צ!). S. 89 No. 74: החדש statt החדש. s. 90 No. 7(3: מטיפי לצם statt מטיפים צם^? oder מטיפי הצם, s. Micha 2,11. זז s. 99 No. 113: ארדנרו כבה; im Kai ist כבה intransitiv und nur im Piel transitiv. Cfr. Spr. 31,18 bezw. 2 S. 21,17. Die bisher aufgeführten und noch einige ähnliche Fehler sind in den — zu Ende des Buches gegebenen — Berichtigungen (תקונים) nicht verbessert; indess halten wir mit Hinblick auf den sonst in dem Werkohen sich kundgebenden philologischen Bildungsstand des Dichters die meisten jener Fehler für — Flüchtigkeitsfehler S. 109 No. 151. Diese No. und einige andere Gedichte resp. Strophen behagen uns nicht. Wir sind allerdings die Letzten, die dem Dichter eine gewisse Art Prüderie und ähnliches Verhalten empfehlen — doch scheint uns dort die Schranke des Erlaubten schon gestreift zu sein, und das contrastirt namentlich auch mit der schlackenlosen, keuscheu Vornehmheit, von der sonst das Denken, Empfinden und Wollen des Dichters getragen wird. Zumeist recht gelungen sind auch die Ueber- Setzungen aus verschiedenen Sprachen; 80 z. B. das Clärchen-Lied aus Göthe’s Egmont (No. 50), הנפש (die Seele) überschrieben, das der Autor für das Jüdische Litteraturblatt ins Hebräische übertragen hatte*. 1 Schon aus diesem einen Beispiel wird der Kenner des Hebräischen ersehen, in wie hohem Grade die zauberhafte Schönheit der heiligen Sprache dem Dichter zu Gebote steht — der Sprache, von der Herder (Geist der Ebräischen Poesie) rühmt, ״ein Gott habe sie für kindliche Menschen erfunden“. Möge sich an der Gabe des Herrn M., für die wir ihm herzlich danken, das Schluss wort derselben *) Siehe Litteraturblatt ISS'.(. No. '££. S. SH.