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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1885-02-26 · N° 9. (26.2.1885) · p. Seite 34

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
14 (1885)
Issue
N° 9. (26.2.1885)
Date
1885-02-26
Page
Seite 34 (sequence 2)
Language
German
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An Isachar tadelt Jacob den Mangel an Frei* der harte Shylock Shakspere’s, wo die rohe Habsucht heits«.»nn und idealem geistigen Streben (V 14'. der Marlowe'schen Carricatnr beinahe znra tragischen 1-aehar’s Besitzthum im heiligen Lande wurde die Schicksal idealisirt uud der getretene, Hass mit Hass fruchtbar«• Kbeue Jesrcel zwischen Jordan und Karvergeltende Jude zum typischen Vertreter seines mel Isachar trieb!lort Ackerbau und Viehzucht und Stammes geworden ist, und nach abermals zehn war glücklich mit der reichen Ergiebigkeit des Bodens Jahren erscheint der ״ Jnd' von Venedig“, von den wie .lein üppigen Leben, welches ihm da geboten englischen Komödianten importirt■,*! mit theilweise wurde. Ks gab zwar dort schwer׳.• Arbeit, aber tlie anderen Motiven auf österreichischem Boden, um den halten Ja. ob’s Söhne nie g»*scheut, am wenigsten die Grazer Hot in Furcht uud Mitleid zu versetzen. E< s.diweiv Arbeit des Ackerbaus Jacob rühmt es an ist nicht der klarste Zusammenhang zwischen den I'׳a׳.׳har. dass er arbeitet wie ein lastentragend.*r Esel, drei nach Zeit und Ausführung auseinanderliegenden aber er tadelt es. da<> dabei allein er sich glücklich Stücken, aber die ihuen gemeinsamen Züge sind fühle und genug habe an seinem irdischen Besitz und wohl im Stande, «las Interesse des Forschers iu uu- Genuss; ihm gebe zmu Verdrösse seines Vaters das gewöhnlichem Masse gefangen zu nehmen, hoher.׳ Streben nach Freiheit und den idealen Besitz- Nationalität und Confession des dramatischen thüinert! des Geistes ab. Also auch gegen den Mat.-rialisiniis -.•inet• Kinder, welchen mau heute so hantig bei Israel als allgemein und erblich tadelt, wendet sich Jacob, wo er ilni vereinzelt bei seinen Kindern findet Auch Pan erfahrt Tadel ■V lt» ll'.'i, und zwar weg. n seiner Hinterlist und Tücke. Diese bösen Eigeiiscbalt-n seines S0111.es gehen Jacob so zu Herzen, dass ihn! v..r dem moralischen Verfall und der imglücklichen Zuknnlt -eines Kindes hangt. Er tiihlt sich dein gegenüber ratliuud machtlos und weiss nicht- Besser׳'-, a!< ׳las zukünftige Geschick seines Kinde- Hott, anzuvertrauen. Er bricht in die Klage aus. die aber gleichzeitig erhebende Tros!esworte für ihn sind: ״An! Deine Hülfe, o Gott, holle ich!“ Er v -rtraut, dass Gotte.- Gnade c> noch zmu Guten mit seinem Kinde machen und für dasselbe lenken wird.*) A'.-o auch gegen Hinterlist und Tücke wendet sich Jacob : 1it aber Energie seines sittlichen Streben« un׳l Bewusstseins und warnt seine Kinder und zukünftigen Geschlechter davor. Er bollt zu G׳>tt, dass . s -o sein werde. 1*111 doch sollen alle di.-se Untugenden. welche Jacob an einzelnen seiner Kinder in aufrichtiger Treue tad.lt und wovor >*r sie in vä׳.׳rlicl1er Für- >org< \v. allen -.•inen Kindern eigen gewesen und a.!»11׳ seinen Na. ldo.mmen in väterlicher Vererbung eigen geblieben sein I Di•' Kinder sollen vom Vater geerbt halnoi. was dieser nie besessen hat! W ir beritten migegen unsere lal-eheii Ankläger aut davorliegende Z'-ugniss im Segen Jacob's. Jacob hat. a -יי wirklich die Geschick•* seiner Kinder und Nachkommen himit unser׳• Tage vorausgaselien, sie au! falsche A״klag<01 v.n!)»•reitet nud im Voraus sie ׳!rtg-geii vert heidigi! It.-A. Her Jude von Venedig. Kille 1 i 1 I c I U 1'!1 i ' ' ' I i <■'11,' Stll.lie Von l.eon Kellner. Ein»? »1er merkwürdigsten Erscheinungen in der t»»■'L'hiclue »les altonglischcn Drama's ist. »las plötzliehe Auftuueh«•» eines exoti-chen Gewächses, wie mau cs seit •lein dritten Eduard in England nicht mehr gesehen hatte: eiu J u ׳Ie wird der Titelheld einer gro.-sartig angelegten Tragödie, fasst Fuss .auf »len Brettern »10s Shakespeare'sehen Theaters, nra erst mit dem beginnetulcti Verfall der glorreichen Elisahetlianischen Litteraturperiode aus dem Repertoire zu verschwinden. Marlowe stürmte als das erste der dramatischen Kraltgenies jener Sturmnud Drangperiode mit dröhnendem Kothurn auf die junge Loudotier Bühne, und einer seiner grössten Erfolge war ״Der Juile von Malta“. Es folgt, eiu Jahrzehüt später,! 1 Dies ist wohl »lio -eiuta»1!־«tv Krklarung »les schwierigen 1 ל״גז־עוזך!v. 1*.» Helden sind an und für sich bei einem englischen Dichter des Di. .Jahrhunderts eine ungewöhnliche Erscliciuung: wenn aber der Jude, wohlgemerkt der Jude «les .Mittelalters — und für die Juden erstreckt sich diese Periode bis in den Anfang unseres Sticu- Imus — wenn »lie«es Symbol der Angst und Besclieidenheit in offenem Kampfe gegen den Christen die (»Ifensive ergreift mul in trotziger Herausforderung bei Marlowe .!er ganzen maltesischen Christenheit, bei Shakspere mul dem englisch-österreichischen Komödianten der venetianischei! Signoria die Spitze bietet, so haben wir es hier nicht ausschliesslich mit einer dichterisch״!! Erfindung zu tlum. Wann aber hat der Jude soviel Macht und Einfluss unter »lei! Völkern besessen, um es in solcher Weise mit den Christen aufnehmen zu können? Ist dem Historiker oine Zeit bekannt, und wäre es nur eine kurze Spanne Zeit, in welcher ein Shylock es wagen durfte, ein wahnsinniges Attentat auf das Leben eines edlen venetianisehen Bürgers zu unternehmen, ohne «lio Lynchjustiz au! sich und sein»• Stammesgeuos-en zu hetzen)׳ Der Titelheld »les Mar!״wt*’sehc11 Stückes bietet uns kein••!! lest ■11 historisch׳•» Boden, Shylock präsentirt sich sch11״ durch seinen abenteuerlichen Namen als ein Gebilde »1er Phantasie. Wie aber in der Pflanzen- und Thierwdt eine unscheinbare Varietät• zuweilen di•* ursprüngliche Gestalt, der ganzen Gattung am getreuesten bewahrt hat, wie in der Sprach- Wissenschaft ״ft ein verachteter Dialekt ׳!׳•n Forscher an! die rieh׳ ige Fahrt« bringt, so scheint, auch in der dramatischen Fabel vom Juden gerade die letzt״ und scheinbar entartetst.»• Form derselben aut den histori-ch'ti Ursprung des S.igeiigewbes zu führ••» Das Gemeinsame in de» drei Stücken ist der t'idtliche Hass des Ju len gegen den ('hrist.M11; in den Motiv. » g״hen sie entschiede» auseinander Bai Marlu'.ve is* der Jude Barm bas -ollenbar ein erfundener Name in Erinnerung an die Erzählung im Neuer Testament. — zu Beginn »les S*:Vkes ein reicher Jude auf Malta Plötzlich wird ilie Insel von der türkischen Flotte bedroht, die Johanniter sollen einen ungeheuren Tribut entrichten In ihrer N0111 nehmen sie zu den Reicht,liiitnern der Juden ihr.» Zuflucht Jeder Jtnle soll »lie Hälfte seines Vermögens hergeben oder zum Christenthum übertreten; Wer auf keine der beiile» Propositionen eiugehen will, soll das ganze Vermögen verlieren. Barrabas, als dessen Schutzpatron sich Machiavell im Prolog eingeführt hat, scluünt so verstockt stupid, sich der dritten und härtesteu Calamität auszusetzen. S-*in Vermögeu wird confiscirt und sein Hatis' in ein Nonnenkloster verwandelt. Aber »ler schlaue Jude hat in diesem sein eigentliches Vermögen versteckt, und nun muss seiue “) Zum ersten Male nach einem Manuscript 11׳׳ k. k. 1101■ läMmthck h»׳raus״eg«ben von •loli. Meissner in seinem lein׳- reichen Buche ״Die englischen Kmn״liante11 iu Oesterreich•■. Wien, Kouegcu, IS■''!.

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