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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1885-02-19 · N° 8. (19.2.1885) · p. Seite 31

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
14 (1885)
Issue
N° 8. (19.2.1885)
Date
1885-02-19
Page
Seite 31 (sequence 3)
Language
German
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i&s belebende Nass zu schöpfen. Diese ״Mutter“ ist!albst genährt Worden vom göttlichen Mann&h, dartun 1at sie es vermocht, die Lehren und Gedanken des Judenthums in die herzlich-schlichten Worte der lebenden und sorgenden Mutter zu kleiden. Wer lie Verfasserin ist, braucht nicht deutlicher gesagt cu werden, als es der erste Herausgeber gethan hat, la er die aus England stammende, in Deutschland!lebende Schriftstellerin, welche demFrankfurterRabbiner [gestattet, ihr Werk zu übersetzen, bezeichnet als ״mit Grlücksgütem reichlich gesegnet, als ״eine Mutter der Armen“. Nachdem 1870 eine zweite Auflage in London erschienen ist, hat Herr Rabbiner Dr. Plaut di6se um 3 Nummern vermehrte deutsche Ausgabe besorgt. Mit Recht hebt dieser Herr hervor, dass in den herzgewinnendsten Formen in den 23 Abschnitten ״das Göttliche im Gewände des Reinmenschlichen“ uns entgegen tritt. Weniger vermögen wir es, Steins Maiauug beizupflichten, dass diese mütterlichen Reden keinen confessionellen Charakter tragen. Wenn lie Sabbathfeier nach der Auflassung des Judenthums schöner haben wir ihre Bedeutung für die Reichen noch nirgends ausgeführt gesehen), wenn die Fülle unserer Sittengesetze und unserer religiösen Lehren interconfessionell geworden sind, ist uns die messianische Zeit angebrochen, denn das ist unsere Zukunftshoflnung, das die ״Weltherrschaft des Judenthums“, welche der Philosoph des Unbewussten nioht zu begreifen vermag, weil ihm die Idealität des Judenthums zu erhaben ist. Wir als® sind stolz auf diese ״Gedanken einer Mutter“, weil sie nicht allein aus der Bibel ihre Texte holt, sondern, weil sie ״Gedanken einer jüdischen*) Mutter“ sind. S. 81 z. B. in der Ausführung der Gottesfrage, wie wir unsere Zeit hienieden verwendet haben, ist sicher ein Nachhall des bekannten Midrasch במה לסקת. Was hast Du auf Erden gethan? —• S. 115 Das von der Welt nicht beachtete Heldenthum ״ איזהו נבר, הכובש את יצרוein Held ist, wer seine Begierden, wer die in ihm erwachte Lust bezwingt“. Neben vielem Andern sind die 3 letzten Reden, (der Midrasch, wie Abraham Gott erkannt hat, die Charakterbilder von Moses und David) vollgültige Zeugnisse für das ,jüdische“ Gepräge des Buches. Nur No. 19 fallt aus dem Rahmen des Ganzen und hätte es dabei für deutsche Leser der Angabe bedurft, welchen Künstlers Entwickelung durch den Hinweis auf die Natur, durch: ״Betrachte das Werk Gottes“ (Kohel. 7.15) gefördert worden ist. Deshalb wünschten wir, dass in jedem gebildeten jüdischen Hause dies Büchlein gefunden, gelesen und benützt würde — dass es an vielen Stellen mitarbeiten könnte, das Herz der Kinder und der Eltern zu einen und beide vereint dem himmlischen Vater zu nähern. Coblenz. Lewin. Mission des Jaifs. Par 1’ Auteur de la Mission des Souverains. Paris, bei Oalmann Levy 1884• 947 S. 4. (Fortsetzung.) In den allgemeinen Fragen der Theologie Anden sich bei dem Verfasser kühne Behauptungen. Er unterscheidet einen esoterischen und exoterischen Sinn der heiligen Schrift, nur in ersterem findet er den *socialen Geist der Religionen wieder. Er befolgt die!denkbar freieste Auflassung der heiligen Schrift, den ■Buchstabenglauben nennt er einen Materialismus in ן Lettern. Schöntund wahr nennt er die Quelle aller Religion nicht Furcht, sondern Wissen. Wissenschaft und Religion decken sich ihm vollständig. Nach einer gewiss beaohtenswertheu Ansicht unseres Verf. hört die Religion auf, eine schöpferische Macht zu sein, ja, sie büsst ihre Autorität, ihren Vorrang vor Empirismus und Staatspolitik, ihre Herrschaft über die Geister ein in dem Augenblick, da man versucht, das Wogen und Finthen ihrer Ideen in Glaubensöder Gesetzesformalismus einzufangen. Sie müsse fluthendes Leben bleiben, wenn anders durch sie fort und fort Leben erzeugt werden soll, lu dem officiellen Cultus schon erblickt er eine Gefahr für das eigentliche Leben der Religion, denn nur zu leicht verbinde sich damit das Streben nach geistlicher Herrschaft, das religiöse Parteiwesen, in denen unleugbar das wahre Leben der Religion erstickt wird. Und die Geschichte wird ihm vielfach Recht geben. Ist doch selbst an den Tempelstufen des Moria, worauf unser Autor auch verweist, in den Zeiten des Niederganges von Staat und Heiligthum der Gegensatz eines mehr und mehr verweltlichten Priesterthums und der durch die Propheten repräsentirten lebendigen Religion offenbar geworden. Auf der anderen Seite erblickt er das Geheimniss der Stärke der alten Religionen in der innigen Verbindung, der gegenseitigen Durchdringung von Glaube und Gesetz. Ich bin damit bei dem Punkte angelangt, ein Wort noch von des Verf. Historiographie zu sagen. Er selber bezeichnet sein Buch als ein Geschichtswerk, in welchem man Leben und Wirksamkeit der Religionen durch alle Phasen des Völker- und Staatslebens verfolgen kann. Die Geschichte illustrirt von Anfang bis Ende des Buches sein social-religiöses Programm. Das Entlegenste, wie die ägyptischen Priestermysterien, die Lehre Zoroaster’s, des Buddha, die Ordensregeln des Pythagoras, aber auch Näherliegendes, wie das social-religiöse Programm Mose’s und Jesu’s, finden sioh in dem Bereich seiner Geschichtsskizzen einbezogen, in denen er sorgsam den Spuren socialer Ideen in den Religionen nachgeht. Liebe zum Gegenstände, eine vielseitige, universelle Bildüng zwingen bei unserem Buche Bewunderung ab, vor allem aber ist es eine ungemeine Schärfe im Urtheil, die unerbittliche Wahrheitsliebe, die Originalität in Klarlegung und Würdigung zahlreicher historischer Ereignisse, historischer Thatsachen, die an dem Buche fesselt. Da ist mit der Fackel objectiver Wahrheit hineingeleuchtet in die Geschichte der Griechen und Römer ebenso wie in die Israel’s. Wer mit den Anschauungen herantritt, wie sie durch die glänzenden Schilderungen in den gewöhnlichen Lehrbüchern der Weltgeschichte genährt werden, wird den Nimbus, den Glorienschein vermissen, mit welchem man sonstPersonen und Thatsachen der Geschichte Athen’s und Rom’s umgiebt. Aber es ist doch wohl kein Schade für die Wissenschaft, wenn einmal die Geschichte jener Völker, die man par excellance als die klassischen bezeichnet, in das Lioht prophetischer Weltanschauung,! die sich durch keinen äusseren Sohein bestechen lässt, j gerückt wird. Es ist nicht einmal eigentliche Geschichte, die die ״Mission“ dar bietet, vielmehr sind es allgemeine Ideen, leitende Gesichtspunkte zur Charakteristik der anderwärts gegebenen Ereignisse und Thatsachen. Es ist unmöglich, die ganze Fülle der geistreichen, köstlichen Aperiju’s, die das Buch nach dieser Seite hin bietet, hier wiederzugeben. Nur einiges noch zum Schluss, was das Judenthum und jüdisohes Leben näher berührt. (Schluss t'olj^t.) Berichtigung. In vor. Nr. S. 20, Sp. b lese man: Z. 27 v. o. Jargon statt Japan. ״ ״ 31 ״ Simeon 11. Issachar statt •Simara u. lsaschas. .. 07 .. .. ist das statt in das. *) Das weltvergessene Klosterleben ״mag frei von Bösem sein, aber kann es auch wirklich Qutes hervorbringen?“ (S. 381.

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