Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 14 (1885)
- Issue
- N° 10. (5.3.1885)
- Date
- 1885-03-05
- Page
- Seite 40 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- 40 - vielerorten erfüllen; wir übertragen die betr. Strophe in unser geliebtes Deutsch: In eines trenen Freundes Haus ich kam, Erlabte mich in seinem trauten Kreis; Was ich gesungen — dorten ich vernahm: Es war geprägt in seines Herzens Gleis. Brandenburg a. d. H. Dr. Krön er.*) Bericht über die am 17. December 1884 vom academisehen Verein - Kadimah“ veranstaltete Makkabäer-Feier. Wien 1885. Druck von Moritz Knoepflmacher. Wollen Sie eine litterarische Besprechung dieses Heftes, so werfen Sie meinen Bericht bei Seite. Denn nicht, dass und ob die jungen Herren schön gesprochen haben, ist es, was mir die Feder in die Hand drückt, sondern ein Wichtigeres, ein Zeichen der Zeit, die Nationalitätsduselei, welche dem ganzen Gebahren eine verzweifelte Aeknlichkeit mit dem Begeistertsein von Trunkenen verleiht. Sicherlich haben nur die Namensjuden (die Antisemiten mit semitischen Nasen) höhnisch die Achseln gezuckt, als in dem Vereine Kadimah sich die Regung in der studirenden Jugend bekundete, fester und inniger mit ihrem Judenthume zu verwachsen, zugleich in ihrem Fachwissen, wie in religiöser Erkenntniss vorwärts zu gehen und so als gelehrte und gebildete Juden in die Praxis zu kommen! Dass die Jugend in Alles etwas Ueber- Kohwaengliches.eirie gute Dosis Unklarheit hineinbringt, — das muss sein. Denn es muss Vieles verschüttet werden, Vieles abgähren, und soll doch noch etwas Rechtes übrig bleiben! Was denken sich aber diese Herren, welche als Aerzte, Juristen und Lehrer in den Staatsdienst, in des Volkes Dienst, treten wollen, unter dem jüdischen Volksthume, das sie zu regeneriren streben? In dem völkerreichen Oesterreich konnte ja dieser Gedanke leichter auch klardenkende Menschen beirren. Aber selbst dort — kann auch nur ein Volkssplitter bestehen ohne ein eigenes Ländchen? Dieses Volksthum des Judenthums aber hat seine Heimath nur im Wolkenkuckuksheim der Phrase. Ebensowenig, wie alle Katholiken der Welt, unbeirrt von Abstammung und Sprache, um deswillen ein Volk bilden, weil sie bestimmten Orten gemein• same heilige Scheu und Verehrung widmen, weil sie eine gemeinsame Sprache des Gottesdienstes haben, ebensowenig ist das Judenthum ein Volksthum. Wir sind eine Religionsgenossenschaft und wer Kofer beikkur ist, gehört trotz ״Race und nationaler Idee“ i nicht zu uns! Die 4 Ellen der Halachah, das ist : Gottes Heiligthum und nicht ein heiliges Land; — : Babylonien ist den Talmudisten wichtiger als Palä- 1 stina. Darum kann nur wer ״Zukunftsträume trunken “ist (wie’sj im Berichte heisst), das Vo'lksthum uns als Ziel nennen! Gelegentlich sei bemerkt, dass nirgends jüdisches,oft aber österreichisches Deutsch die Leser״ draussen im Reich “ärgert und aufstört. Da kommt nun der Festredner und stellt als Mediciner die falsche Diagnose, dass wir, die wir Deutsche, Polen, Russen u. s. w. sein wollen, vom Judenthume fortgeschritten seien. Du lieber Gott. Es stimmt ja Alles, nur dass die Symptome auf Religionslosigkeit hinweisen und nicht auf Volkslosigkeit! Freilich Volksthum kann man haben, ohne selbst Tischo beaw zu fasten, Religiou aber nur mit Sabbath, Koscher und so vielem Andern, was mindestens genirt! Es ist ja sehr pathetisch, in der jüdischen Nationaltracht des Fracks, unter dpn Klängen des jüd. Nationalliedes Gaudeamus *1 In vor. Nr. ist in der ״Berichtigung“ zu berichtigen: ,.!ilid. 1111 )1 (nicht )lach)“. igitur, in den Lauten der jüdischen Nationalsprache Deutsch genannt, (wie Viele der begeisterten Natio nalisten haben die eine hebr. Rede verstanden?) au die modernen Hellenisten zu schimpfen, welchen da Volksthum eine Thorheit, dagegen der Glaube anGott, da: Beobachten seiner Gesetze die Wahrheit des Leben! ist! Die Tänze waren sicher ganz in nationaler Weisen und in nationaler ]״״genart gehalten! —) Dooh, was die jungen Leute da gesprochen, man sollt* nicht viel Aufnebens davon machen, denn besser ver• kehrte Ideale, als gar keine. Wenn aber gereift( Männer sich dazu hergeben, die jungen Leute in dem verkehrten Wege festzuhalten, sie hineinzudrängen so ist kein Tadel dafür scharf genug. Da ist zuers’ der in allen Sätteln gerechte Dr. J. S. Bloch, Rabbiner der Reformriohtung, der von den galizischen Chassidim in den Reichsrath gewählt ist, ein Herr, der wohl kaum polnisch sprechen kann und Mitglied der Polenfraktion ist, der sich mit unvergleichlicher Versabilität jetzt als das ״reine Oel“ herausspielt, das gegen die ״ Assimilatoren“ spröde thut und in sich den Berul findet, eine nationale jüdische Fraction für sich allein zu bilden! Aber dabei bleibt’s denn auch, denn das Volksthum, das er schildert — ist doch nur — die! Religion! Herr Abgeordneter, denken Sie an Ihr eigenes Wort: ״Was nützen alle spitzen Nägel wenn' die Wand, in welche sie hineingeschlagen werden, faul und morsch ist! “ Da ist unter den korrespondirenden Mitgliedern Mancher, der von dem Volksthum wohl nicht sehr entzückt sein wird. Wir schätzen z. B. Dr. Kayserling dafür, der sicher nur den § 2 des Statuts ernst nahm ״Pflege der Litteratur und Wissenschaft des Judenthums“.) Neben manchen Anderen entlocke! uns auch unseres praktischen Dr. Rülf Namen die alte Klage: Es thut mir in der Seele weh, dass ich Dich in dieser Gesellschaft seh’! — Denn es fehlen alle klangvollen Namen Wien's — kein Jellinek, kein Güdemaun u. 8. f. Mögen die ernsten, besonnenen Männer den Verein zu seinem wichtigen und edlen Zwecke zurückführen Nehmt es nicht leicht, es wäre schlimm, wenn di( circa <10 jungen Herren beim Scheitern der National idee um ihr ganzes Judenthum betrogen werder sollten. Coblenz. Lew in. Notizen. 1. Gtidemann in seiner ״Geschichte des Erziehungswesens um der Cultur der Juden in Italien“ erwähnt S. :W4 Note XVI eitle Zauberformel, der man sich nach dem medicinischen Buch! Asaf beim Schlachten eines gewissen heilkräftigen ,L'hieres be diente, sie lautet «נגילום אונום אכרם פח־פייחר סרים סר סירמוניוום כונפליטור. Steinschneider Hebr. Bibi. XII, Sb (di׳ uns nicht voriiegtl soll nach Giidemann nur das erste W01׳ richtig geloscn haben. Der Autor liest nach Analogie ci! J 111 .צ den ״neuautgehnidenenBibelhnnilsehritten“, dieHarkay näher beschrieben, bildet sich im Buche Ester 2, 21 folgend! הי כראית בנתן יחדש שני סרים, המלך משומר, הסף :Zusatz יד בי אחרת משיבה אי בית הנשים שני ויבקשו לשלוח H. bemerkt mit Hecht, dass es grammatisch hätte heissen müsse1| (״ בי אחרה מלשוב (משובder man muss!• annehmen, dass di] beiden \V orte ,אהרת משכר corrumpirt seien für אחותם ״ שבך,!lass ihre Schwester zurückgekehrt sei“. Das Letztet; ist ziemlich unverständlich; denn datiir,!lass Ester die Schwest! der beiden Thürsteher gewesen sein soll, bildet sich unser! Wissens nirgends ein Anhalt, weder im Text noch in der Trdat ioi anderen zur Stelle citirten Formel statt אונום cujus und ״ בונפליטורnon tallitur“. Einen Sinn ergiobt Jauch diese Lesu^n! nicht. Ueberdies ist cujus in der anderen Formel לן1יוש & schrieben, was doch mit אונום nichts gemein hat. Wir glaube!lie Formel muss so gelesen werden: ,,Angelus unus oder uuiu Abraham propter suam caerinionium non tallitur“. Es soll vo dem Schlachten des heilsamen Thieres auf die Schlachtung de פקידה angespielt werden. 0ר ist Dittographie. Caro — l'ilse Verantwortlicher Kedac.teuv Dr. Kahuier, Magdeburg Druck von D. L. Wollt', Magdeburg. Verlag von Hobert Friese, Leipzig]